Gedanken, Projekte

„Gibt es jemanden, der deine Überzeugungen infrage stellt?“ – Momentaufnahmen #4

Die Brieffreundin

Sie war ein Mädchen, das melancholische Musik hörte und sich vorwiegend in tiefes Schwarz kleidete. Sie hatte Piercings und große, liebe, blaue Augen. Ich schätze, sie war ein stilles Mädchen, voll von tiefer Enttäuschung und innerlich verletzt. Ein einsamer Teenager, eine Geschichte, wie wir sie so oft in dieser Zeit, in diesem Alter erleben. In dieser Zeit ihres – unseres – Lebens lerne ich sie kennen.

„Ich schätze“, denn ich kann nicht wirklich sagen, wie sie war. Ich habe sie noch nie getroffen. Sie war damals, in einer Zeit vor Facebook und ständiger Erreichbarkeit, meine Brieffreundin.

Wir teilten unser Teenager-Leben miteinander. In langen, mehrseitigen Briefen wechselten die Zeilen zwischen Geheimnissen, Verliebtheits-Geschichten und Wut auf die Welt. Wir schrieben uns lange Jahre, auch wenn die Briefe irgendwann seltener wurden. Schließlich erstarb unser Briefkontakt eines natürlichen Todes, doch das war okay. Bis die Neue Zeit anbrach, die Zeit von „Wer kennt wen“, Facebook und Co. Und bis ich sie auf Facebook wiederfand. Doch da Social Media oberflächlich ist und ein paar Chats niemals die emotionale Qualität und Länge eines handgeschriebenen Briefes wiedergeben können, blieb unser Kontakt sporadisch und dünn. Die Teenagerzeit war vorbei, die Zeit der langen Zeilen und anvertrauten Gedanken. Und in Wirklichkeit – seien wir doch mal ehrlich – wusste ich kaum etwas über sie.

Hier kommt das Jahr 2015 ins Spiel. Das Jahr der großen Flüchtlingsbewegung, von den Medien einstimmig als „Flüchtlingskrise“ bezeichnet. Nach einer großen Willkommenskultur beginnt die Stimmung im Land, sich zu wandeln, bis hin zu offener Feindschaft den Neuangekommenen gegenüber. Spätestens seit der Silvesternacht in Köln bekommen viele Angst. Und ja, dies ist der Moment, an dem ich auch zweifle. Doch darum soll es nicht gehen.

Meine Brieffreundin beginnt, zu zündeln. Ich lese ihre Beiträge mit und stelle mit Erschrecken fest, dass sie zu denjenigen gehört, die die feindliche Stimmung noch anheizen. Ja, ich bin (war) in dieser Zeit parteiisch, hatte meine vorgefertigte Meinung. Das an sich ist nichts Schlechtes. Doch bei diesem emotional aufgeladenem Thema, in dieser emotional aufgeladenen Zeit, da hatte ich irgendwann keinen Weg mehr für mich gesehen, weiterhin mit ihr umzugehen. Ich beendete den Kontakt – sie bedauerte es. Warum müsse ich das Private von der politischen Einstellung eines Menschen abhängig machen?

Vielleicht war es falsch, einfach zu blocken. Ich weiß es nicht. Damals erschien es mir als die beste, die richtige Entscheidung. Doch heute kommen mir Zweifel.

 

Freunde, Umfeld, Familie

Heute, rund fünf Jahre später. Ich habe dazu gelernt. Versuche, die Dinge differenzierter zu sehen. Die Meinung und Einstellung der Menschen in meinem Umfeld. Versuche, zu ergründen, warum sie so denken, wie sie denken. Warum glauben Familienmitglieder so vehement an krude Verschwörungstheorien? Warum wählen sie Populisten? Warum sind sie so hart in ihren Äußerungen?

Ich kann manches nicht verstehen, aber ich versuche es. Was bewegt sie dazu? Was, wenn das, was sie sagen, mein Verständnis übersteigt?

Dann frage ich nach. Lasse sie reden. Auch wenn ich mit ihren Gedanken nicht einverstanden bin, weiß ich, dass sie gute Menschen sind. Man kann ein Gespräch führen, auch ohne dabei auf einen Nenner zu kommen. Es kann einen Austausch geben, auch ohne dass es dabei zu einem gemeinsamen Kontext kommt. Und man kann ein Gespräch beenden, auch ohne dass jemand am Ende überzeugt wurde.

