Asien, Nepal

Wie ich mit Blut gesegnet wurde – Der Dakshinkali-Tempel im Kathmandu-Tal

Ich schließe die Augen und lasse den Priester machen. Er spricht ein Gebet und malt mit einer Mischung aus Reis und roter Farbe (?) ein Tika auf meine Stirn. Dann öffne ich die Augen und strecke die Hand vor. Ein orangenrotes Band kommt an mein Handgelenk. Nun bin ich fertig, Kali, die Blutrünstige hatte mich berührt.

Menschenmassen strömen zum Tempel der Kali

Ich bin sehr früh wach, denn an diesem Morgen bin ich mit Ranjan zu einer Tour zum Dakshinkali-Tempel verabredet, wo an jedem Mittwoch und Samstag das große Opferfest stattfindet. Das Frühstück auf der Terrasse des Hostels offenbart zur frühen Stunde ein ganz neues Kathmandu: noch nicht das geschäftige, sondern das spirituelle Kathmandu. Ich kann erleben, wie selbstverständlich der Glaube und die andersseitige Welt der Götter im Alltag verankert sind. Zwischen dem Gurren der Tauben und des ersten Lärm der Straßen stehen Frauen auf den Terrassen ihrer Häusern und lassen Räucherstäbchen brennen für die Geister, führen kleine Morgenrituale durch. Hier sind die Götter überall, es gibt keine Trennung zwischen Alltag und dem Sonntagsgebet. Jeden Tag ist Sonntag.

Ich hinterlege meinen Rucksack in einem Hinterzimmer des Hostels und warte vor dem Tor, doch Ranjan, mein Guide, taucht nicht auf. Menschen kommen mir entgegen, laufen an mir vorbei – zu der frühen Stunde ist bereits die ganze Stadt auf den Beinen. Ein alter Mann geht die Straße lang, Frauen in Sari, Schüler… alle haben es eilig, wollen irgendwohin. Nur ich stehe da und die Minuten vergehen.

Schließlich, als ich schon glaube, es würde heute nichts mehr, ist er da, etwas außer Atem. Der Verkehr, sagt er und ich verstehe. Der Verkehr in Kathmandu ist zu keiner Zeit ein Vergnügen.

Inzwischen warte ich nicht mehr draußen, sondern sitze wieder unten im Empfangssaal des Hostels, als Ranjan eintritt. Erstaunt stelle ich fest, dass er plötzlich vor mir steht, ohne geklingelt oder sich sonstwie bemerkbar zu haben, wie ein Geist, der sich aus dem Nichts materialisiert. Ranjan zeigt mir, wie sich das große, massive Tor der Hostelanlage spielend leicht von außen öffnen lässt – die hohe Mauer und der Portier sind reine Maskerade, hier kann jeder jederzeit hinein. Ich bin froh, heute morgen ausgecheckt zu haben…

Für den heutigen Besuch des Tempels, der etwa dreißig Kilometer außerhalb der Stadt liegt, hat Ranjan einen Taxifahrer engagiert. Als wir das Hostel verlassen, wartet das Taxi bereits auf uns.

Unterwegs berichtet mir Ranjan wie immer über das Leben der Menschen in der Stadt und kommentiert all die kleinen Dinge, die mich interessieren. Die heilige Kuh beispielsweise, die ungerührt mitten auf einer großen Kreuzung steht. Die Autos und Motorräder machen einfach einen Bogen um sie, während sie ungerührt umherwandert. Gehören die Kühe jemandem?

