Deutschland, Europa

Ein Sommertag in Karlsruhe

Am Karlsruher Schloss lausche ich den Klängen des Saxofons. Der Musiker spielt mit solcher Leidenschaft, er wiegt seinen Körper vor und zurück zur Musik. Ich könnte ihm ewig zuschauen.

Am Schlossplatz haben sich noch andere Künstler eingefunden. Der Himmel trägt an diesem Tag eine seltsame Farbe spazieren; ein dunkles Taubenblau, das einerseits noch ein Weilchen Sonnenschein verspricht, andererseits auch ein aufziehendes Gewitter in Bereich des Wahrscheinlichen rücken lässt. Doch noch scheint die Sonne, noch löst der Himmel sein strahlendes Versprechen ein. Noch scheint sie mir auf den Kopf – gut so. Ich gehe weiter.

 

Die helle Silhouette des barocken Schlosses hebt sich messerscharf, weiß und eierschalengelb, von den tiefstehenden Wolken des taubengrauen Himmels ab, was den Eindruck einer strahlenden Leichtigkeit schafft. Das Denkmal des Keulen schwingenden Herkules, der den Drachen erschlägt, scheint förmlich zu leuchten; die Skulpturen, die den Schlossplatz schmücken, sind zum großen Teil der Mythologie entliehen. Und wieder einmal muss ich mir vorstellen, wie die früheren Herrschaften, sich an der heidnischen Kunst erfreuend, hier lustgewandelt sind. Heute erschlägt hier freilich niemand niemanden mehr; in den herrschaftlichen Räumen sind das Badische Landesmuseum und das Bundesverfassungsgericht untergebracht.

Doch der äußere, schicke Schein der Schlossfassade trügt, und das ist diesmal wortwörtlich zu nehmen; wer während seines Besuches auf verzierte Schlafzimmer und opulente Ballsäle hofft, hofft vergeblich, brannte doch das Schloss während des zweiten Weltkrieges völlig aus. Nur die äußere Fassade wurde originalgetreu aufgebaut, im Inneren des Schlosses befinden sich heute moderne Ausstellungsräume. 1723 wurde zudem eine Schlosskirche errichtet, doch auch diese hat den Krieg nicht überstanden.

Schrecklich, wie willkürlich Kunst- und Kulturschätze im Zuge eines Krieges zerstört werden können; schrecklich, und manchmal, wie in diesem Falle, unwiederbringlich.

Die Klänge des Saxofon begleiten mich noch ein Stückchen weiter, bevor sie immer leiser werden und sich schließlich mit dem Wind vermischen. Ich bin jetzt auf der Nordseite des Schlosses, betrete den Schlossgarten, dessen Eingang auf ewig von einem königlichen, da gekrönten Greif bewacht wird.

Den kleinen, schattigen Teich, an dem ich mich niederlasse, bewachen jetzt die Enten. Riesige, alte Bäume beugen ihre müden, ausladenden Äste über der gemähten Rasenfläche; so zerbrechlich und
von den Jahren geschwächt, dass sie stellenweise gestützt werden müssen, damit sie der Schwerkraft nicht nachgeben. Das Licht spielt fröhliche Farbenspiele in ihren Ästen, verfängt sich in ihren Blättern und hinterlässt auf dem Gehweg ein Mosaik aus hell und dunkel.

Der Teich ist zum großen Teil von gelben Wasserlilien bedeckt, an der frei gebliebenen Wasserfläche schippern die Entchen hin und her. Im grün schimmernden Wasser flitzen kleine Goldfische herum. Es ist ein warmer Tag, am liebsten würde ich es ihnen gleichtun und mich ebenso in das kühle, flache Wasser begeben.

Macht sich halt nicht so gut in einem Schlossgarten.

Der westliche Teil der weitläufigen Anlage beherbergt den Botanischen Garten von Karlsruhe. Im Schatten hoher Bäume sind künstlich angelegte Teiche und Skulpturen zu sehen. Wer es bequem mag, kann mit der Schlossgartenbahn – gebaut wurde sie ursprünglich für die Bundesgartenschau – eine gemütliche Runde durch das Gelände drehen – für mich unvorstellbar, laufe ich doch für mein Leben gern.

Und so sage ich den Enten au revoir und mache mich auf, die Karlsruher Innenstadt zu erkunden.

Bäume, so riesig und so alt, dass sie gestützt werden müssen

Street Art, in der Karlsruher Innenstadt entdeckt

Was Du noch in Karlsruhe machen kannst:

Neben dem Botanischen Garten, der auf dem Schlossgelände untergebracht ist, bietet der Zoologische Garten Karlsruhe einen Wildark mit Gärten und Seen an.

Coole Sache: Seit 2014 findet jährlich das Nordbadische Steampunk-Picknick im Karlsruher Schlossgarten statt; mit Liebe hergestellte, fantasievolle Kostüme – ein Erlebnis nicht nur für Steampunk Fans.

Sportfans kommen auf ihre Kosten im Trampolinpark, der vor kurzem in Wadbronn bei Karlsruhe eröffnet hat:
Eistreff Waldbronn, Ermlis-Allee 1, 76337 Waldbronn

Und wer, wie ich, einen Hang zum mysteriösen hat, kann in der Grabkapelle im Hardtwald, Schlossgarten die Gruft besuchen, in der die Karlsruher Großherzöge bestattet sind. Die Gruft hat von April bis Oktober geöffnet und kann im Rahmen einer Sonderführung besichtigt werden.

kasia

Hi, ich bin Kasia, die Stimme von "windrose.rocks" :-)
Treibt Dich die Frage um, was sich denn alles jenseits der heimischen Couch verbirgt, bist Du rastlos und neugierig wie ich und spürst den Drang in Dir, in die Welt hinaus zu gehen? Dann tue es! Ich nehme Dich mit auf meine Reisen und lasse Dich hautnah das Unterwegs sein miterleben - in all seinen Facetten. Lass Dich inspirieren, komm mit mir und warte nicht länger, denn... die Welt ist so groß und wir sind so klein, und es gibt noch so viel zu sehen!

Die Welt wartet auf uns.

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