Deutschland, Europa

Mit dem Schiff entlang der Donau – Unterwegs im Altmühltal

Stefan hat Geburtstag. Das Geburtstagskind feiert rund und deshalb soll es diesmal etwas Besonderes sein, ein Wochenende, das man sich sonst in dieser Form nicht gönnt. Schon lange vorher ist das Geburtstagskind am raten, wohin es denn gehen wird und zerbricht sich den Kopf. Doch alles ist vergebens, denn ich lasse ihm die (Informations) Häppchen erst nach und nach zukommen…

Am Ende läuft es auf folgendes hinaus: „Es ist ein tolles Hotel in einer schönen Gegend…“ Man darf gespannt sein, wohin die Reise geht.

Ein wenig erledigt trotz der relativ kurzen Strecke kommen wir am Karfreitagabend an. Ganz entspannt fuhren wir erst am Mittag los – sollen sich die anderen doch am frühen Morgen in den Osterferienstau quetschen, wir haben Zeit. Zwischendurch halten wir an einem kleinen, künstlich angelegten See bei Muhr am See, scheinbar ein beliebtes Ausflugsziel der Region. Ein bisschen Entspannen muss sein, und so schauen wir fünf Minuten lang den Enten beim Paddeln zu. Hier hat das Altmühltal bereits begonnen, hier ist es schön. Der weitere Weg führt uns enspannt zwischen Hügeln und Wiesen. Das grüne Gras sieht fast unecht aus mit seinem grellen Farben, so saftig und strahlend, fast wie gephotoshoppt. Gelber Löwenzahn bringt ganze Flächen zum Glühen. Hier und da stehen ein paar Schäfchen. Der Ostertraum.

Das Dirsch ist mitten im malerischen (jetzt höre ich mich fast wie ein Werbeprospekt an…) Altmühltal, circa drei Stunden von Mannheim entfernt, gelegen. Vier Sterne, geiles Essen – man gönnt sich ja sonst nichts. Der Wellnessbereich ist ein Traum; hier gibt es Saunen, Dampfbäder, Swimming- und Whirlpool, eine Salzgrotte… entsprechend hoch angesetzt ist auch der Altersdurchschnitt der Besucher. Viele, sehr viele ehrwürdige, graue Häupter wackeln morgens von den Frühstückstischen zu den Bussen, wo die nächste Kaffeefahrt beginnt. Ja, es ist etwas ganz anderes als ein Hostel, meine sonstige Art der Übernachtung.

„Sind schon alle etwas älter hier.“ Bemerkt Stefan. Und ich wäre nicht ich, wenn ich meinem Geburtstagskind nicht den Spruch mit den Steinen im Glashaus bringen würde…

Gleich nach der Ankunft hüpfen wir in den Swimmingpool. Alle anderen sind bereits beim Abendessen und so haben wir den gesamten Bereich komplett für uns alleine. Wir schalten den Whirlpool ein und innerhalb von Minuten bin ich tiefenentspannt.

 

Der Donaudurchbruch

Das Geburtstagskind wünscht sich eine Schiffsfahrt. Irgendwann am Morgen finden wir uns in Kelheim ein, von wo halbstündlich Schiffstouren zum Kloster Weltenburg starten. Das Schiff wartet schon und das Oberdeck ist bereits belegt, also suchen wir uns einen Platz am Heck. Die alten Leutchen können unerwartet flink sein, wenn es darum geht, die besten Sitzplätze zu reservieren. Oder als erster am Buffet zu sein.

Das Wetter ist ein Traum in strahlendem Gelb und Kobaltblau, die Temperaturen klettern stetig in die Höhe. Es ist Ende April. Oben auf dem Berg ist die Befreiungshalle zu sehen, ein Denkmal der Schlachten gegen Napoleon 1813-1815.

Ich fühle mich zufrieden und schläfrig, warte darauf, dass das Schiff ablegt, lausche den Unterhaltungen der Passagiere. Die Kinder heutzutage sind viel dümmer als zu meiner Zeit, die lernen nix… Ja, und deshalb sind sie die einzigen, die für eine bessere Klima-Zukunft freitags auf die Straße gehen, denke ich mir sarkastisch. Vor lauter Dummheit. Während die Klugen hinter ihren Schreibtischen sitzen bleiben…

Mein Blick bleibt im braungrünem Wasser hängen. Ich könnte eine ganze Ewigkeit auf die sanften Wellen schauen. Es ist so hypnotisch… „Und sanft umschmeichelt uns der Dieselgeruch.“ Sagt Stefan. Das Schiff legt ab.

