Asien, Europa, Türkei

Jeep-Tour in der Ägäis

Marmaris, Mai 2014

„ICH-BIN-RAMBO und das ist Spartakus!“ Tönt der große, dunkle Mann und baut sich vor uns auf. Die Jeeps stehen still und seine hallende Stimme erreicht jeden Winkel und jedes Auto. „Wir fahren jetzt los. Ihr werdet so viel Spaß haben wie noch nie in eurem Leben!
Wir fahren durch den Dschungel, über Land und Wasser. Ihr bekommt Wasserpistolen und Wasser zum Auffüllen – um euch gegenseitig abzuschießen. Jedes andere Auto ist euer Feind. Natürlich nur wer will – das kostet fünf Euro Mietgebühr. Wer nicht will – okay, aber der hat halt den Spaß nicht. Mittags halten wir – dann gibt es Essen und eine Möglichkeit, euch abzuduschen. Und los!“

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Wir sitzen bzw. stehen still in den Jeeps und lauschen. Die knorrigen Bäume des Waldes lassen Sonne hindurch. „Rambo“ genießt sichtlich seinen Auftritt – das Wassermädchen hinter ihm schmunzelt und flirtet mit einem anderen jungen Mann. Spartakus und andere Helfershelfer fangen bereits an, zu filmen – die großen Kameras auf die Jeeps und auf den Sprechenden gerichtet. Ihre teure Filmausrüstung haben sie größtenteils mit Alufolie vor Spritzwasser geschützt. Wasservorräte werden verteilt – und dann gehts los.

Das Wassermädchen schmunzelte und flirtete mit einem Jungen…
Der Mann mit dem Cowboyhut – ich fragte mich, wo er her kam…

Die Gruppe der Teilnehmer besteht aus ca. fünfzehn Jeeps mit je sechs Sitzplätzen, alle bis auf weiteres gut gefüllt. Da man uns am Vortag bei der Buchung gesagt hatte, die Veranstaltung fände nur statt, wenn sich genügend Teilnehmer zusammen fänden, hatten wir so unsere Bedenken, als uns der Jeep am Hotel abholte und wir die einzigen Fahrgäste waren. Der Fahrer war überpünktlich; so ließen wir unser angebrochenes Frühstück stehen und rannten eilig hinaus.

Auf der Fahrt zum Treffpunkt fühlte ich schon die Aufregung in mir aufsteigen und das Kribbeln im Bauch sich ausbreiten. Eine Jeep-Tour! So etwas wollte ich schon immer mal machen. Doch gleichzeitig meldeten sich die Befürchtungen zur Wort: Was, wenn niemand mehr kommt? Was, wenn wir wirklich der einzige Jeep am Treffpunkt sind? Es war ja Nebensaison, oder? Aber dann hätte man uns gar nicht erst abgeholt, oder?

Am Treffpunkt warten weitere Jeeps. Alle zusammen fahren wir nun los. Die Sonne scheint bereits warm auf uns herab und der Wind zersaust unser Haar. Der Fahrer führt das Fahrzeug wie eine gesengte Sau; wir quitschen vergnügt und sind quitschvergnügt. Zufrieden schieße ich ein paar Selvies von uns beiden. Riesenspaß zusammen – für immer festgehalten.

Nach einer nicht allzu langen, waghalsigen Fahrt und einem Zwischenstopp mit Aussicht (Jeep hält, Touristen raus; „Oh, Aussicht, wie toll, knips, knips, oh, ah… Touristen wieder rein, weiter gehts 😉 ) halten wir an einem großen Parkplatz: Treffpunkt Nr. 2.

Die Jungs sprangen von Jeep zu Jeep und filmten das Geschehen; ihre teure Ausrüstung hatten sie mit Alufolie gegen Spritzwasser geschützt

Andere Autos stehen schon da. Meine Sorge, wir seien nicht genügend Teilnehmer, erweist sich als völlig unbegründet; der ganze Parkplatz ist voll. Mit strenger Stimme gibt „Rambo“ Anweisungen und flößt mir ein wenig Hosenschiss Respekt ein. Erst später sollten wir herausfinden, dass der Typ eigentlich sehr cool ist.

