Eine Reise zur Unbekannten im Wattenmeer

Kategorien Deutschland, Europa, Schleswig-Holstein

Preisfrage, welche deutsche Insel fällt euch als erstes ein? Den meisten Leuten wird da wohl Rügen oder Sylt in den Sinn kommen. Vielleicht wird auch der Eine oder die Andere Norderney laut äußern. Nein heute geht es mal um die „Friesische Karibik Föhr„, die zweitgrößte deutsche Nordseeinsel und die größte und bevölkerungsreichste Insel ohne Landverbindung (und nein Sylt und Rügen sind durch Dämme mit dem Festland verbunden)

Föhr liegt weit oben kurz vor der dänischen Grenze, geschützt seeseitig von Sylt, Amrum und den Halligen direkt im Wattenmeer. Föhr ist rundherum vom Wattenmeer eingeschlossen und es bietet sich daher die Gelegenheit an jedem Punkt des Deiches das Schauspiel von Ebbe und Flut zu bewundern.

Im Gegensatz zu Sylt kann Föhr nicht mit riesigen Dünenlandschaften punkten und auch nicht mit dem Kniepsand der Amrum auszeichnet. Föhr ist komplett flach, aber hat den großen Vorteil das es auf der Insel eher ruhig zugeht und bedingt durch die geschützte Lage man super baden gehen kann. Föhr hat eine eher ovale Form, es ist 12,5km lang und 8,5km breit ((Ost/West, Nord/Süd). Um die Insel herum führt eine Ringstraße genannt Rundföhrweg. Der größte Ort ist; an der östliche Küste gelegene; Wyk wo sich auch die tidenunabhängige (Ebbe/Flut) Fährverbindung zum Festland befindet.

Für mich als gebürtigen Mecklenburger und daher auch Norddeutschen sind Ost- und Nordsee was besonderes, da gibt es natürlich Strände die um ein vielfaches punkten; wie hier oder hier ; aber hier oben bin ich halt aufgewachsen. Schon die Anreise war beim letzten mal wieder ein Erlebnis. Ich wohne jetzt in Süddeutschland; was man hier als See bezeichnet ist für mich eher ein Tümpel; da habe ich knapp 800km vor mir bis ich oben bin. Wie im September 2019 zum dritten mal.

Dieses mal habe ich Halt gemacht in Hamburg für eine Nacht um am nächsten Tag gemütlich die letzte Teilstrecke zu fahren. Es ging am frühen Vormittag los und da sich die Rückreisewelle auf der Gegenspur befand war ich am Nachmittag schon in der Hansestadt. In Hamburg waren es vor der Fahrt 2 Überlegungen, entweder Hafenrundfahrt oder das Miniatur Wunderland . Im Miniatur Wunderland war ich bis jetzt zweimal gewesen, einmal kurz nach der Eröffnung und das zweite mal wo der Flughafen noch im Bau war. Ich finde das und Modelleisenbahn im generellen ja toll. Was da über die Jahre an Ideen, Geld und Arbeit reingesteckt worden ist beeindruckt sehr.

Nun gut ich war am frühen Nachmittag in Hamburg angekommen, habe längere Zeit einen Parkplatz gesucht und bin dann vor zur Elbe. Hoch auf die teilweise neu gestaltete Promenade, nach links zum MiWu, nach rechts zu den Landungsbrücken und dann zum Himmel geschaut. Gut es war Kaiserwetter da fiel die Entscheidung zur Hafenrundfahrt doch schnell. Runter auf die Landungsbrücken, Karte geholt (ey schon wieder teurer geworden) und hinten auf dem oberen Deck der Barkasse Platz genommen.

Es ist nicht das erste und wohl auch nicht das letzte mal das ich eine Hafenrundfahrt in Hamburg gemacht habe. Die erste war 1989/1990 da war die Elbphilharmonie noch ein feuchter Traum, ebenso die Musicals gegenüber. Man lief damals durch den alten Elbtunnel und befand sich auf einmal auf Brachland. Aber Entertainment findet jetzt nicht mehr im Zentrum statt sondern an Orten mit Flair. Nachdem das Boot voll war ging es los, wie immer erstmal Richtung Speicherstadt. Wie immer begann der Barkassenkäptn mit seinem üblichen Schnacken, aber da mache ich die Ohren zu und genieße einfach. Die Speicherstadt ist ja auch noch heute gewerblich genutzt, nur kommen die Lastkähne nicht mehr in die Fleete. Aber es wird noch gehandelt wie damals als die Windjammern noch über die 7 Meere gesegelt sind und die Arbeit als Matrose mehr als hart war.

