„Nice Piran…“

Kategorien Europa, Slowenien, Venetien

Slowenien, Juli 2014

Über die E70 der Küstenautobahn an der nördlichen Adria, an Trieste vorbei bis zur steinernen Mole  von Koper, wo wir anhalten und eine Pause machen. Der Rastplatz liegt am mit Steinen befestigtem Ufer, an dem ein gepflasterter Fußgängerweg entlangführt. Eiserne, geschnörkelte Sitzbänke bieten Erholung im Schatten riesenhafter Pinienbäume. Das Wasser ist von einem tiefen blau, und in der Ferne sehen wir die Umrisse der Hafenanlage von Trieste. Die lustigen, kleinen Krebse krabbeln wieder die großen Steine hoch. Auch hier ist es schön, doch wir wollen weiter. Wir sind unterwegs zu einem Küstenort, der mit seinem charakteristischen kleinen Turm der Kirche St. Clemente und seinen Häusern wie eine Landspitze in das Meer hineinragt und dessen einfache, ungekünstelte Schönheit uns vom ersten Moment an den Atem raubt – Piran.

Schon vom weiten ist die Stadt eine Aufnahme wert.  Das Cap Madona mit seiner Kirche, beides bildet den westlichsten Punkt Sloweniens. Die sandsteinfarbenen Häuser leuchten in der Sonne, und an der Spitze der Landzunge thront der Kirchturm, oben gezackt, fast so aussehend wie die Figur beim Schach.

Wir parken das Auto etwas außerhalb und gehen zu Fuß weiter die Promenade entlang in Richtung des Yachthafens. Die Häuser weisen stellenweise abblätternden Putz auf; mal für mal führen schmale Gassen durch die Innenhöfe. Auf den Rückseiten der Wohnblöcke sind unzählige Satellitenschüsseln befestigt. Wäsche hängt auf der Leine und flattert im Wind und hier und da gehen Bewohner ihren Alltagstätigkeiten nach. Touristen sucht man hier vergebens. Ja, es gibt sie… aber so vereinzelt, dass sie kaum auffallen.

Stefan hat Hunger. So suchen wir am Wasser eines der Restaurants auf, die in den auf und ab schwankenden ehemaligen Fischerbooten eingerichtet wurden. Wir sitzen direkt am Meer und durch die Holzparavane schauen wir hindurch direkt in die sich gen Westen neigende Sonne. Das Wasser glitzert in ihrem Schein wie tausend Diamanten, Segelboote ziehen am Horizont entlang auf der leicht gekräuselten Oberfläche und wenn ihre Segeln die Sonnenkugel erreichen, erscheinen sie in ihrem Licht transparent, fast ätherisch.

Der Meeresfrüchteteller ist sagenhaft lecker und kann sich mit der italienischen Küche locker messen. Und es ist gar nicht teuer.

Wir wandern weiter und begeben uns immer tiefer in die engen Gassen. Stefan geht vorneweg – ich laufe etwas langsamer, da immer wieder neue Dinge meine Aufmerksamkeit anziehen. So fällt mir im Schaufenster einer Galerie die Ausstellung eines mir unbekannten slowenischen Künstlers auf. Es handelt sich hierbei um Fotomotive aus der Natur: Bäume, Wald, das Spiel des Lichts. Da ich selbst fotografiere und mich ein wenig mit der Materie beschäftigt habe, bin ich zwar nicht beeindruckt, jedoch interessiert.

Wir erreichen den Tartiniplatz, den in der Mitte die Bronzestatue des Komponisten Giuseppe Tartini ziert. Der etwas schiefe Kirchturm des St. Georgs Dom und die Häuser erinnern der Bauweise nach stark an Venedig, durch dessen Baustil man sich hier eindeutig inspirieren ließ. Ich sehe mich um, wandere am Platz entlang und fotografiere, während sich Stefan auf einer Bank unterhalb des Hotels Tartini niederlässt, ausruht und mich beobachtet.

All die Menschen hier genießen ohne wenn und aber den schönen, sonnigen Abend. Es sind nur ganz wenige Verkaufsstände zu sehen, dafür sind alle hier draußen: Familien mit Kindern, Jugendliche, Freunde, Pärchen. Zwei braun gebrannte, ältere Männer sitzen vergnügt auf einer Bank und spielen Schach. Oben auf den Fahnenmasten flattern slowenische Flaggen.

Wir bleiben eine zeitlang am Tartiniplatz, dann schlendern wir wieder zum Hafen und weiter am Wasser entlang.

Slowenien hat eine verhältnismäßig kurze Küstenlinie (46,6 km). Es gibt hier in Piran keinen Strand; die Küste ist mit Steinbrocken befestigt. Doch das tut dem Enthusiasmus der Bewohner keinen Abbruch: De Menschen genießen die Sonne, egal wo und egal wie. Sie legen ihre Strandhandtücher da aus, wo sie gerade Platz finden; sei es oben auf den Steinbrocken, auf Bänken oder aber auch mitten auf der Promenade. Sie cremen sich mit Sonnenmilch ein, legen sich in die Sonne und bräunen sich auf den Felsen wie Nordseerobben. Manche hören Radio, und die Kinder toben im Wasser oder springen ein Stück weiter von einem Steg ins Meer.

Wir umrunden staunend die Strandhandtücher und mein Herz freut sich; das alles erinnert mich so stark an die polnische Mentalität: nutze die gegebenen Bedingungen bestmöglich, um das zu tun, was du möchtest. Oder aber, kurz und knapp: mach das Beste draus. Ich erinnere mich noch, wie ich vor Jahren einmal bei meiner polnischen Freundin Jola und ihrer Familie zum Grillen eingeladen war; Freunde und die ganze Familie hatten sich versammelt, gegrillt wurde draußen im Hof. Und da sie so etwas wie Gartenmöbel nicht besaßen, stellte man kurzerhand die Wohnzimmertische und -Stühle hinaus auf den Hof. Wir amüsierten uns prächtig, auf gepolsterten Holzstühlen inmitten einer Hühnerschar sitzend, und ich muss zugeben, es war einer der tollsten Abende, die ich je erleben durfte.

Wir spazieren weiter die Promenade entlang bis hin zu dem „Schachturm“ (Kirchturm der Kirche St. Clemente). Ein Akkordeonspieler sorgt für Urlaubsstimmung; ich werfe ihm Münzen in seine Mütze. Er weckt heimelige Erinnerungen in mir, denn früher, als ich noch klein war, spielte mein Onkel uns oft etwas auf dem Akkordeon vor.

Ein Stück weiter schaut eine Meerjungfrau aus weißem Gestein melancholisch zum Meer und dem blassblauen Horizont hinaus. Auf einem der Felsen, die sich wie ein Ring um die Küste entlang ziehen, hatte jemand mit großen, schwarzen Lettern geschrieben:

„Nice Piran.“

Ja, denke ich.

Zurück zum Parkplatz nehmen wir einen Shuttlebus. Das Wasser spiegelt die Boote in ihrer glatten Oberfläche. Der Yachthafen sieht in der Abendsonne so ruhig, so schön aus, fällt mir auf, kurz bevor die Türen des Busses sich schließen.

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