Sun Island – Eine Begegnung mit Adlerrochen

Kategorien Asien, Malediven

Mein Körper fühlt sich an, als würde er noch immer in den Wellen treiben. Ich weiß, dass es nicht so ist… aber sobald ich die Augen schließe, gleite ich wieder im tiefen Blau dahin, schaukeln mich noch immer die Wellen, ziehen Fischschwärme an meinem Gesichtsfeld vorbei. Ich brauche die Bilder nicht herauf zu beschwören, sie sind einfach da, die Korallenriffe und die tanzenden Muster, die die Sonne am Grund des Meeres malt. 

Der Fischreichtum ist unglaublich, regenbogenfarbene, große Papageienfische, Doktorfische, Clownfische, gelbliche Falterfische, die weiter unten am Grund an den Steinen knabbern. Put, put, put, ihr Fischlein, kommt her zu Kasia… Winzig kleine, silberne Schwärme tanzen im Licht und un der kühlen Dunkelheit im Schatten zwischen den Säulen des Steges hängen fast regungslos lange, dünne Trompetenfische wie Stäbe direkt unter der Oberfläche – hier eröffnen sich finstre, geheimnisvolle Welten.

Die Online-Bilder von Jasmin und Adriano, die die Unterwasserwelten der maledivischen Insel zeigen, inspirieren mich dazu, noch einmal zum Schnorcheln auf die Sun Island hinüber zu schippern. Die Inselbetreiber hier sind top organisiert, es wird penibel die Personenanzahl und die Zimmernummer festgehalten, sie wissen genau, wer die Insel verlässt und wer wann wieder zurück kommt. Niemand kann hier verloren gehen, ob unfreiwillig oder gewollt.

Meinen improvisierten Schnorchelanzug (Funktionsoberteil und Leggins…) habe ich schon vorher angezogen und kann jetzt, auf Sun Island angekommen, sofort ins Wasser tauchen. Gleich am Steg versammeln sich regenbogenfarbene Fische um mich herum. Hier werden die Fische teilweise von Touristen zugefüttert, teilweise wirft man ihnen auch Küchenabfälle ins Meer. Kein Wunder also, dass sie seitlich zur Küche hin ständig in Hab-Acht-Stellung verharren.

Jemand macht sich einen Spaß daraus und wirft Brotkrümel ins Wasser und sofort bin ich von einer Schar hungriger Mäuler umgeben, die sich um mich drängen und versuchen, an mir zu knabbern. Ich bin doch kein Brotkrümel! Wie auch immer, auf diese Weise kann ich viele gute Bilder machen.

Dann schwimme ich weiter, zur Riffkante hin, die dann plötzlich und steil ins Wasser abfällt und in dunkelblaue Tiefe übergeht. Ich lasse mich treiben. Bin nicht mehr auf der Jagd nach Bildern, beobachte nur noch. Und sehe einen schwarzen Rochen unter mir. Ist es ein Manta? Ich muss zweimal hinsehen. Geheimnisvoll und majestätisch bewegt er sich mit langsamen Schlägen seiner großen, schwarzen Flossen. Es handelt sich dabei, wie ich später herausfinden soll, um einen Adlerrochen. Adlerrochen sind etwas kleiner als Mantas und können schwarz bis grau und gepunktet sein. Sie treten schon mal in Schwärmen auf und können von ungeübten leicht mit Mantas verwechselt werden. So ergeht es auch mir – ich bin noch einige Tage später felsenfest davon überzeugt, an diesem Tag einen Manta gesehen zu haben. Ich kann seinen geöffneten Mund erkennen, mit dem er Nahrung im Wasser aufnimmt. Ich folge ihm und flehe; tauch doch bitte auf, bitte, tauch doch noch ein kleines Bisschen auf…

Und das tut er dann auch, mit einer geschmeidig-eleganten Bewegung dreht er um und wendet sich nach oben. Ich bin beeindruckt, fasziniert, ich fühle mich gesegnet und von den Göttern geküsst. Ich bin allein mit dem Tier und weit und breit ist kein anderer Schnorchler zu sehen. Keine Treibjagd, keine Paddelflossen, die mir ins Gesicht schlagen. Nur ich und die majestätische Erscheinung.

Ich folge dem Rochen, bis ich mit dem Kopf gegen etwas stoße; es ist das dicke, gespannte Seil, das den Schnorchelbereich vom offenen Meer abgrenzt. Der Mantarochen verschwindet in der Tiefe – ich folge ihm nicht weiter. Unschlüssig bleibe ich an der Riffkante, den Blick noch immer auf der Stelle fixiert, wo er verschwunden ist. Doch er taucht wieder auf, genau vor mir, und wieder habe ich die Chance, ihm zu folgen, bis das Wasser zu trüb wird, um etwas zu erkennen.