Sanft und langsam bewegen wir uns gegen den Strom. Ich liebe Schiffsfahrten. Auf diese Weise sieht man mehr, so viel mehr als mit jeglicher Art motorisierter Fahrzeuge. Wir winden uns langsam den Fluss hinauf und die Kreidefelsen um uns herum steigen immer höher. Die Menschen entlang der Wanderwege bleiben stehen und winken. Jogger, Radfahrer und Kletterer – das Donautal hat so vieles zu bieten. Die Gegend hier ist ein Naturschutzgebiet schon seit Ludwig dem I, mit vielen Burgen und Klöstern.

Gerade passieren wir das Klösterl, eine ehemalige Einsiedlerei aus dem Jahr 1454, wo sich ein Eremit seiner Zeit eine Klause eingerichtet hat. Später wurde hier ein Franziskanerkloster, das Kloster Trauntal, gegründet. Das Klösterl ist malerisch in die Felsen gebetet und existiert im Schatten der Bäume still vor sich hin. So viele Orte, die es sich zu besuchen lohnt – für das Altmühltal ist ein langes Wochenende eindeutig zu kurz.

Das „Klösterl“, eine ehemalige Einsiedlerei

Dann überqueren wir die Weltenburger Enge. An dieser Stelle verlassen die meisten ihren Sitzplatz und verdrehen sich die Köpfe. Die hohen, weißen Felsen links und rechts wirken wie die Wände einer Kathedrale. Hier hat sich die Donau ihren Weg im Laufe der Zeiten hindurch gefressen; das meiste von dem, was wir sehen, entstand durch Erosion, das Donaubett war schon vor 80 000 Jahren mehr oder weniger fertig. Die Felswände werfen tiefe Schatten und schließen den Horizont, die Donau windet sich um die Kurve. Gigantisch, fällt mir als Einziges dazu ein, doch wie viel Gigantisches habe ich denn schon gesehen?

Ein kleiner Kiesstrand, an dem ein Kanufahrer entspannt. Daneben zwei Enten, die im Wasser baden. Idyllisch.

Und dann, flussaufwärts, taucht mit der nächsten Biegung links von uns ein Kloster auf, das Kloster Weltenburg. „Sind wir schon da?“

 

Kloster Weltenburg

Das Kloster ist von einer dicken Mauer umgeben. Immer wieder wurde es im Laufe der Jahrhunderte überflutet. An einem Stück Mauer kann man wunderbar die Markierungen sehen, wie hoch das Wasser während der Überflutungen stand. Und so wurde 2006, nachdem das letzte Hochwasser 2002 die Klosteranlage bedrohte, erstmals ein Hochwasserschutz entwickelt. Grundsätzlich können die Mauern das Kloster sehr gut vor dem Hochwasser schützen, und so hatte man einzig die Fenster, Türen und Zugänge im Erdgeschoss und den Kellern verschlossen und eine Untergrundabdichtung angebracht.

Als wir den schmalen Trampelweg Richtung Kloster wackeln, wird mir klar, worauf ich mich hier eingelassen habe. Etwas, worauf ich mich sonst nur selten einlasse: ein touristischer Ausflug, wo die Besucher wie die Kücken aus dem Käfigen mit Öffnen der Gatter auf die Sehenswürdigkeiten losgelassen werden. Ich besuche solche Punkte lieber dann, wenn so wenig Menschen wie möglich da sind, also möglichst unter der Woche oder wenn, dann außerhalb der Stoßzeiten. So eilt die ganze Schar Kücken in Richtung Kloster und ich denke mir: oje. „Du, Stefan… die wollen hier alle zum Kloster.“ Werfe ich vorsichtig ein. „Ja klar, wohin denn sonst?“ Das Geburtstagskind lacht. Was solls, denke ich; Geburtstagskind ist King.

Im Kloster Weltenburg befindet sich die älteste Bierbrauerei der Welt. Ich bin beeindruckt. Seit 1050 wird hier Bier gebraut und was liegt da näher, als sich im großen Biergarten im Schatten der Bäume mit einem Fass dunkles Bockbier niederzulassen. Den Gedanken hat so ziemlich jeder, doch wir ergattern ein schönes, schattiges Plätzchen. Ein halber Liter Dunkles. Mein Geburtstagskind wird anschließend beschwingt über den Klosterplatz schweben.