Ich habe Freunde, die ich als Hardliner bezeichnen würde. In ihrer Einstellung. In allem. Die, würde ich ihnen auf einer Social Media Plattform begegnen, für mich sofort als Persona non grata gelten würden. Mit einem Klick gelöscht. Passt nicht. Geht nicht.

Und im Real Life?

Im Real Life höre ich ihnen zu. Ich kenne ihren Hintergrund, weiß, warum sie denken, wie sie denken. Auch wenn ich mit ihrer politischen Meinung nicht einverstanden bin. Doch sie sind so viel mehr als das.

Und meine Brieffreundin?

Das ist die Frage, die sich mir manchmal stellt. Hätte ich sie persönlich gekannt – hätte ich dann genauso entschieden?

Mit dieser Geschichte, gespickt mit Fragen und Gedanken, nehme ich an Aequitas et Veritas Mitmachaktion „Momentaufnahmen“ teil. Bei dieser geht es um Gedankenspiele. Aequitas et Veritas wirft alle zwei Wochen eine Frage in den Raum. Das Thema kann alles sein, doch meist sind es Fragen, die zum Nachdenken anregen. Wer teilnehmen möchte, hat zwei Wochen Zeit, etwas dazu zu schreiben.

Zu meiner Geschichte: Was ist mit dir? Standest du irgendwann einmal auch vor einer ähnlichen Wahl? Wie hast du dich entschieden? Oder war das Beenden von Kontakten aufgrund von stark konträren Meinungen für dich noch nie ein Thema? Wie gehst du mit für dich stark emotional aufgeladenen Themen um? Ich freue mich auf deinen Senf 😉

Kasia

Hi, ich bin Kasia, die Stimme von "windrose.rocks" :-)
Treibt Dich die Frage um, was sich denn alles jenseits der heimischen Couch verbirgt, bist Du rastlos und neugierig wie ich und spürst den Drang in Dir, in die Welt hinaus zu gehen? Dann tue es! Ich nehme Dich mit auf meine Reisen und lasse Dich hautnah das Unterwegs sein miterleben - in all seinen Facetten. Lass Dich inspirieren, komm mit mir und warte nicht länger, denn... die Welt ist so groß und wir sind so klein, und es gibt noch so viel zu sehen!

Die Welt wartet auf uns.

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30 Kommentare

  1. Liebe Kasia,
    ach ich hatte früher auch so tolle Brieffreundschaften. Was war das schön! So ein handgeschriebener Brief hat schon etwas.

    Zu dem Hauptthema. Es ist schwierig, sehr schwierig. Ich hatte eine Kollegin und sehr gute Freundin. Wir kannten uns 20 Jahre lang. Sie ist selbst in ein EU-Land ausgewandert, um dort zu arbeiten. In den letzten Jahren nach 2015 veränderte sie sich sehr extrem. Sie war nur noch über die Kanzlerin und die Ausländer am Schimpfen. Das kam immer aus heiterem Himmel, beim Telefongespräch, beim Spazierengehen, in der Stadt, im Restaurant. Da brauchte nur eine Frau mit Kopfbedeckung an uns vorbei zu gehen und schon ging es los. Ich fand es schlimm und peinlich zugleich und bis heute verstehe ich es nicht!

    Sie hat mehrere Studienabschlüsse,hatte einen guten interationalen Job mit Kollegen/innen aus aller Welt. Es ging ihr gut. Zuhören hilft da einfach nicht weiter. Und sie ließ kein Argument und keine andere Meinung gelten. Sofort wurde sie furchtbar wütend. Sie selbst hat die Freundschaft beendet, nachdem ich nach langer Zeit öfters meine Sicht der Dinge vertreten habe. Im Grunde kann ich froh darüber sein aber man will ja eigentlich verstehen.

    Liebe Grüße
    Renate

    1. Hallo liebe Renate,

      danke für deine Geschichte.
      Vielleicht hilft das ja: mir ist aufgefallen, dass viele Menschen aus Migrationsfamilien, vorzugsweise Frauen, eine sehr extreme und migrationsfeindliche Sicht der Dinge entwickeln. Eine Freundin hatte versucht, mir das zu erklären. Ihre Familie ist aus dem Iran eingewandert. Die Mutter hatte die drei Geschwister alleine groß gezogen. Geflüchtet ist sie vor der Unterdrückung und der Verfolgung, und vor einem gewalttätigem Vater. Meine iranischstämmige Freundin erklärte es mir sinngemäß so:

      „Die Frauen kämpfen für uns darum, kein Kopftuch tragen zu müssen, sich nicht anpassen zu müssen, frei zu sein und zu tun, was sie wollen. Vor dieser Unterdrückung ist meine Mutter damals geflüchtet. Und dann kommen all die anderen Frauen hierher, protestieren und klagen dafür, das Kopftuch wieder anziehen zu dürfen? Sie verderben uns das alles, was wir uns erkämpften.“

      Eine andere Freundin, türkischstämmig, ist der Ansicht, dass alle Ausländer, die nach Jahren in Deutschland der Sprache nicht mächtig sind, ausweisen solle. Ich werfe dann vorsichtig ein, dass doch ihre Eltern (beide um die achtzig, dreißig Jahre im Land) ebenfalls kein deutsch können.
      „Ja,“ Sagt sie. „Ich würde auch meine Eltern ausweisen lassen. Die sollen sich anpassen, stattdessen leben sie in ihren Communitys.“

      Langer Rede kurzer Sinn: ich vermute, die Freundin (soweit ich das verstanden habe, in die EU eingewandert?) könnte ähnliche Motive gehabt haben. Meine wurde auch immer furchtbar wütend, da war das Diskutieren sinnlos. Es ist für die Menschen ein sehr emotionales Thema, und sie fühlen sich mit einer abweichenden Meinung persönlich getroffen. Spekuliere ich mal. Ich versuche auch, es zu verstehen. Es ist nicht immer einfach, aber jeder hat seine Gründe.

      Es ist schade um euch. Warte mal ab, vielleicht braucht es ein paar Jährchen Abkühlung. Vielleicht lauft ihr euch nochmal über den Weg 😉

      Liebe Grüße
      Kasia

      1. Liebe Kasia,
        nicht ganz. Es ist eine Deutsche, die in ein anderes EU-Land ausgewandert ist. Sie nimmt theoretisch selbst den dort lebenden Einwohnern die Arbeitsplätze weg.
        Ich denke, Anpassungen benötigen Zeit. So manche/r ist noch nicht lange in Deutschland. Ich halte es nur für übertrieben, bei jeder einzelnen Frau mit Kopftuch auf der Straße so ein Theater zu machen. Denn ich kenne die Person und ihre Hintergründe nicht.
        Anpassungen erwarte ich dann auch von Deutschen, die in andere Länder auswandern und sich dann Häuser kaufen. Wenn sie dann kleine deutsche Gruppen bilden und nicht wenigstens versuchen, die jeweilige Landessprache zu lernen.
        Ich fürchte, meine Bekannte schaut zu viel diesen russischen Sender, der sehr viele Fakestorys bringt und glaubt das auch noch.
        Liebe Grüße
        Renate

        1. Liebe Renate,

          okay, es ist also eine ganz andere Geschichte. Hm, ja, da weiß ich ehrlich gesagt auch keinen Rat bzw. keine Erklärung, die mir zu ihrer Situation und ihrer Einstellung einfällt. Es ist schade, dass man sich wegen so etwas nicht mehr versteht, aber sie ist den Schritt ja selbst gegangen. Vielleicht war es wirklich besser so.

          Man weiß nicht, was sie dort geprägt und beeinflusst hat. Aber es wäre zu viel verlangt, alles und jeden verstehen zu wollen. Manche Dinge lassen sich nicht ändern. Und du kannst dich nicht verstellen und so tun, als seiest du ihrer Meinung. Lächeln und nicken, das geht auf Dauer nicht gut.

          In diesem Fall würde ich sagen, dass du vielmehr ihre Überzeugungen herausgefordert und infrage gestellt hast, als sie die deinen. Vielleicht wirken die Dinge, die du gesagt hast, irgendwo noch in ihr nach. Manches begreifen Menschen erst viel später, manchmal braucht so etwas Zeit.
          Ich wünsche dir alles Gute!

          Liebe Grüße
          Kasia

  2. Ich habe ein Weilchen gebraucht, um über den Kernpunkt deines Beitrags nachzudenken. Hier ist mein Geständnis: ich messe mit unterschiedlichen Maß. Das mag weder gut noch vorbildlich sein, doch es ist die Realität. Und obwohl ich mir dessen bewusst bin, dass es nicht gerade fair ist, fällt es mir schwer, über meinen Schatten zu springen.

    Wie sicherlich die meisten Menschen habe auch ich Reizthemen, bei denen ich Meinungen, die von meinem Standpunkt fundamental abweichen, nur schwer aushalten kann. Die Spitzenreiter dabei: Covid-19 verleugnen oder verharmlosen, Menschen wegen ihrer Herkunft herabzuwürdigen und populistische Parteien wählen.