Aber nun geht es militärisch zu, Teilnehmer werden umverteilt, damit die Jeeps auch optimal befüllt sind. In unserem Jeep sitzen fast nur Amis. Wir bleiben im Auto, ich beobachte die Leute. Einen Jeep weiter sehe ich Ladies, die wirken, als seien sie direkt aus Dubai eingeflogen: verschleiert und edel (natürlich weiß ich es nicht; ich habe sie nicht gefragt! 🙂 ) Ansonsten ist unsere Truppe sehr international; ich beobachte einen gebräunten Mann Mitte fünfzig mit weißem Bart, dunklen Augen und Cowboyhut und überlege, wo er denn her kommen könnte. Bei dieser Anzahl an Teilnehmern können sie alle unmöglich aus Marmaris sein; wahrscheinlich hat man alle umliegenden Städte und Ortschaften abgeklappert.

Ein Jeep nach dem anderen fahren wir langsam los und bereits jetzt beginnt der Spaßfaktor. Wir fahren über Brücken, mitten durch Flüsse hindurch, die staubige Piste an Berghängen entlang und mitten durch den Wald. Einheimische begegnen uns auf der Straße; Kinder schauen uns neugierig nach. Der Fahrer gibt ordentlich Gas und wir werden im Sitz durchgeschüttelt – die Autos haben eine verdammt harte Federung und auf dem holprigen Weg spürt man jeden Stein. Doch wir sind hellauf begeistert – das fühlt sich doch mal richtig nach Abenteuer an! Ich sehe ausnahmslos nur grinsende Gesichter voller Vorfreude auf das, was da jetzt kommen möge.

Dann stoppen wir im Wald und ein Jeep nach dem anderen versammeln wir uns um „Rambo“, der seine Rede halten wird. Im Hintergrund wartet das Wassermädchen mit den befüllten Flaschen. Fünf Euro Mietgebühr für eine Wasserpistole? Aber hey, warum nicht. Beinahe alle machen den Spaß mit, nur zwei Mittvierziger Damen entscheiden sich gegen die Ausrüstung.

Nina setzt ihre Wasserpistole an: „Na warte, du türkische Mutti!“

Ziemlich schnell verlor sich jegliche Zurückhaltung und bis dato fremde Menschen begannen, sich mit Wasser zu bespritzen

Dann geht es los. Relativ schnell beginnt man, aufeinander zu feuern. Die Jeeps überholen oder fahren nebeneinander her und die Guides heizen die Stimmung zusätzlich ein, so dass irgendwann alle Zurückhaltung vergessen ist und unbekannte Menschen sich gegenseitig mit Wasser bespritzen. Die zwei Damen ohne „Waffen“ werden natürlich sofort zu willkommenen Angriffszielen der anderen. Wir verfeuern unsere Munition ziemlich schnell; prompt müssen wir das kostbare, weil teure Nass wieder nachladen. Der Jeep mit den „Dubai“-Ladies fährt an uns vorbei, Nina setzt ihre Wasserpistole an: „Komm her, du türkische Mutti!“

„Nina!“ Ich schaue sie mit großen Augen an. Sie fängt an zu lachen: „Ja was denn?“

Die Kamerajungs springen in todesmutiger Manier wie Affen von Jeep zur Jeep und filmen das Geschehen; das Video würde später zu einer unvergesslichen Erinnerung zusammengeschnitten werden.

Irgendwann geht uns das Wasser zuneige; wir feuern nur noch sparsam. Als letzte Alternative opfern wir unser kostbares Trinkwasser, um den anderen Jeep-Insassen so richtig einzuheizen. Doch so langsam sind wir durchnässt bis aufs Höschen und fangen im Fahrwind an zu frösteln. Der Staub auf der Piste, den die Autos aufwirbeln, bedeckt unsere nassen Klamotten und Gesichter mit einer grauen Schicht. Ich lasse das Handy längst in der Tasche.

Als wir an unserem nächsten Halt ankommen, sehen wir schon an den vor uns fahrenden Wagen, was uns blüht – alle werden nochmal gründlich mit einem Wasserschlauch nass gemacht: kein T-shirt bleibt mehr trocken.

