Asien, Georgien

Tbilisi by night

September 2021

In die georgische Hauptstadt kommen wir über eine lange Umgehungsstraße rein. Das macht, zumindest laut Angabe unserer Georgien-Erfahrenen, mehr Sinn als sich Stunden durch die Stadt zu schlängeln. Und ja, das kann Stunden dauern, bei dem Verkehr, der hier häufig herrscht. Wir haben ja schließlich keine Zeit zu Verschwenden.

Doch auch auf der Umgehungsstraße zieht sich die Fahrt dahin, während in der trüben Sonne die Stadt, ein riesiger Moloch mit überdimensionalen, postsowjetischen „Wolkenkratzern“, an uns vorbei rauscht. Wir umfahren Tiflis im hohen Bogen, wie es scheint, sind alle etwas müde, und noch voller Eindrücke und Emotionen. Glitzernde, blassblaue Trinkwasserreservoirs in Form großer Seen werden sichtbar und verschwinden wieder. Geschickt, wie nur ein Einheimischer es kann, überholen wir langsam entlang ziehende Trucks. Das heißt – wenn Tomek fährt, überholen wir geschickt die Trucks. Sollte hingegen – und hier versagt meine Erinnerung, es ist ja schließlich ein paar Monate her – mein Onkel am Steuer sitzen, dann schleichen wir langsam in einer Staubwolke gehüllt hinterher. Es kann so oder so gewesen sein.

Tomek macht uns auf Nummernschilder aus Aserbaidschan und Turkmenistan, stellenweise aus dem Iran, aufmerksam. Der Duft der großen, weiten, zu entdeckenden Welt macht sich in Form von Staub und Abgasen bemerkbar. Ach was rede ich, das sind keine Abgase – das ist Abenteuer! Alte russische Autos, alte, russische Trucks. Sie hatten damals Sinn für Form und Größe. Wuchtig, klobig und irgendwie ausdrucksstark. Oder ist es in mir der Gedanke der Nostalgie, der da spricht?

Irgendwann biegen wir ab und richten uns gen Tiflis City. Große Hallen, Fabriken, Supermärkte, der unvermeidliche McDonalds. Die industriellen Vororte sind, wie industrielle Vororte sonst in den großen Städten dieser Welt – schnell erzählt. Doch auch die neueren Bezirke der Stadt bestechen nicht mit Schönheit. Befindet man sich nicht gerade in der – zugegeben – recht annehmbaren Altstadt, so muss man nach Schönheit lange suchen. Und sie findet sich in anderen Dingen hier in Georgien, die Schönheit. Denn Gebäude kann jeder. Hier ist Schönheit in den Menschen Georgiens verborgen, in der Art, wie sie uns begegnen. In ihrer Gastfreundlichkeit und dem guten Essen. In ihrer Fröhlichkeit. Im Wein und Chacha. Und nein – auch wenn es bislang den Eindruck vermittelt haben mag, wir müssten uns das Land schön trinken, das war so nicht. Das Land ist schön. Das Trinken gibt’s extra obendrauf.

Wir suchen sie also, die Schönheit. Und nebenbei suchen wir unser Hotel. Als ich einen Blick aufs Navi werfe und der kleine Pfeil näher und näher dem kleinen Fähnchen kommt, schaue ich mich ungläubig um. Hier? Die Gegend sieht aus, als hätte man sie einem Film über Gangster und Ghetto entnommen. Ein wenig zerfallen, ein wenig trostlos. Doch kein Zweifel – hier ist es.

Und als wir vor dem Hotel halten, stellt er sich als das einzig annehmbare Gebäude in dieser Straße heraus.

Gegenüber eine Autowerkstadt/Wäscherei, in der ein mit pinkem Schaum eingesprühter Wagen steht. Gleich daneben eine Teppichreinigung (?) – oder sie machen Frühjahrsputz, jedenfalls hängen große Teppiche an der Stange und werden ausgeklopft. Irgendwann.

