Barcelona – Das Zoo Loco-Hostel

Kategorien Europa, Katalonien, Spanien

Barcelona, Juni 2016

Wir stehen vor einer hohen Pforte aus massivem, dunkelgrün gestrichenem Holz, von dem bereits die Farbe an manchen Stellen abblättert und starren zu den riesigen, gusseisernen Türklopfern hinauf. Man ist in Versuchung, diese zu betätigen, um einen alten, gebeugten Mann an der Tür erscheinen zu lassen, wenn die Tatsache nicht wäre, dass sich links von uns, genau auf unserer Höhe angebracht, eine moderne Klingelvorrichtung mit Gegensprechanlage befände. „Es ist wie die Pforte zu einem Kloster.“ Sage ich. „Man meint, gleich würde ein Mönch an der Tür erscheinen.“ Ich fühle mich stark an die Marsriegel-Werbung erinnert.

Wir klingeln. „Here is Stefan and Kasia.“ Kurze Pause, dann bietet uns eine Stimme herein.

Doch bereits als wir das vermeintliche „Kloster“ betreten, bemerke ich Abweichungen von dem Bild, dass ich mir im Kopf von der Einrichtung hier anfangs gemacht habe; alles ist rundum neu: die Türen, der geflieste Boden, und oben im erste Stock steht ein Mann, eigentlich fast noch ein Junge, von etwa zwanzig Jahren, mit dunkelblondem, verwuschelten Haar, T-shirt und kurzer Hose, der mit sanfter, melodischer Stimme sagt: „Hi! I’m Jonathan.“

Er gibt jedem von uns beiden die Hand mit der zarten Andeutung eines Händedrucks. Wie ein Couchsurfer sieht er aus, denke ich, doch gleich danach lege ich meinen Gedanken Zensur auf: Na komm, Kasia, dann erkläre mal, wie sieht so ein Couchsurfer denn aus? Als Jonathan sich umdreht, sehen wir ein Tattoo an seinem Nacken aus dem T-shir ragen, welches irgendwelche Kristalle darstellt.

„Ich gehe mal nachschauen, ob der Supermarkt noch geöffnet hat.“ Sagt Stefan nun und erhebt sich von seinem Stuhl. Ich bleibe sitzen, schaue hinaus, beobachte die Menschen, und… ja, und ich schreibe auch, eigentlich schreibe ich fast die ganze Zeit; denn irgendwann muss ich all diese Eindrücke festhalten. Mir fällt auf, dass in dem Viertel öfters mal die Polizei um die Ecke biegt. Doch ich schiebe den Gedanken erst einmal beiseite.

Nach einer halben Stunde kommt Stefan wieder rein und präsentiert mir stolz seine Einkaufstüte. „Ich habe Kaffee gekauft, große und kleine Flaschen Wasser, zwei Dosen Bier und einen Deo-Stick für mich.“ Erklärt er. Ich lächle leise vor mich hin. Doch mein Liebster ist noch nicht fertig: „…und ich habe für alles zusammen nur 7,89 € gezahlt!“

„Was, so günstig?“ Ich schaue von meinem Notizblock auf.

Als wir weiter so dasitzen und uns den lauen Wind um die sonnenbeschienenen Ohren wehen lassen, sagt mein Freund zu mir: „Es ist toll hier. Hier könnte man Wochen verbringen.“

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Zwei Stunden später: 

Aus den Tiefen des Zimmers dringt ein stetiges, lautes Schnarchen. Mein Schatz hat sich aufs Ohr gehauen.

Ich stecke den Kopf in den Raum hinein. Stefan schläft tief und fest, und es sieht nicht danach aus, als dass ihn in der nächsten Zeit irgend etwas aufwecken könnte. Ich gehe leise an ihm vorbei, verlasse auf Zehenspitzen das Zimmer und schleiche, nur mit Socken an den Füßen, die verlassenen Korridore des Zoo-Loco entlang.

Am provisorischen Empfang, an dem jetzt niemand sitzt, entdecke ich eine Weltkarte an der Wand. Ich bleibe davor stehen und gerate ins Grübeln. Ich studiere eingehend, wo ich schon mal war, wo ich noch hin möchte, wo Stefan noch hin möchte… angetrieben von einer Neugier möchte ich am liebsten überall hin. Hier ist Spanien und hier sind wir, Barcelona… da ist Sri Lanka, da war Stefan schon mal, dort ist die Türkei, ich war mit meiner Freundin Tina schon mal auf Marmaris… Oh, und hier ist Aruba, da waren wir auch schon, sogar erst vor kurzem, oh, das ist aber weit weg…! Schau, da, gleich nebenan, das ist Bonaire, dort fliegen wir im Herbst wieder hin.