„Oh nöö…!“ Ruft Nina, die das, was da auf uns zukommt, gerade bemerkt hat. „Das ist nicht mehr witzig!“ Witzig oder nicht, es ist unausweichlich. Jetzt sind wir in der Reichweite des Wasserschlauchs – der Jeepfahrer macht extra langsam. Nina und ich sitzen ganz außen. Gekreische.

Wir steigen aus und stehen tropfnass mitten auf dem staubigen Acker, eine Wasserpfütze im Sand hinterlassend. Doch der Halt ist nur zum Nachladen gedacht – mit frischen Wasserreserven geht es wieder auf die Piste.

Es ist unausweichlich, der Fahrer macht extra langsam. Tropfnass steigen wir aus dem Auto…
Der Staub bedeckte unsere Gesichter und unsere Klamotten mit einer grauen Schicht…

„Ich hab hier was für euch.“ Sagt Rambo verschwörerisch und hält dabei etwas in der Hand. „Aber das dürfen die anderen nicht erfahren, deshalb sitzen wir so abseits. Erzählt es nicht weiter…“

Irgendwann wird nicht mehr geschossen, das Wasser ist wieder alle, die Begeisterung ein wenig abgeebbt. Auf einem Campingplatz irgendwo mitten im Wald können wir an den Freuluftduschen den meisten Staub loswerden und die Klamotten so gut es geht durchwaschen. In Bikini-Oberteilen sitzen wir dann auf den Camping-Stühlen da und haben unsere T-shirts zum Trocknen über die Stuhllehne gehängt. Bäume spenden Schatten, doch den wollen wir im Moment nicht – wir frösteln, wir wollen Sonne!

Eine Gruppe junger Männer beginnt, sich an den Händen haltend, um den gefliesten Swimmingpool mit einen türkischen Tanz. Sie singen, lachen und klatschen in die Hände. Ich bin fasziniert. Ich laufe an der Gruppe vorbei, um mir an einem der vielen Stände am Eingang zum Camp ein Erinnerungs-T-shirt zu kaufen. Marmaris-Jeep-Tour steht drauf.

Nachdem wir ausgeruht und einigermaßen trocken sind, fahren wir weiter. Es gibt keine Wasserschlacht mehr, die Pistolen wurden eingesammelt. Wir genießen die Landschaft. Ab und zu reißt an der Seite eine Lücke in der Vegetation auf und gibt den Blick auf einen Abgrund oder einen blau schimmernden See in der Ferne frei. Ich fühle mich glücklich, dass ich das erleben kann.

Die alte Frau lacht, während sie das Fleisch wendet. Der Grill raucht und brutzelt und der Duft vom köstlichen Essen steigt uns in die Nase. Frische Salate und buntes Gemüse wartet in Schüsseln und daneben stapeln sich Pappteller und Besteck. Die Tische sind in mehreren Reihen aufgestellt, wir sitzen im Schatten der Bäume und warten ungeduldig aufs Essen. Die ganze Action hatte uns ordentlich Appetit gemacht. Wir werden nicht enttäuscht, denn es schmeckt köstlich. Das Fleisch ist zart und saftig und die Salate knackig und frisch.

Danach fahren wir weiter, mitten durch den Wald. Ich hatte irgendwann gelesen, dass bei diversen Gruppenführungen und -ausflügen den Höhepunkt der Tour immer irgend ein Wasserfall bildet. Auf jeden Fall gehts jetzt weiter zu einem Wasserfall. Wir verlassen die Jeeps und steigen einen steilen Pfad nach oben. Ich bleibe weit hinter Nina und den anderen zurück, denn die Natur nimmt mich gefangen; kleine und große, schimmernde Libellen lassen sich furchtlos auf Blättern nieder und lassen einen ganz nah an sich heran. Eine giftgrüne Spinne flechtet ihr Netz zwischen den Zweigen. Und zwischen den Blättern und Sträuchern kann man den kristallklaren Bach fließen sehen.