Wir sind ein wenig abseits vom Schuss; nicht dass jemand denkt, Tiflis sei ein Dorf. Wollen wir in die Altstadt, so werden wir ein Taxi nehmen müssen, aber das macht nichts, denn wir logieren kostenbewusst – mein Onkel mit seinen zwei zu finanzierenden „Kindern“ ist da dankbar. Als wir die Zimmer beziehen (hier im Hotel wird penibel auf die Maske geachtet und Temperatur gemessen), führe ich eine weitere, fruchtlose Diskussion mit den Männern darüber, dass man Rotwein nicht im Kühlschrank lagert. Ich setzte mich nicht durch – unser Wein wandert in den Kühlschrank. Pfft, denke ich mir; was verstehen die Polen schon von Rotwein. Draußen, auf der hinteren Außentreppe des Hotels, stehen Zehnliterkanister voller angesetzten Weines und reifen in brütender Hitze vor sich hin. Ich mache sogleich Gosia darauf aufmerksam. „Das ist unser Nachschub.“

Der Plan ist, wie der Plan immer so ist. Ein halbes Stündchen frisch machen, danach geht es sofort runter zum Abendessen. Später haben wir eine Tiflis-Nachtbesichtigung vor. „Das dürft ihr euch nicht entgehen lassen.“ Schwärmt Tomek.

Schon auf dem Weg ins Restaurant fällt mir auf, dass ich die einzige bin, die ihre Maske brav trägt. Ja ne, is klar. Die Deutsche wieder. Doch da bin ich stur, sollen die anderen doch eines elendigen Todes sterben. Maske bleibt auf.

Zu Abend gibt es wieder diese sagenhafte georgische Küche. Egal wo wir bisher hin gekommen sind, überall schmeckt es, als hätten die Götter selbst für uns gekocht. Mit Käsescheiben überbackene Chatschapuri, gebratene Forelle (von der mir die Gräte zwei Tage im Hals steht, aber das ist eine andere Geschichte…), und der Chacha fließt in Strömen. Ja richtig, liebe Leute, ich habe nicht „Wein“ geschrieben. Habe ich euch nicht schon zu Anfang versprochen, dass die Kinder auch noch auf den Geschmack von hartem Alkohol kommen? Keine Sorge, die „Kinder“ sind volljährig…

 

Tiflis in der Nacht

Vollgepumpt mit Chacha machen wir auf dem Flur Faxen. Na gut, mein Onkel macht Faxen, der Rest hält sich vornehm zurück. Wir nehmen ein paar Kleinigkeiten wie Geldbeutel usw. mit und begeben uns in den Großstadtdschungel. Das heißt, den Großstadtdschungel müssen wir erstmal mit dem Taxi erreichen, Tomek spricht den ersten Taxifahrer an und bekommt sofort einen guten Preis genannt. Woher ich das weiß? Aus den Erfahrungen des nächsten Tages…

Von der Peripherie, wo unser Hotel liegt, fahren wir erstmal zwanzig Minuten bis eine halbe Stunde durch den Verkehr. Die Fahrweise der Einheimischen ist mutig, doch irgendwann haben wir uns daran gewöhnt. Der Taxifahrer erzählt prorussisches und pro-stalinisches Zeug. Auch daran werden wir uns gewöhnen müssen. Ein Herr älteren Datums, der noch der alten Zeit hinterher trauert. Und der uns einen fairen Fahrpreis macht. Was will man mehr.

Wir steigen in der Nähe vom Zentrum aus, wo sich leuchtende Wolkenkratzer in den Himmel strecken. Ich kann mir schon vorstellen, dass die Stadt – ähnlich wie es bei Kutaissi den Fall war – gerade in der Nacht erwacht und ihren Zauber entfaltet. Licht kann so viel bewirken.

Aktuell sind Wahlen in Georgien und Wahlveranstaltungen finden überall in der Hauptstadt statt. Die, an der wir vorbei kommen, wird schwer bewacht. Die Presse und Regierungsvertreter sind da, und schon als wir uns neugierig nähern, wird uns von einem Sicherheitsmann unmissverständlich klar gemacht, wir sollen weiter gehen. Es ist die aktuell regierende Partei des Präsidenten Saakaschwili, die hier gerade ihren Auftritt hat.

Über eine Brücke, die den Fluss Mtkwari umspannt und mit steinernen Löwen verziert ist, geht es auf die andere Seite, auf die Seite der Altstadt. Wolkenkratzer spiegeln sich im schwarzen Wasser, und unter uns lärmt die vollbefahrene Straße. Auch zu dieser späten Stunde reißt der Verkehr nicht ab. Wir richten unsere Schritte voller Entdeckergeist am Flussufer entlang zur Stadt. Laternen beleuchten spärlich den Gehweg und enthüllen bei näherem Hinsehen, was es so im Verborgenem gibt. Ein Klavier auf der Straße. Zwei weiße Stretchlimousinen, die langsam die Straße entlang an uns vorbei ziehen. Mit Schlingpflanzen überwucherte Balkone und Hauseingänge. Häuserkolonnen im Jugendstil, deren Architektur das gelbe Licht auf besondere Weise zur Geltung bringt.

