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Die Welt hinter der Fassade (1)

Mannis Fotoprojekt Nr. 18 umfasst dieses Mal Fassaden aller Art. Das trifft sich gut, denn wo immer ich bin, fotografiere ich die als erstes. Man ist – zumindest bei einem Städtetrip – von selbigen umgeben. Fassaden sind nicht nur leere Außenhüllen, sie fungieren als Charaktergeber einer (Alt)stadt.

Zu jeder Fassade gibt es eine Geschichte. Komm mit auf eine kleine Weltreise! Wir schleichen entlang der Häuser, lassen den Blick an den Mauern empor wandern und stellen uns die Frage nach dem „Dahinter“. Denn um die Fassaden soll es hier gar nicht gehen. Jedes Haus ist vielmehr als das, was seine Wände, seine Fenster, seine Türen uns zeigen. Die spannendsten Geschichten habe ich für euch rausgesucht.

Amsterdam, Niederlande

„Allein in einer fremden Stadt…“ trällerte ich vor mich hin, während ich munter marschierte. Der Rucksack auf meinem Rücken wurde indessen immer schwerer und der Weg zog sich. Windböen und Regenschauer wechselten einander ab, und ab und zu funkelte die Sonne durch die Wolken und beleuchtete regennasse Straßen. Zeigte den Zauber der Stadt und den Grund, weshalb ich mitten in Februar hierher gekommen bin. Ich habe Amsterdam so lange schon vor mich hergeschoben. Doch dann fasste ich mir ein Herz und buchte, wartete nicht mehr, auf nichts und niemanden. Und jetzt war ich endlich da.

Das jährliche Lichterfestival war es, das mich in dieser kalten Jahreszeit in das vielbesungene „Venedig des Nordens“ lockte. Doch ich erlebte so allerlei Dinge, flanierte durch die Stadt, rätselte auf schwimmenden Blumenmärkten über die vielen Cannabissamen und blamierte mich abends in Coffeeshops ob meiner Unwissenheit. Wurde von Unbekannten gerettet. Wie so oft auf Reisen…
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Swakopmund, Namibia

Wie, es sieht euch alles so deutsch aus? Richtig beobachtet. Namibia war von 1884 bis 1915 ein deutscher Kolonialstaat, und das machte sich in solchen Auswüchsen wie das heutige Swakopmund bemerkbar. Während Stefan noch eine gewisse Begeisterung aufbringen kann, finde ich die altdeutsche Schrift, die mir die Stadtmitte wiest, in einem afrikanischen Staat nur noch skurril. Ich fliege nicht um die halbe Welt, damit es am Ankunftsort so aussieht wie zu Hause! Doch trotz alle Vorbehalten ist Swakopmund, der wohl kälteste Ort Namibias, ein wichtiger Teil der namibisch-deutschen Geschichte.

Als wir in der Küstenstadt ankommen ist es zunehmend kalt. Das nicht nur meteorologisch, obwohl sich die Thermometeranzeige bereits Kilometer zuvor beginnt zu senken. Nein, in der Stadt selbst herrscht eine kühle, seltsame Stimmung. Menschen mit Mützen und Ohrenschützern beäugen uns misstrauisch und wir fühlen uns zunehmend unwohl. Aber lest selbst:
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Bonn, Deutschland

Zugegeben, die Kirschblüte lenkt sehr von der schmucken Fassade ab. Oder ergänzen sich die beiden gar? Ist doch die Fassade ebenfalls in einem zarten Rosa gestrichen, fast so, als ob sie der schönen Blüte huldigen wollte…

Einmal im Jahr ist die Bonner Altstadt voller Besucher. Sie stehen staunend da mit erhobenen Köpfen und starren Mündern und nehmen nichts mehr um sich herum wahr. Auch nicht die geduldigen Autofahrer, die stoisch versuchen, sich im Schritttempo einen Weg zu bahnen. Denn die restliche Zeit des Jahres ist die Allee, die durch die Altstadt führt, keineswegs eine verkehrsberuhigte Zone. Doch heute scheinen die üblichen Regeln nicht mehr zu gelten. Zu sehr sind die Besucher mit dem Naturspektakel beschäftigt. Die Anwohner kennen das alles schon…
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Breslau, Polen

