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Frust auf Reisen – wie unterschiedliche Vorstellungen zur Belastungsprobe werden

Im Grunde ging es nur um das Hotel. Nur um das verdammte Hotel. Und um das Frühstück. Und um die Frequenz der gemeinsam verbrachten Zeit. Inwieweit muss man mitziehen oder darf man Reisende aufhalten? Sollten alle Unternehmungen gemeinsame Unternehmungen sein? Wenn der eine nicht will, muss der andere verzichten? Oder sind auch mal Unternehmungen auf eigene Faust zumutbar? Normal? Gar gewünscht? Es ging um so einiges. Und am schwierigsten wird es dann, wenn man vor der Reise die grundliegendsten Dinge nicht miteinander bespricht. Dann kann eine Freundschaft zur Zerreißprobe werden. Doch wir hatten das Grundliegende besprochen. Das dachte ich zumindest. 

Es hätte so schön sein können. Im Eifer der Reiselust planten wir zum ersten Mal einen gemeinsamen Städtetrip. Unterkunft? Egal, Hauptsache kein Dorm – ansonsten schien alles perfekt zu passen. Meine Freundin und ich sind Feuer und Flamme. Wir laufen beide gerne, sind neugierig und erkunden gerne unbekannte Orte. Passt soweit. Voller Euphorie fassen wir London ins Auge.

Nun sitzen wir knapp vier Wochen später im besagten London, genauer gesagt: in einer der schicken, urigen Bars, und es fließen Tränen. Es sind nicht meine. Doch ich glaube, wir fragen uns beide – und das nicht zum ersten Mal während dieser Reise – ob das denn eine so gute Idee war.

 

London

Eine der berühmten roten Telefonzellen

Es ist schon etwas länger her, doch in London war es vor allem diese absolute, totale Abhängigkeit, die mir die Luft zum Atmen zuschnürte. Der Lieblingssatz meiner Freundin war: „Nur noch das und dies, dann bin ich zufrieden.“ Und „das und dies“ suggerierte natürlich, dass „das und dies“ sofort und ohne Option so und nicht anders umgesetzt werden musste, und zwar von mir. Das sagte sie so nicht, doch die Erwartungshaltung war da und spürbar. Und irgendwie hatte es sich so ergeben, dass ich zuständig war für die Planung, für das Checken der Öffnungszeiten und dafür, dass wir uns tagtäglich nicht verlaufen. Auf meine anfangs noch dezenten Nachfragen hin, wo denn der Stadtplan geblieben sei, wurde ich mit großen Kindsaugen angesehen.

Klar hat man da als „Planer“ und „Macher“ etwas mehr Kontrolle über den Ablauf und auch mehr Entscheidungsfreiheit, doch trotz alledem sehe ich mich nicht in dieser Rolle. Doch es war nicht so ohne weiteres möglich, diese „Aufgabe“ abzugeben, ohne auf weitere, große Kindsaugen zu stoßen. Und so war ich für unser beider Glück verantwortlich.

Auch was die gemeinsamen Aktivitäten betrifft.

Wenn ich zum ersten Mal in meinem Leben in einer Stadt wie London bin, gehören für mich manche Dinge einfach dazu. Wie der Besuch eines Pubs zum Beispiel. Das sah meine Freundin freilich anders. Sie mochte keine Pubs, kein Gedränge und keine Menschen um sich herum. Ist ja auch in Ordnung; das sind Momente, in denen ich mich für ein paar Stunden von meinem Reisepartner separiere und mein Ding mache – und mein Reisepartner auch. Es kann nicht immer alles beiden Seiten gefallen. Manchmal hat man andere Vorstellungen – wichtig ist, dass man sich einigt und ab und zu etwas getrennt unternimmt.

