Projekte, Tipps

Ein Monat, eine Pflanze, ein Rezept – Kartoffelpuffer

Januar 2021

In diesem Jahr nehme ich an einem Projekt teil. Es hat etwas mit Nahrungsmitteln zu tun, und mit Jahreszeiten. Ich nehme damit teil an Royusch Fotoprojekt 2021 zum Thema „Nahrung“. Monat für Monat bekommt ihr von mir eine Pflanze, die draußen wächst, die möglichst regional ist und die man hierzulande, „vor der Haustür“ sammeln, pflücken oder anbauen und ernten kann. Im Anschluss kommt ein Rezeptvorschlag mit eben jener Pflanze. Das kann ein Gericht sein, ein Kuchen oder Marmelade. Lasst euch einfach überraschen.

Mit diesem Projekt möchte ich dazu anregen, sich mit unseren regionalen Lebensmitteln zu beschäftigen und Anreize setzen für eine Küche, deren Zutaten keine weiten Transportwege brauchen. Ich möchte dazu ermuntern, auf dem Wochenmarkt einzukaufen oder vielleicht auch mal das eine oder andere (sofern erlaubt) selbst pflücken zu gehen, wie den wild wachsenden Bärlauch an den Rheinauen bei uns vor der Haustür.

In diesem Monat beginne ich mit der Kartoffel und einem einfachen Rezept für Kartoffelpuffer.

Die Kartoffel

Ich habe dieses Nahrungsmittel schon immer als ur-polnisch, später dann als ur-europäisch empfunden. Kartoffeln waren und sind in meiner Heimat ein Grundnahrungsmittel, gehörten früher zu fast jedem Mittagessen dazu. Erst viel später fand ich heraus, dass uns die Spanier die tolle Knolle beschert haben – aus Südamerika, manch einem wird das bekannt sein. Erst im 16 Jahrhundert, während der Eroberungskriege Spaniens, gelangte die Kartoffel über Spanien ins restliche Europa, doch von einem Erdrutschsieg konnte keine Rede sein – die Knolle breitete sich erst langsam aus.

Dem Nachtschattengewächs begegnete man mit Misstrauen und zunächst wusste keiner so recht, etwas damit anzufangen. Es dauerte seine Zeit, bis die Pflanze als Nahrungsmittel die Selbstverständlichkeit erlangte, die sie heute hat.

Dieses Foto zeigt das Kartoffelfeld meiner Großeltern in Polen. Meine Großeltern waren Bauern und um uns zu versorgen, bauten wir fast alles an Obst und Gemüse selber an. Ich erinnere mich, wie ich bei der Feldarbeit half oder dabei zuguckte, wie die Kartoffeln im Frühjahr in die Erde kamen und die Hügel dann zugepflügt wurden. Ich saß oben auf dem Traktor neben meinem Opa und genoss es, wie die für mich damals riesige Maschine über die Felder ruckelte.

Im Sommer, als die zarten Pflänzchen aus der Erde kamen, liefen wir tagein-tagaus zwischen den Pflanzen umher und sammelten die großen, gelb-schwarzen Kartoffelkäfer ein, die jeden Sommer zu einer echten Plage wurden. Sowohl der erwachsene Kartoffelkäfer als auch seine Larven fressen die Pflanzeiteile kahl und verursachen großen Schaden an Pflanzen der Nachtschattengewächse. Erschwerend kam die Tatsache hinzu, dass meine Großeltern die Felder nicht chemisch behandelten, alles wurde naturbelassen, „bio“ sozusagen, ehe es diesen Begriff überhaupt gab. Chemie ist nicht gut für uns, pflegte meine Oma immer zu sagen. Jahr für Jahr schafften wir es irgendwie, unsere Felder mechanisch zu „verteidigen“.

 

Kartoffelpuffer

Kartoffeln 500g
Weizenmehl ca. 7g
1/4 gr. Zwiebel
1 Ei
Salz
Öl zum Anbraten

Kartoffeln waschen, schälen und fein reiben. In einer großen Schüssel für ca. 5 min. stehen lassen, damit überschüssiger Saft abläuft. Überschüssigen Saft abseihen. Die Masse nicht mischen. Am Schluss die Masse andrücken und so den restlichen Saft abgießen.