Alle Welt pilgert nach Krakau. Als ob es das einzige wäre, was mein Heimatland zu bieten hätte. Leute, kommt nach Breslau! Schaut doch mal, wie schön es hier ist. Und wenn euch schon die wunderschönen Häuser nicht überzeugt haben, vielleicht überzeugen euch die Krasnale, kleine Zwerge, die es hier an jeder Ecke gibt und die kleine Kinder begeistert suchen. Oder Przedwojenna, das Bistro mit dem besonderen Flair und einer Einrichtung, die wirkt, als hätte Opa seinen Keller ausgeräumt. Und wo ihr den besten Wodka der Stadt bekommt. Nein? Dann, für die Jäger der Historie, eventuell die Klosterinsel, wo sich noch heute Kirchen und Klöster aneinander reihen? Der große Breslauer Zoo mit seinen Unterwasserwelten? Entspanntes Kajakfahren an der Oder? Breslau ist wunderbar. Lass dir dieses Juwel nicht entgehen!
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Amman, Jordanien

Zum damaligen Zeitpunkt weiß ich noch nicht, dass Amman ein Streetart-Mekka ist. Jedes Jahr trifft sich die Szene, um der Welt im Rahmen eines Streetart-Festivals ihre Werke zu präsentieren. Und dabei werden selbst sensible Themen angegangen. Mit entsprechendem Respekt und Vorsicht, versteht sich.

In dieses riesige Mural, welches die Hauswand verziert, kann man so vieles hinein interpretieren. Zwei Geschlechter, ein Gesicht. Frau oder Mann? Oder sind beide eins? Was spielt es am Ende für eine Rolle…?

An diesem Abend, als das Foto entstand, verlor ich mich in den Souks von Amman, wo sich Obst-, Fleisch-, Stoffe-, Parfüm-, und Waffenhändler (ja, es gibt einen Waffensouk…) aneinander reihen. Dabei begleitete mich Mira, eine erfahrene Reisende, der ich zufällig im Hostel begegnete. Und sie ist war, die mich immer tiefer ins Gewirr der Stadt entführte…
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Straßburg, Frankreich

Was, ihr dachtet, dass das pittoreske Straßburg nur aus Storchen und Fachwerkhäusle besteht? Ich werde euch zeigen, dass dem nicht so ist. Diese leicht futuristische Aufnahme ist auf einer Streetart-Tour entstanden, denn neben moderner Architektur findet sich unvermutet viel Graffiti in den Straßen der Stadt. Straßburg kann angestaubt, ja – aber die Stadt kann auch modern.

Als die Aufnahme entstand, traf ich meine neu erworbene Kusine zu einer Streetart-Tour durch Straßburg. Aneta* studiert in Polen Fotografie und macht hier vor Ort eines ihrer Praktika. Sie ist Streetart-begeistert und möchte mir die Stadt zeigen. Und wenn man die Augen offen hält, verbirgt sich in Straßburg ein ganzes Sammelsurium vieler, mehr oder weniger gut versteckter Werke.
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Finanzzentrum London

Gesichtslose Menschen in uniformer Kleidung, das Handy am Ohr, laufen seelenlos durch die Straßen. Angespannter Ausdruck, angespannte Körperhaltung. Sie wollen hoch hinaus, oder sind bereits ganz oben angekommen. Sie jonglieren mit Summen, bei denen mir schwindelig wird. Sie werden bis in den späten Abend hier bleiben, bis sie, vollkommen ausgebrannt, am Abend mit der Tube nach Hause fahren. Oder sie arbeiten gleich die Nächte durch, wie die vielen Bänker, die sich hier tummeln. Jeden Tag strömen an die 200 000 von ihnen in eines der wichtigsten Finanzzentren der Welt. Sie wirken getrieben. Angestrengt. Müde.

