In der Stadt der Sonne

Kategorien Europa, Katalonien, Spanien

Barcelona, Juni 2016

Es ist mitten in der Nacht, als mein Wecker klingelt, und meine brennenden Augen sagen mir: Schlaf, Kasia, Schlaf… Doch ich kann nicht, ich habe noch so viel zu tun…

Also schleppe ich mich müde in mein Bad und knalle erstmal ordentlich Wasser über meinen Körper. Aus dem Spiegel schauen mir ein Paar tiefliegende Augen entgegen.

Dann gehts ans Packen. Nur das Nötigste soll mit. Ich will später nichts unnötig mit mir schleppen müssen. Doch beim Packen finden sich immer mehr Dinge, die „nötig“ sind. Das Moskitospray zum Beispiel. Besser haben als nicht haben. Vielleicht noch ein T-shirt extra. Wer weiß…

Am Ende mache ich die Menge an Gepäck vom Fassungsvermögen meines Rucksacks abhängig. Schließlich benötigen manche Menschen die gleiche Menge an Tragbarem, um um die ganze Welt zu reisen, denke ich beschämt. Aber auch Frauen? Ja, auch Frauen!

Am Ende kann sich das Ergebnis jedoch sehen lassen. Die Beladung meines Rucksacks ist moderat. Und es hat sogar für ein bisschen Luxus gereicht: ein Extrapaar Sommerschuhe… ?

Mareike, Stefans Schwester, brachte uns nach Frankfurt zum Flughafen. Ich fühlte mich… es war irgend etwas zwischen aufgedreht und absolut müde. Während ich hinten im Auto saß und den Gesprächsfetzen lauschte, die von vorne zu mir drangen, beobachtete ich die glühendroten, kleinen Wolken, die mal für mal zwischen den Bäumen auftauchten wie nachglühende Kohlen.
Circa halb sechs – Sonnenaufgang. Doch schon ab vier Uhr war es draußen drückend warm. Und man spürte förmlich, dass es im Laufe des Tages noch viel, viel heißer werden würde.

Ein Croissant könnte ich jetzt vertragen. Und einen Kaffee. Vielleicht finden wir etwas am Flughafen…?

Während wir uns Frankfurt näherten, stieg rechts von uns eine dichte Nebelbank von den grünen Feldern auf. Die Sonne erleuchtete den feinen Schleier und ließ ihn golden schimmern. Eine Sekunde später war der schöne Anblick auch schon wieder an uns vorbeigezogen. Es ging weiter.

Ein Lufthansa-Airbus (Stefan…? War das einer?) tauchte hinter den Bäumen im Landeanflug auf; riesig schob sich die Maschine direkt über unseren Köpfen hinweg. Noch war alles in orangenes Licht des Sonnenaufgangs getaucht.

Am Flughafen angekommen verabschieden wir Mareike und ich schaue mich erstmal nach Croissants und einem Geldautomaten um. Mit ersterem habe ich mehr Glück, zweiteres müssen wir suchen. Oben – nur Sparkasse. Stefan zieht mich zu einem Infopoint hin.

„Wozu?“

„Die werden sicher wissen, wo hier welche Automaten sind.“ Also gut.

Der Schalter ist frei, doch beide Damen wirken irgendwie beschäftigt. Ich schwanke hin und her, wende mich dann der etwas weniger „beschäftigten“ Mitarbeiterin zu. Doch bei der Frage nach einem Cash-Pool-Automaten schaut sie mich sehr irritiert an. Ich wiederhole die Frage. Cash-Pool.

„Was ist das denn?“ Fragt sie mich mit großen Augen.

Das ist der Moment, in dem ich mich am liebsten umdrehen und gehen möchte. Kasia, reiß dich zusammen.

„Cash-Pool Automaten wie zum Beispiel Citybank, Satander-Bank, BB-Bank…“

„Da ist eine, direkt hinter Ihnen.“ Antwortet sie pikiert und deutet auf etwas hinter mir. Ich drehe mich um, doch sehe nur die Deutsche Bank.  „BB-Bank…“ Sage ich.

„Ja, DB-Bank, da ist eine. Das ist die Deutsche Bank, oder nicht?“

„Neiiin…“ Presse ich zwischen den Zähnen hervor. Mit meiner Zurückhaltung ist es jetzt dahin. „Bundesbeamten-Bank!“

„Wir haben hier am Flughafen nur die Deutsche Bank und die Sparkasse.“ Antwortet sie trocken. Das glaube ich ihr irgendwie nicht so ganz, doch ich lasse es bleiben, noch irgend etwas dazu zu sagen.

„Die ist total uninformiert.“ Lasse ich Luft ab, als ich wieder bei Stefan bin. „Die wusste nicht einmal, was Cash-Pool ist!“ Stefan lacht herzlich vor sich hin. „Du wärmst dich auf, um dich der temperamentvollen Lebensart der Spanier anzupassen, oder?“

Ich stoße hörbar die Luft aus. „Es gibt nichts Schlimmeres als unqualifiziertes Personal!“ Brumme ich zwischen den Zähnen hindurch und wende nochmal den Kopf nach hinten. Eine der Damen hat jetzt einen Fächer in der Hand und wedelt sich gerade Luft zu.