    Auch in meinem persönlichen Umfeld gibt es Leute, die mich in dieser Richtung herausfordern. Je nach Gemüts- und Geduldslage neige ich mal dazu, mit ihnen über das Thema zu reden oder aber ich wechsele das Thema, weil ich keinen Nerv und/oder keine Lust auf zermürbende Diskussionen habe, die in der Regel zu nichts führen.

    Diese Mühe gebe ich mir auf Social Media nicht. Auf Facebook habe ich schon häufiger Bekannte aus meiner Freundesliste entfernt, ohne Kommentar. Ein Klick und weg. Das waren jedoch – das muss ich dazu sagen – allesamt Leute, die ich zwar persönlich kenne, die ich aber nicht (mehr) im realen Leben treffe. Meist liegt das schlicht an den unterschiedlichen Wohnorten.

    Genauso verfahre ich mit Bloggern, denen ich folge. Wenn auf einem Blog Beiträge mit rechten, populistischen und verschwörungsmärchenartigen Inhalten auftauchen, bin ich weg. Ebenfalls kommentarlos.

    Ja, warum lege ich da ein unterschiedliches Maß an? Und warum „verschwinde“ ich wortlos? Vielleicht aus Bequemlichkeit. Oder weil mir Leute, die nicht unmittelbar in meinem Umfeld sind und mit denen ich nur im Netz Kontakt habe, aber nicht „in echt“, einfach nicht wichtig genug sind, als dass ich Zeit, Nerven und Energie in sie bzw. in die „Beziehungspflege“ stecke. Vermutlich von beidem etwas. Oder vielleicht aus noch weiteren Gründen, denen ich bisher noch nicht auf die Schliche gekommen bin.

    1. Liebe Elke,

      ich danke dir erstmal für deine tiefen Gedanken und Überlegungen.
      Ich denke, dass viele, so wie du, mit zweierlei Maß messen, je nachdem, ob es sich um gute Freunde oder Bekannte aus dem www handelt. Und das ist auch in Ordnung. Wir tun das, um unsere emotionalen Ressourcen zu schonen. Ich überlege mir erstmal, wo sich das Reden lohnt. Und wo das „Aushalten“. Bei entfernten Bekannten, zu denen kein persönlicher Kontakt besteht, wäre ich vermutlich auch ohne Kommentar weg.

      Bei guten Freunden, wo regelmäßiger Kontakt besteht, sehe ich automatisch über ein paar Dinge hinweg oder entwickle Verständnis für ihre Beweggründe, obwohl ich mit dem, was sie sagen, nicht einverstanden bin. Natürlich diskutiere ich. Es geht ja auch nicht darum, alles abzunicken und nichts zu sagen.

      Ich denke, das Messen mit zweierlei Maß ist hier weniger Bequemlichkeit als eher Selbstschutz. Auf jemanden, den du nur flüchtig kennst, wirst du so oder so nicht den entsprechenden Einfluss haben, als dass er dich bei einer Diskussion ernst genommen hätte. Du hättest dich angestrengt, und höchstwahrscheinlich wäre das verpufft. Nicht immer lohnt es sich.

      So wie dir ging es mir mit diesem Mädchen. Ich war mir nicht sicher, ob die Mühe „lohnt“, schließlich kannte man sich kaum richtig. Und für mich waren weniger ihre Meinung an sich, sondern dieses ständige Provozieren schwer zu ertragen.

