Asien, Europa, Türkei

Das Nachspiel, oder; wie wir den Türken abzockten…

Marmaris, Mai 2014

Er windet sich auf seinem Stuhl und schwitzt Blut und Wasser, während wir ihn anstarren. „Ich kann doch nichts dazu! Es tut mir wirklich leid, aber ich wusste nichts davon. Diese Mitteilung hätte jeder falsch verstanden.“ Fast hatten wir Mitleid mit ihm. Aber eben nur fast. Es ist dein Geschäft, Ayhan, und wenn etwas schief läuft, hältst du deinen Kopf hin.
Ich hole die ausgedruckten Farbaufnahmen aus meiner Tasche und lege sie auf den Pult seines Schreibtisches. Und während wir den angewiderten Ausdruck in seinem Gesicht betrachten, stellt Nina die alles entscheidende Frage: „Würdest du etwa in diesem vollgewichsten Bett schlafen wollen?“

Nach unserer Ankunft in Mannheim treffen wir uns zur Lagebesprechung. Denn da ist einiges schief gelaufen und trotz allen Spaß, den wir hatten, wollen wir die Sache nicht auf sich beruhen lassen.

Kleiner Rückblick: Nina und ich entscheiden uns, gemeinsamen Urlaub an der Ägäis Küste zu verbringen. Zwei Angebote fallen in die engere Auswahl: ein All-Inclusive-Urlaub auf der ruhigen Landzunge Ölüdeniz oder ein Aufenthalt in der belebten Küstenstadt Marmaris. Ich tendiere zu Marmaris, zu Spaß und Action, während Nina mit dem All-Inclusive Strandurlaub inmitten von wunderbarer Natur liebäugelt. Letztendlich entscheiden wir uns für Ölüdeniz. Im Reisebüro unseres Vertrauens buchen wir dann das Angebot. Doch was dann passiert, hätte auch glatt aus einer schlechten TV-Serie stammen können.

In der Türkei angekommen schmeißt uns der Busfahrer vor dem falschen Hotel raus – in der falschen Stadt. Statt in Ölüdeniz stehen wir in Marmaris – wo wir nicht sein wollten – vor einem Hotel, das wir nicht haben wollten. Eine Nachfrage an der Rezeption ergibt, dass für uns tatsächlich hier ein Zimmer reserviert ist. Also bleiben wir – mangels Alternative – da und versuchen, die Sache zu klären. Unzählige Telefonate mit dem Veranstalter und dem Reisebüro in Worms bringen uns nicht weiter. Wir erfahren, dass dass man uns ohne unseren Wissens kurzerhand umgebucht hatte – in einen anderen Ort, in ein Hotel von schlechterer Qualität als das, welches wir bezahlt hatten. Was noch hinzu kommt, sind die hygienischen Umstände in dem uns zugeteilten Zimmer. Wir halten die Mängel auf Bildern fest und bieten darum, in ein anderes Zimmer versetzt zu werden. Nach erfolglosen Versuchen, nach Ölüdeniz zu kommen beschließen wir, es dabei zu belassen. Wir bleiben in Marmaris und haben viel Spaß – alles in allem ein toller, ein gelungener Urlaub.

Doch so einfach wollen wir Ayhan die Sache nicht durchgehen lassen. So sitzen wir vor ihm, nachdem wir die Lage geschildert haben. Es herrscht Schweigen und die Farbaufnahmen unseres ersten Zimmers liegen vor uns auf dem Tisch ausgebreitet. Ayhan weiß nicht, was er dazu sagen soll; man merkt ihm an, dass er am liebsten versuchen würde, sich herauszureden. Da stellt Nina tollkühn die alles entscheidende Frage:

„Würdest du etwa in diesem vollgewichsten Bett schlafen wollen?“ Komplette Stille im Raum. Mir rattert die Kinnlade herunter; ungläubig drehe ich mich zu ihr um. Doch sie scheint keine Angst vor der eigenen Courage zu haben.

„Nein!“ Ayhans Antwort kommt wie aus der Pistole geschossen; heftig, angewidert.

„Siehst du?“ Ninas Blick ist vorwurfsvoll, nichts darin deutet auf Nachgiebigkeit. „Und wir mussten!“ Ruft sie. Ayhan windet sich auf seinem Stuhl.  Er hatte uns nun bereits von seinen fruchtlosen Versuchen erzählt, die Problematik mit dem Reiseveranstalter zu klären. Auch zeigte er uns eine Mitteilung des Veranstalters, in welcher er unsere Verlegung in ein anderes Hotel sozusagen „ankündigt“. Jedoch ist diese Mitteilung in einer Art und Weise ausformuliert, so dass man beim Lesen den Eindruck bekommt, es handele sich vielmehr um eine Bestätigung des Status Quo als um eine Ankündigung von Veränderungen. Er hatte keinen Anlass gesehen uns zu benachrichtigen; er ging davon aus, dass alles in Ordnung sei.

Jetzt sind wir am Zug. Natürlich hatten wir uns im Vorfeld darüber besprochen, was wir erwarten und was wir an Entschädigung bekommen wollen. Nun machen wir ihm klar, dass wir uns über einen Reisegutschein von, sagen wir; 50 €, freuen würden.

