Die Königsstadt von Polonnaruwa

Kategorien Asien, Sri Lanka

Besuch der Ruinenstadt

Sri-Lanka, Mai 2018

Müde und erledigt, jedoch glücklich schlafe ich gestern sehr früh ein. So vieles erleben wir täglich, so viele neue Eindrücke strömen auf uns ein, dass sich jeder Tag wie drei Tage anfühlt. Ein bunter Kaleidoskop aus Erlebnissen, aus Farben, Gerüchen und Gedanken, und immer wieder kommen neue hinzu. Ich habe es längst aufgegeben, alles noch am selben Abend festzuhalten, weil wir da beide schon viel zu müde sind. Auch stelle ich fest, dass es besser ist, das Erlebte eine Nacht zu „überschlafen“, damit die Geschehnisse gefiltert werden und nur noch die stärksten Eindrücke bleiben. Damit man sich nicht in zu vielen Fragmenten verliert.

Wir handeln mit unserem Fahrer aus, heute etwas später loszufahren und freuen uns über die Möglichkeit, etwas länger ausschlafen zu können. Ungehindert dessen sind wir auch heute um sechs wieder wach, zusammen mit dem Licht des anbrechenden Morgens und den Rufen der exotischen Vögel, die, obwohl die ganze Nacht über zu hören, am Morgen noch eine Spur geräuschvoller sind. Gestern in der Nacht hörte ich draußen Trommeln und Musik, Menschen sangen und ich fragte mich, ob es eine Animationsfeier im Haupthaus des Hotels gab oder ob das nur Auswüchse meiner Fantasie waren, die im Schlaf von einer afrikanischen Voodoo Zeremonie träumte.

„Habt ihr die Trommeln gehört heute Nacht?“ Fragt uns Soliya später beim Frühstück. „Da haben welche Musik gemacht auf der Straße morgens um halb eins.“

Der heutige Tag soll ein entspannter Tag werden. Wir besuchen die Ruinen in Polonnaruwa, der ehemaligen Hauptstadt des singhalesischen Königreiches, essen traditionelles Curry und gehen dann zur Ayurveda Herbal Massage, von der unser Fahrer schwärmt, es sei die beste Kräuter Massage im ganz Sri Lanka. Den Besuch des Elefantenheimes haben wir zugunsten einer entspannten Tagesplanung vom Programm gestrichen. So kann eventuell auch unser Fahrer endlich einmal etwas früher Feierabend machen.

Die Ruinenstadt befindet sich circa eine Stunde vom Three House Hotel entfernt und 140 km nördlich von Kandy. Es ist noch früh am Morgen und ich rechne für die Besichtigung nicht mehr als eine Stunde ein, doch zu diesem Zeitpunkt ist mir noch nicht klar, wie weitläufig die ehemaligen Königspaläste mit ihren Schreinen und Tempeln eigentlich sind. Im Pförtnerhäuschen quetschen sich gleich sechs Personen, dazu abbestellt, die Tickets zu kontrollieren – wir staunen nicht schlecht. „Warum gleich so viele?“ Fragen wir Soliya; der lacht. „Das ist Sri Lanka.“

Als wir schließlich auf dem Parkplatz aus dem Auto steigen, lerne ich zum ersten Mal kennen, wie aufdringlich fliegende Händler tatsächlich sein können. Alle paar Schritte werden wir angesprochen. „Nur gucken, gucken kostet nichts. Guter Preis – nur gucken.“ Wiederholt der junge Mann, der uns gleich am Auto abgepasst hat, gebetsmühlenartig. Er klebt an uns wie eine Fliege und hält uns die ganze Zeit seine Ware unter die Nase. Eine Karte? Nein? Dann vielleicht einen kleinen Elefanten? Nein? Er hat auch große Elefanten… auch nicht? „Warum alle nix gucken wollen, du hast doch Geld, hundert Rupien sind nicht viel Geld, warum keiner will gucken?“ (Ja, denk mal nach, warum…) Beschwert er sich. Doch der Tag ist schön, ich bin gut gelaunt und so fällt es mir nicht schwer, mit einem Lächeln im Gesicht freundlich „nein“ zu sagen. Bei Stefan hingegen lese ich heraus, dass er schon etwas mehr mit sich kämpfen muss.