„Ja, die gehören immer irgendwem.“ Sagt Ranjan. „Doch wenn die Leute kein Geld haben, ihre Kuh zu ernähren, jagen sie sie morgens einfach in die Stadt, damit sie selbst was zu fressen findet. Am Abend kommen die Tiere dann meistens zurück. Wenn nicht, dann rennt der Besitzer durch die Stadt und sucht seine Kuh.“ Skurril. Ich verdrehe den Kopf und starre dem dürren Klappergestell von Kuh hinterher. Beim Überqueren der Kreuzung benutzt sie sogar den Zebrastreifen…

 

Der Tempel Dakshinkali liegt außerhalb der wuseligen Stadt. Wir verlassen die letzten Ausläufer Kathmandus und begeben uns immer höher über eine Straße, die irgendwann nur noch sandig und nicht mehr asphaltiert ist. Um uns herum grünes, bergiges Land und die Überreste von Regenwolken, die noch immer teilweise den Himmel bedecken. Die Aussicht wird immer besser, während die Straßen immer schlechter werden.

Zwischen grünen Bäumen glänzen in der Ferne die goldenen Dächer der Tempel in den spärlichen Strahlen der Sonne, das Gold hebt sich wie etwas Kostbares vom dunklen Blau der Gewitterwolken ab. Es ist wunderschön.

Wir wirbeln Staub auf, als wir durch die kleinen Dörfer fahren, genauso wie all die Fahrzeuge vor uns. Fast alle sind unterwegs, jeder will zum Kali-Tempel, denn heute ist ein Feiertag. „Es ist der einzige freie Tag in der Woche, deswegen strömen alle in den Tempel.“ Erzählt mir Ranjan. „Die Opferfeierlichkeiten finden auch einmal unter der Woche statt, doch da haben nicht viele Zeit.“

Der Weg ist voller riesiger Schlaglöcher und Ranjan schimpft die ganze Zeit über über die Regierung. „Die Steuern, die Gebühren. So lange Zeit schon wollen sie hier eine neue Straße bauen, doch es passiert einfach nichts. Viele der Hilfsgelder, die zur Unterstützung und für den Aufbau an Nepal gehen, verschwinden irgendwo. In die Infrastruktur fließen sie jedenfalls nicht.“ Und die Straßen sind übersät mit Schlaglöchern, die so groß sind wie Krater nach einer Ufo-Landung. Doch die Menschen sagen nichts. Die Menschen sind es gewohnt. Sie regen sich nicht auf, niemand sagt etwas, sie stehen nicht auf, sagt Ranjan. Ich denke, vielleicht ist es so, weil jeder einfach nur sein Leben leben möchte.

 

Der Opferhahn

Kurz vor dem Tempel wird der Weg immer löchriger. Ein Angestellter der Stadt (oder des Tempels?) kassiert von uns eine Wegnutzungsgebühr ein, nicht ohne dabei den unausweichlichen Fragen von Ranjan Rede und Antwort zu stehen. „Ich habe ihn gefragt: wo geht das Geld denn hin, wenn die Straßen so schlecht sind? Wann wird eine befestigte Straße gebaut?“ Erzählt mir Ranjan im Anschluss. „Warum wir denn etwas bezahlen sollen, habe ich ihn gefragt. Er meinte nur, die Straße sei in Arbeit. Aber das ist sie schon länger und es tut sich nichts.“ Langsam quälen wir uns auf einen unbefestigten Parkplatz und versuchen dabei, nicht in den vielen Schlammlöchern zu landen.

Die Menschen kommen nach und nach zusammen und strömen den Weg zum Tempel entlang. Viele von ihnen haben bereits ihre Opfertiere dabei; tragen Zieglein unter dem Arm oder Vögel im Käfig. Die Straße zum Tempel hin ist gesäumt von Händlern. Hier gibt es alles, was das Herz begehrt, um die Göttin Kali glücklich zu machen. Wer es versäumt hat, sich im Vorfeld ein Opfertier zu besorgen, kann hier eines kaufen: schwarze Ziegen stehen angebunden da, schwarze Hähne krähen in Käfigen, weil sie ahnen, was ihnen blüht. Ranjan verabschiedet sich für einen Augenblick, um vor dem Tempelbesuch seine Hände und Füße zu waschen und ich bleibe zurück inmitten von Menschen und Getier. Den Taxifahrer haben wir im Auto gelassen; er wird auf uns warten.