Doch auch das war nicht so ohne weiteres möglich, denn hier kam die bereits oben erwähnte, völlige Abhängigkeit ins Spiel. In der Zwischenzeit durch die Stadt zu streifen? Vielleicht ein bisschen zu shoppen? Ein Cafe besuchen? Für meine Freundin undenkbar. Am Ende saß sie mit unglücklichem Gesicht im Pub neben mir, keine von uns beiden hatte etwas davon und es kam zum schönsten Krach auf dieser Reise – und zu vielen Tränen. Nicht meinen Tränen. Doch da halfen auch die großen Kindsaugen nichts mehr.

Wer mit mir unterwegs sein möchte, muss selbständig sein. Das sind Dinge, die ich seitdem peinlichst genau abkläre. Ich bin keine ständige Begleitung, kein Guide und kein Alleinunterhalter. Ich erwarte von meinem Reisepartner, dass man sich gegenseitig unterstützt, beim Suchen und Finden von interessanten Objekten oder einfach vom richtigen Weg. Und dass man seine eigenen Siebensachen unter Kontrolle hat.

Meine Freundin war gezwungen, in dieser einen Woche sehr schnell erwachsen zu werden. Am besagten Abend und nachdem die Tränchen getrocknet sind, zogen wir schließlich zu zweit um die Häuser, von Pub zu Pub, mitten durchs Geschehen. Sie ist über ihre Grenzen hinaus gewachsen und ich war stolz auf sie.

 

Florenz

Zauberhaftes Florenz

Manchmal kennt man jemanden schon seit Jahrzehnten und hat keinerlei Bedenken vor der ersten Reise. Und dann passt es nicht, obwohl doch der Alltag mit der Person passt.

Und manchmal kennt man jemanden noch nicht lange und hat Zweifel. So auch vor der Reise mit Nina nach Florenz.

Und dann klappt alles perfekt, und das schon beim ersten Anlauf.

Ich weiß nicht, wie wir überhaupt darauf kamen, zusammen zu verreisen und ich weiß nicht mehr, warum es Florenz sein sollte. Fast wäre die Geschichte nicht zustande gekommen, da ich damals dauerpleite war. Doch tatsächlich – diesen einen Sommer im Jahr 2013 saßen wir zusammen im Flieger Richtung Süden.

Es war eine kurze Flugreise, doch für mich war es damals ein Gefühl, als würde ich ans andere Ende der Welt unterwegs sein. Florenz entpuppte sich als die schönste aller Städte und das blieb sie sehr lange in meiner Erinnerung; eigentlich bis heute noch. Wir erlebten abenteuerliche Situationen, trafen skurrile Leute und aßen uns durch die leckere Küche der Toscana. Wir nahmen beide je drei Kilo zu. Und wir verstanden uns blendend.

Ich weiß gar nicht, woran es gelegen hat, doch es funktionierte zwischen uns vom ersten Moment an. Wir waren beide offen und mutig, beide selbstständig und keine erwartete von der anderen, sich um die Organisation zu kümmern. Meistens nahmen wir die Dinge beide in die Hand, oft ließen wir uns einfach durch die Stadt treiben, genossen die Sonne und die Begegnungen mit Menschen. Und wenn wir irgendwo ein ungutes Gefühl hatten, dann hatten wir es beide. Und verzogen uns.

Es waren wunderschöne zwei Wochen, wer hätte das gedacht. Im Grunde waren es die Urlaube, die uns auch im Alltag enger zusammen schweißten. Auch das ist möglich.

 

Düsseldorf

Die Düsseldorfer Skyline

Ein Städtetrip, den Nina normalerweise alleine unternommen hätte – denn in Düsseldorf musste sie ihren holländischen Pass erneuern. Doch da ich noch nie in Düsseldorf war, reiste ich kurzerhand mit ihr zusammen. In unserem Hotel bekamen wir ein Upgrade und somit eine große Suite, und verbrachten die Zeit damit, durch die Stadt zu schlendern und Düsseldorf zu entdecken. Und siehe da – es harmonierte noch immer.

 

Marmaris

Jeep-Safari-Tour durch die Ägäis

Diese Reise begann chaotisch.