      Liebe Grüße
      Kasia

  3. Test ! Jetzt probiere ich das mal ob es funktioniert

    1. Lieber Manni, natürlich funktioniert es, warum sollte es nicht? *Kopf kratz*

      Es hat sich nichts geändert… 😉

  4. Hmmm.. schwierig..
    Normalerweise lasse ich jedem seine Meinung – nicht alle Menschen die ich in meinem Leben kennen gelernt habe waren mit mir auf einer Wellenlänge. Menschen, die ich kennen lerne und direkt erkenne, dass Sie charakterlich so gar nicht „meins“ sind – die blocke ich direkt.
    Trotzdem ändern sich auch bestehende Freundschaften im Laufe der Dekaden. Man verliert sich aus den Augen – meistens verblasst eine Freundschaft wenn ein Freund heiratet: der Lebenspartner und Familienplanung und das „Erwachsenwerden“ (wie es von Frauen gerne genannt wird – aber eigentlich nur bedeutet: „treib dich nicht mit dem Spinner draussen rum“..;-)) ist nun wichtiger als das nächtliche „um die Häuser ziehen“..
    Ich habe mal vor ca. 10 Jahren ein „Best Friends Gathering“ abgehalten. Das heisst, ich habe mal alle alten Freunde, die ich über die Jahrzente hatte angeschrieben und eingeladen bei mir mal einen Sonntag zu brunchen. Der Hintergedanke war natürlich, dass sich dort Synergien ergeben und sich auch Ex-Freunde mit aktuellen Freunden untereinander vernetzen.
    Der Plan war gut – ging aber nach Hinten los. Tatsächlich haben sich die Leute nur durchgefuttert und sind dann wieder gegangen.
    2 Wiederholungen im Jahreturnus liefen synchron ab. In der Zeit hatte keiner meiner alten Freunde sich mal von sich aus bei mir gemeldet, oder mich zu einem Gegenbesuch eingeladen. Da wusste ich, warum die Freundschaften eingeschlafen waren – es waren Schnarchnasen, die man immer erst in den Ar… treten musste, damit Sie sich bewegen.
    Freundschaft lebt een auch vom mitmachen.
    Positiv war, dass ein alter Bundeswehr-Kamerad mit dem ich damals ein tolles freundschaftliches Verhältnis, welches auch nach der BW-Zeit Bestand hatte, bis er in Köln Sport studierte und dann aus meinem Blickfeld verschwand, wieder zum Vorschein kam. Er hatte mich in der Vergangenheit auch mehrmals vergeblich gesucht – war aber bei meinem Nachnamen, den er falsch im Gedächtnis hatte nie fündig geworden. Und selbst nach 40 Jahren hatten wir das Gefühl als hätten wir uns nicht verändert. Lachen immer noch über den gleichen Scheiss, hören die gleiche Musik. Gut T. ist jetzt verheiratet – aber er hat die Assimilationsversuche erstaunlich gut abgewehrt. Vor Corona trafen wir uns dann immer abwechselnd mal bei Ihm, mal bei mir. Während Corona muss Skype reichen..
    aber egal. Alleine für DEN EINEN Freund war es den Aufwand wert..

    1. Hallo Peter,

      manchmal muss man die Menschen einfach gehen lassen. Es ist ähnlich bei uns Mädels – da hat man Freundinnen, mit denen man sehr eng war, und im Laufe der Jahrzehnte schläft der Kontakt ein. Ich versuche, solche Kontakte so gut es geht zu pflegen, aber wenn ich merke, dass die Versuche immer nur von mir kommen, gebe ich irgendwann auf.

      Es ist gut, zu wissen, dass da irgendwo ein Mensch lebt, den ich als „Freund“ bezeichnen kann, auch ohne dass man sich immerzu sieht oder hört. Frau heiratet, bekommt Kinder…

      Und dann gibt es Freunde, die von sich aus immer mal anfragen, wie es einem geht. Ob man sich mal wieder treffen will. Es ist ein Geben und Nehmen.

      Im übrigen sind nicht nur wir Mädchen schuld, wenn sich Männerfreundschaften auseinanderleben. Als ich meinen Partner kennenlernte, war sein Kontakt zu seinen Kumpels bereits da ziemlich eingeschlafen. Warum auch immer. Häufig bin ich diejenige, die sagt: du, pass auf, wann hast du zuletzt deine Freunde getroffen? Das letzte, was ich brauchen kann, ist ein Kerl, der nur auf mich fixiert ist. Das wäre ja furchtbar… 🙂

      Und manchmal finden sich alte Freunde wieder, wie bei dir und deinem Kamerad, was mich übrigens sehr für euch freut. Und dann hat man das Gefühl, als wäre dazwischen kein Tag vergangen.

      Ich habe auf diese Weise 2017 eine Freundin wiedergefunden, mit der ich zuletzt in der Schulzeit Kontakt hatte. Sie gehört inzwischen zum „engen Kreis“.
      Und, um wieder auf das eigentliche Thema zu kommen, gehört sie übrigens auch zu denen, die mein Denken und meine Einstellung oft auf die Probe stellen…

      Liebe Grüße
      Kasia

      1. Hi Kasia,
        ja, das stimmt. Ist bei mir genauso. Wenn man immer derjenige ist, der fragen muss, ob derjenige mitkommt, hat man irgendwann keinen Bock mehr – vor allem wenn sich alle anderen schon längst einig sind in welchen Film man gegen will – aber diese Person natürlich, wenn Sie mitkommt partout in einen anderen will.. 🙁
        Aber anderes Thema: deine Kommentarfunktion ist jetzt wesentlich besser! Ist das ein Plugin?
        CU
        Peter

        1. Vielen Dank! Ja, es ist ein neues Plugin. Ich hatte Jetpack deaktiviert, da das Kommentarfenster winzig klein war. Das ist jetzt wpDiscuz. Hat viel mehr Funktionen. Man kann auch mit seinem WordPress-Konto kommentieren.

