Aruba, Südamerika

Nicht so unsers… der Baby Beach

Aruba, Mai 2016

Der Flughafen

Nach dem Besuch der Schmetterlingsfarm fahren wir zum Flughafen.

Der Aeropuerto Internacional Reina Beatrix, oder vereinfacht: Flughafen der Königin Beatrix, liegt in Strandnähe, so dass man mit den Füßen im Wasser die Flieger bei Start und Landung beobachten kann. Stefan hat eine Schwäche für startende und landende Flugzeuge. Und auch wenn sie einem hier nicht direkt über dem Kopf hinweg fliegen, so kann man sie doch ziemlich gut und aus der Nähe sehen. Ich überlasse meinen Liebsten seiner Begeisterung, wate in der Zwischenzeit durch das warme Wasser und hebe Muscheln und Steinchen auf.

Der „betende Hund“… Ich bei dem, was ich am besten kann – Muscheln und Steinchen picken…

Von weitem kommen schwach die Klänge von Partyhits, Touristen spielen Beach-Volleyball. Flugzeuge starten und landen mit lautem Getöse, und in der nebligen Ferne halten monströse Kreuzer vor der Küste Arubas. Doch dieses kleine Stück Strand ist mir. Meine Handtasche füllt sich bedenklich, und ich denke mit Bangen an all das Strandgut, welches bereits im Hotelzimmer lagert. Ich werde ausmisten müssen. Irgendwann. Das hat noch etwas Zeit.

 

Der Baby Beach

Der Baby Beach. Wir haben beide faszinierendes über diesen Strand gehört. Eine schöne, große, geschützte Bucht, seichtes, hellblaues Wasser, in dem man meterweit wandern kann, ohne den Grund unter den Füßen zu verlieren – so seicht, dass das sprichwörtliche Baby darin nicht ersäuft. Perfekt für Nichtschwimmer…

Doch erst einmal muss man hinkommen, und der Baby Beach lag etwa eine Stunde Fahrtzeit von unserem Hotel entfernt, ganz im Osten der Insel. Wir fahren an Oranjestad vorbei, dann weiter am Hafen entlang, bis wir irgendwann auch diesen hinter uns lassen. Der Verkehr ist ziemlich dicht, was normal ist für die Uhrzeit. Es ist halb fünf. Zu viele Autos für diese kleine Stadt, sagt Stefan.

Die Ortschaften, die wir jetzt passieren, gefallen mir; es sind hübsche, kleine Häuser mit blühenden Gärten, schnuckelig anzusehen, gepflegt und nicht so kitschig und überladen wie wir es in Oranjestad erlebt hatten. Alles wirkt irgendwie natürlicher.

„So schöne Häuser…“ Sage ich verträumt vor mich hin.

„So schöne Schafe.“ Sagt Stefan. Ich fahre herum. „Schafe?“

„Da, rechts!“ Und tatsächlich, mitten an einer Abzweigung einer viel befahrenen Straße stehen sie; fünf bis sechs Stück, und knabbern gemütlich den Rasen zwischen den Palmen ab. Unglaublich.

Während ich meine am Strand gesammelten Werke durchsehe, stelle ich fest, dass ich einen kleinen Krebs mitsamt seinem Gehäuse mitgenommen habe. Zaghaft streckt er jetzt den Kopf aus seiner Muschel und wundert sich, warum plötzlich alles um ihn herum so trocken und so kalt ist (die Klimaanlage…). „Keine Sorge, mein kleiner, ich werfe dich wieder ins Wasser.“ Als ich nach einem kurzen Moment wieder hinsehe, ist die Muschel leer. Der Krebs turnt munter auf meiner Hose herum. „Geh-auf-dein-Zimmer!“ Sage ich und stecke den Winzling wieder in sein kleines Krebshäuschen.

Am Baby Beach angekommen verschwindet das Tierchen in den Wellen.

