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Auf Majas Rücken – Motorradtour durchs Moseltal

Moseltal, September 2016

Sanfte Hügel, goldene Weinreben, Burgen und schöne Motorradstrecken – das Moseltal ist immer wieder Ziel von Motorradtouren für Stefan und mich. Besonders im Herbst, wenn alles golden glänzt, gefällt mir die Gegend ganz besonders. Und kurz, bevor die Mopeds für den Winter eingemottet werden, wollen wir, wie viele Biker auch, die letzten Sonnenstunden noch nutzen.

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Höher, schneller, weiter!

Die Berge fliegen an uns vorbei. Na ja, zumindest das, was man hier so unter Bergen versteht; diese romantischen, Wein-bewachsenen, grünen Hügel, die ganz nah mit ihren sanft fallenden Hängen an den Fluss heranrücken, der sich glitzernd zwischen ihnen schlängelt; wir sind im Moseltal.

„…denn diese Biene, die ich meine, sie heißt Majaaa…“ 😉

Die Motorräder vollgetankt und eine schöne, kurvige Strecken gerade hinter uns gelassen gleiten wir dahin; es ist Mitte September, warm, aber nicht zu heiß; das Wetter ist perfekt. Manchmal steigen wir ab und machen Bilder, doch die schönsten Panoramaaussichten sind meist die, an denen man vorbei fährt, ohne sie aufgenommen zu haben.

Auf Majas Rücken sitzt es sich schön, die neuen Reifen kleben in den Kurven förmlich an der Fahrbahn, ein Ausrutscher ist nahezu unmöglich.

In einem der malerisch eingebetteten Ortschaften (Reil) kehren wir ein in einem Saloon (?); der geschnitzte Holzindianer am Eingang festigt den ernstgemeinten Versuch der Authentizität. Als Tagesessen gibt es Weißwurst mit Brezel.

Vorausschauend habe ich für all die tollen Aussichten, die uns erwarten würden, meine Spiegelreflex-Kamera mitgenommen, vorsorglich auch die Batterien gecheckt. Tja, hätte ich bloß mal genauso vorsorglich das Vorhandensein der Speicherkarte überprüft… „Schaaatz…! Kann ich mal dein Handy haben?“ Also gibt es nur Handybilder von den geschwungenen Tälern und Hügeln, deren Grün schon langsam ins Gelbliche wechselt. „In Oktober wird es hier wunderschön sein.“ Sagte ich zu Stefan. Wir beobachteten ein riesiges Kreuzfahrtschiff, welches sich durch das enge Flussbett quält. Mit ganz vielen Balkonkabinen geschmückt und einem ehrwürdigen Altersdurchschnitt von vielleicht siebzig.

Aber die schönsten Szenerien eröffnen sich uns nach Sonnenuntergang, als das verbleibende Licht die Hügel golden taucht und sich an einer kurvigen Moselschleife der Blick auf zusammengerückte Berghänge, die Häuser einer Stadt und eine abseits stehende Burg eröffnet. Wir halten nicht an, denn wir wollen ja nach Hause. Doch den Namen von diesem Ort habe ich mir gemerkt: Bremm. Bremm wie Bremen, nur ohne en. Ich versuche, den Anblick in mein Gehirn zu brennen. Schaue immer wieder vom Motorrad auf, bis sich die verwunschene Szenerie auflöst und der Fluss wieder gerade verläuft.

Der Zauber hat nur wenige Augenblicke gedauert.

Reichsburg, Cochem

 

Bremm an der Mosel

„Ich will genau die Strecke nochmal fahren, die wir das letzte Mal schon entlang sind!“ So meine Antwort auf die Frage, wo wir denn dieses Mal mit dem Motorrad hin wollen. „Ich will Bilder machen. Wir sind das letzte Mal so schnell wieder weg.“

„Schnell“ – das hieß gleich nach Sonnenuntergang. Aber das sage ich nicht.

Das Moseltal ist mit den Mopeds wunderschön zu befahren. Die Strecke bietet tolle Aussichtspunkte, langgezogene Kurven und viele interessante Objekte (in erster Linie Burgen und Burgruinen), an denen man verbleiben kann.