          Liebe Grüße
          Kasia

          1. says:

            Ja, danke, dir hab’s gefunden und auch gleich installiert und üersetzt – ist ja einiges noch in englisch..:-)
            CU
            Peter

          2. says:

            Wenn du auf die angezeigten Fragezeichen gehst, öffnet sich ein neues Fenster, dieses kannst du ganz einfach mit Google übersetzen. So hab ich das gemacht.
            Lg Kasia 🙂

          3. says:

            Danke für den Tip, aber kennst mich doch… bin doch mehr so old Fashion. Ich wusel mich natürlich durch die .po u. .mo Datei.. 🙂
            Bis denne
            Peter

          4. says:

            Oh, vielen Dank für die liebe Erwähnung in deiner Blogroll, habe ich jetzt erst entdeckt… 🙂

  5. Das sind sehr tiefe Einblicke. Ich kenne mich auch noch aus einer Zeit in der ich wesentlich radikaler meine Meinung geäußert habe. Aber alles in direkten Diskussionen. Viele haben dann so reagiert wie ich es jetzt mache….mir meinen Willen gelassen und das Thema gewechselt. Ich dachte dann schon ich wäre überzeugend.

    Heute sehe ich das auch anders. Jeder hat ein Recht auf seine Meinung. Und wenn sie nicht meine ist, ist es auch gut. Mittlerweile diskutiere ich nicht über Politik und alles was dran hängt.

    Wenn ich gleichgesinnte treffe, macht ein normaler Austausch über diese Themen Spass. Man ergänzt sich und tauscht sich aus.

    Aber ich bekehre keinen – oder versuche es. Das Leben ist zu kompliziert und kurz um es mit unnötigen Diskussionen zu füllen.

    Liebe Grüsse

    1. Ich denke, diese Weisheit kommt mit der Zeit 😉 ich hätte früher alles sehr leidenschaftlich ausdiskutieren können. Letztlich ist es so wie du schreibst, liebe Rina: eine Diskussion zu gewinnen heißt nicht, den anderen überzeugt zu haben.

      Ich dachte früher immer: ich habe doch Recht (natürlich, was sonst *lach), also ist es meine allerheiligste Mission, dem anderen diese Einsicht zu vermitteln.

      Heute muss ich selber darüber lachen. Einige Standpunkte, die man vehement vertreten hat, ändert man selber vielleicht irgendwann. Tja… Es ist, wie du sagst. Das Leben ist zu kompliziert 😉

      Liebe Grüße
      Kasia

    2. Bitte, Bitte gern geschehen..
      Und wie ich sehe hast Du das Plugin auch wieder deaktiviert? ei mir hat das nur Probleme gemacht. Schick aber unbrauchbar.. 😉

      1. Ja, so ist es. Die Verbindung mit WordPress.com hat nicht funktioniert, obwohl ich eigens eine App erstellt habe und was weiß ich nicht alles. Mir ist auch aufgefallen, dass in der Zeit weniger Leute kommentiert haben. Nee, dann lieber das von Jetpack mit dem winzigen Kommentarfenster 😉

        1. Ja, da war einiges nicht mit i.O. Was mir auffiel war, dass ich zwar, wenn ich angemeldet war auf meinem Blog kommentieren wollte, aber kaum war ich ausgeloggt, konnte ich nicht mal mehr in das Textfeld etwas eingeben – außer ich drückte den „Smashing Ballon“ – dann musste ich aber erst auf „Fette Schrift“ klicken um Text eingeben zu können. Markieren mit der Maus von Text ging gar nicht. Also das war mal richtiger Schrott.
          Warum dein Jetpack Fenster so klein ist, erschliesst sich mir aber nicht – ich nutze das ja auch – bei mir ist das Eingabefeld Seitenbreit.. Hmmm…komisch.. Hast Du das mal mit einem Standard-Theme getestet und ohne Plugins? Da es grundsätzlich funktioniert, würde ich vermuten, dass es eventuell am Theme liegt..

