Suchst du das Zauberland? Komm an die Wied…

Kategorien Deutschland, Europa

Plätschern.

Dieses ständige, leise, melodische Plätschern, so hintergründig und so wirkungsvoll. Es beruhigt mich, es bringt mich runter. Nimmt Geschwindigkeit raus.

Die Kühle, die vom Wasser aufsteigt. Nebelbänke, die sich über die Berge schieben, die immer wieder ihren Charakter, ihre Form verändern. Wie ein lebendiges Tier. Nebelschwaden, die den Ort ummanteln, sich wie eine Decke um die Häuser legen, wie ein Bann, der schützen soll, der nicht gebrochen werden darf.

Und jedes Mal sieht es hier anders aus.

Manchmal steigt der Nebel vom Fluss auf, so wie letzte Woche. Es ist ein sagenhaft warmer Oktober nach einem sagenhaft langem, warmen Sommer, und die spärlichen Wasser der Wied wärmten sich vor, um am Morgen als Nebel in die kühle Luft aufzusteigen. Nebelbänke schieben sich nun über dem Fluss, steigen vom Boden auf, kriechen aus dem Wald. Irgendwo im Hintergrund versucht das Licht der Sonne, sich ihren Platz in der Welt zu erkämpfen und verleiht dem sagenhaften Märchenland ein silbriges Aussehen.

Ich gehe zum Auto, doch ich habe noch Zeit. Also drehe ich um. Hin zum Ufer. So ein kleiner Spaziergang muss noch drin sein, ehe der Arbeitstag mich einholt.

So langsam wird es wärmer, die Sonne hat es fast geschafft. Das Flussufer dampft leise vor sich hin, noch immer ergießt sich Silber über den Wiesen. Kleine rosa Wickenblumen leuchten hier und da mal auf und Spinnweben, an denen leuchtende Wassertropfen hängen, umranden die weißen Laternen.

Die Brücke, die mich über den Fluss führt, ist eingetaucht in Nebel wie in diesen Agentenfilmen, wo der Austausch am frühen Morgen bei diffusem Licht stattfindet. Und ich bin weit und breit der einzige Mensch. Auch hier umranken Spinnweben die Geländer der Brücke wie Halsketten mit kleinen Glitzerperlen aus Kristall, das gibt dem Ganzen ein märchenhaftes Aussehen. Der erste Schritt auf die Brücke zeigt mir, dass sie ziemlich wackelig ist.

In der Ferne scheint das Wasser still zu stehen, wie ein glatter Spiegel, das all das dunkle, fast schwarze Grün zurückwirft, zur Tarnung, damit ja keiner dahinter kommt, was sich unter der Oberfläche verbirgt. Die Bäume im Park lassen fast sichtbar Sonnenstrahlen durch ihre Äste gleiten, doch langsam, aber stetig zieht sich der Nebel zurück und über der Wied ist er fast nicht mehr zu sehen. Dafür wird es wärmer.

Jemand steht da und fotografiert. Denn, wie jeder weiß, finden sich die besten Motive am Morgen, bei diesem traumhaften Licht. So weit bin ich nicht gelaufen und doch bin ich nun am Rande von Roßbach angekommen. Also drehe ich um.

Ich habe hier das perfekte Märchenland gefunden. Mitsamt einer verzauberten Elster, die geduldig am Mast sitzt, um just in dem Moment, als meine Hand nach der Kamera zuckt, davon zu flattern. Kluge Viecher, denke ich und lächle.

Wenn du hierher kommst, findest du am Rande der Stadt Roßbach ein kleines Hotel. Und ja, manchmal denke ich mir, dass es ein verzaubertes Hotel ist, ebenso wie die Elster. Mitten in den Bergen des Westerwaldes gelegen, in einem kleinen Tal eingebettet, am Ufer der Wied. Schaust du aus dem Fenster oder trittst auf die Terrasse, so ereilt dich das leise, beruhigende Rauschen. Kommst du nach einem langen Arbeitstag hierher, so fühlst du dich sofort geerdet. Im Sommer duftet der Lavendel und der Rosmarin, den sie an der Terrasse gepflanzt hatten.

Auf das Strandcafe in Roßbach bin ich durch Stefan gekommen. Das erste Mal blieben wir nach einer Motorradtour nach Koblenz hier über Nacht und schon damals bin ich von den plastischen Nebelbänken, die hier vor allem im Frühling und Herbst entstehen, total fasziniert gewesen. Nachmittags hört man aus weiter Ferne die Kirchenglocke und gegen Abend umschmeichelt der Geruch von Dung die Nase; der authentische Duft vom Lande.

Ich könnte noch so vieles schreiben. Langer Rede kurzer Sinn: Seit dieser Zeit bin ich immer hier, wenn ich in der Nähe beruflich zu tun habe. Die Besitzer lassen einen sich willkommen fühlen und irgendwann kennt man sich persönlich. Ich könnte von dem perfekten Rührei schreiben oder dem leckeren Frühstück, oder von der Schlagermusik, die einem am Morgen beim Frühstück leise um die Ohren rieselt, die man dann dennoch in Kauf nimmt, weil einfach alles stimmt. Von dem Restaurantessen, das einfach immer schmeckt. Doch es ist die Lage, die hier am meisten punktet. Die Lage und das Ländliche. Das Strandcafe verschandelt nicht die Landschaft, es fügt sich malerisch in sie ein.

Am meisten punktet die Tatsache, dass man sich, sobald man morgens die Augen öffnet, mitten in einem Märchenwald wähnt, auf einer Lichtung, wo irgendwann zwischen der Dunkelheit der Nacht und der Wärme des sonnigen Mittags die Stunde X stattfindet.

Ein älteres Ehepaar kommt mir auf der Brücke entgegen; nun wackelt die Brücke noch mehr. Der Nebel ist verschwunden, die Tautropfen sind verschwunden, die Wärme breitet sich aus. Aus den umliegenden Häusern dringt der Duft von Cafe und frischen Brötchen an meine Nase, der ganz normale Tag beginnt. Ihr seid zu spät.

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Hi, ich bin Kasia, die Stimme von "windrose.rocks" :-)
Treibt Dich die Frage um, was sich denn alles jenseits der heimischen Couch verbirgt, bist Du rastlos und neugierig wie ich und spürst den Drang in Dir, in die Welt hinaus zu gehen? Dann tue es! Ich nehme Dich mit auf meine Reisen und lasse Dich hautnah das Unterwegs sein miterleben - in all seinen Facetten. Lass Dich inspirieren, komm mit mir und warte nicht länger, denn... die Welt ist so groß und wir sind so klein, und es gibt noch so viel zu sehen!

Die Welt wartet auf uns.

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