Asien, Nepal

Kathmandu – Streetlife in Thamel

Als mich Batsus Fahrer wieder im Stadtteil Thamel absetzt, laufe ich nicht gleich zum Hostel. Stattdessen
husche ich unter dem Einsatz meines Lebens auf die andere Seite der stark befahrenen Straße, um mich dort ins Everest Mo Mo Center zu verkriechen, wo eine große, duftend dampfende Schüssel kleiner, gegarter Teigtäschen auf den hungrigen Besucher wartet.

 

Das Everest Mo-Mo Center

Das Everest Mo-Mo Center ist wie immer gut besucht und der Betreiber kennt mich schon vom sehen, denn anscheinend bin ich die einzige Touristin, die sich hierher verirrt. Und so sollte es auch bleiben, denke ich mir, denn ein Ansturm der westlichen Besucher würde die Preise für Einheimische in die Höhe treiben. So hat das Lokal den unverfälschten Charme einer Feierabendkantine, wo sich jeder dicht an dicht mit den anderen quetscht und trotzdem versucht wird, Neuankömmlingen auf irgend einer Art Platz zu machen.

Diesmal überlege ich nicht mehr lange, ob rein gehen oder nicht, mutig betrete ich den Laden und alle Anwesenden, vorwiegend Männer, schauen überrascht hoch. Die kleine, blonde Frau (also ich…) steht mittendrin und guckt.

Ich bestelle gleich zehn Teigtaschen, denn ich weiß schon längst, dass diese Leckerei unschlagbar gut ist.

Das beste daran ist freilich die Soße, die der Junge mit einer großen Kanne immer wieder nachgießt. Würzig und korianderlastig schmecken die mit Büffelhackfleisch gefüllten Teigtäschen, sehr spicy, sehr scharf – egal, wo ich später noch suche, nirgends finde ich etwas, das auch nur vergleichbar so lecker wäre wie das hier. Für zehn Momos bezahle ich hundert Rupien, das ist nicht mal ein Euro.

Ich bezahle, nehme meine Bestellnummer entgegen, die ich nicht brauchen werde, denn kaum Platz genommen, steht die kleine, silberne Schale Mo-Mos auch schon vor mir auf dem Tisch. Mit der großen Wasserkanne aus Metall, die auf jedem Tisch steht, komme ich noch immer nicht klar; so einladend frisch und kühl sieht das Wasser aus, doch auch wenn ich versuche, es mir im dünnen Strahl in den Mund zu gießen „wie die Großen“, habe ich es zwei Sekunden später auf der Kleidung. Hat das jemand gesehen?

Doch jeder ist mit seiner eigenen Schüssel beschäftigt. Dann eben kein Wasser.

In meinem Kopf lasse ich den Tag Revue passieren, doch allzu lange halte ich mich hier drinnen nicht auf, um den nach mir kommenden den Platz nicht wegzunehmen. Es ist für viele Mittagspausenzeit und vorwiegend Studenten und Schüler treibt es jetzt am Nachmittag hierher. Man bestellt, zahlt, isst und verschwindet wieder und während ich mich draußen wieder ins übliche Streetlife mische, habe ich noch immer den Geschmack von Koriander auf der Zunge.

 

Regen über der Stadt

Ich laufe einfach los und versuche, mich zu orientieren.

Die Straßen sehen irgendwie gleich aus und meine Versuche, vorwärts zu kommen, sind geprägt von Schlaglöchern, Gehwegen, die abrupt enden und schwarzen Stromkabeln, die mitten im Weg hängen. Lautes Hupen und Fahrzeuge, die sich mit geringem Abstand an mir vorbei quetschen, begleiten meinen
Weg. Der Einfachheit halber laufe ich auf der Straße, denn die Gehwege sind hoffnungslos vollgestellt.

Doch das macht nichts, denn so halten es die meisten vor, neben und hinter mir und die vielen Mopedfahrer sind an Hindernisse gewöhnt. Voller Bewunderung sehe ich Motorradfahrern nach, die sich geschickt durch den Verkehr schlängeln – da ich selbst Motorrad fahre, weiß ich, wie viel Beherrschung es bedeutet, seine Maschine so im Griff zu haben.