Florenz war so schön, dass wir das mit dem gemeinsamen Urlaub so schnell wie möglich wiederholen wollten.

Also saßen wir wieder in unserem Lieblings-Reisebüro in Worms und buchten. Sonne, Strand und Entspannung in der Türkei sollten es sein. Damals war das Verhältnis zwischen beiden Ländern noch entspannt wie eh und je, kein einziger deutscher Reporter saß im türkischen Gefängnis und die türkischen Strände und Städte waren voll von deutschen Touristen. So fiel die Wahl nicht schwer.

Vor Ort stellen wir fest, dass wir vom Reiseanbieter einfach so ohne weiteres umgebucht worden sind, denn Oludeniz war das ursprüngliche Ziel. Und während ich tobte, nahm Nina das Telefon in die Hand und begann, die Sache mit dem Reisebüro zu klären. Doch da gab es nichts mehr zu klären, denn obwohl unser Berater sofort in der Leitung war, war die Sache gelaufen. Er hatte den Umbuchungshinweis des Anbieters einfach übersehen.

Also verbrachten wir tolle Tage in Marmaris, obwohl die Sache mit der Buchung noch ein Nachspiel hatte. Wir spazierten die schöne Promenade entlang, schlenderten durch die Stadt und unternahmen Ausflüge ins Land und Bootstouren aufs Meer. Ja, in Marmaris kann man sich wunderbar die Zeit vertreiben. Und hatte die eine mal keine Lust auf Aktivitäten, was doch recht selten vorkam, so zogen wir einfach solo los und trafen uns irgendwann einfach in der Stadt wieder. So gab es keinen Stress. Doch die meisten Zeit waren wir uns einig. Nach Florenz und Düsseldorf passte es noch immer perfekt.

 

Begegnungen auf Reisen – Fran

Fran in Wadi Rum

Doch manchmal sind es nicht unbedingt enge Freunde, die als Reisebegleitung perfekt harmonieren. Im Gegenteil ist eine langjährige Freundschaft eben kein Garant dafür, dass man ähnliche Vorstellungen vom Reisen hat. Und dass beide einen ähnlichen Grad an Selbständigkeit mitbringen.

Doch ist man auf einer Reise allein unterwegs und begegnet dabei anderen Alleinreisenden, so ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass es sich um abgeklärte, selbständige Menschen handelt, die im Zweifelsfall weiterziehen als faule Kompromisse einzugehen oder ihre Mitreisenden zu solchen zu drängen. Und wenn man dabei auf einen Menschen trifft, mit dem es außerordentlich gut harmoniert, so kann man einen Teil der Reise zusammen gehen. Oder sogar eine gemeinsame Reise für die Zukunft planen. So lange es eben passt.

So oder so ähnlich passierte es mir auf meiner Rundreise in Jordanien; da begegnete ich Fran und wir verbrachten fünf von sieben Tagen der Tour gemeinsam. Wir saßen in der Wadi Wüste und zählten die Sterne, unterhielten uns über das Universum, erkundeten die Ruinen Petras und erwehrten uns dem aufdringlichen Werben der „Piraten von Petra“ und als ich eine Canyoning Tour in Wadi Mujib unternahm, fuhr Fran mit unserem Guide ans Tote Meer. Und sehe da, es passte. Mit Fran kann ich mir eine gemeinsame Reise vorstellen, mal sehen, ob es je dazu kommt. Wir stehen noch in Kontakt.

 

Wenn potentielle Reisepartner absagen – von Zuverlässigkeit und Unzuverlässigkeit

Eine Bootstour durch den Dschungel Chitwans

Denn manchmal, da begegnet man tatsächlich jemandem, mit dem man voller Elan und Überschwänglichkeit eine gemeinsame Reise plant. Voller Hoffnung und Tatendrang; hat es doch mit der besagten Person so wunderbar funktioniert. Beide sind Feuer und Flamme und malen sich bereits die wildesten Abenteuer aus.

Und dann sagt einer der beiden unerwartet ab, während der andere bereits die Flugtickets in der Hand hält.