Das Benedikten Kloster wurde so um 600 herum von Wandermünchen gegründet. Vermutlich wäre ich so nicht hierher gekommen, doch die älteste Brauerei der Welt beeindruckt mich. Stefan ist begeistert und will mit mir die Klostermauern erkunden. „Da in der Kirche ist was für dich.“ Sagt er.

Beim „was für mich“ handelt es sich um eine barocke Kirche aus dem 18 Jahrhundert. Stefan findet sie überladen, ich finde sie schön. Nun, fast alle Kirchen in Polen sehen im Innern so aus, sage ich zu ihm. Prunkvolle Farben, Putten und ganz viel Gold – im Altarraum steht statt eines Jesuskreuzes die leuchtende Statue des heiligen Georg, wie er beritten den Drachen tötet, um die Königstochter zu befreien. Ungewöhnlich finde ich das. Der üppige Wandschmuck und die bemalte Kuppel bringen mich erstmal dazu, mir den Hals zu verdrehen.

An der Kirche vorbei führt ein Weg hinauf auf grün bewachsene Hügel. Links davon, im Schatten der Bäume, steht etwas verborgen eine Kapelle und entlang des Pfades sind alle 14 Stationen des Kreuzweges Jesu im Stein verewigt, von der Verurteilung bis hin zu seiner Hinrichtung

Von hier aus schauen wir hinunter auf die Klostergebäude, die sich unter uns erstrecken. Grün fließt unter uns die Donau vor sich hin. Schattig ist es hier oben und schön. „Da hinten ist eine freie Bank.“ Bemerke ich und sehe im nächsten Moment, wie ein von neuen Lebensgeistern beseelter Stefan nach oben hechtet, um den freien Platz für uns zu reservieren. Eine Sitzgelegenheit.

Hier könnte man ganze Tage verbringen. Und tatsächlich bietet das Kloster Unterkünfte zum Übernachten an. Und wer will – sofern er männlich ist – kann auch eine Zeit lang mit den München leben. Entschleunigung pur. Wir hechten nirgendwo hin, haben nichts weiter vor. So sollte es sein. Normalerweise bin ich eine Getriebene, auf Reisen immer mit neuen Zielen im Hinterkopf. Einfach abspannen – unmöglich. Doch hier geht es.

Irgendwann sind wir wieder unten. Es ist Nachmittag und im Klosterhof geht es zu wie in einem Bienenstock. Ein lautes Summen ist zu hören, die Geräuschkulisse der angekommenen Schiffsreisenden. Reisegruppen stehen grauhäuptig in Traubenformation um ihre Guides herum und der geräumige Biergarten bietet kein einziges freies Plätzchen mehr. Wir retten uns ins Besucherzentrum und treffen dort auf eine weitere Reisegruppe, die sich fasziniert einen Film zur Bierentstehung anschaut.

Als wir ein wenig später wieder auf dem Schiff sitzen, sind wir zufrieden, entspannt und ein wenig schläfrig. Die Sonne steht jetzt weit oben, nicht wirklich gute Lichtverhältnisse, um Aufnahmen zu machen, doch alles, was es zu sehen gab, haben wir bereits auf der Fahrt hierher fotografiert. So geben wir uns einzig der Betrachtung hin, winken den winkenden Menschen zurück (ich…), die am Wegesrand stehen bleiben und versichern uns gegenseitig immer wieder, überwältigt von dem Naturwunder vor und über uns, wie schön es hier doch ist. „Das Altmühltal ist doch ein kleines Kleinod.“ Sagt Stefan.

 

Der kleine Blautopf bei Essing

Blau, strahlend blau, grün, türkis… ein kleines, verstecktes Juwel.

Hier gibt es wohl zwei Wege, um dorthin zu kommen. Wer den Blautopf aus nächster Nähe sehen will, der steuert lieber den Essinger Hof an. Wir hingegen halten das Auto oberhalb von Essing, wo ein Wanderpfad an Häusern und Gärten vorbei immer höher am Waldrand entlang führt. „Geh du schon mal vor.“ Sagt Stefan und ich sehe noch, wie er sich entspannt eine Zigarette drehen will. Ich laufe los. Es sind vielleicht dreihundert Meter, und nach den ersten hundert beginne ich mich zu fragen, wann mein Liebster denn aufgibt. Weitere Strecken zu laufen ist nicht so seins und so wundere ich mich nicht, als ich zurück blicke und eben keinen Stefan um die Kurve biegen sehe.