Denn die sozialen Gräben in London sind tief, das zeigen mir tagtäglich die omnipräsenten Obdachlosen, die nicht den Anstand haben, sich in eine dunkle Ecke zu verdrücken. Nein, sie sind da, beim Tageslicht gut sichtbar mitten in der Stadt – unser aller schlechtes Gewissen. Ein Fingerzeig darauf, was alles schief läuft. Und es werden mehr. Seit der Sozialreform 2013 sitzen unzählige Menschen auf der Straße. Diejenigen, die einen Job haben, tun alles, um ihn zu behalten. Ein schneller Schritt. Aktentasche in der Hand, immer auf dem Sprung. Niemand möchte dort unten landen…
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*Name wurde auf Wunsch geändert

Kasia

Hi, ich bin Kasia, die Stimme von "windrose.rocks" :-)
Treibt Dich die Frage um, was sich denn alles jenseits der heimischen Couch verbirgt, bist Du rastlos und neugierig wie ich und spürst den Drang in Dir, in die Welt hinaus zu gehen? Dann tue es! Ich nehme Dich mit auf meine Reisen und lasse Dich hautnah das Unterwegs sein miterleben - in all seinen Facetten. Lass Dich inspirieren, komm mit mir und warte nicht länger, denn... die Welt ist so groß und wir sind so klein, und es gibt noch so viel zu sehen!

Die Welt wartet auf uns.

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18 Kommentare

  1. Ach Kasia, gieß du nur weiter Öl in mein Fernweh-Feuer! Als ich den Text zu der Street Art in Amman las, wollte ich SOFORT in den nächsten Flieger. Was hoffentlich aber schneller zu realisieren ist: Breslau. Die Stadt steht schon länger auf meiner Liste. Von Berlin aus gibt es seit einer Weile den sogenannten Kulturzug dorthin. Den werde ich nehmen – sobald ich darf.

    Tolle unterschiedliche Fassaden hast du uns hier in diesem Beitrag vorgestellt. Du hast wirklich ein gutes Auge dafür. Danke!

    1. Ach liebe Elke, das mache ich doch gerne… warum soll ich auch alleine daran leiden 😉 Geteiltes Fernweh ist halbes Fernweh (mal schauen, ob diese Theorie funktioniert 😉 )

      Amman, oder besser: Jordanien – war toll. Landschaftlich. Und auch so. Da wir einen sehr versierten Guide hatten, haben wir in kürzester Zeit fast jedes Eckchen gesehen. Der kannte Abkürzungen und Wege, die waren gar nicht auf meiner Maps App.

      Breslau kann ich dir unbedingt empfehlen. Und wenn du schon mal dort bist und Museen geöffnet haben, ein Tipp von mir: es gibt dort das Moviegate, das Museum des Weltkinos. Es befindet sich unterhalb der Stadt. Dort werden Exponate aus bekannten Kinofilmen ausgestellt. Ich war selbst noch nicht dort, will es mir aber unbedingt anschauen. Sobald es geht…

      1. Na dann will ich mal nicht so sein und teile das Leid mit dir 😎. Amman ist jetzt auf meiner Bucket List gelandet. Ich habe gerade mal deinen Bericht überflogen – ich lese ihn in Kürze dann mal richtig und in Ruhe. Darin hast du den Namen des Guides geändert. Darf ich dich ggf. später einmal um eine konkrete Empfehlung in Sachen Guide bitten?

        1. Natürlich 😉 ich habe den Namen des Guides geändert, weil er uns in folgenden Tagen bis an die syrische Grenze und in ein militärisches Grenzgebiet gebracht hat, das war ein bisschen brenzlich. Ich wollte nicht, dass er im nachhinein Schwierigkeiten bekommt… Beschränke dich nicht nur auf Amman, oder nur auf Petra. Jordanien hat so viel mehr. Zum Beispiel kannst du ganz im Norden in Al Azraq auf einer ehemaligen Militärbasis übernachten (ganz offiziell). Allerdings habe ich zu spät erst davon erfahren.