Oben wartete der Wasserfall auf uns. Wer wollte, konnte über eine Treppe bis ganz nach oben – und hinunter springen; am Fuße des Wasserfalls hatte sich ein kleiner, eiskalter, See gebildet. Ich überlegte, auch in das Wasser zu steigen, nehme jedoch, nachdem ich einen Zeh in den fließenden Bach gesteckt hatte, schnellstens wieder von der Idee Abstand. Es ist, als würde man in einen Becher gewürfeltes Eis steigen. So begnügen wir uns beide damit, am Ufer zu bleiben und verständnislos die anderen plantschenden Menschen zu beobachten. Selbst für meine Füße ist mir das Wasser zu kalt – wobei; ich friere eh schnell. Kaltes Wasser… brrr…

„Rambo“, der inzwischen begonnen hatte, Nina und mich heftig anzuflirten, kommt auf uns zu; er will uns etwas zeigen. Wir folgen ihm zu einem niedrigen Bau aus Stein; die Fenster sind offene Lücken und Trockenfrüchte hängen auf einer Schnur aufgefädelt. Ein gußeiserner Wasserkessel dampft vor sich hin und eine kleine, quirlige alte Frau wuselt herum.

Im Fenster hängen Trockenfrüchte und ein Wasserkocher dampft vor sich hin

„Rambo“ geht mit uns zur anderen Seite des Hauses und nimmt mit uns an einem kleinen Tisch Platz. Er wolle uns zum Tee einladen. Und während die alte Frau uns eine Kanne Tee und kleine Gläser bringt, wie es in der Türkei Sitte ist, fängt er an, über sich zu erzählen.

Sein richtiger Name sei Hakan. Er erzählt von Zuhause, von seiner Familie und von seinen Kindern. „Sie sind ganz toll!“ Schwärmt er und strahlt, und sieht plötzlich menschlich und gar nicht mehr unnahbar aus. „Ich bin immer ganz glücklich, wenn ich sie abends sehe.“ Doch von der dazugehörenden Frau erzählt er uns irgendwie gar nichts.

Ich beobachte die kleine, alte Frau, die mit flinken Schritten hin und her läuft und ihren Haushalt versorgt. Sie ist schnell und hat clever blitzende Augen und ein herzliches Strahlen in ihrem Gesicht. Ich fasse mir ein Herz und frage sie, eher wir gehen, ob ich ein Foto von ihr machen könnte. Die Frau strahlt, lacht und positioniert sich; die Hände in die Hüften gestemmt schaut sie forsch in die Kamera. Danach, als ich mich bedanke, drückt sie mich und redet auf türkisch auf mich ein. Hakan übersetzt: „Sie sagt, ja natürlich kannst du ein Foto von ihr machen, dafür brauchst du dich nicht zu bedanken.“ Wie süüüß! – Denke ich und quitsche innerlich.

„Wie wenig man braucht.“ Sagt Nina nachdenklich, als wir wieder im Auto sitzen. „Die alte Frau von eben hat nicht viel – sie lebt in ihrem kleinen Häuschen und ist glücklich damit, und hat einen so positive, tolle Ausstrahlung. Und wir brauchen immer mehr von diesem, von jenem…“

Ich war beeindruckt, jemanden mit einem solchen inneren Leuchten getroffen zu haben. Die alte Frau wirkte rundum zufrieden und mit sich selbst in Reinem, so wie ich es niemals sein könnte. Doch vielleicht brachten das Alter und die Erfahrung das mit sich? Und vielleicht sehen wir nur das, was wir sehen wollen? Wer sagt denn, dass sie überhaupt dort in diesem Häuschen lebt?

Und ich wusste auch: Mir würde ein solches Leben nicht reichen; ich wollte die Welt sehen.

Die Welt? Aber was ist es denn; die Welt?

Alles.

Alles?

Die alte Frau stemmte die Hände in die Hüften und blickte forsch in die Kamera.
„Rambo“ erzählt von seiner Familie

 

Spartakus kommt zu Besuch

„Das könnt ihr doch nicht machen!“ Seine Augen schauen uns fast schon flehentlich an. Das unbekümmerte Selbstbewusstsein, welches er noch zwei Stunden zuvor zur Schau trug, zerbröselt vollends. „Ich bekomme Probleme! Große Probleme!“

Der Jesussteg

Der See ist fantastisch. Blau, von hohen Bergen umgeben; der See mit dem Jesus-Steg ist unser nächster Halt.

