Touristenpfade? Na klar!

„Abseits der Touristenpfade“ ist ein großes Thema, das in der Blogosphäre des Reisens immer mal wieder aufgegriffen wird. Wozu die beliebten, überlaufenen Reiseziele wählen, wenn man doch mit ein bisschen Geschick dem Trubel entfliehen und die Orte, an denen gefühlt jeder schon mal war, mit Leichtigkeit meiden kann. Viele Blogs haben sich gezielt auf die Thematik spezialisiert und viele Artikel bieten Tipps und Tricks, wie man selbst beliebten Reisezielen schöne, unbekannte Ecken abtrotzen kann.

Doch wozu der ganze Aufwand? Ganz einfach: wir reisen nicht einfach, wir sind Entdecker, entstammen der langen Reihe der Helden, bewundert und verehrt in den Abenteuerbüchern unserer Kindheit. Viele Reisende, die nicht „nur“ Urlaub machen, sondern tatsächlich die Welt sehen wollen, wollen, auch wenn trügerisch, doch zumindest das Gefühl haben, sie seien einer der ersten an einem Ort gewesen. Wir sind Getriebene in einer Welt, in der jedes Fleckchen Erde vermessen und kartographiert worden ist, getrieben von einem Drang und einem Verlangen, von dem Wunsch, die Welt sei doch bitte noch nicht in Gänze erschlossen worden. Wenn es euch auch geht wie mir, dann seid ihr mit dabei, je unbekannter, je skurriler ein Trip zu werden verspricht. Noch ein Foto einer bekannten Destination reizt euch nicht, ihr wollt das wirklich Neue.

Und überhaupt; Stichwort „Der erste sein“. Der Mensch war schon überall und natürlich ist es Quatsch in der heutigen Zeit, und doch wollen wir nicht, dass an unserem „Ort der Sehnsucht“ zuvor allzu viele Füße herumgetrampelt sind. Der erste sein, das möchte jeder. Macht es im Winter nicht vielmehr Spaß, im ersten, jungfräulichen Schnee entlang zu gehen, noch ehe Massen an Menschen ihn mit ihren dicken Stiefeln entweihen?

Auch ich musste, bevor ich mich in die weite Welt aufmachte, mir erst einmal klar darüber werden, was „die Welt sehen“ für mich selbst bedeutet.

Sind es Erwartungen, die bestätigt werden wollen? Ist es der Drang, nichts zu verpassen? Der Wunsch nach Neuem? Nach dem, was ich unter „geistiger Stimulation“ verstehe? Will ich die berühmtesten Orte der Welt sehen oder Orte sehen, die noch niemals vor mir ein Mensch sah die keine typischen Reiseziele darstellen und über die ich so gut wie nichts weiß?

Fakt ist: Nur wenige der Reiseklassiker stehen auf meiner Liste. New York? Budapest? Irgendwann bestimmt. Kanaren? Gähn. Muss sicher schön sein, aber… gähn. Italien? Tolles Land, immer eine Reise wert. Gähn. „Hältst du dich für etwas Besseres, dass du nicht dorthin reisen willst, wo alle anderen sind?“ Hatte mich einmal jemand gefragt.

„Ja, klar!“ Antwortete ich, ohne zu zögern und ein wenig auch aus Trotz. Es geht nicht darum, nicht dorthin zu reisen, wo schon alle waren; vielmehr geht es darum, dorthin zu reisen, wo noch nicht jeder seinen Fuß hingesetzt hat, an einen Ort, über den noch nicht allzu viele Menschen gesprochen, geschrieben oder den sie fotografiert haben. Es geht darum, Länder auf eine Art und Weise zu entdecken, die anders ist als das typische Sightseeing. Ob mich das zu jemanden macht, der sich für etwas Besseres hält? Da pfeiff ich drauf.