Blöd, natürlich, doch wenn man längere Reisen mit völlig Fremden plant, muss man sich des Risikos bewusst sein – sowie auch der Tatsache, dass es sich nun mal um völlig Fremde handelt. Und dass ein völlig fremder Mensch nicht unbedingt das gleiche Verantwortungsgefühl einem gegenüber empfindet wie einem engen Freund. Und kommt seinen Reiseplänen etwas dazwischen, ist es bei fremden Menschen leichter zu sagen: du, hör mal… es klappt nicht. Immerhin besser, als wenn ich es bereits vor Ort am Ziel der Reise erfahren hätte.

Ich muss sagen, 2019 war kein gutes Jahr, was die Reisepläne mit anderen Menschen betrifft. Und das aus vielerlei Gründen. Mit einer Kollegin plante ich gemeinsam eine Reise nach Botswana, doch leider kam unseren Reiseplänen berufliches Pech dazwischen. Der Trip nach London funktionierte mehr schlecht als recht und den oben beschriebenen Fall mit den Flugtickets habe ich tatsächlich so erlebt, mit einer neu erworbenen Bekanntschaft aus Jordanien.

Das gemeinsame Ziel für den Trip war Nepal, doch irgendwie saß mir in den Knochen, dass es vielleicht nicht klappen könnte. Ich weiß nicht, warum. Es war so ein Gefühl. Mira ist sehr spontan und verändert oft ihre Pläne, was häufig der Fall bei Langzeitreisenden ist. Überhaupt kein Thema. Nur so spontan bin ich halt nicht, da mir eine begrenzte Anzahl an Urlaubstagen zur Verfügung steht. Wenn ich also buche, dann ist es fest.

Verstärkt wurde dieses diffuse Gefühl, als ich erfuhr, dass meine Bekannte, die sich zu dem Zeitpunkt in Indien befand, dort den Mann ihrer Träume kennen lernte. Ich freute mich sehr für sie, gleichzeitig fragte ich mich, ob der „Mann ihrer Träume“ sie wohl mit mir durch Nepal ziehen lässt. Doch als mich Mira wenige Wochen vor der Reise fragte, wie weit meine Pläne waren, verflogen alle Zweifel. Ich buchte die Flugtickets nach Kathmandu.

Tja. Hätte ich bloß auf meinen Bauch gehört. Denn zwei Wochen vor der Reise bekam sie ein Jobangebot – in Indien, und sagte mir schweren Herzens ab (zumindest hoffe ich, dass es schweren Herzens war… 😉 ). So fing ich an, zu planen. Denn ich würde nach Nepal fliegen, so oder so – das war mir zu diesem Zeitpunkt klar.

Überhaupt bin ich hin und her gerissen, ob ich es bedauern soll, die Reise mit Mira geplant zu haben, oder nicht. Denn einerseits ist es natürlich niemals schön, sitzen gelassen zu werden. Andererseits aber, und das muss man ehrlicherweise sagen, wäre ich ohne sie niemals auf die Idee gekommen, nach Nepal zu reisen – und das war bisher einer der besten Trips meines Lebens. Und dass ich die Reise alleine bewältigte, war ein weiterer Schritt in meiner Entwicklung.

 

Die tschechische Alleinreisende

An der World Peace Pagode in Pokhara

Eine andere Reisegeschichte blieb mir etwas unangenehmer in Erinnerung. Die Begegnung mit, nennen wir sie Katja. Katja war, genauso wie ich, eine Alleinreisende aus Tschechien und hatte gerade ihre Zeit als Volontärin in Kathmandu verbracht. Wir trafen uns in Pokahara bei der World Peace Pagode, und zwar kamen wir eher durch Zufall ins Gespräch: wir hatten beide keinen, der ein schönes Foto von uns vor dem Bergpanorama machen würde.