Ich schaue auf Länder, Inseln und Kontinente, zeichne mit dem Finger die Routen nach und denke mir: Die Welt ist so groß, und ich bin so klein… Es gibt so viele Orte auf der Welt, die sehenswert sind, wie soll ich das denn jemals schaffen…?

Nun sitzen wir auf unserem Balkon, der hin zur ruhigen, schattigen Seitenstraße gelegen ist. Manchmal fährt ein Auto oder ein Motorrad vorbei, Spaziergänger unterhalten sich und Vögel zwitschern, in den Baumkronen versteckt, welchen wir hier näher sind als der Straße. Es geht ein leichter Wind. Stefan sitzt mir gegenüber und studiert Barcelonas Stadtplan.

Wir beschließen, Vanessas Tipp-Liste abzuarbeiten, die ich ihm soeben unauffällig vor die Nase geschoben habe. Nachdem Stefan anhand der Google-Bewertungen festgestellt hat, dass Sacra Maria del Mar das schönste gotische Bauwerk Barcelonas ist, war die Liste auch schon abgesegnet.

Als wir vor einer Stunde mit der Metro hier im Viertel ankamen und, auf der Suche nach unserem Hostel, mitten auf dem Bürgersteig unentschlossen auf unser Handy starrten, kam sogleich ein hilfsbereiter älterer Mann auf einem Fahrrad vorbei, hielt neben uns an und fragte: „Can I help you?“

Stefan zögerte, doch ich… ich weiß nicht, wie ich es erklären soll, doch es sind Bruchteile von Sekunden, die darüber entscheiden, ob ich jemandem vertraue oder nicht. Und in diesem Moment vertraute ich. Ich nannte dem Mann den Namen unseres Hostels. Doch er konnte leider nichts damit anfangen. Als nächstes nannten wir ihm die Straße, in der es untergebracht war, und nach ein paar Augenblicken wussten wir bereits, in welche Richtung wir uns wenden sollen. Genießt Spanien und die Herzlichkeit der Menschen dort, hat ein Bekannter mir vor der Abfahrt geschrieben. Und an diesen Satz musste ich nun denken, als wir dankbar unser Hostel ansteuerten.

Die Straßen lagen ruhig und halbschattig zwischen mehrstöckigen Wohnhäusern, deren Hausfassaden auf beiden Seiten der Straße in die Höhe ragten. Die kleinen, gleichmäßigen Balkone über unseren Köpfen wirkten wie angeklebt. Ein schmales Haus mit einer Backsteinfassade zeichnete sich von anderen ab; es sah aus wie eingequetscht zwischen den anderen, teilweise höheren Gebäuden. Die Gleichmäßigkeit der Häuser und der Bäume auf beiden Seiten ließ einen harmonischen Gesamteindruck entstehen. Es war ein Wechselspiel zwischen den Bäumen und den Gebäuden, zwischen Licht und Schatten; die geraden, regelmäßigen Baumstämme wechselten mit dem Sonnenschein ab wie dunkle Pfeiler. Ich spürte bereits, dass mir die Stadt gefallen würde, und das nicht wegen all der Sehenswürdigkeiten. Diese Stadt atmete, lebte, sie war authentisch, sie war echt. Sie hatte Charme, ihren eigenen „Atem“. Es war nicht nur Sigh Seeing, es war mehr als das. Und einmal wieder war ich mit der Tatsache ausgesöhnt, dass es Barcelona geworden war.

Wir liefen an Bäckereien und Supermärkten vorbei; bei einer der Bäckereien kaufte ich mir superleckere Croissants für 75 Cent das Stück.

„Es ist hier.“ Hörte ich Stefan vor mir sagen. Ich war wieder einmal damit beschäftigt, irgendwelche Details zu fotografieren. Ich steckte die Kamera weg und eilte herbei.

Vanessas Liste:

  • Olympiastadion + Seilbahn (ein toller Aussichtspunkt über der Stadt)
  • Basilica Santa Maria del Mar
  • Sacra da Familia
  • Paella essen, unbedingt! 🙂
  • La Rambla, Font de Canaletes
Hi, ich bin Kasia, die Stimme von "windrose.rocks" :-)
Treibt Dich die Frage um, was sich denn alles jenseits der heimischen Couch verbirgt, bist Du rastlos und neugierig wie ich und spürst den Drang in Dir, in die Welt hinaus zu gehen? Dann tue es! Ich nehme Dich mit auf meine Reisen und lasse Dich hautnah das Unterwegs sein miterleben - in all seinen Facetten. Lass Dich inspirieren, komm mit mir und warte nicht länger, denn... die Welt ist so groß und wir sind so klein, und es gibt noch so viel zu sehen!

Die Welt wartet auf uns.

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