          Was den Guide betrifft, er ist super, was das eigentliche betrifft, also unbekannte Orte und Geheimtipps. Ich habe mich immer gut und sicher gefühlt, meine Freundin auch. Allerdings gibt es ein kleines Aber, das müsste ich dir ggf privat schreiben…

          Liebe Grüße
          Kasia

          1. Vollstes Verständnis! Das hätte ich in dem Fall auch getan. Gerne erfahre ich dein Aber, per mail oder so 😎. Danke!

          2. Aaaaarrrgggghhh! Dann sind die ersten beiden Versuche in Sachen Kommentar zum Guide doch durchgegangen. Ich hatte gestern irgendwie nicht mehr auf dem Schirm, dass du Kommentare erst freischaltest, bevor sie sichtbar werden. Ich so gestern zu mir selbst: Mist! Schon wieder weg 😅! Kannst du zwei meiner drei annähernd gleichlaufenden Kommentare bitte löschen und den stehen lassen, der dir am besten gefällt? Sonst erweckt das hier noch den Eindruck, ich sei nicht mehr klar bei Verstand 🙈. Danke!

          3. says:

            Lach, die Wirkung von Mastix? 😉 klar, mache ich. Ich nutze Jetpack für die Kommentarfunktion, das hat den Nachteil, dass die Kommentare erstmal „kommentarlos“ im Nirvana verschwinden, ehe ich sie freischalten kann…

          4. Dann schiebe ich es mal auf die Wirkung von Mastix als Droge 😂. Danke fürs Eingreifen!

          5. says:

            Na klar 🙂

      2. Danke auch für den Tipp zu Breslau! Moviegate ist notiert 👍.

      3. Auf den Guide in Amman würde ich gerne bei Gelegenheit noch mal zurückkommen. Deinen Bericht zu der Stadt lese ich mal in Ruhe, habe ihn eben nur kurz überflogen. Bin jetzt total angefixt 😅.

        Danke für den Tipp zu Breslau! Das Moviegate ist notiert 👍.

        1. Ich habe nochmal geschaut, auf Facebook habe ich ihn nicht mehr. Das macht aber nichts, ich kann dir gerne bei Gelegenheit das Hostel raussuchen, wo ich übernachtet habe, der Besitzer ist sein Sohn 🙂

          1. Danke!

      4. Sehr gerne 😉

  2. Sehr faszinierend, wie die Fassaden in verschiedenen Ländern auch sehr unterschiedlich aussehen.

    1. Vielen Dank. Es kommen noch weitere Folgen des Fassaden-Projektes, ich habe nicht alle in einen Beitrag gepackt… 😉

      1. Dann bin ich ja gespannt, was noch so kommt.

        Bei mir ist die Motivation zum Bloggen leider ziemlich im Keller, denn Material hätte ich genug – unter anderem einen virtuellen Stadtrundgang von Breslau (die von Danzig und Krakau habe ich schon gepostet). Und von den vielen noch nicht verbloggten Burgen wollen wir garnicht erst anfangen. *grins*

        Depressionen sind sch…. kann ich nur sagen, Ich hoffe, ich kann den schwarzen Hund einfangen, bevor er es sich wieder so richtig gemütlich bei mir macht. Reisen würde helfen. *seufz*

        1. Liebe Gabriele, ich hoffe, dass es dir bald wieder besser geht… ich kann es nachvollziehen, man hat momentan irgendwie nichts, woran man sich festhalten könnte. Und dann noch der Winter. Bald kommt der Frühling und die vielen, langen Spaziergänge und Wanderungen 😉 Ich kann dir nur empfehlen, viel draußen zu sein. Das verändert total die Stimmung. Man merkt es nicht sofort, aber wenn man zurück kommt, fühlt man sich anders…

          Ich muss sagen, ich war noch nie selbst von Depressionen betroffen, also nimm meine Ratschläge einfach als das, was sie sind… gutgemeintes Amateurwissen 😉

          Liebe Grüße

Was brennt dir auf der Zunge? ;-)

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