Ich laufe so ziemlich in der Mitte, da ich zwar über einen schnellen Schritt verfüge, jedoch immer zurückfalle, wenn ich ein Foto machen will. Tomek ist weit vor uns, da er sich mit Fotos nicht aufhält; sein Tempo wird nur dadurch unterbrochen, dass er auf uns Rücksicht nimmt. Dann sehen wir ihn zweihundert Meter weiter irgendwo nachdenklich am Wasser stehen und sobald wir aufschließen, geht es auch wieder vorwärts. Mein Onkel und Gosia bilden die Nachhut; die Tochter hat sich bei ihm untergehackt und so flanieren die beiden am Wasser entlang, nichts kann sie aus der Ruhe bringen. Mein Onkel sieht dabei sehr glücklich aus. Der Sohn des Hauses ist heute nicht dabei; der nicht vertragene Frischkäse fordert noch immer seinen Tribut. Inzwischen bin ich sogar geneigt, dem Jungen die Käse-Geschichte zu glauben; kein Kater der Welt hält sich so lange.

Nicht nur wir, sondern auch die Georgier haben die Nacht zum Ausgehen entdeckt. Die Wasserspiele in einem Park sind ein von Kindern hochfrequentierter Ort, die Erfrischung durchaus willkommen. Die Eltern und ganze Familien sitzen indessen im Park und entspannen oder besetzen die Freilufttische der umliegenden Lokale. Nach der Hitze des Tages ist die Nacht die Zeit für Spaß und Freizeitaktivitäten. Schwül ist es noch immer, aber zumindest ist die Sonne verschwunden und ein erfrischender, leichter Wind streift hin und wieder über den Asphalt.

Wir nähern uns der „Damenbinde“, wie sie die Menschen hier scherzhaft bezeichnen – es handelt sich um eines der bekanntesten Bauwerke von Tiflis, die Friedensbrücke. Der 2010 eröffnete Bau sollte leicht und anmutig wirken, doch aufgrund gewisser Assoziationen mit einem Damenhygieneartikel sorgt er von den ersten Tagen an für dezenten Spott bei den Einwohnern.

Der italienische Architekt Michele De Lucchi hat sie entworfen, und in Italien wurde sie auch gebaut. Zweihundert Trucks waren vonnöten, um sie bis nach Tiflis zu schaffen. Die Friedensbrücke aus Stahl und Glas, mit LED-Lichtern ausgestattet, wirkt eindrucksvoll bei Nacht. Sie verbindet die Neustadt mit der historischen Altstadt.

Und wie wir uns so der Brücke nähern, sind wir längst nicht mehr alleine. Ein großer, gelber Hund hatte sich uns als Rudel auserkoren und weicht seitdem nicht mehr von unserer Flanke. Seine selbst gesetzte Aufgabe als unser Verteidiger nimmt er so ernst, dass er jeden drohend anbellt, der uns seiner Ansicht nach zu nahe kommt. Das kann den Jogger treffen oder entgegenkommende Personen, und in dem Moment möchte ich am liebsten ausrufen, da mir das peinlich ist, dass der Hund nicht zu uns gehört – auch wenn der Hund etwas anderes glaubt.

An der Brücke verlieren wir ihn im Getümmel. Er hatte sich neue Schützlinge ausgesucht.

Die Menschen belagern die Friedensbrücke und schauen runter auf das kalte, schwarze Wasser. Links von uns ist die Altstadt, zu unserer Rechten erstrecken sich Hügel und beleuchtete Kirchen. Mauern einer ehemaligen Festung werden sichtbar. Auf einem dieser Hügel ist das Monument der Mutter Georgiens erkennbar, die Statue einer Frau mit Schwert in der rechten und einer Schale Wein in der linken Hand. „Ihre Freunde begrüßt sie mit Wein, für die Feinde Georgiens gibt es das Schwert.“ Erläutert Tomek. Ich wiederum habe eine andere Vermutung: zuerst versucht die Dame, ihre Feinde betrunken zu machen, damit sie anschließend leichter zu besiegen sind. Was meint ihr?