Zwiebel fein hacken, mit Mehl, Ei und Salz (ca. 2 Messerspitzen) der Kartoffelmasse zugeben. Alles mischen. Für einen Kartoffelpuffer ca. 1 Esslöffel Masse in der heißen Pfanne zu einem dünnen Fladen formen. Auf beiden Seiten goldgelb braten. Nach dem Braten auf einem mit Papiertüchern ausgelegtem Teller stapeln, damit das Öl aufgenommen werden kann. Direkt verzehren.

Am besten schmecken sie frisch aus der Pfanne, wenn sie noch knackig sind.

Kartoffelpuffer schmecken ausgezeichnet mit einem Klecks dicker, saurer Sahne oder in der Pfanne gebratenen Champignons als Beilage. Auch diverse Salate und/oder Suppen eignen sich ausgezeichnet.

Du hast Lust auf Kartoffelpuffer bekommen und möchtest sie auch in anderen Varianten probieren? Bei Liane von Die Reiseeule entdeckst du das Gericht in klassisch oder süß, außerdem gibt sie dir Tipps, welche Kartoffeln du am besten verwendest und was du tun und beachten musst, damit sie gelingen. Guten Appetit!

Kasia

Hi, ich bin Kasia, die Stimme von "windrose.rocks" :-)
Treibt Dich die Frage um, was sich denn alles jenseits der heimischen Couch verbirgt, bist Du rastlos und neugierig wie ich und spürst den Drang in Dir, in die Welt hinaus zu gehen? Dann tue es! Ich nehme Dich mit auf meine Reisen und lasse Dich hautnah das Unterwegs sein miterleben - in all seinen Facetten. Lass Dich inspirieren, komm mit mir und warte nicht länger, denn... die Welt ist so groß und wir sind so klein, und es gibt noch so viel zu sehen!

Die Welt wartet auf uns.

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10 Kommentare

  1. […] Kasia könnt ihr eine Variation der Kartoffelpuffer nachkochen und ihr erfahrt noch mehr über die tolle […]

    1. says:

      Liebe Liane, dankeschön fürs Verlinken 😉 Deine Rezepte hören sich sehr lecker an, vor allem die Süße Variante war mir bisher unbekannt…

      Liebe Grüße
      Kasia

  2. Liebe Kasia,

    Kartoffeln waren in meiner Kindheit ebenfalls Grundnahrungsmittel. Nur ganz selten gab es Nudeln oder Reis. Eine zeitlang mochte ich Kartoffeln gar nicht mehr essen, aber inzwischen mag ich sie wieder sehr gerne. Zumal sie so vielfältig zubereitet werden können.
    Danke auch für die Verlinkung.

    LG Liane

    1. says:

      Liebe Liane,

      ja, aus Kartoffeln kann man alles mögliche machen. Das macht sie so interessant… sie gelten zwar als Dickmacher, doch richtig zubereitet sind sie sehr gesund.

      Bei uns gab es die Knolle zu jedem Mittagessen dazu. Kartoffelpüree, Gemüse. Am Wochenende dann die „heilige Dreifaltigkeit“; Kartoffeln, Salat, Fleisch. Da wir sie selber anbauten, war im Winter unser ganzer Keller voller Kartoffeln…

      Ich musste grinsen, als ich entdeckt hatte, wie zeitlich nahe unsere Beiträge aneinander liegen. Ich lese mir gerne deine Rezepte durch, weil du immer auch ein bisschen Hintergrund und gute Herstellungstipps dazu schreibst 🙂 Also, sehr gerne geschehen…

