Dublin – Wattwandern am Sandymount-Beach

Dublin – Wattwandern am Sandymount-Beach

Dublin liegt an der Küste. Ist klar, ne? Daher ist die Stadt nicht nur für ihre gemütlichen Pubs bekannt, man kann hier auch wunderbar bei langen Spaziergängen am Wasser entspannen. Dafür sind zwei Orte gut geeignet: North Bull Island, wo es tatsächlich einen Sandstrand gibt und den Ortsteil Sandymount, wo du vor allem, wenn sich das Wasser bei Ebbe zurück zieht, kilometerweit durch den Schlick wandern kannst. Klingt nicht so nach Irland, klingt eher nach Nordsee? Geschenkt. Schnapp dir die Gummistiefel, nimm den Hund an die Leine und los gehts…

Zugegeben, an der North Bull Island war ich nicht gewesen, daher soll der Beitrag vom kleinen, süßen Dubliner Vorort Sandymount handeln. Und von den schreienden Vögeln überall, die sich über die Muscheln im Sand hermachen. Über bunte Türen… ja, hier gibt es noch mehr bunte Türen. Und über mich.

Von der Innenstadt aus erreichst du Sandymount mit der Buslinie 144, oder wie ich, mit den eigenen Füßen. Die drei Kilometer lassen sich zu einem schönen Spaziergang ausdehnen. Ich beobachte die Menschen, die an diesem späten Nachmittag von der Arbeit nach Hause kommen, die Schüler, Studenten. Ich lasse nach und nach die blinkende Stadt hinter mir – ab hier ist alles ein großer, unscheinbarer Vorort, mit rotem Backstein und einer oder zwei Kirchen. Doch auch hier sind noch an fast jeder Ecke Pubs anzutreffen. Ein Pub darf nirgends fehlen.

Im Grunde ist Sandymount Beach nicht zu verfehlen. Die Wolken, die den größten Teil des Tages beherrschten, ziehen ab und es ist ein klarer, kalter Abend. Hier an der Küste wechselt das Wetter ständig – schon tiefer in Richtung Dubliner Innenstadt sieht es ganz anders aus.

Es ist gerade Ebbe und nach und nach werden die Sandbänke frei. Mädels picken Krebse und Muscheln auf und Möwen finden auf den frei gewordenen Flächen ein wahres Festmahl. Ich komme pünktlich zum Sonnenuntergang, als das letzte helle Licht die Bucht von Sandymount erleuchtet. Die Ausläufer der Stadt leuchten in weiter Ferne, doch auch dieser Glanz ist langsam am Verschwinden. Das Wasser zieht sich zurück, Jogger und Spaziergänger laufen am Strand entlang. Die Luft riecht nach Fisch.

Schreie der Möwen, die um Futter streiten. Spiegelglatte Wattflächen dort, wo das Wasser zurückweicht. Algiger Tanggeruch. Wind, Kälte, erlischendes Licht verfängt sich am Kirchturm der Stadtausläufer. Die Steine, mit gelben Flechten übersät, wirken wie angefärbt. Beim Marsch durch die Stadt ist es warm gewesen, doch jetzt hole ich alles an Kleidung aus der Tasche, das ich dabei habe. Mütze, Schal… es wird bitterkalt, der Wind tut sein Übriges. Doch die Kälte folgt nur der Reglosigkeit, also verlasse ich schon nach kurzer Zeit die Bank, auf der ich Platz genommen habe. Stilles Verharren ist keine Option; auch bei einem Spaziergang kann man die Seele baumeln lassen. Ist nicht so, als wäre ich heute zu wenig spazieren. Brr, ist das kalt.

Eingemummelt in Schal und Mütze, kalte Haut im Gesicht. Ruhe. In der Ferne ein roter Leuchtturm. Sandymount ist Teil von South Bull und auch Teil des Biosphärenreservats von Dublin Bay. Auf der linken Seite ist das Poolberg Kraftwerk mit seinen zwei Türmen zu sehen. Immer wieder vernehme ich das treue Tapsen eines Hundes samt Herrchen. Früher war es anscheinend möglich, mit dem Auto bis ans Wasser zu fahren, doch es sind in der Vergangenheit Fahrzeuge von der Flut erfasst worden. Heute ist der Küstenabschnitt nur für Fußgänger begehbar und ein beliebter Entspannungsort der Einheimischen. Ich höre Gespräche auf irisch und auch Hinweisschilder sind zweisprachig. Doch Irisch als Sprache scheint auszusterben, wie mir ein Einheimischer kurz darauf berichtet. Um eine Sprache zu beherrschen, ist es wichtig, sie regelmäßig einzusetzen. Und dafür braucht es Menschen, die ebenfalls Irisch sprechen – optimaler Weise besser als man selbst.

Eine Ratte kommt hopsend über den Schlick daher, die angespülten Muscheln haben sie angelockt. Mit seiner Beute in den kleinen Pfötchen verschwindet der kleine Nager wieder zwischen den Steinen.

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