Deutschland, Europa

Über den Wolken – die Mannheimer Flugtage

Sommer, Sonne, ein laues Lüftchen – und das Geräusch einer Propellermaschine, die irgendwo weit oben am Himmel dröhnend über meinem Kopf hinweg fliegt. Das ist der Sommer. Ich sitze in meinem Garten, im Ohr das nicht enden wollende Lied der Nachtigalle, den Blick auf unseren Garten gerichtet. Der Himmel ist blau, nur blau, was sonst – und ab und zu dreht ein Flieger über uns geräuschvoll seine Kreise. Und ich schwelge in Erinnerungen…

In Erinnerungen an September 2014, als Stefan und ich das erste Mal in so einer Maschine sitzen.

Sanftes Licht, Musik… Rückblende. Mit ganz viel Weichzeichner. Und einem zarten Sepia-Ton. Wir beamen uns zurück ins Jahr 2014.

Es gibt etwas Tolles an der frischen Verliebtheit. Man entdeckt neue Seiten an sich, lässt sich entführen, lässt sich inspirieren, möchte jeweils ein Teil des anderen sein. Und so macht man Dinge, die man vielleicht alleine nie gemacht hätte. Und das ist auch gut so. Denn so entdeckt man neue Seiten an sich, die man so nicht entdeckt hätte. Und behält vielleicht das eine oder andere bei.

So bin ich sofort Feuer und Flamme, als der Vorschlag Mannheimer Flugtage fällt. Ja, warum denn nicht, wenn es etwas ist, was ich noch nie erlebt habe und wovon ich noch gar keine rechte Vorstellung hab?

Kasia ist offen für alles und spätestens seit meinem Kurs im Gleitschirmfliegen den Sommer davor bin ich, was das Fliegen angeht, zu jeder Schandtat bereit.

Die Mannheimer Flugtage finden jährlich, immer am zweiten Wochenende Anfang September am Gelände City Airport statt. Flugvereine aus dem Umkreis finden sich hier zusammen. Der Eintritt ist kostenfrei und der Besucher kann jedes der Flugzeuge mitfliegen, ob das nur Propeller wie bei uns oder Segelflieger sind, Schnupperflüge, Rundflüge unter Anleitung oder im Simulator. Neben Flugzeugen sind auch Themen wie das Fallschirm springen, Modellbau und Oldtimer vertreten. Als ich das Fallschirm-Tandem sehe, geht mir das Herz auf.

Doch Stefan sieht nicht ganz so begeistert aus wie ich, denn als wir in der Schlange stehen, um in der Maschine unsere Kreise am azurblauen Himmel zu ziehen, ist mein Liebster ein klein wenig blass und fahl um die Nase. Doch das hilft ihm jetzt auch nicht weiter…

Dabei fängt alles so harmlos und gemütlich an. Wir kommen an, schlendern über den grünen Rasen und beobachten die kleinen Flieger am Himmel. Auf dem Rasen toben Kinder, aus den Buden dringt der Geruch von gebratenen Würstchen in unsere Nasen und einer von uns (ich?) hat dann die beflügelte Idee, so einen Rundflug zu buchen. Ja, ich bin mir ziemlich sicher, dass die Idee auf meinem Mist gewachsen ist. Ist schon eine Weile her, doch ich sehe es noch lebhaft vor mir, wie ich Stefan aufgeregt zu einem der Stände mit den Flugkarten dirigiere.

Dann stehen wir da, in einer Reihe mit anderen Interessierten, die ebenfalls auf ihre Himmelfahrt warten. Und irgendwie ergibt es sich, dass wir zwei in je zwei getrennte Propellermaschinen steigen.

Ich steige mit einem Pärchen ins Flugzeug und kann glücklicherweise – und um die traute Zweisamkeit der beiden nicht zu stören – vorne beim Piloten sitzen. Und dann erhebt sich das Flugzeug auch schon in die Lüfte und ich sehe aufgeregt, wie sich der Flugplatz unter uns immer weiter entfernt. Die Propeller sind laut, ohrenbetäubend und ich wünsche mir die Ohrenschützer des Piloten zu haben. Doch der Lärm ist schnell vergessen und durch die trüben Scheiben der kleinen Fenster schaue ich auf die Landschaft unter mir. Ich fühle mich wie ein kleiner Schneekönig.