Trubel wie auf einer Kirmes

Ich bin neugierig, habe Augenblicke Zeit, um alles zu beobachten. Die Händler sind nicht aufdringlich, jeder ist mit sich selbst beschäftigt und das Angebot richtet sich heute nach den gläubigen Hindu denn nach einer Touristin. So linse ich zu den Hähnen in den Käfigen.

Potentielle Käufer begutachten die Tiere. So ein kräftiger Hahn kann durchaus stark und aggressiv sein, doch die Männer gehen souverän mit ihnen um. Ihr ganzes Leben lang haben sie bereits mit Tieren zu tun, um so etwas wie Berührungsängste zu haben. Ein Händler nimmt einen Hahn an den Flügeln aus seinem Käfig. Das Tier schreit – ob vor Schmerzen oder vor Wut, das lässt sich schwer sagen. Es liegen Köpfe geschlachteter Tiere in einer Ecke und eine Ablagefläche zeigt Spuren von Blut. Die Tiere sind an je einem Fuß an den Käfig gebunden, damit sie nicht flüchten, wenn man sie zum Vorzeigen aus dem Käfig holt. Die Tiere, erklärt mir Ranjan später, müssen schwarz sein, sowohl die Ziegen als auch die Hähne, sonst sind sie fürs Opfern nicht geeignet.

 

Ich schaue mir alles an und bin überrascht, wie wenig es mir ausmacht. Da kommt wieder das Bauernmädel durch. Als meine Oma zu meiner Kindheit ihre eigenen Hühner hielt, musste immer mal wieder eines der Hühner dran glauben. Meine Oma ist zwar zum Schlachten jedes Mal mit dem Huhn unter dem Arm hinters Haus gegangen, so dass ich nichts mitkriegen musste, doch im Anschluss haben wir das tote Tier zusammen ausgenommen. Huhn mit Kopf, Huhn ohne Kopf – das ist mir nicht fremd.

Zudem bin ich eher pragmatisch als emotional veranlagt, was Tiere betrifft. Es sind viel schlimmere Dinge, die tagtäglich in deutschen Mast- und Schlachtbetrieben geschehen als dieses hier. Nur werden wir bei uns soweit von allem abgeschirmt, dass viele noch an die glückliche Kuh an der Weide glauben.

Scheu mache ich ein Foto. Dann ist Ranjan auch wieder da und ich atme auf. Ein wenig habe ich mich verloren gefühlt diese kurzen Augenblicke, doch jetzt kann es weiter gehen.

Wir wandern ohne Hast die langgezogene Straße lang. Hier werden nicht nur Opfertiere verkauft; auch scharfe Schlachtmesser sind in verschiedener Ausführung im Angebot. Sehr malerisch wirken dagegen die Händlerinnen mit ihren bunten Opferschalen und leuchtend orangenen Ringelblumenketten, die den gesamten Stand schmücken. Ein ganzer Straßenabschnitt ist farbig schön und voll davon.

Des weiteren gibt es diverse Gemüsesorten, Samen und Gewürze; all das also, was ein Nepalese zu Hause fürs Kochen braucht. Immer mal wieder läuft Ranjan mit mir zu einem der Stände, begrüßt den Händler oder die Händlerin und zeigt mir die verschiedenen Lebensmittel. Da gibt es die leuchtend roten, scharfen Chillis, die zum Kochen verwendet werden; die unscheinbaren Pilze nimmt man für Suppen – Ranjan holt sich gleich mal einen Sack voll davon. „Für zu Hause, für meine Frau.“ Dann etwas, das aussieht wie eine Zitrusfrucht, extrem bitter schmeckt und eingelegt zum Curry gegessen wird. Ich darf probieren, verziehe das Gesicht. Die Händlerin lacht erheitert.