          1. says:

            Hi Peter,

            ja, das mit der fetten Schrift ist mir ebenfalls bei deinem Blog aufgefallen. Ich drückte wie verrückt im Kommentarfeld rum und dachte mir: was ist denn nun? Dann ging es auf einmal von selbst, weiß der Himmel, warum. Schickes Plugin, aber irgendwie hat es einfach nicht funktionieren wollen. Es ist tröstlich, dass es nicht nur mir so ging; ich dachte mir schon, nanu, bei Nerd-o-mania klappt anscheinend alles einwandfrei. Wahrscheinlich sitzt bei mir das Problem vor dem Computer (wie das unsere IT-Abteilung auf Arbeit so süffisant zu sagen pflegt). Gut zu wissen, dass es nicht nur mir so geht.

            Ich denke auch, dass Jetpack mit meinem Theme nicht richtig funktionieren will – allerdings finde ich das Theme schick und da muss Jetpack den Kürzeren ziehen. Zumindest so lange, bis ich es gegen was besseres ausgetauscht habe. Bloß im Moment will ich keine Experimente mehr…

            Liebe Grüße
            Kasia

  6. Noch herausfordernder wird es zweifellos, wenn Dein Gegenüber nicht nur eine Freundin, sondern Deine Schwester, Mutter etc. ist – ein Familienmitglied eben. Die wird man ja nicht so schnell los. 😉

    Aber auch hier denke ich: Es ist eine Sache, sich kontrovers über etwas auszutauschen. Und eine ganz andere, wenn man es mit einem Gegenüber zu tun hat, der Rassist, Querdenker, Coronaleugner etc. ist. Wenn Du es mit jemandem zu tun hat, der nicht nur einen völlig anderen Musikgeschmack hast als Du (ein beliebiges Beispiel :-)), sondern dessen Werte den deinen diametral entgegenstehen.

    1. So einfach ist es nicht immer. Ich weiß, das klingt sehr danach, als würde ich nach Erklärungen suchen, nein, so ist es nicht.

      Manchmal haben Menschen bestimmte Erfahrungen gemacht, die sie dazu bringen, in ein Horn zu blasen. Bei langjährigen, engen Freunden oder eben Familie weiß ich, welchen Weg sie gegangen sind und was sie dazu gebracht hat, so zu denken, wie sie jetzt denken.

      Und dann gibt es noch das Phänomen der „gesichtslosen Masse“. Solange andere Menschen als Gruppe und nicht greifbar für einen sind, sind es „die Fremden“. Doch damit ist nicht die nette türkische Mitarbeiterin in der Apotheke gemeint oder der schwarze beste Freund. Weißt du, was ich meine? Es ist schwieriger, zu hassen, wenn das „Objekt“ plötzlich eine Präsenz bekommt.

      So, das war jetzt aber viel über Rassismus. Es gibt viele andere Themen, an denen man sich aufreiben könnte. Klimaerwärmung. Diesel. Greta. Corona-Impfstoff. Alles Reizwörter heutzutage. Und es scheint kaum noch möglich sein, sich vernünftig auszutauschen, ohne dass das direkt ausartet. Deswegen halte ich mich inzwischen grundsätzlich raus. Wenn vieles gesagt (bzw geschrieben) werden kann, weil es online und anonym stattfindet, dann kann alles zu einem Reizthema werden. Es gibt Menschen, denen das Spaß macht. Man muss auch immer schauen, ob einen die eigene nervliche Gesundheit nicht zu schade ist. Eventuell gibt es auch Leute, die sich in den Sozialen Medien einfach nur nach einem stressigen Tag abreagieren wollen, auch solche kenne ich (persönlich).

      So, das war jetzt ein längerer Text 🙂 wie du siehst, da ist was, woran ich zu knabbern habe. Mit der Momentaufnahme hast du diesmal einen echten Nerv getroffen 😉

      Ich wünsche dir einen schönen Nachmittag!

      Liebe Grüße
      Kasia

      1. Ja, in der Frage steckt mehr drin, als ich auf den ersten Blick dachte – bzw. in dem, was der Einzelne damit macht. Wow. Ich verspreche, die nächste Frage wird leichter. 🙂

        1. Ja, es ist eine Frage, die viel Spielraum zulässt, doch in den meisten Fällen greift man dabei auf das aktuelle Zeitgeschehen zurück 🙂

