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Ein Monat, eine Pflanze, ein Rezept – Polnischer Borschtsch

Februar 2021

Die polnische Rote Bete-Suppe – Barszcz (Borschtsch)

Royusch Fotoprojekt 2021, Monat Februar, „Nahrung“

Eine klare, dunkelrote Flüssigkeit, auf einem Teller dampfend. Da steigen Erinnerungen auf; Erinnerungen an meine Kindergartenzeit. Zum Mittagessen (und bevor es die Zwangs-Schlafenszeit am Nachmittag für uns gab…) wurde sie ab und zu serviert und wie immer, freute ich mich sehr darauf. Auf dem Suppenteller, inmitten des Sees, erhob sich ein Gebirge aus weißem Kartoffelpüree, welches die Köchin mit einem großen Löffel zu einem Hügel aufgetürmt hat. Und dann begann das Spiel, denn ja, Kinder können aus allem ein schönes Spiel machen. Langsam, Stück für Stück, stürzte der Gebirgszug in den roten See. Bis schließlich nichts mehr übrig blieb bis auf eine matschige, rotweiße, leckere Pampe. Hm…

Warum ich euch das schreibe? Tja, Kindheitserinnerungen eben. Die machen einen manchmal ganz sentimental. Damals, in sozialistischem Polen, hatte ein jedes Kind ein Anrecht auf einen Kindergartenplatz (und es bekam auch einen…). So war es für meine Mutter möglich, arbeiten zu gehen, während sie wusste, dass ich gut betreut und gut versorgt war. Ich werde den Tag nie vergessen, als sie mich zum ersten Mal in den Kindergarten brachte. Auf keinen Fall wollte ich sie gehen lassen und habe geheult wie am Spieß. Nichts brachten die Beteuerungen, dass sie mich schon bald wieder abholen käme.

Doch dann entdeckte ich Regale voller Spielzeug und meine Augen wurden so groß wie Apfelsinen. Die Tränchen trockneten schnell und ich begann damit, Häuschen aus bunten Klötzen zu bauen, während meine Mutter die Gunst der Stunde nutzte, um unbemerkt den Rückzug anzutreten. Ich glaube, ich habe es nicht einmal bemerkt.

Doch bevor ihr jetzt die gesamte Geschichte meines Lebens erzählt bekommt (glaubt mir, es würde den Rahmen sprengen…), mache ich weiter mit der Suppe. Der Barszcz (hierzulande als Borsch bekannt) gehörte – und gehört – in Polen zum Standardrepertoire einer jeden guten Hausfrau. Wie mit alle Art Hausmannskost ist es auch hiermit so eine Sache. Wer die rote Bete mag, wird ihn lieben.

 

Steckbrief Rote Bete

Die Erntezeit der Roten Bete ist Oktober bis November, somit ist sie ein typisches Wintergemüse. Der rote Farbstoff Betanin wirkt stärkend auf das Immunsystem und auf die Bluterinnung (Vorsicht bei Einnahme von Marcumar). Sie enthält rund 1mg Eisen pro 100g, zudem eine Kombination aus B-Vitaminen – beides hilft gegen Müdigkeit und Antriebslosigkeit. Allerdings kann sich die enthaltene Menge an Oxalsäure negativ bei Menschen auswirken, die zu Nierensteinen neigen.

Rote Bete kann gegart, aber auch roh in Salaten verarbeitet werden. Sie kam mit den Römern aus dem Mittelmeerraum nach Europa und wurde im 19 und 20 Jahrhundert weiterveredelt – daher kommt die gleichmäßige, rote Farbe. Der Inhaltsstoff Betanin wird breitflächig in der industriellen Lebensmittelherstellung als Lebensmittelfarbe verwendet.

Hier stelle ich euch ein Rezept für so ein typisches Borsch-Gericht vor:

 

Rezept für Borschtsch

Zutaten:
1,5 kg Rote Bete
2 Knoblauchzehen
4 Esslöffel Zucker
2-3 Esslöffel Essig
1 Päckchen saurer Sahne 18% (250ml)
4 Körner Piment
1-2 Lorbeerblätter
Salz
Pfeffer
Majoran
2,5 l Wasser

Zusätzlich:
Kartoffeln (eine beliebige Menge)
Nach Wunsch können gebratene Speckstreifen oder mit gewürfelter Zwiebel angebratene Wurstscheibchen zugegeben werden
frischer, grüner Dill

Zubereitung:
Rote Bete waschen, schälen, würfeln.
Mit Piment, Lorbeerblatt, Salz, Zucker, Knoblauchzehen in 2,5 Litern Wasser auf mittlerer Flamme circa 1 Stunde kochen.
Essig zugeben und weitere 15 Minuten köcheln lassen. Vom Herd nehmen, eine Stunde abstellen, damit der Barsch ziehen kann.
Saure Sahne mit einem bis zwei Teilen des Borsch aufschlagen, in den Topf zugeben. Mit Pfeffer abschmecken.

