Sizilien – Ankunft in Catania

Kategorien Europa, Italien, Sizilien 2010

„Guten Tag!“ Die Männer in schwarzen Anzügen hatten uns wie ein Ring umschlossen. Ihre dunklen Sonnenbrillen spiegeln den Himmel wider und auch mich und meine fragenden Augen. Einzig der kleine, gedrungene Italiener mit dem weißen Anzug, dem hellen Hut mit schwarzer Schleife und der Pate – Pose trägt keine Sonnenbrille; seine teils forschen, teils lustigen dunklen Augen blicken uns gutmütig an und ich frage mich unwillkürlich, wo die weiße, plüschige Katze bleibt. „Guten Tag! Wir sind von der Mafia. Kommen Sie mit uns, wir zeigen Ihnen die Insel.“ Seine goldenen Ringe blenden mich mit all ihren Diamanten – er gibt mir zur Begrüßung die Hand.

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„Kasia, komm jetzt!“ Höre ich neben mir. Ich blinzele gen Himmel, schaue mich um. Und ja, natürlich ist da keine Mafia, es ist überhaupt niemand da außer ein paar gelangweilten Menschen, die sich langsam, als hätten sie es überhaupt nicht eilig, den Flughafen zu verlassen, in Bewegung setzen. Ich schaue meinen Begleiter an, der schon ungeduldig drängelt. „Komm, wir müssen den Mietwagen abholen!“

Bei Sicily by car, einem Mietbüro gleich neben dem Flughafen, warten wir etwas nervös am Schalter. Wir fürchten die ganze Zeit über, irgendwie übers Ohr gehauen zu werden. Es sind ja schließlich alles Sizilianer, oder? Alles Schlitzohren, ne?
Doch überrascht stellen wir fest, dass alles sehr professionell, ja, gar seriös vonstatten geht. Die Mitarbeiter des Büros nehmen es sehr genau mit unseren Unterlangen und dokumentieren jeden Kratzer am Auto. Und wir? Wir führen uns auf, als wären wir in der Bronx. Mindestens. Wir misstrauen allen und jedem, halten unsere Taschen krampfhaft fest und sichern den Mietwagen bei jedem Stopp mit einer Lenkradkralle. Und das alles ist nur der einen Tatsache geschuldet: Hey, wir sind auf Sizilien!

Ich muss sagen: Ich hätte Sizilien damals nicht zu meinem vorrangigen Reiseziel auserkoren. Ja, ich hätte es zu gar keinem Reiseziel auserkoren, ob vorrangig oder nicht. Was wussten wir schon über die Insel? Sizilien, hm… lass mal überlegen… es gehört irgendwie zu Italien (und irgendwie auch nicht, denn sowohl die Festland-Italiener wie auch die Sizilianer selbst sind darüber nicht ganz einer Meinung…) und es gibt dort Mafia. Seeehr viel Mafia. Und die hat alles in ihren Mafia-Fängen. Alte Männer, die Katzen streicheln; Bilder aus alten Filmen werden wach.

Und so bin ich fast schon überrascht, als uns selbige eben nicht direkt am Flughafen von Catania ihre Aufwartung macht. Sollte unsere Ankunft hier auf die Insel etwa unbemerkt geblieben sein?

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So dann; als Nächstes sitzen wir folglich im Auto und während ich aus dem Fenster schaue und die fantastische, sandig-trockene, ständig wechselnde Landschaft bewundere, nähre ich weiter fleißig meine Vorurteile. Sobald wir an einer Straßenbiegung anhielten, würden wir ausgeraubt werden, ganz sicher. Die werden aus dem Gebüsch springen, ach was, sich aus der Luft manifestieren und uns dicke Knarren an den Schädel halten.

Doch irgendwann sagt Jimmy* zu mir: „Ich kann nicht mehr, ich muss kurz anhalten, ich schlafe sonst beim Fahren ein.“ Seine Augen sind rot und klein und tiefe Ringe schmücken unser beider Gesichter. Eine schlaflose Nacht liegt hinter uns, kein Wunder also, dass nun die Grenzen der Erschöpfung erreicht sind. Da ich zu diesem Zeitpunkt noch keinen Führerschein habe, bleibt uns nichts anderes übrig als eine, wie ich finde, höchst gefährliche Pause einzulegen. Wir fahren eine Tankstelle an und stellen uns auf einen der hinteren Parkplätze. Dort verriegeln wir das Auto von innen und Jimmy* schläft. Ich mache kein Auge zu. Aufmerksam beobachte ich die Männer, die, an die Zapfsäule gelehnt, gemütlich ihr Bierchen (oder was auch immer) trinken. Auch jeder Neuankömmling wird von mir beäugt.

Als wir nach einer Stunde endlich weiter fahren, atme ich erleichtert auf.

(*  Namen geändert)

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Das war: Sizilien, August 2010

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Hi, ich bin Kasia, die Stimme von "windrose.rocks" :-)
Treibt Dich die Frage um, was sich denn alles jenseits der heimischen Couch verbirgt, bist Du rastlos und neugierig wie ich und spürst den Drang in Dir, in die Welt hinaus zu gehen? Dann tue es! Ich nehme Dich mit auf meine Reisen und lasse Dich hautnah das Unterwegs sein miterleben - in all seinen Facetten. Lass Dich inspirieren, komm mit mir und warte nicht länger, denn... die Welt ist so groß und wir sind so klein, und es gibt noch so viel zu sehen!

Die Welt wartet auf uns.

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