Diesmal musste die Fahrt schnell gehen, Ebbe nahte und ein Schiff braucht ja immer ein Handbreit Wasser unter dem Kiel. Weiter ging es auf die Elbe vorbei an der Elbphilharmonie, es ist ja schon ein schönes Gebäude, aber der Preis für die Errichtung war auch schön ……. schön viele Steuergelder. Wir fuhren zur anderen Seite und rein in den Hafen. Da lag dann eine Megajacht von einem russischen Krimin…..Unternehmer und schon kam der Stolz des deutschen Heeres in Sicht. Die Bundesmarine, wie immer lag sie in der Werft, statt in der Ostsee bzw. Nordsee.

Dann sind wir zum spannenden Teil der Rundfahrt gekommen, ein Kreuzfahrtschiff der Mediterranean Shipping Company die Preziosa . Der Sitz der Gesellschaft liegt in Genf, uns ist ja allen die Geschichte der Schweiz als Schwarzgeld………große Seefahrernation bekannt …… .Über diese Schiffsklasse kann man sich ja streiten, Luxus-Umweltverschmutzung oder mal anders Urlaub machen. Egal darum geht es hier ja nicht. Das Schiff war gigantisch, da fühlt man sich als Mensch ganz klein, auch diejenigen die auf uns heruntergeschaut haben. Vom generellen würde ich gerne mal eine Reise mit so einem Schiff machen, nur sollte es um einige Nummern kleiner sein. Leider sind die Kosten um einige Nummern höher für die Reise. Für mich ist diese Schiffsklasse zu groß und erst recht zu viele Menschen an Bord.

Zurück ging es an dem größten und bekanntesten Objekt gegenüber den Landungsbrücken dem Dock 10 von Blohm und Voss. Blohm und Voss gehört zum einem Bremer Unternehmen, das bekannt ist für seine „schwimmenden Friedensstifter“ und Jachten für verarmte Milliardäre. Wie wir alle seit diesem Jahr wissen sind Millionäre eigentlich nur untere Mittelschicht sozusagen Hartz IV mit Privatjet, wie ein Lobbyist, CDU-Mitglied und Möchtegern-Kanzler von sich gegeben hat.

Am nächsten Tag ging es weiter hoch in den Nordosten kurz vor die Grenze nach Dänemark. Das Wetter war spätsommerlich und die Laune dementsprechend. Ich hatte eigentlich vor von der A23 abzufahren und einen Abstecher zur Schleuse nach Brunsbüttel zu machen, allerdings hat mich mein Navi kurz vorher überzeugt dies zu unterlassen. Nun bin ich halt abseits der Autobahn weiter gefahren. Das Landschaftsbild hatte sich inzwischen gewandelt, es wurde weit und flach. Viel Vieh-und Ackerland, Büsche und ab zu ein Wäldchen. Normalerweise ist der Norden ja geprägt von Endmoränen aus der letzten Eiszeit mit vielen Seen und Hügel, wie in der Mecklenburger Schweiz. Aber hier war es anders dieses Land wurde über die letzten Jahrhunderte dem Meer abgerungen, dementsprechend war es auch platt. Kurz vor Heide ging es an einer Erdölraffinerie vorbei……….Wie Erdölraffinerie? Doch die gibt es bis Mitte des letzten Jahrhunderts wurde da oben bei Hemmingstedt Erdöl gefördert. Und auch jetzt noch vor dem Friedrichskoog im Watt bei der Bohrinsel Mittelplate. Von Heide ging es über die B5 an Tönning und Husum vorbei nach Bredstedt, kurz danach ging es rechts ab zum Ockholmer/Hauke-Haien-Koog. Koogs sind Landstriche die durch Dammaufschüttung dem Meer entrissen worden sind. Unterhalb vom Deich geht die Straße im weiten Bogen über Schlüttsiel zum Hafen Dagebüll. Man roch das Meer, sah weit oben die Seemöwen fliegen und hörte das blöken der Schafe auf den Deichen. Und endlich war es da, das Wattenmeer es lag vor mir. Am Horizont sah man Föhr, Sylt und die Halligen und die näherkommende Fähre. Man fährt sehr komfortabel mit der Fähre, das Ticket habe ich Monate vorher schon gebucht (zu den Ferienzeiten so früh wie möglich buchen) und da begann sich schon Wyk aus dem Dunst zu schälen. ENDLICH!