Den sogenannten „Jesus-Steg“ bildet eine Erhebung im Wasser, die sich quer durch die Mitte des Sees zieht und es ermöglicht, ihn von einem bis hin zum anderen Ufer zu Fuß zu überqueren, so dass der Eindruck entsteht, als würde man über Wasser laufen. Dabei wirft sich mir die Frage auf, ob der „natürliche“ Steg nicht mal ganz nebenbei mit Steinen aufgeschüttet wurde… und ob Jesus seinerzeit die Ägäische Küste besuchte…

Und während all die Touristen einer nach dem anderen fleißig ihren „Jesus-Steg“ ablaufen, reservieren wir uns jeweils eine Liege und genießen den wunderschönen Ort.

Einzig die Annäherungsversuche von „Rambo“ und „Spartakus“ gehen uns langsam auf den Keks und als prompt die Frage nach einer Massage kommt, lehne ich ziemlich einsilbig ab. Hier wird eine Grenze überschritten und das weiß „Rambo“ auch; doch um noch einigermaßen sein Gesicht zu wahren, würdigt er uns ab diesem Moment keines Blickes mehr.

Solche Bedenken hat „Spartakus“ leider nicht und klebt an uns weiterhin wie eine pappige Gutzel. Ob er wohl ein Foto mit uns beiden… „Nein!“

„Aber why not? I am Spartakus!“ Oh meine Güte…

Ich schwimme im See, Nina bleibt auf der Liege. Ich könnte noch hier bleiben, könnte noch viel länger bleiben, der See ist echt schön. Doch wir haben nur eine Stunde. Es ist später Nachmittag und viel zu schnell geht die Zeit rum. Die Touristen werden eingesammelt und wieder tuckern die Jeeps einer nach dem anderen vom Parkplatz runter, diesmal in Richtung Marmaris.

Doch es fehlt noch ein Teil der Geschichte: Die Sache mit dem Deal. Hier ein kleiner Exkurs also; wir sind wieder am Campingplatz im Wald, wo wir nach der Wasserschlacht in den Jeeps duschen und ausruhen können. Wir sitzen in den Campingstühlen und am Rande des Swimmingpools tanzen junge Männer zu türkischer Musik. Rambo nähert sich uns. „Ich hab hier was für euch. Normalerweise kostet es viel mehr, aber für euch nur die Hälfte… bloß erfahren dürfen die anderen das nicht, denn eigentlich verkaufen wir die für sechszig Euro.“ Sagt er verschwörerisch. In der Hand hält er eine CD.

„Was ist das?“ Wollen wir wissen. Das seien die Aufnahmen von der Jeeptour. Es würde eine CD mit Bildern und eine DVD geben, allerdings muss das Material noch zugeschnitten werden. Ob wir die für dreißig Euro haben wollten. Für die anderen, wie gesagt, sechszig. Nina und ich beratschlagen uns kurz. Es erscheint uns teuer, allerdings bräuchten wir das ganze nur einmal, da wir die Aufnahmen dann einfach kopieren würden. Wir sagen zu.

Und so kommt es, dass Spartakus, der gerade im Jeep neben Nina sitzt und unentwegt auf sie einredet, uns noch einen Besuch im Hotel abstatten wird…

Nach der beendeten Jeep-Tour kommen wir leicht genervt ins Hotel. Und „leicht genervt“ ist hier noch weit untertrieben, denn unsere anhänglichen Guides hatten ganze Arbeit geleistet. Was uns allerdings im Moment noch mehr auf den Magen geht, ist die Sache mit den CDs und unserer allzu schnellen Zusage.

„Dreißig Euro für eine Bilder-CD!“ Ich sitze auf der Couch und schaue zu Nina hoch. „So viel kostete noch nicht einmal die Tour!“ Und tatsächlich hatten wir die Jeep-Tour für umgerechnet knapp fünfzehn Euro gebucht und schon von dem zusätzlichen Endgeld für die Wasserpistolen hatte uns keiner etwas gesagt. Ich hätte sie trotzdem genommen, kein Thema – nur hätte ich es gerne vorher gewusst.