Selbst Minuten später, als ich am glitzernden, grünen Teich stehe, ist der Verkäufer wieder neben mir. Ich betrachte den schön angelegten Teich mit den vielen, rosarot farbenen Lilien an der Oberfläche. Wieder steht ein Reiher bewegungslos im Wasser. „Guck, da, ein Waran – kannst du ihn sehen? Da ist ein Waran unter dem Baum.“ Höre ich wieder die wohlbekannte Stimme des Verkäufers ist direkt an meinem Ohr. Jetzt bin ich allerdings neugierig geworden. „Da, siehst du? Man sieht Kopf im Wasser.“ Viele der Händler haben sich im Laufe der Zeit etwas von den verschiedenen Sprachen der Urlauber selbst beigebracht; so ist unser Verkäufer imstande, sich gebrochen auf deutsch zu verständigen.

Da ist tatsächlich ein Wasserwaran im Teich: langsam und behäbig bewegt sich das Tier im Schlamm vorwärts, mit seinen gedeckten Farben und seinen grünen Punkten auf dem Rücken, die aussehen wie Moos, zwischen den verfaulenden Pflanzenresten kaum auszumachen. Ob ich jetzt vielleicht was kaufen möchte? Nein, möchte ich trotzdem – immer noch nicht.

Auch als wir an den ersten Ruinen halten, sehen wir schon aus dem Auto heraus, wie aufgeweckt die anwesenden Verkäufer das neuangekommene Fahrzeug beäugen. Wie aufgeweckte, ferngesteuerte Wesen in einem Apokalypsenfilm, die frisches Blut geschnuppert hatten, bewegen sie sich zunächst langsam in die Richtung unseres Vehikels.

„Wenn euch jemand anspricht, sagt einfach nur nein danke, immer wieder nein danke.“ Instruiert uns Soliya, als wir noch im Auto sitzen. Dann, mit guten Ratschlägen gewappnet, steigen wir aus. Ich weiß ja, jeder von ihnen will leben und Geld verdienen, wer zuerst kommt, malt zuerst und Schüchternheit ist bei diesem Job fehl am Platz, doch eine solch penetrante Angebotsunterbreitung habe ich selten gesehen. „Karte?“ „Magic Box?“ „Tuk Tuk?“ „Do you need a guide?“

Unser Fahrer zeigt uns die Richtung, in die wir laufen sollen. An jeder Ecke steht jemand, der uns etwas zuruft, und sie alle verkaufen so ziemlich das gleiche: Karten der Ruinen, geschnitzte Elefanten, magische Kästchen, die nur mit Grips zu öffnen sind.
Nachdem wir heile und ohne etwas zu kaufen an ihnen vorbeigekommen sind, stehen wir vor der ersten Ruine.

Ihre Blütezeit hatte die Stadt so um das 12 Jahrhundert herum und das kulturelle Zentrum Sri Lankas. Auch die heiligste Reliquie des Buddhismus, der Zahn Buddhas, wurde ehemals hier aufbewahrt. Durch ein Bewässerungssystem konnte auch in trockenen Jahreszeiten Reis angebaut werden; die Reste der Bewässerungsanlagen können heute noch besichtigt werden. Ehemalige Königspaläste und Tempelanlagen, die heute noch genutzt werden, prägen die ehemalige singhalesische Königsstadt und so sind vor den vielen Schreinen Blumen als Opfergaben hinterlegt. Wie wunderschön müssen die Tempel und Paläste damals ausgesehen haben, kann man nur erahnen bei Betrachtung der vielen, in hartes Granit gemeißelten Statuen und Verzierungen.