Wir verlassen Mannheim, umrunden Brühl und Schwetzingen – von oben kann ich die charakteristische Form des Schwetzinger Schlosses inmitten vom Schlossgarten erkennen. Wasserflächen, dunkel glänzend inmitten von dunklem Grün. Das Kraftwerk mit sich erhebenden, hellen Türmen. Der Rangierbahnhof. Ich weiß, dass wir gut Strecke machen, das sagt mir mein Verstand, doch von oben aus scheint es, als bewegen wir uns im Schneckentempo über der nur langsam an uns vorbeiziehenden Landschaft. Sagenhaft. Fantastisch. Angst? Fehlanzeige. Doch Schneckentempo hin oder her, der Flug ist viel zu schnell vorbei. Circa eine halbe Stunde dauert das Vergnügen, dann steuern wir auch wieder zum Landeanflug an.

Unten angekommen steige ich beschwingt aus der Maschine. Und schaue gleich nach Stefan, der etwas benommen das Flugzeug hinter uns verlässt. Er bewegt sich langsam und vorsichtig und – taumelt er da gerade?

Ja, es war ein toller Tag. Die Lüfte und ich, der Sonnenschein und ich, der von Übelkeit geplagte Stefan und der Traum vom Fliegen. Wir sehen uns jetzt nur noch die Flugzeuge beim Starten an. Und wieder flüchtet mein Blick nach oben. So ein Segelflugzeug hat in der Regel keinen Motorantrieb und muss auch erstmal in die Luft bekommen werden und wir beobachten, wie es mit Gummibändern in die Luft gehoben wird. Und während ich noch überlege, wie und ob das überhaupt funktionieren kann, findet das Flugzeug auch schon seine ideale Flugbahn und zieht lautlos dahin. Beeindruckend. Will auch… Will mit…

So ein Segelflug schwebt mir nun auch vor. Wie es so leise über den Himmel gleitet… Ist sicher was anderes als die olle, laute Propellermaschine. Sehnsüchtig spähe ich zu dem kleinen Tickethäuschen rüber. Doch noch so ein Abenteuer kann ich meinem blassen Stefan nun wirklich nicht antun…

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Kasia

Hi, ich bin Kasia, die Stimme von "windrose.rocks" :-)
Treibt Dich die Frage um, was sich denn alles jenseits der heimischen Couch verbirgt, bist Du rastlos und neugierig wie ich und spürst den Drang in Dir, in die Welt hinaus zu gehen? Dann tue es! Ich nehme Dich mit auf meine Reisen und lasse Dich hautnah das Unterwegs sein miterleben - in all seinen Facetten. Lass Dich inspirieren, komm mit mir und warte nicht länger, denn... die Welt ist so groß und wir sind so klein, und es gibt noch so viel zu sehen!

Die Welt wartet auf uns.

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8 Kommentare

  1. […] mit einer kleinen, lauten Maschine hoch über dem Heimatort düsen? Auf den Mannheimer Flugtagen, die jährlich in September auf dem Gelände des Mannheimer City Airport stattfinden, ist das […]

  2. Warum bin ich nur so vergesslich ??? Blond na klar jetzt seh ich es !

    1. says:

      Jap, Straßenköterblond (also, so in echt, meine ich…)

      1. habe ich in der Form auch noch nie gehört

        1. says:

          So bezeichnet man ein eintöniges Dunkelblond 😉

  3. das passt natürlich weil wir gerade beim fliegen sind habe ich diesen Beitrag entdeckt !!! Also auch mal mit einen Kleinflugzeug mitgeflogen. Also ich hätte da kein Problem damit solange das Flugzeug einen Motor hat ! Segelflieger na ja da hätte ich vermutlich schon auch meine Probleme.
    Laut – ja kann ich mir vorstellen in dem kleinen Cockpit ! Super dass du es gewagt hat und was die Bilder betrifft der krönende Abschluss ist das vorletzte Foto !!! LG Manni

    1. says:

      Lieber Manni, der Segelflieger würde mich auch sehr reizen. Aber damals war mein Liebster auch schon bei dem Kleinflugzeug mit Motor fast am kotzen 😉 wir sind nacheinander geflogen, hat sich irgendwie so ergeben. Ist aber nichts, was ich nochmal machen muss. War schön, aber jetzt weiß ich ja, wie es ist…

      1. auf jeden Fall eine Erfahrung !!!

Was brennt dir auf der Zunge? ;-)

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