Manche stehen mitten auf dem Weg da, ein umrahmtes Bild in der Hand. Dies ist ein spezieller Service, der auch mir angeboten wird. Der gläubige Pilger kann sich hier mitten im Geschehen fotografieren lassen und das Andenken im Rahmen mit nach Hauses nehmen. „Ich war da“, das Pendant zum heutigen Instagram.

Auch Süßigkeiten, kandierte Früchte aller Art und frittierte Knabbereien werden verkauft. Für die Einheimischen und auch für die indischen Besucher, die zum Tempel strömen, ist die Straße vor dem Tempel praktisch wie eine große Kirmes und das Ganze wie ein großes Fest.

Sie kommen mit den ganzen Familien hierher. Es gibt was zu feiern. „Willst du probieren?“ Ranjan führt mich an die Süßigkeiten heran. Da gibt es eine Paste, die süßkräftig schmeckt und einfach in eine Tüte abgefüllt wird.

Hier spricht kaum jemand englisch, doch Ranjan übersetzt für mich; ich darf überall probieren und ein Foto machen. Und natürlich kaufe ich auch ein. Sie sind sehr wertvoll, diese kleinen Einblicke in den Alltag der Menschen zu bekommen, die ich sonst nicht bekommen hätte. Es sind nicht nur die Tempel, die mich interessieren; viel interessanter ist für mich das Alltagsleben und die kleinen Dinge wie die Märkte, das Essen und die Gewürze und zum Glück hat Ranjan das verstanden.

Überall strahlt alles in Orange und Rot
Diese eher neutral aussehende Pampe ist sehr lecker, süß und reichhaltig
Sieht aus wie kleine Kirschen, sind aber höllisch scharfe Chilli
Leckere kandierte Früchte. Natürlich nehme ich auch davon welche mit

 

Der Segen des Priesters

Wir reihen uns zu den in Massen pilgernden Besuchern ein. Hier ist es eng und es wird immer enger; vorsichtig tappe ich die Treppe hinunter. Von hier oben sehe ich den Tempel in einer Senke und die heranströmenden Menschen. Händler haben sich auf Matten an der Treppe ausgebreitet und versuchen, ihre Waren an den Kunden zu bringen. Ich laufe weiter und beachte ihre Rufe nicht, werde vom Strom der Menschen mitgezogen. Hier und da läuft gehorsam eine schwarze Ziege mit, Schälchen mit Opfergaben werden herangetragen.

Die Menschenkolonne ist ein langer Zug aus bunten Saris. Rauch erhebt sich über den Dächern des Tempels und Menschen waten barfuß im braunen, knöcheltiefem Wasser des Flusses, das angereichert ist mit Blut der Opfertiere. Viele machen Selfies – dies ist ein Feiertag für alle.

Dann sind wir da; in einer Woge aus Menschen kommen wir am Tempel an. Es riecht nach Rauch und Räucherstäbchen, doch überraschenderweise fällt der Verwesungsgeruch aus. Hier und da liegt ein abgetrennter Kopf. Es sind die Köpfe, die am Altar niedergelegt werden, erfahre ich; das Fleisch wird gegessen. In einer von einer halbhohen Mauer abgetrennten, gefliesten Ecke sickert Blut und Wasser in die Steine. Hier werden geschlachtete Hühner mit kochend heißem Wasser übergossen, um das Gefieder leichter abrupfen zu können. Auch das kenne ich noch von der Oma und ihren Hühnern.

Und wie schon zuvor gibt es auch hier keine Berührungsängste. Der Kreislauf von Leben und Tod, von Schlachten und Essen ist den Menschen nicht fremd, ist nichts Abstraktes. Manchmal wünschte ich, man würde sich auch bei uns öfter mal vor Augen führen, wo das Essen her kommt. Bei uns geschieht alles im Verborgenen, der Verbraucher bekommt ästhetisch verpackten Schinken oder schmackhaft angerichtete Chicken Nuggets serviert. Doch auch die wachsen nicht auf Bäumen. Und nur, weil wir etwas nicht sehen, heißt es nicht, dass es das nicht gibt.