Anfang des 13 Jahrhunderts wurde die Stadt nach mehreren Invasionen aufgegeben und dem Dschungel überlassen, der dann die zerstörten und teilweise verbrannten Gemäuer überwucherte. Im 19 Jahrhundert von den Briten wiederentdeckt und ausgegraben ist sie heute UNESCO-Weltkulturerbe.

Es ist heiß und wir stehen in der eigenen Soße, selbst Soliya fächerte sich eben noch Luft zu. Die Ruine besteht aus den Überresten eines Palastes, an deren unteren Ende gemeißelte Löwen zu sehen sind. Einige wenige Besucher sind da und versuchen ebenfalls, sich vor Verkäufern zu retten. Es ist Nebensaison, ich will gar nicht wissen, wie voll es hier in der Hauptreisezeit ist.

Der nächste Verkäufer spricht mich auf russisch an. Ach ja, ich vergaß – die slawischen Züge. Auch an ihm kommen wir vorbei und spazieren um die Ruinen herum, vorbei an angeschwärzten Mauern. „Das hier war mal ein Königspalast. Alles abgebrannt.“ Erzählt uns ein älterer Mann, der im Schatten der Ruinen steht. Wir nicken nur und gehen weiter. Viele der Menschen hier versuchen, sich mithilfe einer List als Guide zu verdingen, indem sie dem interessierten Zuhörer Informationen zukommen lassen, für die am Schluss dann eine Gebühr fällig ist.

Nach dem schweißtreibenden Spaziergang trinken wir an einem Stand das erfrischende Wasser gelber Kokosnüsse, die die lächelnde Verkäuferin mit einer Machete für uns aufschlägt. Ein paar Meter weiter trollen die drolligen Makaken herum. Hier gibt es keine Händler, hier haben wir unsere Ruhe.

„So, jetzt setze ich euch vor der nächsten Ruine ab.“ Sagt unser Fahrer, als wir wieder im gekühlten und verdunkelten Auto sitzen.
„Wie? Ich dachte, das wäre es schon gewesen?“ Rufe ich und er lacht. „Ach was, nein. Das ist ein weitläufiges Gelände.“

So besuchen wir weitere Tempel und Paläste. Um die Tempelruinen besichtigen zu können, lassen wir das Schuhwerk draußen stehen. Soliya fährt uns von Tempel zu Tempel, und zwischendrin bewundere ich aus dem Fenster den verschlungenen Wuchs der Bäume, die an Mogli und das Dschungelbuch denken lassen. Einige Baumarten entwickeln mehr als nur einen Stamm: aus den weit verzweigten Ästen wachsen weitere Wurzelgeflechte hinunter in den Boden, so dass regelrechte verschlungene Wände entstehen, was der Ruinenanlage etwas Verwunschenes gibt. An manchen der Baumgeflechte steht eine weiße Buddha-Figur, welcher Blumen und Räucherstäbchen dagebracht werden. Ein Tourist posiert vor einem Schrein und macht mit seiner Pose die Händehaltung Buddhas nach. Hab ein wenig Respekt, denke ich mir, schließlich würdest du vor einer Kirche auch nicht so einen Scheiß machen. Oder vielleicht doch, was weiß ich denn schon.

Die letzte Station ist ein buddhistischer Tempel, wunderschön an einem türkisgrünen See gelegen. Affen spielen in dem verschlungenen Hain, sitzen auf kleinen Mauern, belagern den Pfad. Der Baumgarten ist das Reich der Affen. Wir lassen unsere Schuhe vor der Absperrung stehen und sehen uns einem großen, liegendem Buddha entgegen. Menschen bringen kleine Blumenschalen dar, die man ein wenig weiter schon fertig bei Händlern erstehen kann.