Gemeinsam stiegen wir am Abend nach Sonnenuntergang den Berg wieder runter. Fuhren mit den lokalen Bussen zum Pokhara Lake Site und planten, am darauffolgenden Tag, gemeinsam zu Abend zu essen. Das Abendessen fiel leider ins Wasser, denn die Wassermassen, die an dem Abend vom Himmel fielen, waren jenseits von Gut und Böse; ein Fortkommen zu Fuß durch die Straßen schien fast unmöglich. Zu allem Unglück verabredeten wir uns in einem Lokal, von denen es zwei mit demselben Namen in der Stadt gab – und natürlich saßen wir am Ende nicht im selben.

Doch trotz aller Widrigkeiten wollten wir zusammen den Berg Sarangkot erwandern. Dafür habe ich meinen Aufenthalt in Pokhara um eine Nacht verlängert und am sonnigen Morgen sollte es losgehen. Zu früh hatten wir den Zeitpunkt nicht angesetzt, denn, wie mir Katja schrieb: „I’m not a morning person.“ Sie war kein Morgenmensch. Also frühstückte ich ausgiebig bis elf und wartete am verabredetem Treffpunkt auf eine Nachricht. Die kam dann auch. So um kurz nach elf schrieb Katja, dass sie Magenschmerzen und Durchfall habe und nicht mit kann. Sie werde schauen, ob es bis am Nachmittag besser wird, dann werde sie sich alleine zum Sarangkot aufmachen.

Was soll ich sagen: da war ich richtig angesäuert. Sicher kann es passieren, dass man am Tag der Verabredung mit seinem Magen zu kämpfen hat und das kurz vor dem vereinbarten Zeitpunkt merkt. Doch mein inneres Auge sah Katja bereits, wie sie total verschlafen nach ihrem Handy greift, die Nachricht tippt und weiter pennt. Und ja, diese Version hielt ich für wahrscheinlicher.

Ich stieg alleine zum Gipfel des Sarangkot und hatte einen geilen Tag. Wieder hinunter ging es per Gleitschirmflug – da war ich dankbar, dass mein Pilot den Gleitschirm nicht auf der Oberfläche des Pokhara Lakes gelandet hatte. Mit frischem Sonnenbrand und glänzenden Augen war ich am Abend wieder im Hotel und bereute – wieder einmal – nichts.

Nur war ich es leid, endgültig leid, von potentiellen Reisepartnern versetzt zu werden. Aus welchen Gründen auch immer. Das miese Gefühl blieb und ich begann bereits, mich zu fragen, ob auf meiner Stirn etwa nachts in großen Lettern leuchtet: Versetz mich?

Seitdem war für mich klar: nie wieder eine Reise mit Unbekannten planen. Mag sein, dass es für einen Langzeitreisenden keine Rolle spielt, ob er den besagten Flug antritt oder nicht, ob er bucht oder nicht, ob er heute kommt oder morgen. Für mich ist so eine Reise ein fest geplanter Jahresurlaub, den ich nicht so einfach verschwenden will. Mag sein, dass es anderen Reisenden egal ist, wenn sie mit der Zeit und mit den Plänen anderer Menschen spielen. Mag sein, dass sie selbst dieser Zeit genügend haben. Mir ist es nicht egal.

 

Die Online-Suche nach Reisepartnern

Jordanien. Ich krieg nicht genug von der Landschaft…

Aus vielen dieser oben genannten Gründe kann ich deshalb nicht verstehen, warum man sich, was eine Reise betrifft, auf völlig Fremde verlässt. Ich war auch mal so spontan und offen, doch für mich ging das leider so semi aus.

Warum suchen so viele Menschen ihre Reisebegleitung im Internet? Warum planen so viele ihren Trip mit einer Person, die sie gar nicht kennen? Von der sie gar nicht wissen, wie gut es harmonieren wird?

Es gibt viele Reisegruppen auf Facebook, in denen man sich seinen potentiellen Reisepartner suchen kann. Nicht wenige Reisende vereinbaren im Vorfeld ein erstes, gemeinsames Treffen, um zu schauen, ob die Basis stimmt. Das ist zwar ein notwendiges Mindestmaß, doch ob das ausreicht, um den anderen „auszuloten“? Das bezweifle ich.