Ich halte Ausschau nach einer Apotheke, um mich für meine morgige Tour zum Chitwan Nationalpark im
Süden des Landes an der indischen Grenze entsprechend einzudecken. Die Landschaften dort bestehen, im Gegensatz zum Rest des Landes, vorwiegend aus Flachland, Dschungel und weiten Flusstälern, dem Habitat seltener Krokodilarten. Doch so oft ich auch nachfrage, kaum eine Apotheke hat etwas für uns so simples wie Insektenschutz im Sortiment.

Schließlich finde ich eine Apotheke, die tatsächlich nicht nur Spray, sondern auch Salbe führt und kaufe beides. Der Preis erscheint mir für deutsche Verhältnisse sehr günstig, doch wieder im Hostel angekommen merke ich, dass mich die Verkäuferin trotz alledem beschissen hat, denn – und da ärgere ich mich über mich selbst – die korrekten Preise sind bereits auf die Packung gedruckt.

Natürlich werde ich davon nicht ärmer, doch ärgerlich ist es dennoch, als weißer Geldbeutel betrachtet zu werden.

Mein unterbewusstes Ziel ist es, irgendwie zum Durbar Square zu kommen, doch da ich mich noch nicht
auskenne und zudem sehr fasziniert von all den Details meiner Umgebung bin, merke ich nicht, wie ich in die entgegengesetzte Richtung laufe, zum anderen Ende der Stadt.

Die Straßen sehen irgendwie alle gleich aus, inmitten von vielen Details, die das Auge locken, lässt sich nur schwer ein roter Faden, eine Struktur erkennen. Ich könnte überall sein, im Westen, Süden, Osten. Die Straßen und Geschäfte scheinen sich zu wiederholen, doch ich bin zu fasziniert, um umzukehren, will wissen, was sich hinter der nächsten Ecke verbirgt. Vergeblich suche ich den Stand, an dem ich gestern diesen leckeren, frisch gepressten Saft gekauft habe.

Menschen grüßen mich, Menschen lächeln mich an. Touristen sind hier keine zu sehen, Schüler in Uniformen schauen mich aufmerksam an. Und ich halte Ausschau nach einem Shop, wo es leckeres, nepalesisches Bier gibt, denn mein Plan sieht vor, den Nachmittag im Hostel ausklingen zu lassen.

Als ich oben in meinem Zimmer ankomme, öffnet sich draußen gerade der Himmel und all das Wasser, das sich im Laufe des Tages aufgestaut hat, ergießt sich auf die Straßen. Es hatte bereits zu nieseln begonnen, als ich draußen noch nach meinem Bier suchte, doch nun gibt es kein Halten mehr.

Mit einem plätscherndem Geräusch zeigt der Monsun, dass er sich noch nicht vertreiben lassen will. Vorhänge aus Wasser lassen die Häuser und Hügel grau erscheinen. Dieser Regenguß kommt täglich, fast pünktlich zwischen vier und fünf, dauert circa eine halbe Stunde und ist dann vorüber. Ich setze mich ans Fenster und lasse mir das Bier schmecken.

Draußen vor dem Fenster zwitschern Singvögel wie aufgedrehtes Spielzeug und vor der Tür höre ich
Stimmen und das Lachen anderer Gäste. Aufgeregtes Hundegebell ist zu hören. Und ich genieße meine
Augenblicke der Ruhe, mit Blick auf die verregnete Stadt. So geheimnisvoll – und ich bin hier.

Irgendwo dringt der Lärm einer Baustelle an meine Ohren. Es ist eine laute, hektische Stadt. Ich schaue auf die Berge, die sich hinter den Häusern erheben. Draußen, auf den benachbarten Dachterrassen sind
Menschen zu sehen, eine Frau, die Wäsche aufhängt, zwei Häuser weiter ein Pärchen… Der Regen wird stärker und stärker – und irgendwann ist er vorbei.