Danach sitzen wir auf einer Bank und beobachten das Treiben um die ganzen Stände der Händler herum, die von Kokosnüssen über Souvenirs bis hin zu Krims Krams alles mögliche verkaufen. Soliya hat sich kurzzeitig verabschiedet, doch wir haben Zeit. Ab und zu kommt jemand, der uns einen Tuk Tuk Fahrt anbieten will. Kleine Makaken putzen sich das Fell. Der geputzte Affe streckt sich genüsslich auf dem Boden aus und sieht so zufrieden aus wie ein gekraulter Kater. Dann hören wir hinter uns ein Hupen und sehen Lichtzeichen. Soliya ist wieder da.

Traditionelles Curry in Polonnaruwa

Das Restaurant liegt etwas weiter von der Hauptstraße entfernt zwischen mehreren Hütten, deren Dächer allesamt mit Palmblättern bedeckt sind. Es begrüßt uns ein alter Mann und heißt uns, auf der Bank unter dem Palmblätterdach Platz zu nehmen. Auf einem langen Tisch in der Mitte stehen bereits Tontöpfe, doch ungeachtet dessen werden immer neue Speisen hereingetragen, wobei unser Fahrer auch tatkräftig hilft. Schließlich stehen so viele Töpfe, Schalen und Gefäße da, dass kein Stück freier Fläche mehr zu sehen ist.

Wir bekommen flache, geflochtene Schalen, die, wie gestern auch, mit grünen, runden Blättern der Wasserlilie ausgelegt sind. Waschstellen mit Wasserhähnen und Flüssigseife sind im kleinen Garten zu Genüge vorhanden, so dass ich auch hier, obwohl Besteck ausliegt, freiwillig mit der Hand esse. Das Essen mit den Händen hat den Vorteil, schneller satt zu werden, da im Gegensatz zum Essen mit Besteck nur kleine Mengen mit den Fingern aufgenommen werden können. Soliya schaut eine Weile zu und wundert sich, dann sagt er mit Rührung in den Augen: „Es bedeutet mir gerade sehr viel, dass du mit der Hand isst, ich danke dir dafür.“ Dann macht er eine kleine, verbeugende Geste.

Die Auswahl an Curry ist unglaublich und es schmeckt ebenso gut wie das Essen gestern in der kleinen Hütte am See und immer wieder bietet uns der alte Mann einen Nachschlag an. Schließlich, als nichts mehr geht, sagt unser Fahrer: „Da drüben gibt es Nachtisch..“ Wir sind nicht die einzigen Europäer, denn die Hütte ist in mehrere Räume verteilt. So sehen wir auch weitere Gäste und in unserem Raum sitzt noch ein junges, deutsches Pärchen; die beiden essen ebenfalls mit Hand. Warum unser Fahrer immer noch Messer und Gabel benutzt, ist mir schleierhaft.

„Hat es euch geschmeckt?“ Fragt der Mann, als wir uns verabschieden. Wir beteuern eifrig, wie „delicious“ alles war, daraufhin drückt er uns seine Visitenkarte in die Hand. „Empfehlt uns weiter.“ Sagt er. Und das tue ich hiermit:

Priyamali Gedara
Farmer Lunch
No. 1595, Bendiwewa, Jayanthipura, Polonaruwa,
Sri-Lanka

Tel.: 071 7216480, 0273286485

Das Restaurant wurde 2015 bei TripAdvisor ausgezeichnet. Guten Appetit!

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Hi, ich bin Kasia, die Stimme von "windrose.rocks" :-)
Treibt Dich die Frage um, was sich denn alles jenseits der heimischen Couch verbirgt, bist Du rastlos und neugierig wie ich und spürst den Drang in Dir, in die Welt hinaus zu gehen? Dann tue es! Ich nehme Dich mit auf meine Reisen und lasse Dich hautnah das Unterwegs sein miterleben - in all seinen Facetten. Lass Dich inspirieren, komm mit mir und warte nicht länger, denn... die Welt ist so groß und wir sind so klein, und es gibt noch so viel zu sehen!

Die Welt wartet auf uns.

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