Elsass im Winter – Gespiegeltes Licht

Kategorien Elsass, Europa, Frankreich

Vogesen, Dezember 2016

Das Licht durchschneidet den Nebel wie die Laserstrahlen einer Disco, als wir den schmalen Waldweg morgens entlang fahren. Und just in dem Moment, kurz vor dem erneuten Eintauchen in die Dunkelheit des Schattens sieht man gar nichts mehr außer Licht und Nebel – bis unser Auto wieder vollständig im Dunkeln versinkt und die Umrisse der Bäume und der Straße vor uns wieder auftauchen. Zwei- bis dreimal wiederholt sich dieses Schauspiel – und jedesmal verpasse ich es, meine Kamera zu heben.

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Nicht schlimm, schließlich kann ich den Anblick ja in Worte fassen. Worte lassen viel Raum für Fantasie und Spekulationen und zum ersten Mal erscheint es mir als Nachteil. Niemand wird wissen, wie es wirklich war.

Kurve um Kurve werden wir im Auto umhergeschleudert. Dafür lassen die Waldstrecken hier viel Raum für individuelle Geschwindigkeitsanpassung und so manch einer entscheidet sich für „zügig“.

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All die kleinen, schönen französischen Ortschaften sind weihnachtlich dekoriert – überall glitzern Sterne, hängen ausgeschnittene Lebkuchenmänner, winken Männlein in roten Weihnachtsmützen und stehen aufgebaute Krippen. So schön, so kindlich, so schlicht.
Fachwerk in Elsass sehe ich mir immer noch gerne an, habe mich im Gegensatz zu Deutschland noch nicht daran satt gesehen.

Weil es französisch ist?

Nein, weil es anders ist.

Wir halten vor einer Kathedrale in einem kleinen Ort – die will ich unbedingt aus der Nähe sehen. Stefan wendet an einem Kreisel und wir parken vor der Kirche. Es ist kalt, doch, wie schon vorhin im Wald, spüre ich die Kälte nicht vor lauter Begeisterung. Es ist Sonntag Vormittag und fast alles schläft noch, die Sonne bescheint die fast leeren Straßen. Die Kathedrale trägt diese typisch französischen, gruseligen Wasserspeyer, die verzerrten Gesichtern von Dämonen gleichen. Wer Weinende Engel von Dr. Who gesehen hat, weiß, warum es meine Fantasie beflügelt und ich ihnen nur schwer den Rücken zukehren kann…

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Die Kirche ist verschlossen. Keine Weinenden Engel mehr. Stefan wartet mit angelassenem Motor im Auto auf mich.
„Es gibt hier einen Berg auf 1400 m Höhe, wollen wir schauen, ob wir dorthin kommen? Hast du Lust dazu?“ Fragt er mich, als wir im Wald auf einer Aussichtsplattform stehen und die Burgruine bewundern. Im Wald ist es unheimlich still, die Art Stille, die man in der Stadt niemals erlebt. Ich habe Lust. In der Ferne hören wir einen Knall, dann weitere, die folgen. „Eine Jagd?“

Den Rest des Tages verbringen wir mehr oder weniger im Auto sitzend; wir steigen nur dann ab und zu mal aus, wenn es etwas Schönes zu sehen gibt.
Wie diesen See am Waldrand.
Wir gehen, zunächst getrennt, dann Hand in Hand, den ausgetretenen Pfad entlang, um nur eine Minute später im eingeweichten Schlamm zu versinken.

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Der See wirkt wie ein Spiegel. Poliert durch die gleißende Sonne bildet er einen Rahmen für die schemenhaften Berge um ihn herum. Die Oberfläche ist vollständig klar und ruhig und das Licht lässt den leichten Nebel milchig weiß erscheinen, als würden Elfen auf der Oberfläche des Wassers tanzen (Hey, hat da jemand an Island gedacht?). Die Umrisse der Berge sind doppelt zu sehen – in echt und kopfüber – fantastisch. Und so wunderbar ruhig, so still und unbewegt… Moment, wo kommen denn plötzlich die Wellen an der Oberfläche her? Ach ja, dort am Damm fangen Kinder an, Steine ins Wasser zu werfen. Ach die lieben Kinder und ihr natürlicher Spieltrieb… nur gut, dass ich meine Bilder schon vorher gemacht habe. Durch den schlammigen Boden watschele ich wieder zu Stefan. Wir lassen uns Zeit, denn es ist ein fast magischer Ort, und doch weiß ich, dass er noch zu seinem Berg möchte.

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Hi, ich bin Kasia, die Stimme von "windrose.rocks" :-)
Treibt Dich die Frage um, was sich denn alles jenseits der heimischen Couch verbirgt, bist Du rastlos und neugierig wie ich und spürst den Drang in Dir, in die Welt hinaus zu gehen? Dann tue es! Ich nehme Dich mit auf meine Reisen und lasse Dich hautnah das Unterwegs sein miterleben - in all seinen Facetten. Lass Dich inspirieren, komm mit mir und warte nicht länger, denn... die Welt ist so groß und wir sind so klein, und es gibt noch so viel zu sehen!

Die Welt wartet auf uns.

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