Die Anfahrt über die Autobahn dauert nicht mehr als zwei Stunden; ab Reil an d. Mosel orientieren wir uns an dern Hauptstraße nordwärts. Weinberge, Hügel und zahlreiche Burgen sehen wir auf unserem Weg; die erste, längere Rast halten wir an einer Bank unter einem mit Weinreben bepflanzten Gerüst. Solche Gerüste sind im ganzen Ort entlang der Mosel aufgestellt, um dem Wanderer (hier: Motorradfahrer) einige Minuten der Ruhe und Entspannung zu ermöglichen. Über unseren Köpfen hängen reife, rote Weintrauben. Ich pflücke mir welche – und nehme die entrüsteten Blicke anderer Spaziergänger billigend in Kauf.

Doch unser Ziel ist ein Ort, der uns (mich 🙂 ) seit unserer letzten Tour hier entlang brennend interessierte: Bremm. Ohne em.

Als wir den Ort erreichen, ist es schon Abend und die Sonne neigt sich schon willig ihrem Untergang entgegen. Die noch sehr hellen, letzten Strahlen schauen neckisch hinter einem Hügel voller Weinreben hervor. An dieser Stelle bildet die Mosel eine mächtige Schleife und am anderen Ufer sind die Häuser der Stadt und eine römische Ruine zu sehen. Ein schöner Anblick beim Sonnenuntergang; die Berge wirken golden. Es ist ein schöner Ort und er versprüht diesen – ich weiß nicht, wie ich es anders sagen soll – Alte-Leute-Charme.

Es gibt hier an der Hauptstraße keine spontane Anhaltemöglichkeit, jedoch ist der Seitenstreifen ungewöhnlich breit – wahrscheinlich für solche „neugierigen“ Fälle wie uns. Am Ufer entlang verläuft ein Fahrradweg; auf den begeben wir uns jetzt, um zu fotografieren. Motorradfahrer sehen wir – geschuldet der späten Stunde (es war zudem mitten unter der Woche; unser Resturlaub lief noch aus) so gut wie keine, doch es kommen uns viele Rentner auf dem Fahrrad entgegen. Ich sage doch – idyllischer Alte-Leute-Charme. Doch es gefällt uns. Mehr noch – bin ich doch eigens dafür zurückgekommen, um diese Ecke noch einmal zu sehen.

Bereits in der Dunkelheit fahren wir heim. Und begegnen unterwegs einer Plage, die sich an uns heftet und sich kaum abschütteln lässt – kleine, weiße Fliegen. Im Licht der Dämmerung schweben ganze Wolken davon in der Luft und immer, wenn wir eine solche „Wolke“ durchqueren, rasselt und knackt es an meinem Helmvisier und es fühlt sich wie ein Schnee – nein, wie ein Sandsturm an. Ab und zu macht es etwas lauter „Peng!“; dann weiß ich, dass ein etwas größerer Käfer über mein Visier gekullert ist. Die kleineren Insekten finden ihren Weg durch die Lüftungsschlitze bis hin zu meinen Augen und Nasenlöchern und ich ermahne mich, ja schön meinen Mund geschlossen zu lassen – wenn ich meinen Eiweißbedarf decken möchte, esse ich ein Steak!

Hier unsere Strecke zum Nachfahren:

https://goo.gl/maps/d6KYDMp5J9P2

kasia

Hi, ich bin Kasia, die Stimme von "windrose.rocks" :-)
Treibt Dich die Frage um, was sich denn alles jenseits der heimischen Couch verbirgt, bist Du rastlos und neugierig wie ich und spürst den Drang in Dir, in die Welt hinaus zu gehen? Dann tue es! Ich nehme Dich mit auf meine Reisen und lasse Dich hautnah das Unterwegs sein miterleben - in all seinen Facetten. Lass Dich inspirieren, komm mit mir und warte nicht länger, denn... die Welt ist so groß und wir sind so klein, und es gibt noch so viel zu sehen!

Die Welt wartet auf uns.

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