Die nepalesischen Biere sind sehr kräftig und Müdigkeit macht sich in meinem Kopf breit. Doch das ist nicht nur dem Bier geschuldet – vor lauter Aufregung konnte ich nachts kaum schlafen. Das sind nun mal Reisen – eine Reise ist an sich kein Urlaub, du wirst beansprucht wie sonst kaum in deinem Alltag. Das
Karussell aus Schlafmangel und Aufregung, das Hin und Her der Emotionen und die Notwendigkeit, immer auf Habacht, immer in Bereitschaft zu sein ist anstrengender als der gediegene Alltag einer Routine orientierten Welt.

Und vielleicht deshalb, vielleicht aus diesen Grund sehne ich mich nach so kurzer Zeit schon nach dieser Routine zurück.

Die nassen Turnschuhe lege ich draußen auf die Fensterbank zum trocknen aus, zusammen mit den nassen Socken. Jeden Tag lege ich die nächsten Tage meine Schuhe fröhlich zum Trocknen aus und jeden Tag sind sie wieder platschnass und durchweicht nach einer weiteren Tour durch die Stadt. Es wird noch ein paar Tage dauern, bis ich endlich gelernt habe, dass das beste Schuhwerk für die Monsunzeit einzig und allein Plastiksandalen sind. Ohne Socken.

Der Regen beginnt, wie täglich, ganz fein und leicht mir nur ein paar Tropfen, bevor der eigentliche Platzregen folgt und mich zweifeln lässt, ob ich später überhaupt
noch rausgehen soll.

Mein Smartphone vibriert. Jitu will wissen, wie die heutige Tour so war.

 

Shisha und nepalesisches Essen

Mit Jitu bin ich am Abend verabredet. So wie bereits am Tag meiner Ankunft will er mir auch heute zeigen, wie die Nepalesen ausgehen und wo es die schönsten Lokale gibt. Eventuell bekommt er dafür eine Provision, doch das ist mir einerlei, wenn ich die Möglichkeit habe, mich am Abend in einem fremden Land durch die City zu bewegen, begleitet von jemandem, der sich auskennt.

Stirnrunzelnd schaue ich hinaus in den grauen Himmel. Wie wird das Wetter wohl später sein? Normalerweise sind die Regengüsse kräftig, aber nicht stetig und beruhigen sich nach kurzer Zeit wieder – an den Nachmittagsschauer habe ich mich mit der Zeit gewöhnt.

Jitu verspätet sich – der Verkehr. Diesmal lassen wir die Maschine stehen und laufen zu Fuß ins touristische Szeneviertel Kathmandus. Thamel ist das, was ich als das Herz des touristischen Lebens bezeichnen würde, es ist offen und zugänglich und das Angebot in den Schaufenstern auf die fremden Besucher ausgerichtet. Neben Bekleidungsshops reihen sich Trekking-Agenturen und Tourenanbieter aneinander; Cafes und Restaurants folgen. Wir biegen in eine versteckte Seitenstraße, wo eine schmale Treppe nach oben führt und kommen in die Dunja Rooftop Cafe Bar.

Diese Bar ist ein solcher Geheimtipp, dass ich sie später nicht mehr finden werde, egal wie lange ich das Thamel Viertel durchkämme. Sie ist auch nicht auf Google Maps verzeichnet und ich versäume es leider, den Standort zu markieren. Am einfachsten ist es wohl noch zu finden, wenn man das Pink Tiffany in Kathmandu eingibt.

Das Lokal ist in zwei Ebenen aufgeteilt, man sitzt hier auf dem Boden und die Schuhe werden vor dem Betreten der Essensbereiche ausgezogen. Mit angewinkelten Beinen setze ich mich ans offene Fenster, wo hinter einem hölzernen Gitter die einsame Straße und der mit Neonlichtern erleuchtete Kiosk gegenüber zu sehen sind.