      Liebe Grüße
      Kasia

  3. Hi Kasia,

    ich kenn das auch noch aus frühester Kindheit als Steppke von 3-4 Jahren. Wir hatten zwar kein Feld aber einen riesigen Schrebergarten auf der anderen Straßenseite, wo wir quasi Selbstversorger waren. Am und im Boden wuchsen Möhren, Salat, Kohlrabi, Kartoffeln, Radieschen aber auch Erdbeeren, und an den Stangen rankten die Erbsen und Bohnen, sowie Him-und Brombeeren. Selbst ein paar Äpfel und Birnbäume waren da. Und das reichte völlig aus um einen ganzen Haushalt mit 6 Personen zu versorgen.
    Ich hatte nie, und habe ich auch heute noch nicht, das Gefühl, dass wir dieses Überangebot an Obst und Gemüse im Supermarkt brauchen. Ja, das sieht schick aus – aber seien wir ehrlich, welche normale Hausfrau kennt denn das alles und weiß auch, wie es zubereitet wird? Ich hasse es, wenn Lebensmittel weggeschmissen werden müssen, wenn die Sachen im Regal verfaulen, weil die nicht verkauft werden aber in anderen Ländern auf diesem Planeten Menschen Leben, die Hunger leiden müssen.
    Generell bin ich der Meinung, dass der Hype möglichst „exotische“ Speisen zu zelebrieren etwas aus dem Ruder gelaufen ist. Dazu Kochshows, bei denen mit möglichst teuren Lebensmitteln irgendwelche Juroren beeindruckt werden sollen, während wir in Deutschland Mitmenschen haben, die sich bei der Tafel das Essen erbetteln müssen.
    Auch diese „Super Foods“, von denen jedes Jahr ein Neues irgendwo auf diesem Planeten „entdeckt“ wird – was dann immer ressourcenverschwendend per Fracht-Flieger um die halbe Welt geflogen wird und hier für teuer Geld verscherbelt wird, weil es ja der Gesundheit so förderlich ist, aber eigentlich nur dazu dient, irgendwelchen Fitness – und Lifestyle Firmen Riesengewinne zu bescheren.
    Ich schaue ganz gerne Kochsendungen – Jamie Oliver weil er mit wenigen Zutaten auskommt – aber besonders gerne die mit Björn Freitag, der im öffentlich rechtlichen eine interessante Sendung hat: „Einfach & köstlich“. Nicht nur dass er dort gezeigt hat, dass dieser ganze Hype um Superfood völliger Krampf ist, weil wir in Deutschland seit hunderten Jahren Gemüse haben, welches sogar gesünder ist – es ist auch wesentlich preiswerter und einfacher zuzubereiten.
    Die Kunst ist ja nicht aus möglichst teuren Lebensmitteln irgendein Wunderwerk an Speisen zu kreieren, sondern aus einfachen Lebensmitteln, die jeder kennt einen Geschmack herauszukitzeln, der die Esser begeistert.
    Kartoffeln sind, was das angeht eine „eierlegende Wollmilchsau“ – es gibt sooo viele Möglichkeiten die auf immer andere Weise zuzubereiten. Natürlich die hier erwähnten Kartoffelpuffer, aber auch als Schweizer Rösti, Rosmarin-Kartoffeln mit Champignons, Kartoffelpürree mit Spinat, als Folienkartoffel mit Käse oder Quark, Pommes Frites mit Currywurst, einfach als Beigabe mit leckerer Sauce, und, und, und…
    Ich konnte meine Gäste bisher immer begeistern und das mit einfachen regionalen Lebensmitteln aus der Region – witzigerweise kannten viele zwar jede Menge ausländische Gerichte – die Möglichkeiten der deutschen Küche waren Ihnen aber weitestgehend unbekannt. Das scheint ein echtes Luxus-Problem zu sein.
    Manno – das war jetzt aber echt ein langer Kommentar. Und irgendwie habe ich jetzt vom schreiben, Hunger auf ’ne leckere Leberwurstschnitte gekriegt.

    CU

    Peter

    1. Super, dann komme ich zum Essen vorbei! 🙂
      Der Trend dreht sich langsam um zum Regionalen hin. Ich bin froh, dass so manches vermeintliche Superfood (wie die Avocado, für die Plantagen werden Wasserressourcen der Einheimischen verbraucht…) als unökologisch geoutet wird. Wir probieren zu Hause gerne mal verschiedene Gerichte aus, auch die, die abseits der deutschen Küche liegen. Ich achte immer darauf, dass nichts übrig bleibt und das, was übrig bleibt an Zutaten, zeitnah verbraucht wird. Mein Mann ist da völlig anders, er kauft sich so ein exotisches Gewürz, benutzt es einmal und schaut es nie wieder an, typisch Mann eben… 😉

      Mit dem Wegschmeißen von Lebensmitteln habe ich meinen Frieden geschlossen (sprich: auf Ignorieren geschaltet). Zu Hause achte ich wie ein Schießhund darauf, aber bist du dann unter Leuten, kannst du kaum anfangen, andere zu erziehen. Und auch wenn ich oft brüllen möchte: du verwöhnte Pomeranze, iss deinen Teller auf, lächle ich nur und frage, ob es geschmeckt hat. So what. Es ist ein Irrtum, zu glauben, dass irgend ein Kind in Afrika satt wird, nur weil wir unseren Teller schön leer machen.

