Die Abende hier in Polen laufen oft nach einem ähnlichen Schema ab. Zuerst senkt sich die Sonne tief über die Felder und durchflutet mit ihrem goldenen Licht die Wohnung. Währenddessen machen wir uns auf, mein Onkel und ich, um entweder im Garten junge Bäume zu pflanzen oder all die alten Dinge aus den Ecken und Winkeln der Garagen und Scheunen zu entsorgen. Der Raum ist für die lebenden da, er ist nicht dafür da, Erinnerungen zu konservieren. Ein Zuhause ist kein Mausoleum, es gehört jenen, die dort wohnen. Diese Menschen drücken diesen Orten ihren eigenen Stempel auf.
Und während die Sonne tiefer und tiefer sinkt, sind die Veränderungen, die hier vonstatten gehen, ebenso tiefgreifend. Der Garten wird umgestaltet, die Fenster mit ihren Rahmen aus den Mauern gerissen und neue reingestellt, Altes wird entsorgt und das Haus bekommt einen modernen Touch.
Und später dann, noch viel später, nachdem sich der Himmel gerötet hat und schließlich schwarz wurde, schwanken wir müde zurück ins Haus, wo das letzte Gläschen Wein, das letzte Bisschen Wodka auf uns wartet. Da der Abend direkt vor meiner Abfahrt für solche Aktivitäten Tabu ist und Restalkoholmengen im Blut schlicht nicht akzeptabel sind, gehen wir heute, an meinem vorletzten Abend hier, in die Vollen. Es wird getrunken und Geschichten erzählt und je höher der Pegel, umso ehrlicher die Gespräche und umso besser die Laune.
Sobald das letzte Fitzelchen ausgetrunken ist, wanke ich auf den Balkon für meine abendliche Zigarre. Die frische Luft gibt mir den Rest und die schwach beleuchtete Straße erscheint doppelt vor meinen Augen.
Am nächsten Morgen wird meine angeschlagene Leber mit einem grandiosem Frühstück entschädigt. Und ich nehme mir fest vor, ab sofort nur noch abstinent zu leben. Auf eine wunderbare Zeit!
Roland hat seine Aktion „Wöchentliche Fotochallenge“ wiederbelebt. Und während ich noch überlegte, was ich denn dazu beitragen könnte, ohne die aktuelle Serie über meinen Aufenthalt in der alten Heimat nicht zu unterbrechen, kam heute die Erleuchtung; dass ich ja gar nichts unterbrechen muss. Denn tolle Abende gab es viele und die Abende mit der Familie waren dabei die ganz besonderen.
Ach, diese Abende in guter Gesellschaft. Das ist etwas, was uns derzeit – noch – fehlt. Kommt aber sicher wieder…
Na, inzwischen wird immer mehr geöffnet und gelockert. Ich bin sicher, dass wir bald wieder etwas offener sein dürfen. Mal schauen, wie sich die Situation Richtung Herbst entwickelt. Ob wir aufatmen dürfen oder ob uns Delta frisst…
Eine schöne Beschreibung eines stimmungsvollen Abends! Bin aber schon gespannt, wie lange die Abstinenz bei dir halten wird. Hattest du nicht eine ganze Menge einschlägiges Zeugs in Polen eingekauft bzw. vom Onkel brauen lassen für den Verzehr in Deutschland 😂? Hüstel …
Liebe Elke, ich bin längst wieder in Deutschland daheim und nur die Beiträge hinken hinterher. Die Abstinenz hat etwa eine Woche gehalten, denn Stefan und ich wollten natürlich den Wodka kosten. Doch um ehrlich zu sagen, die Mengen an Alkohol, die wir hier konsumieren (so gut wie nix…) sind nichts im Vergleich zu einer sauberen, polnischen Runde „in Gesellschaft“… 😉
Ich weiß, dass du schon längst wieder zurück bist. Meinen Kommentar im Präsens zu schreiben, war jetzt verwirrend … Das glaube ich dir gerne, dass in Polen andere Mengen an Alkohol konsumiert werden!
Aber auch nicht regelmäßig, das soll jetzt nicht so aussehen *hüstel* Nur hin und wieder… ähm… in… ähm… Gesellschaft.
Ich wünsche dir eine gute und sichere Heimreise…
Vielen lieben Dank! Eigentlich bin ich schon seit einer geraumen Zeit wieder im Lande, nur mit den Beiträgen hänge ich noch etwas hinterher… 😉
Das hast du gut ausgedrückt mit „Der Raum ist für die Lebenden da….“
Ich blicke auch oft durch das Haus und denke, wir haben viel zu viel.
Gerade jetzt als ich die Küche entmotten musste habe ich soviel aus den Schränken geräumt. Ich will es nicht entsorgen – ich weiss, dass es irgendwann mal gesucht wird – aber es kann aus dem Haus in die Scheune. Und dann mal sehen.
Es sollte wirklich raus, was man nicht brauch.
Meine Mutter ist 75. Hatte ich ja schon erzählt, dass sie vieles ausräumt und mir aufdrückt, weil ihr Herz dran hängt. Gerade heute ist so ein Herzstück abgestürzt – nicht kaputt – aber ich sagte zu meinem Mann: Mensch, da hängt doch nicht mein Herz dran….aber ich hebe es auf, erstmal..
Diese Dinge, wo das Herz dran hängt, haben für denjenigen, der sie verschenkt, oft eine andere Bedeutung als für den, der sie erhält. Man mag es nicht wegtun, weil es von der Mutti ist, aber brauchen tut man es auch nicht wirklich… ich verstehe das gut 🙂
Ja – es ist so. Ich tue ihr den Gefallen, aber ja – es ist halt ihre Erinnerung. Für mich hätte dann eher was, was ich von ihr bekommen habe. Und nicht sie von jemanden. Es ist ja kein Familienerbstück. Nun – ich bin eine gute Tochter und habe es halt hingestellt….
Vermutlich wird bei jedem Besuch auch nachgeschaut, ob es noch da steht… 🙂
Ja, der Blick wandert schon mal in das Regal😑
…dem folgt dann hoffentlich ein zufriedenes Nicken 🙂
Oh nein – das macht sie nicht. Sie würde eher eine kleine Spitze ablassen, wenn sie es nicht sehen würde…aber alles andere wird schweigend und unauffällig zur Kenntnis genommen
Ach so ist das… 😉
😉
Vielen lieben Dank Kasia, dass auch du wieder mit diesem herrlichen Abendstimmungsbild wieder bei meiner wöchentlichen Foto-Challenge dabei bist 😊
Liebe Grüße und dir ein schönes Wochenende,
Roland
Dankeschön und dir auch ein schönes Wochenende. Es hat wie immer viel Spaß gemacht 😉 schön, dass es die Challenges wieder gibt.