Und nun haben wir beide ganz stark den Verdacht, Urlaubserinnerungen zum Wucherpreis gekauft zu haben.

„Noch haben wir gar nichts gekauft!“ Ereifere ich mich. „Das sind fünfzehn Euro pro Nase – ein nagelneues Album von Madonna kostet so viel! Und von wegen zum halben Preis – das wird er jedem gesagt haben, der dort saß!“

„Was wollen wir machen?“ Fragt mich Nina.

„Wie wichtig sind dir die Bilder?“ Frage ich sie.

„Eigentlich… nicht so wichtig, ich habe ja selbst fotografiert.“ Wir beschließen; wir nehmen die CD nicht. Der arme Junge… aber andererseits, das Leben ist kein Ponyhof, beruhigten wir uns gegenseitig. Noch war es leicht, gegen das eigene schlechte Gewissen anzureden, doch je näher sich der Zeiger in Richtung des verabredeten Zeitpunkts bewegte, umso banger wurde uns. Jemandem etwas absagen war was, das weder sie noch ich allzu gerne taten.

Nun sitzt der arme Kerl neben uns unten an der Rezeption und schwitzt Blut und Wasser (oder er sieht zumindest aus). „Was ist denn das Problem?“ Frage ich. „Sag doch einfach deinem Chef, wir hätten es uns anders überlegt; das ist uns einfach zu teuer!“ Spartakus stottert herum. Er sagt, sein Chef würde denken, er hätte die CDs verkauft und das Geld in die eigene Tasche gesteckt. „Ich bekomme großen Ärger!“ Nina und ich schauen uns an.

„Nimmt die CDs beide für fünfzehn Euro. Keine dreißig – nur fünfzehn Euro. Bittee!“ Oje. Er ist gut, er ist verdammt gut. Wir geben uns geschlagen; ich laufe nach oben und hole das Geld.

Den Abend haben wir für uns. Und irgendwie ergibt es sich fast immer, dass wir das Abendessen im Hotel verpassen. Auch jetzt sind wir an der Promenade unterwegs. Es ist dunkel und die Lichter der Bars und Cafes erleuchten den Strand. Stimmengewirr und Musik ist von überall her zu hören und emsige Jungs und Mädels versuchen, uns in eines der vielen Lokale zu locken.

Inzwischen hatten wir uns bereits längs über den Wechselkurs informiert und so schauen wir uns nur vielsagend an und laufen weiter, als man uns mit einem Crêpe für umgerechnet vier Euro übers Ohr hauen will.

Wir laufen die Promenade entlang, biegen dann ab zum Strand hinunter. Hier ist es dunkler, nur noch gedämpft spiegelt sich das Licht in unseren Gesichtern. Das hier ist die Zeit für uns und nur für uns; für Gespräche, geteilte Sorgen und Geheimnisse. Fürs Zuhören, Verstehen, füreinander da sein. Deshalb nehme ich Dich, lieber Leser, nun an die Hand und führe Dich fort von den zwei Mädels am Strand; Du und ich, lieber Leser, gehen weiter die hell erleuchtete Promenade entlang und überlassen die beiden sich selbst und ihrem Augenblick, wir entfernen uns, bis sie nur noch im Zwielicht zwei dunkle Flecken am Strand sind, die just aus den Augen verschwinden in dem Moment, in dem man um die Ecke biegt.

Kasia

Hi, ich bin Kasia, die Stimme von "windrose.rocks" :-)
Treibt Dich die Frage um, was sich denn alles jenseits der heimischen Couch verbirgt, bist Du rastlos und neugierig wie ich und spürst den Drang in Dir, in die Welt hinaus zu gehen? Dann tue es! Ich nehme Dich mit auf meine Reisen und lasse Dich hautnah das Unterwegs sein miterleben - in all seinen Facetten. Lass Dich inspirieren, komm mit mir und warte nicht länger, denn... die Welt ist so groß und wir sind so klein, und es gibt noch so viel zu sehen!

Die Welt wartet auf uns.

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