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An Banales denken trotz Corona-Krise – moralisch verwerflich?

…oder wie sich plötzlich einige in moralische Höhen schwingen.

Ganz langsam und schleichend kam sie auf uns zu, die Corona-Krise, um dann eine ungeahnt rasante Geschwindigkeit hinzulegen. Die Entwicklung machte sich zunächst in kleinen Schritten bemerkbar, um sich nun zu einer Geißel der modernen Welt zu emanzipieren. Kitas, Bars, Schulen, Unis – alles hat zu. Der Vormarsch des Erregers, der eine gefährliche Lungenkrankheit verursacht, muss gestoppt werden.

Es gibt, wie es scheint, keine Normalität mehr. Corona hier, Corona da. Wir verfolgen wie gebannt die Nachrichten. Jede Meldung wird aufgesaugt, um ja keine neue Entwicklung zu verpassen. Denn schließlich kann es ja passieren, dass man morgen nicht mehr vor die Türe gehen kann.

Mit Corona kam die Isolation. Mit Corona kam die Vorsicht, das Misstrauen. Der Egoismus, aber auch die Solidarität. Leer gekaufte Regale, nach mir die Sintflut. Aber auch mehr Engagement im Verein der Nachbarschaftshilfe. Corona-Parties, während das medizinische Personal rund um die Uhr an der Eindämmung der Pandemie arbeitet.

Und mit Corona kam auch das Bashing.

Es gibt welche, die ihr Leben gedanklich komplett auf Eis legen. Die eine Ernsthaftigkeit und einen Pathos an den Tag legen, die fast schon unangebracht sind. Und wehe, ein unbedarfter Blogger fragt mal in einer Facebook Gruppe nach so banalen Dingen wie der Entwicklung der Zugriffszahlen oder möchte sich über gekanzelte Urlaube austauschen. Mit solchen Anfragen hat sich schon mehr als einer in das moralische Wespennest gesetzt.

Denn dann kommen sie heraus und stechen.

Sinngemäß nach dem Motto: die Krankenschwestern arbeiten rund um die Uhr, wie könne man nur in so schweren Zeiten an etwas so simples wie Zugriffszahlen denken. Es sei eben eine Frage der Pietät.

Hä, bitte was? Eine Frage der Pietät?

Nun, wie dem auch sei. Ich werfe mal die theoretische Frage in den Raum, ob es pietätlos ist, in Zeiten von Corona an die einfachen Dinge zu denken. Wie eben Zugriffszahlen auf dem eigenen Blog, in den man ja immerhin viel Herzblut steckt. Ist es pietätlos, Witze über Corona zu machen, obwohl Menschen sterben?

Ist es überhaupt in Ordnung, Witze über den Tod zu machen? Und welche Daseinsberechtigung hat dann der Schwarze Humor? Ist es in Ordnung, Krimis toll zu finden und sich an Morden und deren Auflösung zu ergötzen? Ist es in Ordnung, schwierigen Themen und Situationen mit Humor zu begegnen?

Ist es okay, sich in Zeiten der Corona-Krise, in der es für viele Menschen um ihre berufliche Existenz geht, an seinen gestrichenen Urlaub zu denken? Ist es überhaupt okay, an so simple Dinge zu denken? Ist es okay, noch Sex zu haben? Ein Katzenvideo zu schauen? Sich die Nase zu kratzen?

Bevor das jetzt ganz ins Lächerliche abdriftet: ich hoffe, es ist klar, was ich meine. Corona hier, Corona da, Corona auf dem Handy, Corona in den Nachrichten, Corona auf Facebook. Corona hält die Welt in ihren unsichtbaren Pranken. Der ganze Globus hält den Atem an.

Und ich? Ich will mich ablenken. Mit simplen Dingen. Mit normalen Dingen. Ich will Witze machen. Ja, über Corona. Um den ständigen Druck und die Anspannung für eine kurze Zeit nicht mehr zu spüren. Ich will an meinen Blog denken. Und an meine Zugriffszahlen. Ja, auch wenn an Corona Menschen sterben. Auch wenn das medizinische Personal rund um die Uhr arbeitet, um die Infektionen einzudämmen. Auch dann.

Denn schließlich helfe ich keinem, wenn ich es nicht mehr tue; keiner einzigen Krankenschwester oder Pfleger, keiner einzigen Ärztin oder Arzt, indem ich ein langes Gesicht ziehe und mir Asche auf mein Haupt streue. Rettet Pietät ein einziges Leben?

Und wären die Zeit und die Energie der „moralischen Ritter“ nicht viel besser aufgehoben, wenn sie statt auf Facebook entsprechende Posts zu verfolgen und zu sanktionieren, sich mal in der Nachbarschaftshilfe engagieren? Der alten Nachbarin die Einkäufe vor die Tür stellen?

Sich mal nicht im Supermarkt die zehnte Packung Nudeln in den Einkaufswagen legen? Möglichst nicht auf das Weinfest nebenan gehen, auch wenn die frühlingshaften Sonnenstrahlen locken? Eben versuchen, einen echten Unterschied zu machen, anstatt auf Facebook zu stänkern und zu betonen, was für moralische Personen sie selbst doch sind?

Ja, ich will weiterhin über das Reisen schreiben. Und veröffentlichen. Und posten. Es gibt nicht nur Corona. Und es wird auch eine Zeit nach Corona geben. Ganz sicher. Es wäre nicht die erste Krise. Es gibt auch ein Danach.

Und an diese Zeit will ich denken. An die Zukunft.

Kasia

Hi, ich bin Kasia, die Stimme von "windrose.rocks" :-)
Treibt Dich die Frage um, was sich denn alles jenseits der heimischen Couch verbirgt, bist Du rastlos und neugierig wie ich und spürst den Drang in Dir, in die Welt hinaus zu gehen? Dann tue es! Ich nehme Dich mit auf meine Reisen und lasse Dich hautnah das Unterwegs sein miterleben - in all seinen Facetten. Lass Dich inspirieren, komm mit mir und warte nicht länger, denn... die Welt ist so groß und wir sind so klein, und es gibt noch so viel zu sehen!

Die Welt wartet auf uns.

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