Bei der Sicherheitskontrolle braucht Stefan ungewöhnlich lange. Verwundert stelle ich mich zu ihm, nachdem ich bereits meine Sachen wieder eingepackt habe. Schließlich haben wir unsere Rucksäcke zeitgleich aufgegeben. Als ich jedoch zu ihm trete, wird mir klar, warum.

Ich beobachte belustigt, wie Stefan und der Sicherheitsbeamte angeregt miteinander diskutieren; dazwischen auf dem Band stehen sein Duschgel und sein Deo, beides mit 200 bzw. 150ml Inhalt.  „Alle Flüssigkeiten nur bis 100ml, egal was drin ist.“ Erklärt gerade der Beamte. Stefans Einwand, dass es am Amsterdamer Flughafen etwas anders lief (auf dem Flug nach Aruba dürften wir sogar kleine 500ml Wasserflaschen mitführen) findet jedoch kein Gehör. Ich stehe daneben und schmunzle vor mich hin. Das mit der 100ml-Inhalt-Begrenzung war mir schon eine Weile bekannt.

„Ärgere dich nicht wegen dem Duschgel.“ Sage ich zu ihm und tätschele seinen Arm, als wir weiter laufen. „Ich habe ein festes Seifenstück zum Duschen dabei, das reicht für uns beide. „Mein Deo kannst du auch haben.“

Das Boarding dauert ewig. Eine sehr lange Schlange steht vor dem Schalter, und die Menschen trippeln schon ungeduldig mit den Füßen. Als wir endlich an Board sind, kann es immer noch nicht losgehen. Das Problem ist diesmal eine Passagierin, die ein übergroßes Stück Handgepäck mit sich führt. Der Koffer lässt sich nirgendwo verstauen und passt weder unter den Sitz noch oben in eines der Fächer rein. Schließlich wird das gute Stück aus dem Passagierraum entfernt und als Gepäck aufgegeben: Kostenpunkt dreißig Euro.

Dann, endlich, heben wir ab.

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Der erste Eindruck, den wir von Barcelona bekommen, ist der Flughafen: schön, hell, lichtdurchflutet, mit viel Glas und Raum. Der Frankfurter Flughafen wirkt wie ein Bunker dagegen. Hier ist das Draußen allgegenwärtig, man lässt den Himmel und die Sonne hinein.

Die erste Aktion ist ein Kaffee in Coffee Costa, ein Lokal, das sich hierzulande mit Starbucks vergleichen lässt. Wir sitzen draußen unter freiem Himmel und entspannen, hören dem spanisch um uns herum zu, irgendwo im Hintergrund quengelt ein Kind. Es ist warm, allerdings ein paar Grad weniger heiß als momentan in Deutschland, und es geht ein leichter Wind, der die Blätter der Schlingpflanzen bewegt. Die Wärme ist perfekt, frisch, angenehm, nicht zu viel und nicht zu wenig. Ab und zu hört man in der Nähe das gedämpfte Dröhnen eines in den Himmel steigendes Flugzeugs, das einzige Geräusch, das uns daran erinnert, dass wir uns noch am Flughafengelände befinden. Ansonsten hätte das hier auch ein Ort irgendwo mitten in Fußgängerzone der Stadt sein können.

Man sieht hier keine gehetzten Menschen: keinen einzigen. Alle sitzen entspannt da, jeder einzelne scheint den Tag zu genießen. Es ist wie in der Karibik – wir lächeln uns an und wissen, dass wir Stress und Ärger weit hinter uns gelassen haben.

Wir fahren mit dem Bus bis zu Placa de Espanya vor, steigen an dem großen Platz aus und schauen uns erstmal beeindruckt um. Umringt von imposanten Gebäuden, die eines mit dem anderen jeweils zu konkurrieren scheinen, thront in der Mitte in einem Kreisverkehr ein riesiges, schmuckes Wasserspiel; eine Fontane mit Skulpturen und kleinen Wasserspeiern verziert.

Es fängt schon mal schön an. Ich bin beeindruckt und ja, auch gnädiger gestimmt, immerhin kaute ich immer noch ein bisschen an der Tatsache, dass Barcelona eigentlich London werden sollte, aber das ist nun keine Frage mehr.

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Hi, ich bin Kasia, die Stimme von "windrose.rocks" :-)
Treibt Dich die Frage um, was sich denn alles jenseits der heimischen Couch verbirgt, bist Du rastlos und neugierig wie ich und spürst den Drang in Dir, in die Welt hinaus zu gehen? Dann tue es! Ich nehme Dich mit auf meine Reisen und lasse Dich hautnah das Unterwegs sein miterleben - in all seinen Facetten. Lass Dich inspirieren, komm mit mir und warte nicht länger, denn... die Welt ist so groß und wir sind so klein, und es gibt noch so viel zu sehen!

Die Welt wartet auf uns.

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