      Für viele Unternehmen in der Lebensmittelbranche ist der weggeworfene Teil einfach als Verlust zu verzeichnen. Sie sehen das wirtschaftlich, während für viele das Thema Nahrung emotional aufgeladen ist. In Frankreich steht das Wegwerfen von Lebensmitteln unter Strafe, bei uns ist es das „Containern“.
      Viele Supermärkte haben umgedacht; oft sehe ich Kisten mit Lebensmitteln an der Minderhaltbarkeitsgrenze, die für einen geringeren Preis verkauft werden. Oder das inzwischen übliche „Brot vom Vortag“ beim Bäcker. Da liegt es in der Hand des Verbrauchers.

      Vielen Dank für deinen ausführlichen Artikel, ich merke gerade, dass ich auch kaum zum Ende komme…

      Liebe Grüße
      Kasia

      1. Avocado? Das ist für mich das überflüssigste Obst, Gemüse oder was es auch immer sein mag, auf diesem Planeten. Ich habe die Dinger glaube ich 4 oder 5 mal gekauft. Als ich sie gekauft hab, waren die Oschis steinhart – dann hab ich Sie tage und wochenlang reifen lassen und dann – als ich sie essen wollte, waren die doofen Dinger Matsche. Ich glaube sogar, dass die Viecher das irgendwie absichtlich machen – den Käufer in Sicherheit wiegen – und sich dann in der Sicherheit des dunklen Kühlschranks innerhalb von 5 Minuten von der Konsistenz eines Steins in matschige Brühe verwandeln.
        Da gibts sogar ein passendes Video zu: https://www.youtube.com/watch?v=mRvVQlgOylo
        Als ich noch bei nebenan.de war, gab es eine junge Dame, die Lebensmittel vom Wochenmarkt gesammelt hat die dann an Bedürftige verteilt hat. Foodsharing – eigentlich eine coole Idee. Auch die Webseite Mundraub.de ist eine gute Idee. Da kann man sehen, wo öffentliche Bäume u. Sträucher stehen, mit Obst, Gemüse und Nüssen.

        1. Mundraub kenne ich. Ich hatte vor ein paar Jahren mal so ne Phase, da bin ich mit wetterfesten Schuhen und einem Körbchen wie ein Hippie zwischen den Bäumen herumgestakst und habe Obst, Nüsse und was weiß ich alles gesammelt, um das dann einzukochen… ist glücklicherweise vorbei, die Zeit; heute habe ich keine Zeit (keine Muße) mehr dafür. Nichtsdestotrotz, wir können ein wenig selber steuern.
          Also, die wenigen Male, die ich die böse, sündige Avocado gekauft habe, war sie ganz lecker… vielleicht wollte sie nur nicht in deinen Mund, lach lach lach…

          Viele Grüße
          Kasia

  4. Vielen Dank für Deinen tollen Beitrag über die Kartoffel und eines meiner Lieblingsspeisen, die Katoffelpuffer. So ein bißchen erinnert mich Dein Beitrag auch an meine Oma, da mussten wir auch immer mit ihr zum Kartoffeln einsammeln, die noch liegengeblieben waren 🙂
    Liebe Grüße
    Roland

    1. Hallo Roland, ja, die lieben Omas! Das war eine schöne Zeit, wie ich finde. Kartoffelpuffer gab es bei uns neulich zu Mittag, mein Mann bekam sie während einer Videokonferenz von mir hingestellt, Kollegen – alle neidisch!
      Ich arbeite schon am Februarbeitrag 😉

      Lg Kasia

Was brennt dir auf der Zunge? ;-)

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