Doch was bedeutet es nun, „die Welt zu sehen?“ Ich finde, es gehört noch viel mehr dazu. Ich verschließe mich dem Mainstream nicht; ich finde, er hat seine Berechtigung. New York ist eine sagenhafte Stadt. Die Chinesischen Mauer – ein beeindruckendes Bauwunder. Paris? Eine sehr touristische, ja – doch auch eine atmende, lebendige Stadt. Der Grand Canyon in den USA? Gehört dazu. Die Welt sehen bedeutet, alles zu sehen und ich schließe hierbei nichts aus. Nicht die unbedeutenden, dafür nach Ansicht vieler „authentischen“ Vororte prägen das Gesicht der Welt. Sondern die ganz großen.

Klar kann man versuchen, den Touristenpfad zu meiden, doch wer die Welt auf seinen Reisen in Gänze erfassen will, kommt man nicht dran vorbei. „Wozu Paris?“ Fragte eine Bloggerin neulich in ihrem Beitrag, in dem es darum ging, kleinere, nicht so überlaufene Städte zu entdecken. „Warum nicht Brüssel?“ Nun, ich habe beides gesehen und finde, Paris ist mit nichts vergleichbar. Dafür hat Brüssel seinen eigenen, tollen Charme. Brüssel ist untouristischer. Paris ist legendär.

Man kann die „Touristenpfade“ nicht ausklammern, ohne einen wichtigen Teil der Weltkultur zu verpassen. Genauso wie ich es für falsch halte, sich nur auf die „Hot-Points“ des zu besuchenden Landes zu konzentrieren und die weniger spektakulären Orte links liegen zu lassen. Denn das wäre so, als hätte man von einem Puzzle nur die Hälfte gelegt. Klar wecken unbekannte Dinge meine Neugier. Klar will ich da als erstes hin. An manche Orte, solange sie noch nicht überlaufen sind wie Mazedonien, Rumänien oder Armenien. An manche Orte, ehe sie sich verändern oder verloren gehen wie die Gletscherhöhlen in Island, das ewige Eis der Arktis, das nicht mehr so ewig zu sein scheint oder die kleinen Inselstaaten wie Palau oder Nauru, ehe sie absaufen. Die Welt verändert sich so schnell.

Doch ich habe meinen Frieden mit mir selbst geschlossen, mich auch an die Touristen-Hotspots zu begeben. Denn jeder sieht sein Reiseziel mit anderen Augen und alle Berichte dieser Welt, die ich lese, ohne dort gewesen zu sein, „sind nicht echt.“ Natürlich, es sind Erfahrungen des Menschen, der sie beschrieben hat, aber es sind nicht meine. Nichts, das ich selbst greifen kann. „Nicht echt“, wie gesagt.

Und ja, ich habe manchmal Angst, etwas zu verpassen. Ich habe Angst, die Welt zu verpassen. Ich möchte irgendwann New York, London, die Niagara Wasserfälle oder den Yellow Stone Park selbst gesehen haben, egal wie viele Leute da schon herumgetrampelt sind. Darüber schreiben, egal wie viele Leute bereits davon berichtet haben. Ich möchte nicht irgendwann aufwachen und feststellen, dass ich vor lauter Suche nach dem Neuen und Unberührten die Wunder dieser Welt nicht gesehen, vor lauter Arroganz die berühmtesten Dinge nicht besucht habe. Teile dieser Welt. Nein, ich möchte nichts verpassen.

kasia

Hi, ich bin Kasia, die Stimme von "windrose.rocks" :-) Treibt Dich die Frage um, was sich denn alles jenseits der heimischen Couch verbirgt, bist Du rastlos und neugierig wie ich und spürst den Drang in Dir, in die Welt hinaus zu gehen? Dann tue es! Ich nehme Dich mit auf meine Reisen und lasse Dich hautnah das Unterwegs sein miterleben - in all seinen Facetten. Lass Dich inspirieren, komm mit mir und warte nicht länger, denn... die Welt ist so groß und wir sind so klein, und es gibt noch so viel zu sehen! Die Welt wartet auf uns.

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