Eine Streetart-Tour durch Straßburg

Kategorien Elsass, Europa, Frankreich, Streetart

Wer an Straßburg denkt, denkt in erster Linie an Storche aus Plüsch, enge Gässchen der Altstadt, viel Fachwerk und natürlich an das Straßburger Münster. Doch Straßburg kann mehr – es gibt ein modernes Straßburg mit einer sehr aktiven Graffiti- und Streetart-Szene. Dieser Fakt war mir nicht bewusst, bis mich meine Kusine Anette* anschrieb.

Anette* war im Rahmen eines Studentenprojektes mit einer internationalen Gruppe an Studierenden eine Zeit lang in der Stadt und wollte an ihrem freien Samstag mit mir zusammen die Stadt unsicher machen.

„Wollen wir nach Graffiti Ausschau halten?“ Schrieb sie mir.

Auf dem Weg dorthin stelle ich mir nun erstaunt die Frage, wieso ich nicht öfter dieser schönen Stadt einen Besuch abstatte, denn es sind von Mannheim aus gesehen nicht mal zwei Stunden Anfahrt – für einen Vielfahrer ein Klacks.

Ich parke den Wagen im Parkhaus Petit France, dem – wenn man Google glauben schenken will – wohl günstigsten Parkhaus der Stadt (1 bis 2 Stunden: 1,30 €/Stunde 2 bis 6 Stunden: 0,70 € Pauschalpreis Die nächsten 6 Stunden: 1,30 € Pauschalpreis). Das Parkhaus liegt genau neben dem Museum für Moderne Kunst, dessen Wände mit beeindruckenden schwarzweißen Bildern gestaltet sind.

Über die Passage Georges Frankhauser gelange ich auf die andere Seite der Ill, die sich hier an dieser Stelle in viele Seitenarme verzweigt. Bereits auf dem Weg hierher konnte ich vom Auto aus einige Graffitis sehen.

Der Tag ist von Beginn an bewölkt und als ich auf der anderen Seite der Passage ankomme, gießt es wie aus Eimern. Menschen, die nicht vorsorglich einen Schirm mitgenommen haben, eilen schnellen Schrittes über die spiegelglatt glänzenden Straßen. Mein Schirm liegt im Auto. Da liegt er gut – ich kehre um.

Zehn Minuten später lache ich dem Regen ins Gesicht – mit einem großen, pinkenen Schirm über meinem Kopf. Der farbkräftige Schirm verbreitet gute Laune. Und ich will mich nicht beschweren, der Regen war bitter nötig nach all den heißen, trockenen Wochen; ein Jahrhundertsommer, der in Mai begann. Was den Urlauber freut, ist für die Natur ein Fluch, die ausgedörrte Erde und vertrockneten Bäume schreien förmlich nach Wasser und auch die Landwirtschaft hat in diesem Jahr nicht viel zu lachen.

Ab und zu sehe ich Streetart an den Wänden, doch vor allem Briefkästen sind bemalt. Anette treffe ich am Straßburger Münster, an dem ich zunächst ziellos hin und her laufe. Sie schrieb mir etwas von „Wasser“. Was für Wasser, hier ist momentan alles nass?

Sie ist da, wartet am Wasserspender mit nassem Haar unter der Kapuze und glänzenden Augen, so blau wie ein Sommertagshimmel. Wir laufen los und sie zeigt mir die schönsten Ecken Straßburgs. Die malerische Altstadt, die Gassen, mit Geranien gesäumten Brücken. Doch mehr noch, sie zeigt mir auch das neue, moderne Straßburg. Und immer wieder entdecken wir Streetart, in den Gassen und an den Ecken versteckt, manchmal verborgen an einer Hauswand, manchmal an Stromkästen mitten in der Altstadt. Anette* entscheidet, wo es hin gehen soll und führt mich durch durch die Stadt.

Als wir genug vom Laufen haben, suchen wir uns ein Eiscafe und haben Glück, denn es führt das beste Eis, das ich seit langem gegessen habe.

Nachdem wir die Außenbezirke abgelaufen haben, lassen wir den Abend in der Altstadt ausklingen. Ein Orchester spielt Walzer und Paare tanzen umschlungen. Ein sehr altes Ehepaar, beide grau und voller Falten, wiegen sich ganz selbstvergessen zur Musik wie in den Zeiten ihrer Jugend.

Der Tag war schön, Anette* will nicht gehen. Wir stehen an der Kathedrale, die wie etwas Überirdisches hoch in den Himmel ragt. Sie ist unglaublich, ich lasse meinen Blick Stück für Stück an ihrer Fassade hoch wandern. Gruselige Figuren beschützen sie, klettern an ihr hoch, filigrane Pfeiler verbinden sich zu Türmen. Nie werden meine Augen satt, egal wie oft ich sie noch betrachten werde. Es ist Gotik in ihrer schönsten Form.

Zum Abschied schenke ich Anette* einen Schlüsselanhänger, den sie noch kurz zuvor in einem der Souvenirshops sehnsüchtig in der Hand gehalten hatte. Ich finde ihn furchtbar, doch er gefällt ihr – und im Moment will ich nichts mehr als dem Mädchen eine Freude machen. Das Mädchen versucht, den Zeitpunkt hinauszuzögern, doch irgendwann geht es nicht mehr – ein Studententreffen wartet. Ich bringe sie zu ihrem Hotel beim Münsterplatz.

Dann laufe ich zurück durch das abendliche Straßburg. Im Laufe des Tages hatten sich die Wolken verzogen und nun wärmt die Sonne die kalten, roten Sandsteinwände der Kathedrale. Auf dem Weg zum Auto schwinge ich den nutzlos gewordenen Schirm in meiner Hand.

*Name geändert

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