Es gibt Essen, Getränke und Shisha. Die Speisekarte offeriert eine Mischung aus nepalesischen und indischen Gerichten. Wir bestellen ein Gemüse-Curry mit Naan-Brot, das als gebackene Brotfladen mit Gemüse und einer Schüssel würzigen Curry daher kommt. Traditionell ist es so, dass mit den Händen gegessen wird; die Schalen sind auf dem Tisch verteilt und jeder greift zu dem, worauf er Lust hat. Immer wieder ermutige ich Jitsu, sich doch auch am Essen zu beteiligen. Ich weiß, woher die Zurückhaltung
kommt.

Jitu will mich am Ende einladen oder zumindest, dass wir die Rechnung teilen, doch für mich ist klar, dass ich bezahle. Ich empfehle ihm, das Ganze als eine Underground-Tour für mich zu betrachten. Doch dabei
sagt er etwas, was bei mir hängen bleibt. Die Menschen in Nepal, sagt er, seien nicht so wie woanders in
Südostasien. Nepalesen sind stolz. Sie wollen zwar Geld verdienen, das will jeder, doch sie wollen es nicht umsonst. Sie wollen etwas dafür tun.

Ich muss sagen, ich werde während dieser Reise noch solche und solche Erfahrungen machen, doch im
großen und ganzen sollen sich seine Worte bestätigen.

Während wir uns unterhalten, habe ich die Gelegenheit, ihn über alle Gepflogenheiten seines Landes
auszufragen. Wir sprechen über sein Reisebüro, welches er seit drei Jahren führt, über Touren und über kulturelle Unterschiede und Eigenheiten in Nepal. Viele Gerüchte und einiges an Halbwissen konnte ich bereits am Vortag beim Abendessen aus der Welt schaffen, zum Beispiel den Glauben, dass man Kindern in Nepal nicht über den Kopf streichen sollte, da der Kopf etwas Heiliges sei. Dies war ihm bis dato völlig unbekannt, jedenfalls schaute er mich verwirrt an und sagte, er hätte noch nie davon gehört. Eventuell ist das in der ländlichen Gegend noch so üblich.

Und als ich fragte, wie es denn aussieht mit der Verwendung der linken Hand zum Essen, lachte er so sehr, dass er beinahe vom Motorrad fiel. Es sei früher so gewesen, sagte er, dass die linke Hand als „unrein“ gegolten hatte, da man sie zum Reinigen nach dem Toilettengang benutzte. Doch inzwischen, meinte Jitu, hätten die Menschen in Kathmandu moderne Toiletten, also alles kein Problem.

Später jedoch, im Laufe meiner weiteren Reise finde ich heraus, dass es diesen Brauch in den ländlichen Regionen Nepals durchaus noch immer gibt – und dass auch die sanitäre Situation der Menschen nicht so gut ist, wie mich Jitu glauben machen will. Viele Menschen haben zu Hause keinen Zugang zum Wasser; in Pokhara sehe ich Kinder, die jeden Morgen frisches Wasser in Kanistern von der nahe gelegenen Baustelle holen.

Nepal. Never ending peace and love.

Die Menschen in Nepal, sagt mir Jitu; sie wollen, dass ihre Gäste glücklich sind. Damit sie davon berichten können, wenn sie wieder nach Hause können; weitererzählen, wie schön es in Nepal war.

 

Deutschland, ein Traum?

Nach dem Essen gibt es Shisha – und noch mehr Gesprächsstoff.

Jitu hat seine Agentur in mühevoller Arbeit selbst aufgebaut. Er hat als Guide angefangen und führte
Touristen viele Male über die Berge. Bis er sich irgendwann selbständig machte.

Solcher Agenturen gibt es viele in Nepal und irgendwie muss man sich abheben von den anderen. Jitu will, wie er mir erklärt, dass sich seine Gäste rundum wohl fühlen. Es ist ihm nicht wichtig, wie er sagt, so viele Trips wie möglich zu verkaufen, im Gegenteil. Er möchte, dass der Gast wieder kommt und über Empfehlungen weitere Gäste bringt. Und das klappt nur, wenn er authentisch und glaubwürdig bleibt.