Ein riesiger, leuchtender Gas-Ballon steigt auf in den nächtlichen Himmel. Und ist er erstmal oben, gleitet er sachte wieder hinunter. Ein ums andere Mal wiederholt sich das sinnlose Spektakel, und auf der wie aus Pergament wirkenden Hülle prangt das große Logo von Porsche. Was hat Porsche hier zu schaffen, frage ich mich beiläufig, während wir den großen, gelben „Mond“ bei seinem Auf- und Abstieg beobachten.

Der Heißluftballon ist eine Attraktion, wie spätere Recherchen zeigen. Von der Gondel aus kann man einen Panoramablick auf das nächtliche Tiflis genießen. Je fünfzehn Minuten dauert so ein „Trip“, die Gondel kann bis zu 30 Personen aufnehmen. Wie viele der Besucher dabei tatsächlich den Ausblick genießen können, ohne dabei nach hinten gedrängt zu werden, mag ich mir nicht vorstellen. Doch aktuell steht eh infrage, ob der Heliumballon wirklich Personen befördert oder nur per se auf und ab gondelt. Nicht zu vergessen, wir haben September 2021 und stehen kurz vor der nächsten, winterlichen Corona-Welle. So stellt sich die Frage nach einer Ballonfahrt nicht. Zudem uns Tomek leidenschaftlich ans Herz legt, einen der Hügel zu Fuß hinauf zu gehen. Panoramablick inklusive und völlig umsonst.

Das Kind ist dagegen. Gosia protestiert. Unser aller Energie ist inzwischen irgendwo verflogen, der kleine, nette Rausch, der sich aus dem Chacha-Gelage ergab, lässt nach. Statt mit dem Kind zu diskutieren, füllen wir es mit weiteren Portionen Bier ab. Und auch wir holen uns noch welches, in dem kleinen Laden gleich um die Ecke, wo im Schaufenster lustige bis skurrile Brustflaschen Schnaps in Form von Stalin und der barbusigen „Olga“ stehen, der sowjetischen, treuen Genossin. Gleich neben Pedigree, dem Hundefutter. Der Lade ist klein und eng und kaum jemand trägt eine Maske, doch die Menschen sind unglaublich nett und zuvorkommend. Wir decken uns ein und ziehen Bier schlürfend von dannen. Auch das Kind hat sich inzwischen beruhigt und in sein Schicksal gefügt. Zudem die Bahn, die uns hätte hinauf bringen können, aufgrund der Pandemie geschlossen hat. Das heißt, sie fährt zwar schon rauf und runter, darf aber keine Passagiere befördern. Muss man nicht verstehen.

 

Aufstieg zur „Mutter Georgia“

Wir stampfen weiter und eine seltsame Hitze überkommt mich. Der Alkohol dringt uns inzwischen aus allen Poren. Doch er beflügelt auch, und nach und nach entfernen wir uns von der belebten Stadt, entdecken eine enge Gasse (da geht’s lang!) und steigen das schmale Pflaster hinauf.

Wir passieren die Festung Nariqala, die uns von unten bereits so beeindruckend erschien. Die Ende des 3 Jahrhunderts errichtete Festung ist die wichtigste mittelalterliche Burg Georgiens.

Immer weiter steigen wir auf. Unser Ziel: einer der Gipfel des Sololaki-Gebirgskamms, wo die Statue der Mutter Georgiens steht. Ihr wisst schon, die mit dem Wein und dem Schwert. Wobei wir bei unserer Sauferei wohl eher letzteres verdient hätten.

Und da, zum ersten Mal an einer Balustrade eröffnet sich ein Ausblick von oben auf die schöne, beleuchtete Stadt. Gelb leuchten die Kirchen, blass lila der felsige Abhang. Unten wuselt das Leben. Oben sind wir. Ich bin hingerissen.