Der Baby Beach liegt ziemlich versteckt am äußersten Ende der Insel. Nachdem wir schon alle Ortschaften passieren und keine Wohnhäuser mehr zu sehen sind, folgen wir den Beschilderungen, die den Weg zum Strand anzeigen. Vor dem Baby Beach befindet sich ein großer Parkplatz, so dass man sein Auto fast am Strand abstellen kann.

Irgendwie hatten wir uns den Strand… ein bisschen anders vorgestellt. Es ist ein schöner Strand, keine Frage. Eine halbrunde Bucht, sehr geschützt gelegen, flaches Wasser. So ziemlich in der Mitte wuchs mal ein Divi-Divi Baum, von dem nur noch Stamm und die Äste tot und weiß vom Meersalz aus dem Wasser ragen. Und nein, die Raffinerie ist vom Strand aus nicht zu sehen. Er ist sehr gemütlich. Wenn ein bisschen weniger Algen und toter Seepflanzen im Wasser trieben… oder wenn ein bisschen weniger Plastikmüll in den Büschen läge… Aber alles in allem ein sehr schöner Strand. Vielleicht liegt unser Na-ja-Gefühl auch daran, dass ein viel zu großer Wirbel drum gemacht wird, so dass man mit überhöhten Erwartungen herkommt.

Der Eagle Beach ist dem Empfinden nach schöner. Aber an den Eagle Beach reicht eh kaum irgend etwas heran.

 

Da der Baby-Beach irgendwie nicht so unsers war…

Der nächste Tag, wieder am Eagle Beach. Nachdem wir in der Stadt Postkarten besorgt und den örtlichen Burger King getestet hatten, mieten wir uns am Eagle Beach zwei Liegen. Zehn Dollar am Tag, fünf jeweils für eine Liege. Es war schon Nachmittag, deshalb wurden die Liegenplätze etwas günstiger angeboten. Und dann bekommen wir sie an unseren gewünschten Platz gebracht. Wie schön.

Obwohl wir wieder im Schatten eines Palmblätterdaches liegen, behalte ich mein langes Kleid und das weiße Hemd am Körper. Morgen ist die Schnorcheltour angesagt; bis dahin sollte die tiefe Rötung meiner Haut bestmöglich verschwunden sein. Ich sehe unwillig an mir herunter. Ich brauche wohl ein Wunder…

Doch auch das hält mich nun nicht davon ab, hin und wieder ins Wasser zu gehen. Wäre ja auch zu schade, denn es ist fantastisch. Ich lasse mich einfach im türkisblauen Wasser treiben, Jetski düsen in einiger Entfernung an mir vorbei. Frauen quietschen vergnügt, während Männer zeigen, wie geschickt sie mit den Dingern umgehen können, indem sie nur mit einer Hand steuern und an der Außenbordseite stehen. Das Meer trägt mich wie ein Kissen, zwei, drei Armbewegungen nach vorne und schon gleite ich dahin.

Stefan liegt am seichten Ufer, lässt sich vom Wasser schaukeln und spielt wieder „Tiere, die aus dem Meer an Land kommen…“ Eine stärkere Welle wirft ihn jedoch mit den Füßen nach oben wieder um. Ich bemerke lachend, dass das Wasser ihn ja eigentlich tragen müsste, daraufhin versucht er, mich unter Wasser zu ziehen. Wir beginnen, wie immer, uns mit Kosenamen zu umschmeicheln:
„Walfisch!“
„Qualle!“
„Portugiesische Galeere! Genauso giftig!“
„Wie heißen denn diese großen, wasserliebenden Tiere…? Aah… Nilpferd! Blubb…“ Das Blubb-Geräusch entsteht infolge dessen, dass ich wieder einmal unter Wasser lande. Brr… Puh…! Augen-reib… prust…

Wir überziehen unsere Zeit im Wasser ein wenig, aber ich hatte mich ja vorher eingecremt… Quietschvergnügt gehen wir Hand in Hand wieder zu unseren Liegen zurück.

