Das LUX-Festival in Helsinki

Kategorien Europa, Finnland

Helsinki, Januar 2017

Heute sind es wieder warme minus elf Grad und ich sitze schon seit einer geschlagenen Stunde am offenen Fenster (ja, ausgerechnet ich, verfrorenes Etwas 😉 ) und das Frieren stellt sich einfach nicht ein. Tja, die finnische Sauna und die extremen Temperaturschwankungen, denen man hier teilweise ausgesetzt ist, härten Körper (und Geist? Das hoffe ich doch…)

Meine Gedanken sind bei Freunden, denen es schlecht geht und bei ihren Familien. Der Kontakt und der Austausch mit einer lieben Freundin bestätigt mich nunmehr darin, den Schritt ins Neue, Unbekannte gewagt zu haben und auch die bösen Abschiedsworte eines anderen Menschen hängen mir nicht mehr so sehr nach. Es gibt nicht nur eine Sichtweise der Dinge und für alles gibt es Gründe. Und manchmal ist Schweigen Gold.

Meine Lieben, die noch da sind: Ich will Euch nur sagen, wie sehr ich mich über Eure Unterstützung freue und wieviel Kraft es mir gibt, dass Ihr für mich da seid und an mich glaubt. Es lässt mich wissen, dass die Welt nicht nur aus Schlechtem besteht und dass man manchmal noch an Dinge wie Freundschaft glauben kann, ohne sich naiv vorzukommen. Und es ist nur den wenigsten klar, wieviel ein „ich glaube an dich“ oder „ich bin stolz auf dich“ in einem Menschen bewirken kann. Bisher war es selbst mir nicht klar.

Ich werde gleich nach draußen gehen, die Werke des Festival of Lights fotografisch dokumentieren. Schon freue ich mich auf die kalte, klare Luft da draußen; dass sie so süchtig machen wird, hätte ich nicht gedacht. Die frostige Kälte ist wie Balsam für meine Lungen (zu kalt zum Rauchen ist mir es hier allermal), lässt meine Wangen glühen und beruhigt meinen Geist.

Wenn ich wieder zurück bin, werde ich vieles ändern. Ich werde Dinge ausmisten nach dem Drei-Fragen-Prinzip (Bereitet mir der Gegenstand Freude? Wann habe ich ihn zuletzt benutzt? Würde ich ihn ersetzen, wenn er einem Feuer zum Opfer fallen würde?) und mein Leben vereinfachen, um mich nur um die wichtigen Dinge zu kümmern. Früher aufstehen, um den Tag für mich zu haben. Meine Ernährung weitestgehend umstellen. Und, verdammt nochmal, ein glücklicherer Mensch sein, als ich es bisher war.

Um sechs bin ich oben in der Damensauna, doch die ist außer Betrieb.

Wieso?

Handwerker machen sich an der Anlage zu schaffen. Es ist inzwischen halb sieben, das wird heute nichts. Ich ziehe mich wieder an.
Um in die Stadt zu kommen laufe ich diesmal am See entlang. Der weiße Schnee sieht heute wieder anders aus; im Licht der Laternen glitzert und funkelt es, als hätte jemand überall fein zersplittertes Glas verstreut.

In der Stadt sind ganze Straßenzüge mit kleinen Lämpchen beleuchtet. Der Dom von Helsinki wechselt von Zeit zur Zeit fließend seine Farben von hellem Rosa über weiß bis hin zum Tiefen Blau. Eine Infotafel besagt, dass die Farben der Natur wiedergegeben werden sollen. Ab und zu ist eine gelbe Kugel zu sehen – die Sonne. Oder ganz viele kleine, gesprenkelte Punkte – die Sterne.

Eine weitere Anlage, auf dem Domplatz aufgebaut, besteht aus vielen glänzenden Kupferrohren, Drehgriffen und Glühbirnen und die Anwesenden sind eingeladen, an den Griffen zu drehen. Beim Drehen leuchten die Glühbirnen dunkler oder heller; für Kinder ein Riesenspaß. Symbolisieren soll die Anlage Menschen verschiedener Zugehörigkeitsgruppen, die miteinander interagieren.
ich gehe weiter zum Hafen; im Imbiszelt von gestern werde ich bei den beiden Russen einen Glögi zum Aufwärmen trinken.
Das Zelt ist nicht da. Es ist überhaupt keines der Zelte mehr da, noch die kleinen Markthütten. Anscheinend wurde alles im Rahmen des Festivals abgebaut.

Die prächtigen Gebäude an der Hafenpromenade leuchten auch in wechselnden Farben. Das Meerwasser in der Bucht ist gefroren und umklammert die Boote, die nun Restaurants sind, mit ihrem harten, kalten Griff.

Eines der Leuchtanlagen hat mich besonders beeindruckt; das Iconic White Building steht am Hafen in der Nähe der Uspenski Kathedrale. Die Lichtershow von einem finnischen Produktionsteam (Pekka Tavi, Mikko Kunnari und Timo Yliräisänen) wird auf die Fassade projiziert, untermalt von Musik und dauert fünf Minuten. Danach zeigt ein Countdown von 60 Sekunden den Beginn der nächsten Show an. Sobald der Countdown runter gezählt hat, geht es los. Das Gebäude scheint sich zu verändern, es scheint nicht mehr statisch, sondern flüssig zu sein. Es sind weniger Bilder, die da zu sehen sind, es sind eher Formen und Efekte, die das Auge täuschen und kalten Wänden Leben einhauchen. Extrem gelungen; ich nehme es auf. Meine Hände sind eiskalt, doch wen interessiert es… Ich könnte ewig zusehen.
Das tue ich natürlich nicht, denn die Kälte zieht mich weiter.
Ich laufe zurück. Am gefrorenem See bleibe ich stehen. Der Himmel ist orange. Warum ist der Himmel orange, woher kommt das? Keine Ahnung, denn die Wahrheit ist irgendwo da draußen… (hört ihr auch schon die Musik von Akte X? 🙂 )

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Hi, ich bin Kasia, die Stimme von "windrose.rocks" :-)
Treibt Dich die Frage um, was sich denn alles jenseits der heimischen Couch verbirgt, bist Du rastlos und neugierig wie ich und spürst den Drang in Dir, in die Welt hinaus zu gehen? Dann tue es! Ich nehme Dich mit auf meine Reisen und lasse Dich hautnah das Unterwegs sein miterleben - in all seinen Facetten. Lass Dich inspirieren, komm mit mir und warte nicht länger, denn... die Welt ist so groß und wir sind so klein, und es gibt noch so viel zu sehen!

Die Welt wartet auf uns.

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