Ein kleiner Flohmarkt (?) wird bereits abgebaut. Wir laufen einmal durch, doch hier gibt es nichts für uns zu holen. Tomek will gar nicht so lange an den ersten Aussichtspunkten verbleiben, denn er meint: oben wird es besser. Viel besser. Und das Bier trägt uns tatsächlich, denn ich spüre meine Waden kaum. Manch einen trägt es etwas zu sehr; Tomek und ich bekommen gerade noch so mit, wie mein Onkel undt Gosia unten zu singen beginnen. Ich meine zu bemerken, dass die Jugendlichen, die hier ihrerseits nachts abhängen, dezent abstand nehmen. Tomek und ich tun es ihnen gleich, wir legen einen Zahn zu und sehen zu, dass wir weiter kommen. Es käme sonst noch jemand auf die Idee, dass diese irren, betrunkenen Polen ohne jegliche Selbstbeherrschung zu uns gehören.

Je höher wir kommen, umso traumhafter wird der Ausblick an den lichten, baumfreien Stellen, wo wir dann einstimmig an der Balustrade lehnen und hinunter schauen in der nächtlichen Stille. Der Heißluftballon hängt über der Altstadt wie ein großer, blasser Mond und vervollständigt das Ambiente. Ich genieße das hier wie nur wenige Dinge in meinem Leben, und ich glaube, den anderen geht es genauso. Und ich glaube, sogar das meckernde Kind ist froh, dass sie doch mitgekommen ist.

Dann erreichen wir die Statue. Der strenge Blick der Mutter ist auf die Stadt gerichtet und ich kann nur das Schwert in ihrer Hand erkennen. Keine Trauben, kein Wein. Aber das haben wir uns alle schon gedacht, oder?

„Hier an der Mauer haben wir uns gegenseitig fotografiert mit Kumpels, damals, vor zehn Jahren.“ Sagt Tomek, den Blick in die Vergangenheit gerichtet. „Du kannst jetzt wieder Bilder haben.“ Sage ich. Und so kommt es, dass (fast) jeder von uns ein Bild liegend auf dem Mäuerchen bekommt, den Blick gen beleuchteter Stadt gerichtet. Fast jeder, denn das Kind weigert sich, an so etwas albernem teil zu nehmen. Ich frage mich, nicht zum ersten Mal auf dieser Reise übrigens, wer hier eigentlich Kind und wer erwachsen ist, denn bei meinem Onkel und seinen Sprösslingen sind die Rollen zuweilen vertauscht. Die Kinder sind ernst und abwägend, während der Bruder meiner Mutter für jeden Unsinn zu haben ist. Es ist, als wohne der Schalk in seinen Augen. So kommt in der Konstellation mit der Ernsthaftigkeit der erwachsenen „Kinder“ zu allerlei amüsanten, skurrilen Situationen.

 

Georgische Tänze

Der Abstieg folgt unspektakulär. Denn als wir den höchsten Punkt des Hügels erreichen, stellt sich heraus, dass der Platz zum Sitzen und zum Genießen der Aussicht gar nicht so gut ist wie zunächst gedacht. Eine kleine Terrasse befindet sich unterhalb der Statue der Frau mit Schwert und Wein, und die Scheinwerfer, die die Dame ins rechte Licht rücken, blenden uns in die Augen. Trotzdem bleiben wir ein wenig hier, doch es ist nicht wie erhofft. Von irgendwo dringt Lautsprechermusik der Jugendlichen.

 

Auf dem Weg nach unten verlieren wir uns kurz in einem Schaufenster, wo es glasierte, rote Porzellangranatäpfel zu sehen gibt. Der Granatapfel, auch so ein Symbol Georgiens. Und während unsere Nasen an der Schaufensterscheibe kleben, ruft uns Tomek über die Schulter:

„Ich unterbreche ja nur ungern eure Betrachtung der Granatäpfel, aber da unten gibt es gerade einen georgischen Tanz zu sehen!“

Typisch Tomek, immer einen Schritt voraus und immer für einen guten Tipp zu haben. Wir eilen nach unten und bekommen gerade noch mit, wie eine Gruppe Menschen auf einer kleinen Mauer sitzt und musiziert. Ein Paar schwingt in der Mitte das Tanzbein und die Menge lacht und ruft ihnen zu. Irgendwo abseits steht auch die Polizei, doch sie lässt die Menschen gewähren; vermutlich soll nur auf den Abstand geachtet werden. Oder darauf, dass die Tanznummer nicht zu einer unerlaubten Kundgebung ausartet (nicht zu vergessen, es sind Wahlen in Georgien…). Ich sehe begeistert zu, die Lebensfreude der Tanzenden ist ansteckend.

