Graffiti, Pubs und Palmen – So bunt ist Dublin

Nicht nur Kirchen sind in Dublin spannend, nein, Interessantes gibt es an allen Ecken der Stadt. Dublin ist mit seinem vielem Streetart und den bunten Türen ein Paradies für Fotografen- mit den leuchtenden Farbtupfern wirkt es, als ob die Stadt gegen das mäßig gute Wetter ankämpfen wolle. In Dublin wird es im Winter nicht wirklich kalt, so dass auch Palmen überwintern können, doch es wird auch nie so wirklich warm, denn die Sommertemperaturen erreichen selten fünfundzwanzig Grad. Es ist meist ein Mischmasch aus feuchtnass, kühl und windig. Man spricht von einem „extrem maritimen“ Klima und die Temperaturen fallen im Winter selten unter fünf Grad. Außer im letzten Winter – da hat es geschneit.

Dublin ist keine Metropole wie London, es ist eher wie eine Provinz. Im Zentrum zu sein bedeutet schlicht eine höhere Dichte an Pubs und Geschäften, mehr nicht. Die Vorstadt-Atmosphäre, die Gemütlichkeit, die man in jeder Ecke der Stadt atmet, kommt nicht von Ungefähr: ich erfahre später von Einheimischen, warum hier nicht, wie in jeder anderen Metropole, Wolkenkratzer in die Höhe schießen. Anscheinend wird der Neubau soweit geregelt, um das Gesicht der Stadt zu erhalten; es ist schwierig bis unmöglich, Baugenehmigungen für neue, innovative Projekte zu erhalten. Man möchte möglichst wenig verändern, und das wirkt sich aus. Für uns Besucher mag die Stadt aus diesem Grund urig und gemütlich wirken, für die Bewohner ist sie schlichtweg langweilig. Daher vielleicht die vielen Farbtupfer, die versuchen, Leben in die Straßen zu bringen, die vielen Murals oder bemalten Garagentore, die bunten Türen und farbenfrohen Fassaden der Pubs.

„Wir haben so brillante irische Architekten.“ Sagt mir später ein Bewohner. „Doch sie können sich hier nicht austoben…“

Doch dafür toben sie sich in anderer Hinsicht aus, und zwar farblich, weil es hierbei keine Einschränkungen zu geben scheint; ob die knallige Pub-Fassade, in leuchtendem Gelb oder grellem Rot gestrichen oder die berühmten bunten Türen. Oder die Streetart Kunst, die an jeder Ecke zu finden ist, auch wenn man nicht nach ihr sucht. Denn was hilft besser, das oft semi-gute Wetter zu überstehen als ein wenig Buntes im Leben…

Die Polen in Dublin

Es gibt auffallend viele polnische Geschäfte in Dublin und aus vielen Ecken höre ich meine Muttersprache durchsickern. Der polnische Lebensmittelladen, stolz mit dem weißen Adler. Etwas weniger auffällig: der Friseur. Nach der Erweiterung der Europäischen Union um osteuropäische Länder sind rund 30000 Polen nach Irland gekommen. Es gab genügend Jobs und die Wirtschaftslage in Irland sah sehr gut aus. Doch nicht nur die Jobs, auch der Lifestyle der englischsprachigen Länder wie Irland und das Vereinigte Königreich waren reizvoll. Inzwischen hat sich die polnischstämmige Bevölkerung sehr gut eingelebt und etabliert. Es gibt Veranstaltungen für die polnische Community, polnische kirchliche Messen und beim jährlichen Polish Filmfestival werden polnische Filme in Irland vorgestellt.

Pubs

Nachfolgend will ich euch ein paar dieser Farbklekse zeigen, die die Stadt aufhellen und fröhlicher machen. Beginnen wir mal mit den Pubs…

Die ältesten von ihnen stammen aus dem 17 Jahrhundert. Pubs – oder „Public Houses“ sind ein wichtiger Teil der irischen Kultur, sie sind das „Wohnzimmer der Iren“, wie man an vielen Stellen so schön hört – und liest. Die Geschichte des Public Houses reicht bis ins 12 Jahrhundert zurück, denn aus dieser Zeit gibt es die ersten Aufzeichnungen. So ziemlich jeder, auch der kleinste Ort hat einen Public House, denn ohne würde einfach etwas fehlen.

Zu einem Pubbesuch gehört oft Live-Musik dazu – sowie gezapfter Guiness. „Wenn du richtig Guiness trinken willst,“ Sagte ein Ire kürzlich zu mir, „dann solltest du in einen Pub gehen“. Dabei ist es ziemlich egal, welches Lokal man für sich auswählt, sie alle sind auf ihren Weise schön, urig und gemütlich. Ich hatte mich relativ schnell für das Bachelor in entschieden, obwohl ich mir noch einen Tag zuvor geschworen hatte, keinen Fuß in etwas zu setzen, das einen solchen Namen trägt, der mich an eine missglückte Fernsehsendung erinnert. Doch eines Abends lockte Livemusik. Und da konnte ich nicht widerstehen – und ging hinein.