Der Wanderweg führt immer höher, bis ich irgendwo das kleine, blaue Auge zwischen den Bäumen hindurch schimmern sehe. Es führt ein Trampelpfad hinunter, doch ohne passendes Schuhwerk erscheint mir das Klettern am Abhang etwas zu rutschig. Anfangs ärgere ich mich im Stillen, dass ich nicht direkt am Wasser sitzen kann, doch schnell wird mir klar, dass der Wanderweg wohl die bessere Alternative ist, um das hübsche Naturwunder zu sehen. Von hier oben kann ich die Färbung des Wassers klar und deutlich erkennen in allen seinen Facetten von grünlich, türkis bis tiefblau, keine Spiegelung und kein Windhauch stört den Anblick. Nur ein Pärchen sitzt unten am Steg, doch es verzieht sich schnell und so bin ich mit meinem Blautopf alleine.

Die schimmernden Farben des Blautopfs
Burg Randeck

Die Färbung des Wassers ist, wie auch die des Blautopfs in Blaubeuren, durch die Anreicherung mit Magnesium entstanden. Das Wasser der Quelle verschwindet bei Maierhofen im Boden und tritt hier wieder zutage, nachdem es diverse Gesteinsschichten passiert hatte. Hier geht ein kleiner Bach ab und fließt in die Altmühl.

Als ich am Auto ankomme, lehnt ein zufrieden dreinblickender Stefan daran und qualmt gemütlich vor sich hin. Ich hatte mich ja gefragt, wann er aufgibt, doch nun sehe ich, dass hier nicht einmal ein Versuch statt gefunden hat. Whatever – mehr Blautopf für mich.

Unterwegs halten wir noch beim Tatzelwurm, einer 193 Meter langen Holzbrücke, die die beiden Ufer des Main-Donau Kanals verbindet. Die längste Holzbrücke Europas schwingt sich in zwei sanften Bögen dahin. Unterhalb der Brücke befindet sich ein Parkplatz. Wir setzen uns unter die Brücke und lauschen den über uns entlang eilenden Menschen. Über dem Ort Essing erhebt sich die Burg Randeck. Die Brücke ist sehenswert, wenn man sowieso in der Nähe ist. Doch wir sind müde und bleiben nicht lange.

Der „Tatzelwurm“

Auf dem Rückweg passieren wir wieder grüne Hügel und historische Orte. Photogeshopptes Gras, photogeshoppte Bäume, in grellem Grün leuchtend. Nur die Burgen an den Felshängen, wie sie da oben kleben wie ein Adlerhorst, scheinen echt. „Malerisch windet sich die Altmühl durchs Tal.“ Sagt Stefan. Hier gibt es so viel zu sehen.

Der Bericht erhebt keineswegs Anspruch auf Vollständigkeit, nein, es gibt noch so viel mehr; barocke Städte, Burgen wie Burg Randeck oder Burg Prunn, Schlösser, Kapellen, Wanderwege, die Tropfsteinhöhle Schulerloch oder die Wehranlage Limes. Eine gute Zusammenfassung der wichtigsten Sehenswürdigkeiten hat Valentin auf seinem Blog Abenteuerliche Reisen erstellt. Und auch wir nehmen uns vor, irgendwann zurück zu kommen (mit dem Motorrad?), um auch noch den Rest zu sehen. Wer hierher kommt, braucht viel Zeit…

Immer wieder ziehen interessante Objekte am Autofenster vorbei

 

Kuchenpäuschen in Beilngries

 

Na gut… Tortenpäuschen… 😉

Kasia

Hi, ich bin Kasia, die Stimme von "windrose.rocks" :-)
Treibt Dich die Frage um, was sich denn alles jenseits der heimischen Couch verbirgt, bist Du rastlos und neugierig wie ich und spürst den Drang in Dir, in die Welt hinaus zu gehen? Dann tue es! Ich nehme Dich mit auf meine Reisen und lasse Dich hautnah das Unterwegs sein miterleben - in all seinen Facetten. Lass Dich inspirieren, komm mit mir und warte nicht länger, denn... die Welt ist so groß und wir sind so klein, und es gibt noch so viel zu sehen!

Die Welt wartet auf uns.

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