Mit fremden Gepäck…

Kategorien Aruba, Südamerika

Aruba, Mai 2016

Sonntag, 10:30 Uhr Ortszeit, kurz nach der Landung in Amsterdam

Ich nippe an meinem Starbucks-Hibiskus-Drink und starre gedankenverloren auf den Verschluss meines Koffers. War diese kleine Lederhülle außen schon immer da? Ist meine Zahlenkombination noch so, wie ich sie vor der Reise eingestellt habe? Die Zahlen waren doch immer einzeln zum Drehen…

Aber…

„Stefan!“ Ich fahre hoch. „Das ist nicht mein Koffer!“
Die Panik muss mir im Gesicht gestanden haben. „Wir müssen sofort zurück!“

Samstag, Tag der Abfahrt

Zum wiederholten Male greife ich in unsere Vorratstüte. Faul am Pool zu liegen macht hungrig. Zum trinken gibt es einen eiskalten Zitrusdrink, der geschmacklich an geschmolzenen Zucker erinnert und wirklich nur gekühlt zu empfehlen ist.

Unser Zimmer ist geräumt, das Auto hatten wir gestern abgegeben (lief alles glatt und unkompliziert, vielen Dank! 🙂 ) Nun okkupieren wir zwei Liegen und einen Tisch mit Stromanschlüssen und warten auf unseren Transfer zum Flughafen. Die Zimmer gaben wir heute morgen zwischen zehn und halb elf frei, abgeholt werden wir um fünf. Es ist also noch viel Zeit, und ich spiele mit dem Gedanken, mal schnell in den Pool zu steigen.

Nach dem Plantschen im Pool (ein letztes Mal) ziehen wir uns endgültig für den Flieger um. Jeans, Hemd… passend zum aktuellen Amsterdamer Wetter. Die Turnschuhe an meinen Füßen empfinde ich nach einer Woche Sommerschuhe tragen als sehr einengend und unangenehm.

Mir fällt auf, wie entspannend das Rauschen des Windes in den Palmblättern um uns herum wirken kann. Nach einer Woche hier hat sich sogar meine Haut langsam an die Sonne gewöhnt, so dass ich nicht mehr eingewickelt von Kopf bis Fuß draußen sitzen muss. Hoffentlich hält die Bräune bis Barcelona in Juni. So lange ist das auch nicht mehr hin…

Zeitsprung nach vorne, bis kurz nach der Landung…

Ich nippe an meinem Starbucks-Hibiskus-Drink und starre gedankenverloren auf den Verschluss meines Koffers. War diese kleine Lederhülle außen schon immer da? Ist meine Zahlenkombination noch so, wie ich sie vor der Reise eingestellt habe? Die Zahlen waren doch immer einzeln zum Drehen…

Aber…

„Stefan!“ Ich fahre hoch. „Das ist nicht mein Koffer!“
Die Panik muss mir im Gesicht gestanden haben. „Wir müssen sofort zurück!“

Ohne zusätzliche Worte zu verlieren stürzt Stefan seinen Cappuccino mit einem Mal herunter und wir gehen los. Ich will sofort zu den Gepäckbändern, doch Stefan, ganz Herr der Lage: „Lass uns zuerst zu einem Info-Point. Die sagen uns dann, was wir weiter machen sollen.“ Die nette Dame vom Infostand weist uns eine Richtung und nennt uns eine Eingangsnummer. In die angezeigte Richtung gehend kommen wir an eine Art Büro oder Kontrollpunkt. Wir betreten den Raum durch eine Schiebetür und ich versuche, dem Beamten in meinem Möchtegern-Schulenglisch zu erklären, was unser Anliegen ist. Er lässt sich nochmal die Pässe und die Flugtickets zeigen und entlässt uns durch eine weitere Schiebetür in den Bereich der Gepäckausgabe.

Die beiden Zollbeamten, die uns dort in Empfang nehmen, machen bekümmerte Gesichter, als ich erkläre, dass ich den Koffer versehentlich mitgenommen habe und es der falsche ist, und lotsen uns dann durch eine weitere, letzte (Schiebe-) Tür in einen Raum, in dem noch mehr Zollbeamte stehen. Links vom Eingang befinden sich so an die acht- bis zehn Gepäckstücke, die anscheinend noch keinen Besitzer gefunden haben.