Kasia

Hi, ich bin Kasia, die Stimme von "windrose.rocks" :-)
Treibt Dich die Frage um, was sich denn alles jenseits der heimischen Couch verbirgt, bist Du rastlos und neugierig wie ich und spürst den Drang in Dir, in die Welt hinaus zu gehen? Dann tue es! Ich nehme Dich mit auf meine Reisen und lasse Dich hautnah das Unterwegs sein miterleben - in all seinen Facetten. Lass Dich inspirieren, komm mit mir und warte nicht länger, denn... die Welt ist so groß und wir sind so klein, und es gibt noch so viel zu sehen!

Die Welt wartet auf uns.

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17 Kommentare

  1. So, liebe Kasia, nun sitze ich gut vorbereitet, nämlich mit einem Glas Wein in der Hand, vor meinem Laptop und genieße deine Berichte. Während ihr seinerzeit in Georgien schon längst zu härteren Sachen übergegangen seid 😅.

    Du schreibst, die Schönheit des Landes spiegele sich vor allem in den Menschen. Das glaube ich dir gerne! Ich hoffe, das erschließt sich auch Besuchern, die nur auf englisch kommunizieren können. Denn so langsam „packst“ du mich mit Georgien 😎.

    Die Friedensbinde, äh, -brücke ist ja schick! Deine Nachtaufnahme in Grün ist wirklich klasse. Der Ballon hat auch was, vor allem, wenn er sich wie auf deinem Foto so schön im Wasser spiegelt. Tiflis bei Nacht hat sich voll gelohnt!

    1. Tiflis bei Nacht war ein Erlebnis, und wäre Tomek nicht gewesen, hätte ich die Tour wohl für überflüssig gehalten und hätte auf sie verzichtet. Mit Wein liest sich Georgien schöner, das stimmt 😉 Die jungen Menschen in Georgien sprechen gutes Englisch, es sind die älteren, die mehr russisch verstehen. Wobei man heutzutage mit der Sprache wohl keinen Blumentopf mehr gewinnt…

      1. @Englisch statt Russisch: gut für mich!

        1. Für mich ebenfalls. Auch wenn viele meinen, Polnisch und Russisch wären fast das gleiche, das stimmt nicht, diese Sprache ist so gut wie unverständlich für mich…

          1. Eine polnische Bekannte hier in Berlin berichtete mir auch, dass viele Deutsche der Meinung seien, sie müsste mühelos Ukrainisch verstehen. Doch auch sie sagt: keine Chance! Sie erahnt noch nicht mal das Thema, um das es geht, wenn sie Ukrainer sprechen hört.

            Ich hätte diesen Vergleich (Polnisch/Russisch):auch so nicht angestellt. Ich spreche beide Sprachen nicht. Doch alleine vom Zuhören – hier in Berlin leben ja viele Russen, und Polnisch höre ich hier auch oft – wäre ich nie auf die Idee gekommen, dass sich diese Sprachen ähneln und die jeweiligen Muttersprachler sich damit verständigen könnten. Die Sprachen hören sich für meine Ohren ziemlich unterschiedlich an.

          2. sagt:

            Das Polnisch ist dem Ukrainischen ein wenig näher, immerhin kann ich beim Zuhören einzelne Passagen herausfiltern. Doch ohne Kontext… 🙂

          3. Na wenn das so ist, dann muss ich bei der lieben Beata dann doch noch mal etwas sticheln in die Richtung 😈!

          4. sagt:

            …und dann die Schuld auf mich schieben, jaja… 😉

          5. Genauso habe ich mir das vorgestellt 😁.

          6. sagt:

            Ähm… 😉

  2. Tolle Story mit tollen Bildern!

    1. Vielen Dank! Ein einmaliges Erlebnis war das.

      1. Das glaube ich sofort!

  3. Mir gefält die Friedensbrücke sehr und ein aufstieg mit den Ballon wir mir auch gefallen 🙂

    1. Vielleicht ist ein Aufstieg inzwischen möglich. Wenn du gerne nach Georgien möchtest, dann würde ich mich beeilen, wer weiß, wie die geopolitische Situation in Zukunft aussehen wird.

  4. Die Nachtaufnahmen sind sehr schön. Und das Essen sieht wirklich lecker aus…

    1. Vielen Dank!

Was brennt dir auf der Zunge? ;-)

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