Wyk ist der Fährhafen und gleichzeitig der größte Ort auf der Insel. Es ist wirklich ein kleines Städtchen mit 4500 Einwohnern die in der Hauptsaison auf 20.000 anwachsen kann. Die Innenstadt schmiegt sich an die schön gestaltete Promenade, die sich an dem Stadtstrand befindet. Man findet da alles vom Kino mit aktuellen Filmen bis hin zu frischen Krabben. Natürlich kann man sich auch in den vielen Cafes niederlassen die sich an der Promenade befinden. Besonders hervorheben möchte ich das Cafe Steigleder die Torten da sind einfach nur Bombe, auch das täglich wechselnde Softeis ist sehr lecker. Der Strand windet sich Richtung Süden und endet auf der Höhe vom Flughafen, der eher eine Graspiste ist. Wyk bzw. Föhr lebt vom Tourismus und da ist für jedes Geld etwas dabei. Von der kleinen günstigen Ferienwohnung bis hin zum teurem Luxus-Reethaus ist alles zu finden.

Föhr bedeutet vor allem aber auch Ruhe, Entspannung, weites Land, Wind, Pferde und Kuchen ………… Kuchen? Ja Kuchen man bekommt in einigen Cafes und Bäckereien wahnsinnig tollen Kuchen. Wie oben schon erwähnt im Kaffee Steigleder ( den Kuchen rechts an der Theke auswählen er wird dann gebracht), oder auch im Stellys Hüüs in Oldsum. Da befindet sich auch eine Töpferei mit Verkauf mit dabei. Erwähnungswert als Bäckerei ist der Landbäcker in Borgsum (Tipp da die Nussecken probieren)

Die einzelnen Orte auf Föhr kann man entweder mit dem Fahrrad oder mit dem Auto auf der Ringstraße erforschen. Wenn man vom Wyker Hafen aus Richtung Westen fährt kann entweder über den südlichen Teil oder den nördlichen Teil starten. Dabei möchte ich 2 Orte erwähnen wo ich schon öfters war. Zum einen ist es das bekannteste Dorf auf der Insel namens Nieblum.

Nieblum erreicht man wenn man den südlichen Teil der Ringstraße folgt. Es ist eigentlich ein Kleinod links und rechts vom Kopfsteinpflaster verstecken sich die kleinen reetgedeckten Häuser, die meisten von denen im Ortskern werden gewerblich genutzt. Wie zum Beispiel das „Alte friesische Theehaus“ mit seinen zig hausgemachten Teesorten oder das Cafe Cappuccino mit seinem leckeren Eis und Waffeln. Sehenswert ist die St. Johannis-Kirche im Norden des Ortes, besonders da die Gräber der Seeleute. Mannshohe Grabsteine stehen mehr oder weniger windschief auf dem Friedhof und erzählen kleinen Geschichten.

Wenn man aus dem Nieblum weiter Richtung Westen fährt kommt man nach Utersum, er ist eigentlich nichts besonderes außer die fantastischen Sonnenuntergänge die man da beobachten kann. Man sollte sich Abends Richtung Strandkorbverleih bewegen und da von der Düne oder vom Strand aus beobachten wie die Sonne genau zwischen Amrum und Föhr im Meer versinkt.

Dies war ein kleiner Eindruck von Föhr gewesen ……….. Nach Weihnachten in diesem Jahr bin ich wieder da 🙂

Unbekannte Orte sehen- schon in seiner Jugend war Stefan ein neugieriger Geist. Sein Beruf ermöglicht es ihm auch heute noch, immer wieder neue Ecken in ganz Deutschland zu entdecken. Seine Vorlieben gelten darüberhinaus den technischen Errungenschaften dieser Welt, warmen, tropischen Inseln, der Fotografie und schnellen Bikes. Und da seine Neugierde auch vor dem Essen nicht halt macht, trifft man ihn zu Hause häufig dabei an, wie er versucht, die verschiedensten Gerichte dieser Welt nachzukochen...

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