Deutschland, Europa

Waldkatzenbach in Odenwald

Katzenbuckel, Odenwald
August 2016

Plums! Der große, dicke Stein fällt genau neben uns ins Wasser. Die eben noch so ruhige, spiegelglatte Oberfläche zerspringt in tausend Wellen.

Plums! Der nächste Stein. „Jaaa! Fast getroffen!“ Ruft das Mädchen mit hoher, grelle Stimme und zerschneidet die Stille.

„Komm doch jetzt mal endlich, ich will ein Foto machen!“ Ruft die Mutter in einem tiefen Bas zurück. Die beiden stehen nur wenige Meter voneinander entfernt. Das Echo schallt die hohen Felswände nach oben.

Wir sitzen da, jeder auf seinem ausgesuchten, einigermaßen bequemen Stein, und schließen die Augen. Dann schauen Fatima* und ich uns an und denken dasselbe. Nur Stefan raucht weiter ungerührt seine Zigarette. Irgendwann macht er eine Pantomime-Bewegung, so als würde er das Mädchen packen und ins Wasser werfen, und flüstert: „Getroffen!“ Wir lachen leise.

Waldkatzenbach. Ein wunderbarer, mystischer Ort. Der kleine Teich, in dem sich Fische tummeln, spiegelt mit seiner Oberfläche die hohen, geraden Felswände um ihn herum und das Grün der Bäume. Der Teich selber, Vulkansee genannt, liegt versteckt mitten in Odenwald und ist nur von einer Seite zugänglich. Wunderbar ist die Stille dort, die ihn zu einem verzauberten Ort macht, an dem die Libellen auf und ab schwirren, ab und zu ein Fisch im Wasser plätschert und ein Vogel ruft. Ein Teppich aus gelben Seerosen breitet sich auf der Oberfläche aus. Die Sonne sendet senkrecht nur noch einen schwachen Schein zwischen den Baumstämmen hindurch. Es ist Abend.

Die Familie entfernt sich. Nur sehr langsam verschwinden die Stimmen in der Tiefe des Waldes. Dann hören wir sie über uns. Sie gehen den Pfad entlang, der um den See herum führt.

„Hier ist es voll schön!“ Schallt es genau über unseren Köpfen. Wir verdrehen die Augen.

Irgendwann wieder – Stille.

Der Mensch ist es nicht gewohnt, nicht zu reden. Mit der Zeit jedoch halte auch ich die Klappe. Wir sitzen da.

„Komm, Kasia, hier sind voll die Mega-Fische!“

Waldkatzenbach 2015, vor einem Jahr. Es ist Sommer und sehr heiß um die Nachmittagszeit. Doch im Schatten steigt vom Wasser her eine angenehme kühle auf.

Fatima* und ich sind mit dem Motorrad hergekommen. Nun sitzen wir auf den trockenen, kühlen Steinen am Rande des Baches, nachdem wir uns so weit wie möglich um das Ufer herum vorgewagt hatten, und versuchen, die allgegenwärtigen Libellen mit der Kamera einzufangen. Doch die sind rasend schnell und lassen sich nirgends nieder. Auf dem Weg am Ufer entlang essen wir kleine, unheimlich süße Walderdbeeren, die überall leuchtend rot im Gebüsch zu sehen sind.

Wir beobachten die Wasseroberfläche. Irgendwann steht Fatima* auf und huscht durch die Bäume weiter um den Waldsee herum. Dann höre ich sie rufen. Ich drehe mich neugierig um und sehe sie zwischen den Bäumen stehen. „Hier sind voll die Mega-Fische!“ Ruft sie in ihrer erstaunten, mädchenhaften Art und guckt mich mit großen, runden Augen an. Ich folge ihr. Es ist steil, doch im Gebüsch kommen wir gut voran. Wir halten uns an den Stämmen junger Bäume fest und die Füße finden immer wieder auf Steinen und Felsen halt. Die letzten Meter hin zur besagten Stelle schleichen wir und versuchen, so wenig Geräusche wie möglich zu verursachen.

Schon von oben kann ich die großen Fische dann sehen. Fatima* hat nicht übertrieben mit „mega“. Die Fische sind riesig. Sind das Welse? Ich weiß es nicht. Denn für Karpfen sind sie viel zu groß. Gemütlich hatten sie sich in einer Gruppe versammelt und treiben nun in der Nähe des Ufers, direkt unter der sonnengewärmten Wasseroberfläche. Ab und zu bewegen sie sich vor und zurück, doch sehen sie eher aus wie dunkle, schwarze Kegel, die im Wasser treiben. Ich bin begeistert. Vorsichtig versuchen wir, näher zu kommen. Wie sehr vermisse ich jetzt meine große, unhandliche Spiegelreflexkamera mit der tollen Zoom-Funktion!

Wir schleichen geduckt zwischen den Felsen nach unten und bewegen uns leise von Stein zu Stein, versuchen, auf dem instabilen Boden nicht auszurutschen und keine kleinen Steinchen in Bewegung zu bringen.

Irgendwann sind wir unten, doch die „Mega-Fische“ sind indessen bereits einen oder zwei Meter weiter von uns weggetrieben.

„Sie kommen wieder, wenn es eine Weile ruhig bleibt.“ Tröste ich sie.

Und tatsächlich, nach und nach bewegen sich die großen, dunklen Schatten gemächlich näher. Wir machen unsere Bilder. Wie begeistert bin ich, als ein großer Grauer langsam genau an mir vorbei schwimmt.

Waldkatzenbach, Jahr 2016 – wieder zurück in der Gegenwart.

Erstaunt registrieren wir einen Motorradfahrer, der, sich seiner Kleidung entledigt, ins trübe Wasser springt und zu schwimmen beginnt. Fatima* und ich schauen uns an und fangen an zu lachen.

„III, da würde ich niemals rein!“

„Ich auch nicht.“

Auf der Rückfahrt halten wir in Neckarsteinach, wo es die beste Pizza gibt, die ich je gegessen habe (Sizilien mal ausgenommen, denn das ist sowieso nochmal eine ganz andere Kragenweite.)

Gegen zehn Uhr abends setzen wir Fatima* dann vor ihrer Wohnung ab.

kasia

Hi, ich bin Kasia, die Stimme von "windrose.rocks" :-)
Treibt Dich die Frage um, was sich denn alles jenseits der heimischen Couch verbirgt, bist Du rastlos und neugierig wie ich und spürst den Drang in Dir, in die Welt hinaus zu gehen? Dann tue es! Ich nehme Dich mit auf meine Reisen und lasse Dich hautnah das Unterwegs sein miterleben - in all seinen Facetten. Lass Dich inspirieren, komm mit mir und warte nicht länger, denn... die Welt ist so groß und wir sind so klein, und es gibt noch so viel zu sehen!

Die Welt wartet auf uns.

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