Genauso ginge es ihm mit seiner Reiseagentur. Er sagt mir, er sei so: auch wenn er mal einen Auftrag nicht an Land ziehen könne, so sei es immer noch besser, locker zu lassen als zu viel Druck auszuüben. Er würde nicht versuchen, einen Gast zu „überreden“. Er will nicht, dass seine Gäste das Gefühl bekommen, man wolle ihnen etwas „andrehen“. Es sei zwar ein längerer, härterer Weg, als schnell mal einen Kunden an Land zu ziehen, doch das sei nachhaltiger. Und auch der Grund, weshalb ihn die Menschen weiter empfehlen. Er wolle sich einen Namen in der Branche erarbeiten. Darauf hoffe er.

Es sei schwer, in Nepal zu leben, erzählt mir Jitu. Die meiste Zeit geht es darum, zu überleben, irgendwie von A nach B und über die Runden zu kommen. Doch wirklich zu leben, seinem Glück seinem Traum zu folgen sei hart. Viele leben von der Hand vorm Mund. Die Menschen arbeiten schwer, doch meistens reiche es nicht, um ihre Träume zu verwirklichen.

Doch auszuwandern, das scheint noch immer ein Traum von ihm zu sein. Nach Europa, am liebsten nach
Deutschland. Dort müsse es sehr schön sein, wie er glaubt. Die Menschen wollten nicht immer nur dein Geld, denn sie hätten selbst genug. Seine Augen bekommen diesen verträumten Glanz. Einmal Deutschland sehen, mit diesen schönen Fachwerkhäuschen. Zumindest einmal Europa besuchen.

Er war schon in China, in Bangladesch und Bhutan, aber Europa, speziell Deutschland, das ist für ihn eine Traumvorstellung. „Ein Kumpel erzählte mir, dass die Menschen, die es nach Europa schaffen, erstmal Asyl bekommen. Dann werden sie nach und nach eingebürgert, bekommen ein Haus, bekommen dann ein Auto…“ Mir stockt der Atem ob dieser sehr naiven Vorstellung.

Wie haben sich solche verklärten Bilder hier nur in den Köpfen der Menschen festsetzen können? Kein Wunder, dass alle Welt nach Europa strebt bei diesen Vorstellungen – und sich dann wundert, wenn es am Ende ganz anders ist als gedacht. So viele geflüchtete, die auf ein besseres Leben in Deutschland hofften, kehren entzaubert zurück.

Dass sich auch die Stimmung im Land langsam ändert, versuche ich ihm vorsichtig zu erklären. Auch dass es in Deutschland nicht so ist, wie er glaubt. „Jeder, der nach Deutschland kommt, bekommt ein Haus.“ Wo hat er das nur gehört? Doch ich weiß nicht, ob er mich versteht, überhaupt verstehen will. Europa ist das Traumziel, das Eldorado in seinem Kopf. Niemand lässt sich gerne seine Illusionen zerstören, also lasse ich ihn weiter träumen.

Jitu versucht, mich zu einer geführten Wandertour in Pokhara zu bewegen. Doch er selbst wird nicht dabei sein, da er genug damit zu tun hat, in Kathmandu neue Kunden zu akquirieren. Ich winke ab. Wandern gehen kann ich auch ohne Guide. Auch wenn mir Jitu „Guide-begleitetes Wandern“ in Pokhara ans Herz legen möchte, akzeptiert er schlussendlich, dass ich mich alleine auf den Weg machen werde und hackt nicht weiter nach. Natürlich wäre das Wandern mit Guide ein Angebot seiner Agentur gewesen; der Gute hat bereits am ersten Tag einen gesamten Reiseplan für mich parat.

Doch ich habe da meine eigenen Pläne. Der erste Tag in Kathmandu mit Batsu, Jitus Mitarbeiter, hat mich nicht wirklich überzeugt. Wir besuchten den Affentempel von Kathmandu, den Durbar Square der Königsstadt Patan, die brennenden Ghats von Pashupatinath und die große, weiße Stupa. Doch das alles fühlte sich zu sehr nach einem „abhacken“ der Orte an.