Kartoffeln schälen, weich kochen und zum Püree stampfen. Dill klein hacken.

Wie folgt servieren:
Zuerst eine beliebige Menge Kartoffelpüree in die Mitten vom Suppenteller geben, mit angebratenem Speck oder Würstchen garnieren, mit frischem, grünem Dill bestreuen. Mit einer Kelle den Borsch von der Seite eingießen.

Kasia

Hi, ich bin Kasia, die Stimme von "windrose.rocks" :-)
Treibt Dich die Frage um, was sich denn alles jenseits der heimischen Couch verbirgt, bist Du rastlos und neugierig wie ich und spürst den Drang in Dir, in die Welt hinaus zu gehen? Dann tue es! Ich nehme Dich mit auf meine Reisen und lasse Dich hautnah das Unterwegs sein miterleben - in all seinen Facetten. Lass Dich inspirieren, komm mit mir und warte nicht länger, denn... die Welt ist so groß und wir sind so klein, und es gibt noch so viel zu sehen!

Die Welt wartet auf uns.

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19 Kommentare

  1. Borschtsch! Lecker! Ich stehe total auf Rote Bete, allerdings erst sein zwei, drei Jahren. Keine Ahnung, was zu diesem Sinneswandel geführt hat. Früher hättest du mich mit dem Zeug jagen können. Ich mag sie auch roh ganz gerne, z.B. als „Carpaccio“. Könnte ich mich reinlegen!

    Die Sache mit dem Kartoffelberg in der Mitte ist mir allerdings neu. Sehr sympathisch! Macht so ein Haufen Kohlenhydrate doch ordentlich satt 😎. Als ich deine Ausführungen zum Spielen mit dem Essen las, hatte auch ich gleich eine gedankliche Rückkehr in meine Kindheit. Bei uns zuhause hat es nämlich mein Vater eingeführt, mit dem Essen zu spielen. Sehr zur Begeisterung meiner Mutter 😅.

    Wenn es Püree gab, hat er oben aus dem „Gipfel“ eine Kuhle geformt. Da rein dann die Soße. Und dann seitlich am Kartoffelberg mit dem Messer kleine „Kanäle“ reingestochen, durch die dann die Soße den Hang herunter kleckerte. Genial! Als Nachtisch dann Kirschen. Inklusive Kernspucken so weit wie möglich. Da war Stimmung in der Bude! Zumindest bei Papa und mir …

    1. says:

      Ach, das lässt mich doch direkt wieder an meine eigene Kindheit denken. Kinder haben so viel Fantasie, die brauchen nicht unbedingt Spielzeug, um sich zu beschäftigen. Der Püreehaufen in der Suppe war das Gebirge. Dann kam immer mal ein Erdbeben (der Esslöffel…) und das Gebirge stürzte ein. In der Grundschule haben meine Freundin und ich Bonbonpapier um Kugelschreiber gebunden, Fäden dran geknotet und mit den so entstandenen „Damen“ japanische Trickfilme nachgespielt. Ach waren das noch Zeiten…

      So wie dir mit der Roten Bete ging es mir früher mit Wassermelone. Ich habe die auch lange Zeit nicht essen können, die war mir so… bäh! Inzwischen könnte ich mich reinlegen und Schneeengel machen, so lecker finde ich sie. Uns verstehe mal einer 😉

      Liebe Grüße
      Kasia

      1. Erdbeben! Klasse 😅😅😅! Ja, uns verstehe mal eine(r) …

  2. Ich kenne Borschtsch in der Variante mit Rindfleisch. Geht aber bestimmt auch ohne, wie Du ja bewiesen hast. Solche Suppen sind ideal für kalte Tage. Wenn ich Deine Bilder so sehe, dann bekomme ich Lust zu kochen. Blöd, dass heute die Läden zu haben… Schönen Sonntag noch!