Die Stelle, an der wir liegen, wäre perfekt, bloß die Geräusche der Baustelle im Hintergrund nerven. Es ist schon halb fünf, wird Zeit, dass die Jungs Feierabend machen…

Später, gegen Abend, wandere ich entlang der Wasserlinie, die Wellen verwischen die Spuren meiner nackten Füße sogleich hinter mir und lassen eine unberührte Fläche zurück, spiegelglatt und seidig. Stellenweise sind am Strand abgesperrte Bereiche zu sehen. Es sind Legeplätze für Wasserschildkröten. Die Schildkröteneier brüten im warmen Sand von März bis Juli, bevor sie zu schlüpfen beginnen und auf schnellstem Wege unbeholfen den Schutz des Meeres suchen. Die Möwen wissen, warum sie hier sind…

Hier und da liegen am Straßenrand Kokosnüsse herum, die von den Kokosnusspalmen gefallen sind, und ich überlege, ob ich sie mitnehmen soll. Sie sind wesentlich kleiner als das, was man so im Supermarkt erwerben kann. Aber wir hätten im Hotel eh nichts damit anfangen können…

 

Tanz und Musik in Oranjestad

Am Abend gehen wir aus.

Da wir beide Lust auf frischen Fisch haben, wählen wir das „Fishes and more“ an der Promenade.

Das Essen ist fantastisch. Wir hatten beide Shrimps bestellt, in verschiedenen Variationen; bei mir waren sie mit Pina Colada Sauce und Gemüse. Das letzte mal, dass ich so gut gegessen habe, war 2014 – der Tintenfisch in Murano und die Meeresfrüchte in Piran, Slowenien. Die Preise – ja, gut… etwas gehoben, aber das war es definitiv wert.

Danach gehen wir in das Cuba’s Cookin; dieselbe Bar, die am letzten Abend die fetzige Musik spielte, während wir nebenan saßen. Eine Live-Band gibt lateinamerikanische Songs zum Besten, und eigens dafür engagierte Tänzer schwingen gekonnt das Tanzbein auf dem Parkett. Ich rauche meine Zigarre – die dritte und letzte auf dieser Reise – und schaue verzückt zu. Man kann sich dem Rhythmus kaum entziehen. Vermutlich bewege ich mich auch etwas zu sehr mit der Musik mit, denn irgendwann kommen die beiden Tänzer an unseren Tisch und versuchen, uns aufs Parkett zu holen. Der Schreck muss uns förmlich aus den Gesichtern gefallen sein, denn die Tänzerin lacht nur und meint: „Na, vielleicht, wenn ihr eure Cocktails ausgetrunken habt.“

Den Rest des Abends sitzen wir da und genießen die Show und die gekonnten Bewegungen der beiden Tänzer. Da geht man hin, um einen Drink zu bestellen, und bekommt so viel mehr geboten… ein traumhafter Abend, an den ich noch lange zurückdenken werde. Angeheitert und glücklich ließ ich mich von Stefan zum Auto führen.

Morgen heißt es, früh aufstehen… die Schnorcheltour wartet.

kasia

Hi, ich bin Kasia, die Stimme von "windrose.rocks" :-)
Treibt Dich die Frage um, was sich denn alles jenseits der heimischen Couch verbirgt, bist Du rastlos und neugierig wie ich und spürst den Drang in Dir, in die Welt hinaus zu gehen? Dann tue es! Ich nehme Dich mit auf meine Reisen und lasse Dich hautnah das Unterwegs sein miterleben - in all seinen Facetten. Lass Dich inspirieren, komm mit mir und warte nicht länger, denn... die Welt ist so groß und wir sind so klein, und es gibt noch so viel zu sehen!

Die Welt wartet auf uns.

Für dich vielleicht ebenfalls interessant...

Was denkst du darüber?

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.