Zu diesem Zeitpunkt weiß ich jedoch noch nicht, welch einen großen Unterschied ein guter Guide ausmachen kann…

Ich frage über verschiedenes nach. Unter anderem interessiert mich die Sache mit Marihuana. Das Rauchen der Pflanze ist in Nepal seit einigen Jahren verboten und bleibt nur noch bestimmten religiösen Gruppen vorbehalten. Die Sadhu zum Beispiel betrachten den Konsum als Teil ihrer Religion, denn sie sind dem Gott Shiva geweiht und er war, wie man glaubt, auch ein leidenschaftlicher Anhänger des berauschenden Krauts.

Ja, das Rauchen sei den Normalsterblichen untersagt, bestätigt mir Jitu. Doch die Menschen lassen sich den Spaß nach Feierabend natürlich nicht nehmen. Er grinst wissend. Viele Rauchen trotzdem, das sei überhaupt kein Problem.

 

Rock in Thamel – Das Purple Baze

Dann bringt mich Jitu in Nepals größten und bekanntesten Rock-Club, das Purple Baze. Über eine
Treppe an blinkenden Lichtern und breiten Türstehern vorbei gelangen wir ins unterirdische Innere, wo eine große Auswahl der Getränkekarte keine Wünsche offen lässt. Auf der Bühne spielt jeden Abend eine andere Band. Der Sound ist rockig. Nepali Rock, unter anderem. Und die Band ist richtig gut – und anscheinend in Nepal sehr bekannt, wie mir Jitsu erzählt.

Der Eintritt ist frei, dafür die Getränkepreise gesalzen. Hier gehen zum großen Teil chinesische und europäische Touristen aus, doch auch wohlhabende Nepalesen sind anzutreffen. Es ist eine gänzlich andere Welt als die vor der Tür, ein paar hundert Meter weiter von Thamel entfernt. Ich hätte nicht gedacht, dass es so etwas in Nepal gibt, neben all dem traditionellen Alltag drumherum. Dies ist eine Scheinwelt und hat mit dem Leben da draußen rein gar nichts zu tun.

Nichtsdestotrotz bin ich begeistert. Da der Club voll ist, bleiben wir an der Bar stehen und sehen der Band zu. So feiert Nepals Jugend – zumindest die, die es sich leisten kann. Ich sehe punkige Frisuren und Tattoos. Dampfende Gefäße mit Absinth werden auf den Tresen gestellt. Die Chinesen grölen die Songs mit und rasten völlig aus. Das Purple Baze hat jeden Tag geöffnet, erzählt mir Jitu; hier gibt es jeden Tag Programm und eine andere Live Band.

Wir bleiben für drei – bis vier Songs. „Nur noch ein Song.“ Sagt Jitu, der nicht gehen will. Doch ich muss daran denken, wie früh ich morgen auf den Beinen sein muss, und es ist schon halb eins. Mein Touristenbus nach Chitwan geht sehr zeitig und ich muss noch die Abfahrtstelle suchen. Und da in Nepal
alles ein bisschen… ungeordneter ist als in Deutschland, werde ich mich sehr früh auf den Weg machen.

Bye, bye, Kathmandu, der Rest des Landes wartet darauf, erkundet zu werden.

kasia

Hi, ich bin Kasia, die Stimme von "windrose.rocks" :-)
Treibt Dich die Frage um, was sich denn alles jenseits der heimischen Couch verbirgt, bist Du rastlos und neugierig wie ich und spürst den Drang in Dir, in die Welt hinaus zu gehen? Dann tue es! Ich nehme Dich mit auf meine Reisen und lasse Dich hautnah das Unterwegs sein miterleben - in all seinen Facetten. Lass Dich inspirieren, komm mit mir und warte nicht länger, denn... die Welt ist so groß und wir sind so klein, und es gibt noch so viel zu sehen!

Die Welt wartet auf uns.

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