Wie schon erwähnt: für die Locals eine Riesenparty. Hinduistische Priester sitzen mit gekreuzten Beinen auf dem Boden und segnen die willigen Besucher gegen eine kleine Spende. Jeder spendet, was er entbehren kann. Auch mich winkt der Priester heran. „Möchtest du später nochmal kommen, sollen wir zuerst alles anschauen?“ Fragt Ranjan suggestiv. Aber nicht doch; ich möchte jetzt.

Ich knie mich hin und schließe die Augen, während der Priester mit einer sachten Handbewegung meine Haare von meiner Stirn schiebt und beginnt, etwas zu malen und dabei ein Gebet zu sprechen. Das Gebet und seine Bewegungen haben etwas Melodisches; ich spüre, wie mir ein Tika aus Reis (?) und noch etwas anderem auf die Stirn geklebt wird. Fast werde ich hypnotisiert, vom Gebet und von der Stimmung hier. Dann deutet mir der Priester, die Augen zu öffnen. Als letztes kommt ein Band aus rotem und gelben Garn auf mein Handgelenk. Dann stehe ich auf und lasse ein paar Scheine da. Als nächstes sehe ich Ranjan für einen Segen in die Hocke gehen. Ich muss schmunzeln. Dabei hatte er es ja so eilig…

Hier werden geschlachtete Hühner mit kochend heißem Wasser übergossen, um das Gefieder zu entfernen. Hier wird auch das Fleisch zerteilt.
Die bunte, wogende Menschenmasse strömt in den Tempel
Viele waten barfuß durch das Wasser
Ranjan lässt sich im Tempel segnen
So sieht am Ende mein Tika aus

 

Im Tempel

Alles ist gefüllt mit Menschen und irgendwie komme ich mir fehl am Platze vor. Jeder ist beschäftigt und sosehr ich auch versuche, mich irgendwo abseits zu stellen, irgendwie stehe ich doch im Weg herum, was mir den einen oder anderen genervten Blick einbringt. Auch bin ich die einzige Touristin weit und breit, was den Eindruck vielleicht verstärken mag. „Sind die Menschen Touristen hier nicht gewöhnt?“ Frage ich Ranjan vorsichtig. „Doch, doch!“ Sagt er. „Aber jetzt noch nicht, jetzt ist nicht die Zeit dafür. Aber normalerweise führe ich hier immer wieder Touristen herum während der Hauptsaison.“

Es gibt Probleme mit dem Betreten der inneren Bereiche des Tempels. Ich wäre ja draußen geblieben, doch Ranjan lotst mich zielsicher durch die Kontrollen und wechselt hier und da ein paar Worte mit den Beaufsichtigenden. Ich werde von einem Mädchen aufgehalten; soweit ich mitkriege, geht’s um meine Schuhe. Nach einer Diskussion mit Ranjan darf ich passieren. „Ich habe ihnen gesagt, dass wir nicht ins Heiligtum hinein wollen; da dürfen sowieso nur Hindu hin.“ Nun, das erspart mir zumindest das barfuß Laufen durch Blut, doch Freunde mache ich mir damit nicht und versuche, mich irgendwo abseits zu platzieren. Im Grunde habe ich hier nichts verloren.

Trotz Ranjans Ermutigungen fühle ich mich gehemmt; so gibt es nicht viele Aufnahmen vom Tempel selbst. Ich will den Leuten auch ihre Feier lassen und vermeide es, bei allem und jedem die Kamera herauszuholen. Es gelingt mir jedoch nicht, mich vollends unsichtbar zu machen, um einfach nur dabei zu sein; so atme ich auf und fühle mich gleich viel wohler, als wir den inneren Bereich mit seinen Absperrungen wieder verlassen.