Die Livemusik ist ein häufiger Bestandteil der Pub-Atmosphäre. Gesungen wird über alle möglichen Themen, das Publikum ist ausgelassen und wird mit einbezogen, wird sogar dazu animiert, mit zu singen oder selbst spontan ein Ständchen zu bringen. Der Barmann zapft weiterhin cool mit unbewegter Miene, beteiligt sich kaum an den Frenzeleien seiner Gäste, doch lass dich vom scheinbar gleichgültigen Auftreten nicht täuschen – die Iren haben einen beißenden Humor, der häufig dann zum Vorschein kommt, wenn du am wenigsten damit rechnest. Und so sitzt die Maske der Coolness relativ locker über einem immerwährenden, großen Grinsen.

Dass der Pub das „Wohnzimmer“ der Iren ist, hat einen weiteren positiven Aspekt: du wirst dich dort niemals alleine fühlen. Die Menschen sind gesellig und sobald sie dich einsam an der Bar sitzen sehen, nehmen sie dich einfach und unkompliziert in ihrer Runde auf. Diese freundschaftliche, kumpelhafte Weise führt dazu, dass du zunächst denkst, du hättest hier fünf gute Freunde sitzen, die sich schon seit zehn Jahren kennen. Mindestens. Doch dann stellst du fest; nein, auch diese fünf, die sich so gut verstehen, haben sich gerade erst kennen gelernt…

 

Türen

Sie zieren jede Postkarte und sind an vielen Ecken zu sehen – die bunten Türen, die in den verschiedensten Tönen gestrichen sind. Oft unterscheiden sie sich kaum voneinander, wirken wie aus einer Form geschnitzt – bis auf die Farbe, ganz so, als wollte der Besitzer sagen: Sieht her! Selbst wenn ich im selben Baumarkt einkaufe wie mein Nachbar, sieht, wie individuell ich doch bin…

Doch warum macht man das? Wieso ist jede Tür der Stadt in einer anderen, knalligen Farbe gestrichen, so dass sie sogar schon internationale Berühmtheit erlangten?

Es kursieren Legenden und Geschichten um Dublins bunte Türen (und ich sagte euch ja: die Stadt ist voller Geschichten…). Ich liebe Legenden und sie geben sympathisch den Geist und die Mentalität der Bewohner rüber. Eine solche Legende besagt, dass alles in Zeiten der englischen Herrschaft begann. Als Queen Viktoria verstarb, wurde zum Zeichen der Trauer angeordnet, alle Türen der Stadt schwarz zu streichen. Und natürlich, rebellisch und widerspenstig wie sie sind, dachten die Iren nicht daran, dies zu tun – nein, sie taten dafür das genaue Gegenteil, sie strichen ihre Türen bunt.

Eine andere Legende benennt einen schlichteren Grund für die bunten Türen: immer häufiger seien die Männer nach ihrem Pub-Besuch so betrunken gewesen, dass sie ihre eigene Haustür nicht fanden. Es soll schon – aus Versehen natürlich – der eine oder andere treusorgende Ehemann in der Wohnung der attraktiven Nachbarin gelandet sein. Daraufhin strichen die Frauen ihre eigenen Türen in den knalligsten Farben, so dass es für die flegelhaften Gatten keine Ausrede mehr gab, nicht nach Hause zu kommen.

Doch Legenden hin oder her, die nüchterne, aber durchaus realistisch anmutende Begründung könnte sein, dass die Menschen aufgrund der strengen Bauauflagen nur wenig Spielraum haben, ihre Kreativität und ihren individuellen Geschmack bei der Gestaltung ihrer Häuser auszuleben und so dienen die farbigen Elemente als Ausdruck des eigenen kreativen Gestaltungswillens.

 

Streetart

Ein Subset-Bild

An jeder Ecke, an sehr vielen Wänden. Manchmal groß und offensichtlich, manchmal an einer Seitenwand versteckt ist die Streetart-Kunst ein fester Bestandteil von Dublin. So viel habe ich gefunden – und das, ohne danach gesucht zu haben.

Erwähnenswert sind hier die Murals des Künstlers Subset, der sich auf realistische Porträts spezialisiert hat. Von ihm stammt auch das Bild mit Pferd und Reiter in der Galerie weiter unten.

Ansonsten, wenn du mehr Zeit hast, lauf einfach mal mit offenen Augen los, schau dich aufmerksam um und du wirst so unglaublich viel entdecken. Für den Interessierten gibt es  Apps und Karten mit den heißesten Spots und den schönsten Werken. Eine solcher Karten ist die dublinwalls.com/map mit eingezeichneten Routen, die ständig aktualisiert wird.

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