Naherholung bei Mainz – Camping auf der Insel Bleiau

Kategorien Deutschland, Europa, Hessen, Rheinland-Pfalz

Die Celsius-Marke wandert gen vierzig Grad. Es ist wieder einmal eine Hitzeperiode in Deutschland zu verzeichnen, der Asphalt glüht und die Betonmauern der Stadt nehmen die unbarmherzige Hitze in sich auf, um sie wie ein Speicher in den späten Abendstunden nach und nach wieder abzugeben. Alles klebt – die Kleidung, das Gesicht – und zwar unabhängig davon, wie oft man bereits geduscht hat. Doch es gibt auch hier, in der Nähe der Großstadt, kleine Flecken Natur, schöne, ruhige, grüne Flächen, die ein wenig Schatten und Erholung zu bieten haben. Ein solcher „grüner Fleck“ ist die privat geführte, genau an der Gabelung zwischen dem Rhein und dem Main gelegene Campinginsel Bleiau.

„Komm vorbei, ich habe den Grill vorbereitet.“ Meine Freundin Sabi* lockt mich via WhatsApp Nachricht. Und die Versuchung ist groß, einen schönen, ruhigen Nachmittag auf der Insel in Ginsheim-Gustavsburg zu verbringen. Sie muss mich nicht lange überreden, da ich, wie es der Zufall will, so oder so an diesem Tag beruflich in Mainz zu tun habe. Und nachdem ich mich dehydriert und hungrig den ganzen Tag durch die heiße Stadt geschleppt hatte, ist der Gedanke an ein bisschen Grün und ein bisschen Wasser gar nicht mal so verkehrt.

Am Tor zum Campingplatz wartet Sabi* schon auf mich. Die Insel ist ohne weiteres prima mit dem Auto zu erreichen und es gibt Parkmöglichkeiten, ohne auf das Gelände fahren zu müssen. Der Campingplatz selbst befindet sich zum Teil inmitten eines bewaldeten Naturschutzgebietes.

An einem der umzäunten Dauerstellplätze mitten im Grünen machen wir es uns bei einem Weinchen gemütlich. Noch hält die Hitze an, doch die Bäume schirmen einen Großteil der Sonnenstrahlen ab. Heilfroh über ein bisschen kühlen Schatten und dankbar für das eiskalte Wasser in der provisorischen Camping-Dusche wehre ich die gut gemeinte Frage, ob ich denn zum Bräunen in die Sonne wolle, energisch ab. Genug gebräunt und geköchelt für heute.

Wir sitzen da und reden, über Gott und die Welt und der Wein breitet sich wohlig in unseren Gliedern aus. So langsam schalte ich ab und entspanne, es ist ein wunderbarer Kurzurlaub an einem Dienstag mitten in der Woche. Der Grill steht bereit und weiter hinten gibt es Liegestühle und ein trotzig-spießiger Gartenzwerg schaut uns bei unserem entspannten Tun zu.

Später am Abend, als die segnende Sonne nicht mehr so weit oben steht, machen wir uns auf und davon, um mit dem Kajak über den Rhein zu paddeln. Sanft durchschneiden die Paddeln die Wasseroberfläche und kühle Wassertropfen spritzen auf und perlen auf unsere Haut in Momenten, wenn wir mal wieder keinen gleichmäßigen Rhythmus gefunden haben. Wir durchqueren die Theodor-Heuss-Brücke, die Mainz mit Wiesbaden verbindet und die Strömung schiebt uns an und zwischen den Gittern der Brückenstreben scheint die heiße Sonne hindurch. Die schattig graue Silhouette der Mainzer Altstadt mit dem markanten Dom ist zu sehen. Mainz-Kastel, das politisch zwar zu Wiesbaden gehört, hat bis zu 1945 eine Mainzer Vergangenheit. Erst die amerikanische Militärregierung rechnet die Mainzer Stadtteile Kostheim, Kastel und Amöneburg nach dem Zweiten Weltkrieg Wiesbaden zu. Die Rivalität zwischen Mainz und Wiesbaden reicht aber, wenn man den Überlieferungen glauben mag, noch weiter in die Vergangenheit zurück bis zu der Zeit, als Wiesbaden noch zu Preußen gehörte. Man sagt, es gab eine Zeit, in der kein Mann über die Brücke gehen würde, um sich eine Frau aus Wiesbaden zu nehmen…

…oder um eine Frau aus dem Wasser zu ziehen, denn schwupps! – schon hat sich Sabi* vom Kajak in den Fluss gleiten lassen und lässt sich nun vergnügt auf dem Rücken treiben. Ich würde es ihr gerne gleich tun, doch befürchte ich, nicht mehr aufs Boot zu kommen, zumindest nicht ganz so elegant und anmutig also bleibe ich, wo ich bin und schaue meiner Freundin beim Plantschen zu.