    1. Hah, endlich mal jemand, der Borschtsch kennt (und mag…)! Suppen esse ich generell gerne, es gibt kaum etwas, das so gut wärmt. Probier gerne das Rezept aus und erzähl mir, wie es war 😉

      Liebe Grüße
      Kasia

      1. Ein chinesisches Sprichwort sagt: „Suppen machen glücklich!“ Ich kann mich dem nur anschließen…

        1. Jaaa… allein schon das sprichwörtliche „Hühnersüppchen für die Seele…“

  3. Also ich mag eigentlich schon den Rote Beete Salat aber als Suppe kann ich mir das nicht so richtig vorstellen. Bei einem Salat ist das ja auch als Beilage gedacht und nicht als Hauptgericht. Eigentlich esse ich schon mal gerne Eintöpfe ( am liebsten Erbseneintopf ) oder Linseneintopf ! Günstig aber sehr lecker !!!
    Mit dem Borscht kann ich nun gar nichts anfangen zumal man ja dieses Gericht die der Schwäbischen Küche zuordnet !
    Danke aber für diesen Beitrag und das mit den bunten Bauklötzchen sehr herzlich !!! LG Manni

    1. Hallo lieber Manni,

      keine Sorge, mein Mann isst den auch nicht… 😉 Ich habe Rote Bete als Salat noch nicht probiert. Die Suppe kenne ich einfach schon lange. Es gibt die klare Version, wie hier – und es gibt die ukrainische Version, die ist dann etwas opulenter.

      Wenn du Lust hast (und Zeit), und einen polnisch-russischen Supermarkt in der Nähe: es gibt da Fertigsuppen aus der Tüte von der Marke „Profi“. Die sind schon flüssig in der Tüte und brauchen nur warmgemacht werden. Da kannst du den Borschtsch mal testen, vom Geschmack her kommt diese Marke dem nahe, was ich aus meiner Kindheit kenne…

      Liebe Grüße
      Kasia

      1. Hallo Kasia ! Ich habe keine Vorstellung ob es bei mir in der Nähe einen Polnischen-Russischen Supermarkt gibt. Da müsste ich wirklich mal nachschauen und mich umhören !
        Jetzt bin ich aber schockiert dass du den Rote Beete Salat noch nicht probiert hast. Die Rote Beete Scheiben kann man fertig im Glas kaufen und in den Salat mischen. Kannst den natürlich auch Kochen und dann in Scheiben schneiden !!
        LG Manni

        1. Hm, jetzt wo du es sagst… eventuell habe ich den Salat schon probiert, vielleicht im Tagungshotel am Büffet oder so… aber jedenfalls noch nicht bewusst 😉 Ich werde das nachholen…

          Liebe Grüße
          Kasia

          1. schmeckt lecker und klar ist auch gesund wie du schon beschrieben hast !!!

  4. Vielen Dank liebe Kasia für diesen tollen Beitrag zu meiner Challenge Nahrung.
    Sieht lecker aus ?
    Liebe Grüße
    Roland

    1. Ist tatsächlich auch ziemlich lecker, auch wenn es aussieht, als hätte ein Vampir „sein eigenes Süppchen“ gekocht… 😉

      Liebe Grüße
      Kasia

  5. „Borscht“… ich dachte immer das wäre so eine Ur-russische Fressalie wie „Bleenies“ (kenn ich eigentlich nur weil die Klitschkos dafür mal Werbung gemacht haben). Aber ich weiss noch, dass meine Oma häufiger Rote Beete gekocht hat. Da gab es aber einen Nachtisch raus. Ich habe aber keine Erinnerung mehr daran, wie das schmeckte. Deshalb bleiben in der O+G Abteilung des Supermarktes diese Knollen im Regal: sie wecken in mir nicht den Wunsch eine Kindheitserinnerung zurück zu holen – so wie es bei Dir im Fall der Reiseerinnerung (bei einem anderen Blogbeitrag) ist..
    Ich kann mir tatsächlich bei Borscht nicht im mindesten vorstellen in welche geschmackliche Richtung das geht: Süsslich, säuerlich, pikant, salzig?
    Ich weiß aber noch, dass Rote Beete flecken kaum aus dem Klamotten gehen.
    Da ist es wohl besser, wenn ich weiter einen Bogen um diese Knollen mache.. 😉
    CU
    Peter

    1. Hallo Peter,

      einfach probieren! 😉 Der Geschmack ist nicht so einfach zu beschreiben. Eventuell leicht säuerlich, würde ich sagen. Ein Rote-Bete-Nachtisch klingt ungewohnt, sowas ist mir noch nicht untergekommen…

      Und Flecken? Kein Problem. Das meiste kriegst du mit Essig und Salz raus… 🙂

      Liebe Grüße
      Kasia

  6. Ein prima Beitrag zum Thema.

    1. Vielen Dank, Pit! 🙂

      1. Gern geschehen! 🙂

Was brennt dir auf der Zunge? ;-)

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