Als ich dann zum dritten Mal einen Rochen sehe, ist er nicht schwarz, sondern grau und mit weißen Tupfen versehen. Es ist nicht dasselbe Tier! Und er ist nicht mehr alleine, ich erkenne weitere Tiere, die ihm folgen. Ein ganzer Schwarm zieht unter mir hinweg. Ich zähle sie, kann mein Glück kaum fassen; fünf sind es an der Zahl. Nach einer Weile verschwinden auch sie aus meinem Blickfeld und ich bleibe restlos zufrieden zurück. Ich denke an Stefan, der sich heute entschieden hatte, die Sonnenliege zu hüten. Er hat etwas Tolles verpasst! Das ist es, was ich immer sage, Leute, steht auf, verlasst eure Komfortzone und erlebt was Großartiges!

Den Rest der Zeit treibe ich am Steg am Korallenriff entlang, hier, wo das Wasser flache rund wärmer ist. Wieder treiben ganze bunte Fischschwärme an mir vorbei, farbenprächtige Exemplare, die an den Korallen knabbern. Das Wasser ist voller Geräusche, es prickelt, es macht „knack! knack!“. Plötzlich rast ein panischer Fischschwarm auf mich zu und an mir vorbei und ich bleibe mit einem Male in einem Gewässer zurück, in dem kein einziges Fischlein mehr zu sehen ist. Hm, denke ich – wenn Fischschwärme flüchten, dann gibt es in der Regel auch einen, der sie jagt. Ein Blick in die Richtung, aus dem die Fische kamen, ein pfeilschneller, dunkler Schatten – ein Thunfisch. Dann, zweiter, heller, großer Schatten, der ihm folgt, die unverwechselbare Silhouette. Ein circa 1m langer Riffhai, der genauso schnell wieder verschwindet, wie er aufgetaucht ist. Mir wird ganz anders zumute.

Ja, Kasia, hier gibt es Riffhaie. Aber das hast du ja gewusst. 

Weder der eine noch der andere Jäger zeigt sich erneut und auch die bunten Fische tauchen wieder auf. Mir wird bewusst, dass ich noch immer die Stelle fixiere, an der der Hai verschwand.

Riffhaie sehen Menschen nicht als Beute; solange er mich nicht als Konkurrenz um sen Futter betrachtet, ist alles in Ordnung.

Wieder an Deck tappe ich tropfnass zu meiner Strandtasche. Es ist noch eine Stunde Zeit, bis meine Fähre kommt, also laufe ich zur Strandbar am „Willkommen“-Schild von Sun Island. Ein Gin Tonic und eine Zigarre, der Blick aufs unglaublich blaue Meer gerichtet. So wunderschön. Schon bald werde ich die Inseln verlassen müssen. Empfundenes Glück, hier zu sein. Aus halb geschlossenen Lidern beobachte ich die Urlauber. Manche lassen sich am Sun-Island-Schriftzug fotografieren, eine ganze polnische Reisegruppe läuft an mir vorbei. Es ist ein Kommen und Gehen. In der Ferne der See sind all die kleinen Inselchen rundum zu sehen. Nackte Beine, nackte Schultern, Sonnenhütte, luftige Sommerkleider der Frauen. Und die Hautkrebsjünger, die sich, rot wie gekochter Hummer, auf der Liege in der prallen Sonne schwerfällig auf die andere Seite drehen. Nein, liebe Leser, bitte macht das nicht nach. Ein Sonnenbrand kann so schmerzhaft sein…

Ich habe knapp vier Stunden am Stück geschnorchelt. Ja, es war ein schöner Tag so zum Abschluss. Dann noch der Ausflug morgen, und meine Zeit hier war perfekt. Ich nehme meine Strandtasche in die Hand und schlappe zur Fähre. Meine Haare sind auch schon fast trocken…

Hi, ich bin Kasia, die Stimme von "windrose.rocks" :-)
Treibt Dich die Frage um, was sich denn alles jenseits der heimischen Couch verbirgt, bist Du rastlos und neugierig wie ich und spürst den Drang in Dir, in die Welt hinaus zu gehen? Dann tue es! Ich nehme Dich mit auf meine Reisen und lasse Dich hautnah das Unterwegs sein miterleben - in all seinen Facetten. Lass Dich inspirieren, komm mit mir und warte nicht länger, denn... die Welt ist so groß und wir sind so klein, und es gibt noch so viel zu sehen!

Die Welt wartet auf uns.

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