Deutschland, Europa

Herbstliches Heidelberg

Es ist der letzte schöne Tag vor dem zweiten Lockdown 2020, und das Leben auf den Straßen und in Cafés blüht. Die Quittung dafür soll erst später kommen und sich in den stark steigenden Zahlen manifestieren, doch im Moment denken wir nicht daran. Wir genießen das Leben, solange es noch geht. Sind unter Menschen. Sind unterwegs. Weil wir soziale Wesen sind, weil wir Herdentiere sind. Wir brauchen die anderen, sei es auch nur, um uns unter sie zu mischen.

Wer ist wir? Nun, wir alle. Doch im Speziellen meine Freundin Danusia und ich. Heute zeige ich ihr eine der schönsten Städte Deutschlands, eine Stadt, die touristisch hoch frequentiert ist und bei mir quasi um die Ecke liegt: ich zeige ihr Heidelberg.

Nein, dieser schöner Beitrag wird kein Reiseführer, keine Auflistung der tollsten Heidelberger Orte. Vielmehr wird es eine Hommage an den Herbst und daran, was er mit den Städten macht. Der Herbst ist der Farbpinsel unter den Jahreszeiten; nichts malt so starke Farben, so kräftige Kontraste in die Landschaft. Dramatisches Rot, glühendes Orange, sterbendes Braun. Und all das untermalt mit dem sanften Schein der schräg stehenden Sonne, die kaum noch genügend Kraft hat, um die Kälte ernsthaft länger abzuhalten. Fertiggestellt mit sanftem Nebel, der sich um die Berge windet. Der einmalige Geruch trockener Blätter. Die ersten rauchenden Kamine. Ja, okay, die gibt es kaum noch. Und doch, hin und wieder zu Beginn des Winters, da vernehme ich ihn: den würzigen Duft des Rauches, der Holzkohle. Da weiß ich: das alte Jahr geht zu Ende.

Wir haben nicht viel Zeit, meine Freundin und ich. Ich zeige ihr die Altstadt, dann schlendern wir zur Alten Brücke. Trotz der aktuellen Situation ist es hier voll. Doch etwas ist anders: fast jeder trägt nun eine Maske. Die Menschen verrenken sich, um sich aus dem Weg zu gehen. Die Sonne verfängt sich in den goldenen Baumkronen. Ganz weit oben zeichnet sich die Ruine vom Heidelberger Schloss ab.

Nach einem Spaziergang am Neckar entlang und einem letzten sprichwörtlichen Café (es war ein Tee…) in der Bootsbar schlendern wir wieder über die Fußgängerzone zum Auto. Noch sind die Lokale voll. Es ist der 31 Oktober – es ist Halloween. Doch schon bald werden die Bars und Cafés geschlossen bleiben und ein langer, dunkler Winter steht uns bevor. Wohl der Grund dafür, dass die Menschen verstärkt in die Innenstadt strömen. Dass sie ein wenig feiern wollen. Und obwohl es unvernünftig ist, kann ich sie verstehen. Es sind Dinge, die demnächst nicht mehr möglich sein werden. Es bleibt noch viel Zeit, vernünftig zu sein. Genießen wir die Wärme und das Leben – noch ein letztes Mal.

kasia

Hi, ich bin Kasia, die Stimme von "windrose.rocks" :-)
Treibt Dich die Frage um, was sich denn alles jenseits der heimischen Couch verbirgt, bist Du rastlos und neugierig wie ich und spürst den Drang in Dir, in die Welt hinaus zu gehen? Dann tue es! Ich nehme Dich mit auf meine Reisen und lasse Dich hautnah das Unterwegs sein miterleben - in all seinen Facetten. Lass Dich inspirieren, komm mit mir und warte nicht länger, denn... die Welt ist so groß und wir sind so klein, und es gibt noch so viel zu sehen!

Die Welt wartet auf uns.

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2 Kommentare

  1. Heidelberg ist eine sehenswerte ganz tolle Stadt und hier pulsiert das Leben ! Einen großen Anteil haben natürlich auch die Touristen und nun wird es dort ruhig werden und die Gastronomie und das Hotelgewerbe trifft es mal wieder sehr hart. Ich denke diesen 2. Lockdown werden nun wirklich einige nicht mehr überleben. Traurig aber Realität !
    Bei mir in der Nähe haben sie vor 2 Tagen Partys von Jugendlichen mit knapp 150 Teilnehmer aufgelöst, alle ohne Maske und vom Mindestabstand brauchen wir gar nicht reden ! Das verstehe ich nun wirklich bei alle Liebe nicht !!!
    Dieses Jahr ist gelaufen das muss man einfach akzeptieren so schwer es auch fällt ! Die gemeldeten Zahlen zeigen es !!! Alles Gute und gesund bleiben !!!!

    1. Besser wäre natürlich eine „kontrollierte“ Möglichkeit, abends essen oder was trinken zu gehen, denn jetzt wird sich das Ganze mehr in die nicht legale Richtung verschieben. Klar muss man da jetzt durch, aber hätte man früher und gezielter reagiert, dann hätte der zweite Lockdown, der so viele Existenzen kostet, gar nicht erst stattfinden müssen. Es war lange im Voraus vorhersehbar, dass die Ansteckungsrate steigen wird und dann hatte man zugesehen, wie sie stieg. Es wird in Pressekonferenzen etwas erzählt von einem Auto, das gegen die Wand fährt. Aber als Fahrer sehe ich doch zu, dass mein sprichwörtliches „Auto“ gar nicht erst von der Fahrbahn abkommt?

      Es ist aktuell in den Diskussionen so, dass oft nur extreme Positionen vertreten werden. Das ist schade, deswegen beteilige ich mich nicht mehr daran. Ich hoffe, es gibt nach diesem Lockdown eine neue Möglichkeit, mit steigenden Ansteckungszahlen umzugehen. Denn das, was wir jetzt haben, ist auf Dauer keine Lösung und kostet Existenzen.

      Und es ist ja nicht so, als würden Menschen in ihren Häusern bleiben. Ich war gestern in Bad Kreuznach, die Fußgängerzone war rappelvoll. Mit Maske zwar (größtenteils), aber trotzdem. Ich bin gespannt, wie das weiter gehen soll…

      Dir alles Gute und bleib gesund, das ist, glaube ich, im Moment das Wichtigste 🙂

      Lg Kasia

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