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Ab nach draußen, auch bei Schmuddelwetter?

Regen, Kälte, Matsch? Womöglich noch ein kalter Wind, der einem ins Gesicht bläst? Klingt ja alles nicht gerade nach den passenden Voraussetzungen, um seine Nase aus der Tür zu strecken… oder? Doch! Aber nur, wenn die Motivation stimmt…

Raus bei Regen? Ja, aber…

Eigentlich bin ich ja ein Schönwetter-Mensch. Sobald am Horizont eine ferne Wolke auftaucht, sinkt sogleich meine Bereitschaft, aktiv zu sein und Müdigkeit macht sich breit. Dann träume ich von gemütlichen Couchen, Kissen und warmen Kuscheldecken.

Etwa so:

Tja, Leute, so siehts aus: eigentlich bin ich eine Hauskatze 🙂

Doch manchmal, wenn die Vorraussetzungen stimmen, ändert sich das schlagartig. Dann stampfe ich  fröhlich mit einem Regencap grinsend durch den Matsch.

Doch was hat sich verändert? Was bringt eine Ofenwärme liebende Hauskatze dazu, ihr gewohntes Terrain zu verlassen?

Es gibt da einen Trick, und den werde ich euch verraten.

 

Was mich motiviert

Normalerweise warte ich bei Outdoor-Aktivitäten tatsächlich auf schönes Wetter. Es gibt für mich nicht tolleres, als wenn draußen die Sonne lacht und der Himmel blau strahlt, die Vöglein zwitschern – das volle Programm eben. Obwohl ich zugeben muss, dass auch schlechtes Wetter durchaus ihren Reiz hat.

Wenn man sich erst nach draußen gewagt hat, versteht sich.

Dieses „nach draußen wagen“ funktioniert für mich in vertrauten Gefilden etwas weniger gut. Einfach rausgehen, nur um rauszugehen? Bäh. All das, was ich schon kenne, ist kein Hase und läuft mir nicht weg, ergo: kann ich mir auch bei gutem Wetter anschauen, anstatt mich durch die Kälte zu quälen.

So wie meine geplante Wanderung neulich in Wiesbaden.

Es war einer der ersten wechselhaft schönen Tage in diesem Jahr und Sonnenschein begleitete meine Schritte am Rheinufer entlang. Bis – ja, bis der Sonnenschein mit jedem Schritt weniger wurde. Es war wie in einem dieser Thriller, wenn die Menschen plötzlich weg sind, sich düstere Wolken über einem aufbauschen, es dunkler wird und ein kalter Wind aufzieht. Vielleicht quietscht irgendwo etwas im Wind und man zieht den Mantel enger um sich. Die wilden Enten am Ufer saßen zusammengekauert unter einer Weide und schauten mich unlustigen Blickes an. Ab nach draußen? Nicht mal die Ente hat Lust…

Raus bei Regen? Nicht mal die Ente hat Lust…

Doch jeder Mensch hat etwas, das ihn motiviert, sich trotz widriger Umstände in Bewegung zu setzen. Jeder Mensch hat einen „Einschaltknopf“, einen ganz persönlichen Katalysator. Es gilt nur, ihn zu finden. Das kann ein anderer Mensch sein, der dich motiviert. Es kann eine Idee sein, für die du sofort Feuer und Flamme bist.

So wie damals vor ein paar Jahren, als mein Partner mir Vorschlug, im Winter bei Schnee und klirrender Kälte hoch zum Heidelberger Schloss zu fahren. Zugegeben, lange überreden musste er mich nicht, denn trotz der Kälte war es traumhaft. Der Schnee knirschte unter unseren Füßen und unser Atem formte dampfende Wolken vor dem Gesicht. Meine Fußzehen froren, doch die Augen und die Wangen glühten. Und zu Hause wartete dann ein heißer Kakao auf uns.

Doch was mich am effektivsten dazu bringt, mich bei jedem Wetter in Bewegung zu setzen, ist ein neuer Ort, eine neue Umgebung. Eine Stadt, die ich noch nicht gesehen habe oder ein Ereignis, das ich vielleicht so nicht mehr erleben könnte.

Auf Reisen also. Dann, wenn ich weiß, dass ich keine Zeit zu verplempern habe, weil ich nur jetzt, nur einmalig hier bin. Die Neugier. Was lauert hinter der nächsten Ecke? Auf Reisen kenne ich kein Pardon. Aus der gemütlichen Hauskatze wird dann ein Schneeleopard.

So wie Ende letzten Jahres in Reykjavik.

Letztes Jahr in Reykjavik: weder schön noch sexy, aber warm…

 

Neues entdecken

Reykjavik hat selten wirkliche Minustemperaturen; selbst im Winter ist es eher so ein Misch zwischen Schnee und Regen und tendiert eher in Richtung Regen. Es war windig und es war kalt. Die Windböen schienen bemüht, in jede ungeschützte Stelle meiner Kleidung zu dringen, um von dort den letzten Rest an Wärme fortzutragen. Doch es war Silvesterabend in Reykjavik, und wann hat man denn sonst die Gelegenheit, mitzuerleben, wie Island ins neue Jahr kommt?