In Mainz-Kastel steigen wir ab und fläzen uns mit je einem Hugo an einem der Tische der Strandbar nahe der Reduit genannten mittelalterlichen Anlage, die ehemals als Kaserne diente. Viele suchen hier nach Erholung; es ist, als wäre die halbe Stadt nach Feierabend hier am Strand zusammen gekommen. Kinder plantschen im Wasser des Rhein und ich bin erstaunt darüber, wie nah an der geschäftigen Hauptstadt sich so ein toller, ruhiger Ort befindet – wie für einen Kurzurlaub geschaffen. Ganz ohne weite Wege, Anfahrten und große Exotik, einfach vertraut, erholsam und schön.

Auf dem Rückweg gilt es, der starken Strömung ein Schnippchen zu schlagen. Und während Sabine* auf Schnelligkeit setzt, versuche ich, möglichst gleichmäßig ohne große Unterbrechungen voran zu kommen. Die Sonne ist fast unten und mein Rücken ist durchnässt vom Wasser, das bei jeder Bewegung von unseren Paddeln tröpfelt und ich merke, wie sich an meinen Händen Blasen bilden, doch sie tut gut, die Bewegung, das Gleiten am Fluss entlang, die Kühle, die vom Wasser aufsteigt. Die Klamotten sind nass, riechen nach Fluss, nach Algen, leicht muffig, aber das macht nichts. Wir verlassen das Kajak und gehen zu unserem Stellplatz. Nach der reinigenden Dusche schmeißt Sabi* den Grill an. Wie eine gute Fee zaubert sie mit wenigen Handgriffen ein türkisches Grillgericht mit Lamm und Hähnchen im Fladenbrot („durch das Fladenbrot wird das Fleisch nicht so schnell kalt!“) und der Salat schmeckt nach Tomate und Minze.

Wir reden bis in den späten Abend hinein und ab und zu wird das gleichmäßige Flackern der Lichter vom lauten Klatschen unterbrochen, als sich einer von uns eine Mücke vom Körper schlägt. Als es schon vollständig dunkel ist und die Mückenkerze rauchig vor sich hin brennt, kommt raschelnd und knisternd ein kleines, neugieriges Siebenschläferweibchen zu Besuch und versetzt Sabi* in eine mittlere Panikattacke. Siebenschläfer sind an Nüssen und ähnlichem Knabberzeug interessiert und dieser hier scheint ein Stammgast hier am Campingplatz zu sein. Geschickt klettert das kleine Tierchen mit den runden Ohren und den dunklen Knopfaugen am Balken entlang und in den Wagen hinein.

Als wir zu meinem Wagen gehen, liegt der halbe Platz bereits in Stille und im Schlaf. Weiden und Scheunen sind zu sehen und es riecht nach Weidetieren. Es gibt hier Esel und andere Nutztiere, die hier behütet ihren Lebensabend verbringen dürfen. So langsam beginne auch ich, das Unbegreifliche zu begreifen, das Prinzip des campens zu verstehen: auf kleiner Fläche, mit nur dem Nötigsten ausgestattet, inmitten der Natur zu sein. Denn als ich da vorhin so am Tisch saß, das Essen bereits aufgegessen und die Mückenkerze herunter gebrannt war, wir uns ohne Eile und Zeitdruck in lange Gespräche vertieften, da wurde mir klar, dass ich mich selten so entspannt und entschleunigt, so zeitvergessen und ruhig gefühlt habe. Der Camping-Bazillus griff über, langsam und unbemerkt bemächtigte er sich meiner und nun habe ich ihn verschluckt. Der Gartenzwerg in seiner grünen Mütze schaute mit seinem schlauen Blick und das Spießertum entfaltete seine Flügel.

Kasia stand auf Camping.

*Namen geändert

Hi, ich bin Kasia, die Stimme von "windrose.rocks" :-)
Treibt Dich die Frage um, was sich denn alles jenseits der heimischen Couch verbirgt, bist Du rastlos und neugierig wie ich und spürst den Drang in Dir, in die Welt hinaus zu gehen? Dann tue es! Ich nehme Dich mit auf meine Reisen und lasse Dich hautnah das Unterwegs sein miterleben - in all seinen Facetten. Lass Dich inspirieren, komm mit mir und warte nicht länger, denn... die Welt ist so groß und wir sind so klein, und es gibt noch so viel zu sehen!

Die Welt wartet auf uns.

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