Und dabei ist es so wichtig, dass die Chemie auf einer Reise stimmt. Dass die Vorstellungen von einem Trip sich ähneln. Dass man auch mal bereit ist, etwas alleine zu unternehmen, wenn der andere nicht mit will. Dass man selbständig ist und sich nicht dauernd auf andere verlässt. Dass man gemeinsame Themen hat. Die gemeinsamen Vorstellungen von der Unterkunft passen, vom Budget, von den Aktivitäten, vom Schwerpunkt der Reise.

Und natürlich die Zuverlässigkeit. Die Verlässlichkeit ist gerade unterwegs in einer völlig fremden Umgebung so wichtig. Und wie leicht ist es, gerade wenn man mit Fremden verreist, die Reise im Vorfeld einfach abzusagen? Die Hemmschwelle ist eine andere als bei guten Freunden. Ja, das ist nicht schön. Aber es ist leider nun mal so.

Weshalb also trotten sich Menschen im Internet zusammen, legen ihr Reiseglück in Hände von völlig Unbekannten, nur aus purer Angst, alleine aufbrechen zu müssen? Ist das Risiko einer schlechten Gesellschaft besser als gar keine Gesellschaft? Ist die Angst, seine Komfortzone zu verlassen, so groß?

Eine gemeinsame Reise bedeutet immer einen Kompromiss, selbst wenn sie mit wirklich guten Freunden oder dem Partner stattfindet, die wir schon Jahre kennen. Doch dafür sollten es wirklich liebe Menschen sein, an denen uns etwas liegt. Denn dann gehen wir mit eventuellen Unstimmigkeiten ganz anders um und sind nicht so schnell geneigt, die Flinte ins Korn zu werfen. Und selbst wenn es mit der Reise nicht klappt, selbst wenn es nicht so harmoniert wie gehofft, weiß man, dass an einer langjährigen Freundschaft nichts so einfach kratzen kann.

Und wenn es harmoniert, wenn es perfekt passt, dann ist es ein Geschenk. Denn das kommt so selten vor. Und dafür sollte man dankbar sein.

 

Was passierte mit der Freundin aus London?

Meine Freundin und ich kennen uns schon seit Jahren. Seit über zwanzig Jahren, genauer gesagt. Und es ist eine sehr stabile Freundschaft, die alles übersteht. Und ja, auch diese Reise hat sie überstanden, keine Sorge 😉

Doch zusammen Zeit in vertrauter Umgebung zu verbringen und zusammen zu verreisen scheinen doch zwei grundlegend unterschiedliche Dinge zu sein, weshalb ich nun sehr vorsichtig geworden bin. Ich achte nun genau darauf, mit wem ich verreise, wie die jeweiligen Vorstellungen sind und würde zunächst nie länger als drei Tage zu einem Trip aufbrechen – wenn es denn der erste gemeinsam ist.

Denn eines habe ich gelernt: solche Reisen können verbinden – vor allem, wenn es harmoniert, aber auch genug Luft zum Atmen da bleibt. Und solche Reisen können spalten, entzweien, Enttäuschungen entstehen lassen. Und zur einer Zerreißprobe werden, die eine nicht so starke Bindung zwischen zwei Freundinnen vielleicht nicht überstanden hätte.

kasia

Hi, ich bin Kasia, die Stimme von windrose.rocks. Auf meinem Blog teile ich Geschichten. Die Geschichten meiner Reisen, die Geschichten der Menschen, die mir begegnen. Schon als Kind liebte ich es, mich in Erzählungen über ferne Länder zu verlieren. Die vergessenen, verstaubten Bücher im Regal, die mich nach Afrika und Südamerika entführten. Später die langen Reportagen, die Fernweh weckten. Heute lebe ich nicht mehr von den Erzählungen anderer Menschen; heute bin ich selbst der Erzähler.

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