Zudem feiert Island am Abend an sogenannten Silvesterlagerfeuern, den Áramótabrenna. An mehreren Stellen in und um die Stadt werden riesige Feuer entzündet, für die Sperrholz vom Vorjahr verwendet wird. Dann stehen die Menschen um sie herum, feiern und erfreuen sich ihres Dasesins. Manche Isländer sind dabei verkleidet.

Dick eingepackt
Funkengestöber bei den isländischen Winterfeuern

Das wollte ich mir anschauen, also stampfte ich unbeirrt nach draußen. Der Nieselregen wurde immer stärker und kam von der Seite, so dass meine wasserfest geglaubte Jacke durchweichte. Doch dort am glühenden Feuer zu stehen, den Holzgeruch zu atmen und den Funken zuzusehen, wie sie in den Himmel flogen, war ein unglaubliches Gefühl.

 

Reiseziele für den Winter

Dann gibt es Reiseziele, die von sich aus im Winter einen größeren Reiz auf mich ausüben als im Sommer. Wie Island eben.

Oder wie damals, Anfang 2017, als ich mich in Februar nach Finnland aufmachte. Sommer kann jeder. Aber nur ein bestimmter Schlag Mensch reist, wenn es eh schon kalt und ungemütlich ist, an Orte, an denen es noch kälter wird…

Suomenlinna, die vorgelagerte Festung vor den Toren Helsinkis, erstreckt sich auf mehrere Inseln. Die Festung ist UNESCO-Welterbe und wird über die Sommermonate rege besucht. Im Winter kann es dort bis zu minus zwanzig Grad werden. Dank ihrer ungeschützten Lage mitten in der See ist es sehr windig und schneeweißer, glitzernder Reif legt sich über die Bäume, Dächer und die ganze Welt. Dann wirkt die Insel wie verzaubert.

Eiskalte Schönheit Suomenlinna

Genau so einen Tag habe ich mir für meinen Besuch ausgesucht. Der Wind schnitt mir ins Gesicht und ließ es anschwellen. Meine Hände waren nur noch Klötze, die ich nicht mehr spürte und die nicht zu mir gehörten. Meine Oberschenkel wurden taub. Ich stand ganz oben auf einem Felsen, starrte in die orangene, sinkende Wintersonne, auf das Meer, das vor Kälte dampfte und war betäubt – betäubt von der Schönheit. Es war ein unglaublicher Anblick, der mich die irre Kälte für einen Augenblick vergessen ließ.

 

Der Reiz des Trübsals

Manchmal birgt schlechtes Wetter auch eine ganz eigene Schönheit. Berge, die sich hinter Nebelschleiern verstecken, wirken wie verzaubert. Als wir 2014 bei Dauerregen in den Dolomiten unterwegs waren, wirkten die mächtigen Felsen wie aus einer anderen Welt. Mystisch, geheimnisvoll. Bedrohlich.

Als ich Island im Winter besuchte, war ich fasziniert von dem Licht. Das Licht des Tages war sanft, zartrosa bis pastell, hell, doch nicht blendend. Die Töne gedeckt und zart. Nichts ist damit vergleichbar.

Auch ein Himmel während oder nach einem Gewitter ist um so viel interessanter als ein schlichtes Blau. Wenn sich die Wolken noch auftürmen, der Tau und die Feuchtigkeit noch in der Luft hängt, die Landschaft strahlend grün und übersättigt aussieht und vielleicht noch ein Regenbogen den Horizont umspannt.

Am schönsten wirkt Regenwetter am Abend in einer Stadt, wenn sich die Lichter der City in den nassen Straßen spiegeln. Alles glänzt und der nasse Boden wirkt wie ein großer See. Alles, wirklich alles wird zu einem Fotomotiv. Wie damals in Breslau…

 

Und was motiviert dich?

Es gibt viele Gründe, bei schlechtem Wetter rauszugehen. Doch sie gelten nicht für jeden. Jeder Mensch hat seine individuellen Mechanismen, etwas, das ihn antreibt. Es gilt nur, diese Mechanismen zu finden.

Was motiviert dich? Was ist es, das dich die Gemütlichkeit vergessen lässt? Ist es Sport? Ist es die Aussicht auf etwas Neues, Spannendes? Oder gehörst du zu der Kategorie Menschen, für die es ungemütlich wird, wenn „die Heringe auf Augenhöhe schwimmen“?

Finde es für dich heraus.

Finde deinen Einschaltknopf, etwas, das dich anspricht. Überwinde dich und erlebe etwas Tolles. Und ja, auch die gemütlichen Tage zu Hause hinter dem Ofen müssen zwischendurch mal sein…

Mit diesem Artikel nehme ich teil an der Blogparade von Andrea auf Indigoblau, in der sie Tipps und Motivation für Outdoor Aktivitäten bei jeder Wetter sammelt.

kasia

Hi, ich bin Kasia, die Stimme von "windrose.rocks" :-)
Treibt Dich die Frage um, was sich denn alles jenseits der heimischen Couch verbirgt, bist Du rastlos und neugierig wie ich und spürst den Drang in Dir, in die Welt hinaus zu gehen? Dann tue es! Ich nehme Dich mit auf meine Reisen und lasse Dich hautnah das Unterwegs sein miterleben - in all seinen Facetten. Lass Dich inspirieren, komm mit mir und warte nicht länger, denn... die Welt ist so groß und wir sind so klein, und es gibt noch so viel zu sehen!

Die Welt wartet auf uns.

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