„Das wird der hier sein.“ Sagt der große, breite Beamte, der uns hereingeführt hat, und weist auf meinen Koffer hin. Die Ähnlichkeit ist tatsächlich verblüffend.

Ich wollte dann noch wissen, ob sich schon der rechtmäßige Besitzer gemeldet hatte, und tatsächlich, der Koffer, den ich „entwendet“ habe, wurde schon vermisst. Noch ein letzter Pass- und Namensabgleich, dann dürfen wir glücklich mit dem richtigen Gepäckstück von dannen ziehen.

Draußen drückt mich Stefan und sagt: „Ich liebe dich. Genau wegen so etwas liebe ich dich!“

„Weil ich so bescheuert bin und mein Gepäck verliere?“ Ich bin ehrlich verblüfft.

Der Flug dauerte diesmal keine zehn Stunden, da der Aufenthalt auf Bonaire entfiel. An die vier Stunden Schlaf, das war okay. Ich schlief sehr tief, träumte davon, dass ich alleine im Auto sitze und durch tiefste Nacht fahre. Ich verpasse eine Umleitung und nähere mich einer Baustelle, die die Straße versperrt. Ich muss eigentlich bremsen, doch ich kann nicht, meine Füße sind unbeweglich, als wären sie mit Blei gefüllt. Die Baustelle kommt währenddessen immer näher und ich denke mir: Das ist doch ein Traum, oder? Das muss ein Traum sein. Dann knalle ich über die Absperrungen drüber, es kracht und ruckelt, die Schranken links und rechts fliegen weg.Ich werde nicht wach. Ich passiere die Baustelle, die Straße geht auf der anderen Seite ganz normal weiter. Auch das Auto fährt weiter, doch ich denke mir: Das hat sich alles zu echt angefüllt, das ist wohl doch kein Traum, das ist eben wirklich passiert.

Dann sitzt Stefan neben mir auf dem Fahrersitz, ich auf dem Beifahrersitz daneben. Er steuert den Wagen geschickt an den Baustellen vorbei. Jetzt muss ich mir keine Sorgen mehr machen. „Wo warst du solange?“

Die Lichter, die plötzlich im ganzen Flugzeug angehen, wecken mich sanft auf. Draußen, am heller werdenden Himmel ist ein rosaroter Streifen sichtbar. Acht Uhr Ortszeit. Noch zweieinhalb Stunden bis zur Ankunft in Amsterdam. Auf Aruba wäre es jetzt zwei Uhr nachts.

Der folgende Tag und die Nacht verbrachten wir in Amsterdam, in einem Best Western Hotel am Stadtrand. Am Abend gingen wir in die Stadt; Stefan fuhr mit dem Auto an den Rheinkanal, während ich das „Kadinsky“ besuchte.

Für Montag war ein Abstecher nach Rotterdam geplant, aber aufgrund des schlechten Wetters (es wollte einfach nicht aufhören zu regnen) machten wir und dann doch auf dem direkten Wege nach Mannheim; nach Hause.

Unterwegs hielten wir noch an der Moseltalbrücke, die eine wunderbare Aussicht auf das Moseltal bietet. In Mannheim kamen wir Montag Abend gegen siebzehn Uhr an.

Nachts um zwölf, nach ein paar Stunden Ruhe, ging es für mich gleich wieder weiter, denn ich machte mich mit dem Auto auf, meine Familie in Polen zu besuchen.

Blick von der Moseltalbrücke

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Treibt Dich die Frage um, was sich denn alles jenseits der heimischen Couch verbirgt, bist Du rastlos und neugierig wie ich und spürst den Drang in Dir, in die Welt hinaus zu gehen? Dann tue es! Ich nehme Dich mit auf meine Reisen und lasse Dich hautnah das Unterwegs sein miterleben - in all seinen Facetten. Lass Dich inspirieren, komm mit mir und warte nicht länger, denn... die Welt ist so groß und wir sind so klein, und es gibt noch so viel zu sehen!

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