          Wegen mir nicht, ich mag anspruchsvolle Fragen. Die machen erst so richtig Spaß…

          Liebe Grüße
          Kasia

  7. Danke für Deine Worte, die mich nachdenklich stimmen. Ich habe mich im vergangenen Jahr von zwei langjährigen Freunden getrennt, die ich eigentlich als gute Freunde bezeichnet habe. Doch deren immer öfter in Socialmedia geäußerten rassistischen und vorurteilsbeladenen Ansichten fand ich nicht mehr tolerierbar. Es ist mir nicht leicht gefallen, sie hatten beide schon viel für mich getan. Ich habe mit ihnen diskutiert, es änderte sich nichts. Ich fand auch nichts mehr, worüber ich mit ihnen außerhalb deren vorurteilsbelasteten Weltbild hätte reden können. Ich habe den Kontakt abgebrochen, nicht ohne ihnen meine Gründe zu sagen. Manchmal tut es noch weh. Aber es geht mir persönlich ohne solche „Freunde“ besser. Es ist auch ein buddhistischer Grundsatz, dass man sich nicht mit Menschen umgeben soll, die einem nicht gut tun.
    Liebe Grüße
    Ulrike

    1. Hallo liebe Ulrike,

      vielen Dank für deine Gedanken. Hast du herausfinden können, was die Beweggründe deiner ehemaligen Freunde waren? Vorurteile, schlechte Erfahrungen?

      Man kann nicht jeden überzeugen und wenn es einem selbst nicht mehr gut tut, ist es besser, sich zu trennen. Das denke ich zumindest. Wenn es sich natürlich um Familienmitglieder handelt, dann muss man umdenken.

      Ich denke, es ist wichtig, wie es dir anschließend damit geht. Wenn du dich emotional freier ohne sie fühlst, dann war es wohl der richtige Schritt. Du hast es dir vermutlich auch nicht leicht getan, schließlich waren das langjährige Freunde. Dass du noch an sie denkst und dass es weh tut, ist ganz normal. Es bedeutet eigentlich nur, dass sie dir etwas bedeutet hatten. Aber manchmal ist es besser so.

      Liebe Grüße
      Kasia

      1. Halllo Kasia,
        danke für den Denkanstoß! Warum sie so gedacht haben? Ich fürchte, dass es in Deutschland immer noch ein Umfeld gibt, wo manche mit dem rassistischen Gedankengut aufwachsen. Sie waren wohl immer schon so. Nur ist es gerade durch die Socialmedia einfacher geworden, auch radikale Meinungen zu äussern. Ich habe mich verändert, mir fallen solche Sachen mehr auf. Es ist mir mit der Zeit wichtiger geworden, meinen Widerspruch deutlich zu machen und nicht mehr den Mund um einer alten Freundschaft willen zu halten.
        LG
        Ulrike

        1. Guten Morgen, liebe Ulrike,

          hm, da steckt man nicht drin, aber es klingt so, als hättest du für dich die richtige Entscheidung getroffen.

          Manchmal verstehe ich die Aussagen mancher Menschen nicht. Wenn auf Facebook „blaue“ Posts einer gewissen Partei geteilt werden, man aber tagtäglich Umgang mit ausländisch-stämmigen Kollegen hat und sich sogar prima versteht. Aber gut, das muss man nicht verstehen.

          Ich finde es sehr, sehr wichtig, den Mund nicht zu schließen, damit der Frieden gewahrt wird. Nur wie gesagt, eben auch zuzuhören. Wir haben ein befreundetes Pärchen im Bekanntenkreis, wo der Mann immer mal wieder etwas postet, von dem ich denke: wie kann er nur? Ich bin dann erschüttert und zweifle an der Welt 😉 Dann treffen wir uns zu viert beim Griechen, haben eine tolle Zeit und es stellt sich heraus, dass es bei ihm einfach nur Verdrossenheit ist. Er ist enttäuscht und weiß nicht, wohin damit. Eigentlich ist er eher grün bis links, aber auch da ist er frustriert. Ist alles nicht so einfach… Solange man noch Zugang hat zu solchen Menschen und argumentieren kann, und die einem auch zuhören, sollte man es versuchen.

          Seine Freundin sagte einmal, dass sie es gut findet, wie wir ihm online kontra geben, denn irgend jemand müsse das tun. Im Real Life ist er uns dafür auch nicht böse. Das ist es, was ich meine: jemanden persönlich zu kennen kann einen großen Unterschied ausmachen.

          Aber eigentlich wollte ich darauf hinaus, dass es gut und richtig ist, sich offen und klar zu positionieren – wenn man spürt, dass man genügend Kraft und Nerven dafür hat.

          Mal was anderes, wie gefällt dir mein Super Duper tolles, neues großes Kommentarkästchen? 😉 Ich habe ein neues Plugin ausprobiert und die Funktion bei Jetpack deaktiviert…

          Liebe Grüße und hab einen schönen Tag!
          Kasia

Was brennt dir auf der Zunge? ;-)

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