„Klar!“ Er nickt, wirkt fast schon erleichtert. „Den bekommt ihr, gar kein Problem.“

Ich beuge mich leicht zu ihm vor und sage mit Nachdruck: „50 Euro… für jede von uns.“ Und da fällt ihm fast der Kuli aus der Hand. Gespielte Verzweiflung, doch schließlich gibt er nach. Was bleibt ihm auch anderes übrig? Während er unsere Gutscheine ausfüllt, rechnet er uns vor, wie wenig von so einer Reise bei ihm hängen bleibt und wie hart ihn das jetzt trifft. Es sei nicht seine Schuld und nun trieben wir ihn fast in die Pleite, so der Tenor.
Wir sagen nichts.

Lachend, unsere Gutscheine in der Hand, spazieren wir aus dem Laden.
„Lust auf ein Eis?“
„Immer!“

Kasia

Hi, ich bin Kasia, die Stimme von "windrose.rocks" :-)
Treibt Dich die Frage um, was sich denn alles jenseits der heimischen Couch verbirgt, bist Du rastlos und neugierig wie ich und spürst den Drang in Dir, in die Welt hinaus zu gehen? Dann tue es! Ich nehme Dich mit auf meine Reisen und lasse Dich hautnah das Unterwegs sein miterleben - in all seinen Facetten. Lass Dich inspirieren, komm mit mir und warte nicht länger, denn... die Welt ist so groß und wir sind so klein, und es gibt noch so viel zu sehen!

Die Welt wartet auf uns.

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5 Kommentare

  1. Gott sei dank hatte ich noch nie mit solchen Dingen zu kämpfen ! Es passte immer alles bis auf wirkliche Kleinigkeiten wo weder der Veranstalter noch das Hotel etwas dafür konnte. Türkei war ich einmal in Side in einem All incl. Hotel ! Bis heute kann ich nichts negatives über diesen Urlaub berichten, außer das mir die für mich übertriebene Gastfreundlichkeit auf den „Sack“ ging ! Das kann nicht ehrlich gemeint sein !
    Bei einem Rundgang durch Side nervten mich die Unzähligen Verkäufer die mit aller Macht versuchten dich in ein Geschäft zu locken. Schmuck , Teppiche , Texitilien ect. keine 50 m konnte man gehen ohne angesprochen zu werden. Nach der ersten Frage“Woher kommst du ? Aus dem Raum Stuttgart ! Sofort antwortete er , er habe über 10 Jahre bei Mercedes gearbeitet.
    Einem gelang es doch uns in ein Schmuckgeschäft zu locken ! Tee wurde serviert ! Nachdem er fast seine komplette Auslage uns präsetiert hatte und er aber merkte das wir von einer Kaufentscheidung weit entfernt waren, drehte sich das ganze in eine andere Richtung !
    Sowas brauch ich nicht und will ich nicht ! Aber das war wirklich das einzigste !
    Positiv waren Einkäufe anderer Art ! 1 Puma Sporttasche gekauft die habe ich heute noch, mehrere Polo-Shirts die sehr lange hielten und glaub noch 2 Sweat Shirts. Alles sehr günstig aber von lang anhaltender Qualität

    1. Das Einkaufen und Verhandeln hat in orientalischen Ländern eine lange Tradition. Da wird gerne mal Tee serviert und das Verhandeln zieht sich manchmal sehr lange, gehört aber zum guten Ton dazu. Nicht zu verhandeln wird als unhöflich oder als überheblich wahrgenommen. Ich habe auch lange gebraucht, bis ich das gelernt habe 😉

      Klar kann das nervig sein, wenn man dauernd angesprochen wird. Aber die Menschen an solchen Orten leben nun mal davon. Es gibt viel Konkurrenz und es gilt, den Kunden möglichst als erster zu sich zu locken…

      1. stimmt und erinnert mich an meine Aussendienstzeit ! Wer bekommt den Kunden als erster ?
        Gleichzeitig habe ich aber auch gelernt dass ein guter Verkäufer nicht derjenige ist der einem Eskimo einen Kühlschrank verkauft ! Der wird nämlich sehr schnell feststellen dass er den nicht benötigt und wird die wieder bei dir was kaufen !!!

        1. Das ist wahr. Im Außendienst ist die Vertrauensbasis ganz wichtig. Wie oft habe ich zu meinen Kunden gesagt: „Wissen Sie was? Ich möchte nicht, dass meine Ware bei Ihnen liegen bleibt. Bitte nur so viel bestellen, wie Sie weiterverkaufen können“.

          Bei den türkischen Geschäftsmännern (und sie sind wirklich geschickte Geschäftsleute, das muss man lassen…) ist es wieder anders. Sie wissen genau, dass sie den „Eskimo“ nie wieder sehen, also was solls…

          1. Vertrauensbasis ist das A und O im Verkauf !
            Gut das immer noch Menschen der Kauf abwickeln und keine Maschinen !

Was brennt dir auf der Zunge? ;-)

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