Europa, Motorradtouren, Österreich

Einmal Österreich und zurück – über den Wolken

Motorradtour Bayern/Österreich, Juni 2017

Wir verlassen Kufstein und tauchen wieder einmal in die schattigen, kühlen Tiefen des Waldes ein, einen türkisenen, plätschernden Bach mal zu unserer Rechten, mal zu unserer Linken. Ganz viele Biker kommen uns entgegen – wir grüßen sie alle nacheinander, doch eigentlich könnten wir direkt mit erhobener linker Hand weiter fahren.

Wenn wir die Wälder verlassen, tut sich ein großartiges Bergpanorama vor unseren Augen auf, und immer mal wieder nötige ich Stefan zum Anhalten. Riesige, gräulich-blaue Bergketten schieben sich langsam wie in Zeitlupe an uns vorbei, die frische Luft drängt sich förmlich in die Großstadt-Lungen hinein. Ein fast wolkenloser, klarer Himmel, hier und da einzelne Schäferwölkchen, die um die Gipfel tanzen. Und meine Seele tanzt mit.

Die Städte bieten unseren Augen ganz viel Bergromantik; ein altmodischer Pferdewagen trabt gemütlich vor sich hin und blockiert den Verkehr. Fehlt nur noch das lächelnde Milchmädchen mit den metallenen Kannen…

Und dann plötzlich ist der Himmel voller bunter, schwebender Objekte, wie Adler, die um ihren Horst kreisen. Oder, wie Stefan vermerkt, wie ein Aquarium voller bunter Fische. Wir sind an einem Punkt für Paragliding gelandet.

So viele auf einmal habe ich noch nie gesehen; dutzende bunte Schirme kreisen langsam und gemächlich wie riesige Vögel weit oben in der Ferne, und immer neue Gleitschirme stoßen hinzu. Der Berg ist eine der vielen Abflugspots für Paraglider und Tandem. Wir sind in Kössen.

Lange stehen wir da, im Schatten einer Holzhütte vor der gleißenden Sonne geschützt, und starren, die Hand über den Augen, gedankenverloren in den Himmel. Ich erläutere Stefan, wie um mich selbst zu überzeugen, dass uns die Zeit für ein weiteres, aufwendiges Hobby wie dieses fehlen würde; doch Lust hätte ich schon darauf. Wohl weiß ich, dass diese Sportarten nicht ungefährlich sind, doch wir fahren Motorrad, so what…? Und der ganze Himmel ist voller Schirme; wie bunter Schmetterlinge.

Und obgleich ich mir immer selbst gesagt habe, dass Motorrad fahren dem Fliegen sehr nahe kommt, so kommt eines dem doch am nächsten, und das ist… das Fliegen selbst, das Gleiten in die Luft. Genau das, was die Leute da oben jetzt machen, genau das hier.

Als nächstes knattert laut und vernehmlich ein Motoroller vorbei. Ein Fluch für die Menschheit; laut, stinkend und langsam blockieren diese Dinger in regelmäßigen Abständen den Verkehr, mit einer Geräuschkulisse, die in keinster Weise im Verhältnis steht zur Fahrleistung dieser… Fahrzeuge. Ich fluche kurz in meinen Bart hinein. Und während ich noch mein Handy mit eingeschaltetem Filmaufnahme-Modus in den Händen halte, überlege ich bereits, wie ich das störende Geräusch entfernen kann, das so gar nicht zum friedlichen Gleiten am Himmel passen will.

Wenn ich den Blick kurz von den vielen, bunten Punkten am Himmel löse, sehe ich zu meiner Rechten die scharfen Zacken der Dolomiten sich vom Himmel abzeichnen. Etwas weiter unten sanftere, grüne Hügel, die der Berglandschaft etwas liebliches verleihen, ihr etwas von ihrer Strenge nehmen. Schwarze, spitze Konturen der Tannen ziehen sich wie ein Gürtel unter dem Bergkamm hindurch. Und ganz in meiner Nähe, auf einer umzäunten Wiese jenseits der Hütte, in deren Schatten wir stehen, liegen drei braune Kühe im grünen Gras herum und schauen faul und gemütlich kauend umher. Ein Traktor begibt sich auf die Felder.

Ein Klischee stößt hier auf das nächste; es ist Österreich, wie man es sich vorstellt, es ist Tirol, so wie der gemeine Tourist es sehen möchte. Und da ich bei so viel Perfektion immer etwas misstrauisch werde, schaue ich auch jetzt nach einem Gegensatz, nach einem Widerspruch… doch ich kann keinen entdecken. Die schöne Bergwelt ist perfekt.

Ein türkisener See nach dem anderen zieht an uns vorbei, als wir uns endlich zur Weiterfahrt entschließen. Wir folgen wieder dem bläulich schimmerndem Bach, an steilen Bergwänden entlang, während die Strecke immer kurviger wird. Zwischendurch steigen die massiven Felswände links und rechts so abrupt an, dass wir uns mit einem Male vom jeglichen Sonnenlicht abgeschnitten sehen. Eine Felsbrücke taucht vor uns auf, umspannt den Bach und bildet mit den steilen Bergwänden zusammen die vollkommene Bildkomposition.

Doch anhalten ist nicht, und so löst sich dieses perfekte Foto ungeschossen vor meinen Augen wieder auf. Und ich – ich weiß nicht, ob ich mich freuen oder weinen soll. Wenn irgendwo in den Weiten der asiatischen Steppe ein Baum umfällt, es jedoch weder jemand gesehen noch jemand gehört hat; ist der Baum dann umgefallen oder nicht?

Ich beschließe, dass der Baum umfiel und das perfekte, ungemachte Foto auch tatsächlich da war und wende meine Gedanken anderen, irdischeren Dingen zu. Zum Beispiel der Tatsache, dass ich kaum noch sitzen kann. Oder dass mein Hintern eingeschlafen ist. Wahlweise noch, dass der Soziussitz meiner Hornet wohl doch härter ist als ich gedacht habe. Ja, wenn man auf seinem eigenen Bike einmal längere Zeit hinten sitzen muss, dann beginnt man langsam, die Sache mit ganz anderen Augen zu sehen.

Doch wir haben es nicht mehr weit – eigentlich sind wir schon fast da – denn unser Ziel ist der Hintersee bei Ramsau, und bereits vor geraumer Zeit haben wir die Deutsch-Österreichische Grenze heute zum zweiten Mal überquert.

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kasia

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