Da drinnen, abgesperrt von einer Mauer und für uns nicht einsehbar, befindet sich der heilige Tempel der Göttin Kali. Dort werden die Opfertiere hin gebracht und geschlachtet. Ich sehe Mädchen mit Blumen in Opferschalen und Männer, die kleine, schwarze Ziecklein herein führen. Ein Besucher hält ein Taubenpaar in den Händen. „Früher“, berichtet mir Ranjan, „war der Altar frei zugänglich; erst in den letzten Jahren wurde der Sichtschutz eingebaut.“ Vermutlich, um die vielen Schaulustigen abzuschrecken, die mit der Tradition und den Religiösen Bräuchen nicht vertraut waren, sondern einfach nur bei der Schlachtung dabei sein wollten. Das Blut ist allgegenwärtig; Ranjan taucht seinen Finger in eine kleine Pfütze und drückt ihn mir auf die Stirn. „So, jetzt bist du auch mit Blut gesegnet.“ Sagt er. „Für Glück.“

 

Essen wie die Locals

Unser Fahrer wartet geduldig auf unsere Rückkehr, also lassen wir uns dazu verführen, eine der Spezialitäten zu probieren, die ich bereits auf dem Weg zum Kali-Tempel gesehen habe; die vielen frittierten Backwaren, die häufig süß und ölig und sehr reichhaltig als Straßensnack serviert werden. Der Koch rührt in riesengroßen Töpfen. Es gibt Suppe und das erwähnte, in Öl frittierte süße Gebäck; es gibt Fladen und Gerichte mit Hülsenfrüchten. Wir zwängen uns zwischen den Tischen hindurch und setzen uns drinnen an einen freien Tisch, von wo wir einen Blick über die belebte Straße haben. Da sind wir vor kurzem selbst entlang gegangen; noch immer reist der Strom der Besucher nicht ab. Diejenigen, die fertig sind, kommen hierher, in eine der vielen Imbissbuden.

Unser Lokal ist sehr einfach und mit Planen bedeckt. An der Wand hängt ein großer Wasserboiler mit Hahn und eine kleine Seife liegt daneben. Hier wasche ich mir die Hände. Genau neben uns sitzt eine nepalesische Familie, die ab und an neugierige Blicke zu uns herüber wirft. Wir unterhalten uns auf deutsch, können also fast völlig sicher sein, dass uns niemand versteht. Die Nepalesen sprechen hervorragend englisch.

Ranjan bestellt uns eine kleine Essensauswahl. Ich soll einfach mal probieren, was hierzulande typisch ist, sagt er. Das frittierte Gebäck habe ich tatsächlich schon häufiger an Straßenständen gesehen. Gegessen wird ausschließlich mit der rechten Hand und ich ermahne mich immerzu im Stillen, daran zu denken. Die Essenszeit nutzt Ranjan wiederum, mich in den Alltag seines Landes einzuweihen.

Die Mahlzeit fällt überraschend günstig aus; am ende bezahle ich für beide etwas um die zwieihundert NRupien.

Im Imbisslokal

Frittiertes bestimmt die Speisekarte
Dazu kommen Suppen und Hülsenfrüchte
Stolz posiert der Koch in seiner Garküche

kasia

Hi, ich bin Kasia, die Stimme von "windrose.rocks" :-)
Treibt Dich die Frage um, was sich denn alles jenseits der heimischen Couch verbirgt, bist Du rastlos und neugierig wie ich und spürst den Drang in Dir, in die Welt hinaus zu gehen? Dann tue es! Ich nehme Dich mit auf meine Reisen und lasse Dich hautnah das Unterwegs sein miterleben - in all seinen Facetten. Lass Dich inspirieren, komm mit mir und warte nicht länger, denn... die Welt ist so groß und wir sind so klein, und es gibt noch so viel zu sehen!

Die Welt wartet auf uns.

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