Europa, Italien

Sizilien und die Menschen dort…

Die Insel auf einen Blick? Gar nicht so einfach… Denn obgleich sich fast alle Klischees bereits nach den ersten Tagen verflüchtigt zu haben scheinen, so tauchte das eine oder andere Klischee als unerwartete Bestätigung doch noch am Ende unserer Reise wieder auf…

Aber von vorne:

Sizilianer sind ein fröhliches, freundliches und herzenswarmes Völkchen, immer offen, hilfsbereit, jederzeit mit einem Lächeln auf den Lippen. Und obgleich wir zunächst einmal Befürchtungen hegten, so hatten sich diese bereits nach wenigen Tagen auf der Insel quasi in Luft aufgelöst; in keiner einzigen Situation kamen wir uns „seltsam“ oder bedroht vor, im Gegenteil habe ich mich bis auf die anfänglichen Hirngespinste in meinem Kopf auf der Insel jederzeit sicher gefühlt (nur die des nachts herumstreunenden Hunde bereiteten mir Bedenken, daher würde ich jedem, der sich auf der Insel von A nach B bewegen möchte, unbedingt ein Auto empfehlen.) Zu keiner Zeit hat irgendwer versucht, uns übers Ohr zu hauen und mit Franco sind wir auf einen äußerst netten, zuverlässigen Gastgeber gestoßen.

Bed & Breakfast „Three Palms“
C/da Buagimi, 11, 92015 Raffadali AG, Italien
Tel.: +39 331 780 2603

Der Frühstücksraum in Three Palms

Wenn ich von manchen bestätigten Klischees spreche, so sind es nicht unsere eigenen, schlechten Erfahrungen gewesen; vielmehr waren es Sicherheitsmaßnahmen der Menschen, die wir beobachtet hatten (wie die mit Folie eingewickelten Gepäckstücke am Flughafen) oder Warnungen der Einheimischen, die um unsere Sicherheit besorgt waren (wie die eindringliche Warnung Francos vor einem Besuch der Stadt Palermo).

Wo wir gerade beim Thema „von A nach B“ sind: Sizilien ist eine wunderschöne Insel und es lohnt sich, sich Zeit für sie zu nehmen und die schönsten Ecken auf eigene Faust zu erkunden. Ich empfehle unbedingt, dies mit einem Auto zu tun, denn eine Infrastruktur ist hier so gut wie nicht vorhanden. Wer freilich das Abenteuer liebt, wird sich auf einer luftigen, leichten Vespa vielleicht wohler fühlen…
Unser Mietwagen war ein kleiner Fiat Panda von Sicily by Car, seinerzeit einem der günstigsten Anbieter, die wir finden konnten.

Vom Mietwagen zum Autofahren

Ein Sizilianer fährt äußerst offensiv. Du denkst, du hast Vorfahrt? Tja, mein Freund… falsch gedacht! Wer zuerst da ist, derjenige hat dann auch Vorfahrt. Und auch die Spuren einer, sagen wir, zweispurigen Straße sind hier eher Empfehlung denn bindende Vorschrift, denn wo Platz ist, da passt sicher noch das eine oder andere Fahrzeug dazwischen… Doch so frech sie in ihrem Fahrverhalten auch sind, so tolerant sind sie auch den „Vergehen“ anderer gegenüber. So nimmt ein Sizilianer stoisch zu Kenntnis, wofür dich ein deutscher Autofahrer schon längst aufs übelste behupt hätte. Und tolerant, ja, das müssen sie auch sein in Anbetracht der vielen unterschiedlichen Fahrgewohnheiten, die wir hier auf der Insel in den zwei Wochen beobachtet hatten…

Geschwindigkeitsbegrenzung: Unfug. Es soll zwar Kontrollen und drakonische Strafen für Übertretungen geben, aber mal ehrlich… in der gesamten Zeit, die wir kreuz und quer durch die Insel tigerten, hatten wir keine solche gesehen, mehr noch: Nicht einmal eine einzige Polizeistreife zeigte „Präsenz“ (jedoch würde ich mich darauf freilich nicht verlassen…). Wenn du denkst, du fährst zu schnell, da das Schild da vorne bloß hundert besagt, keine Bange! Es wird dich in Kürze ein Einheimischer fröhlich mit doppelter Geschwindigkeit überholen.

Auf dem Weg ins Tal der Tempel

Doch es gibt sie auch, die langsamen Fahrer. Ja, die gaaanz langsamen Fahrer. Und auch hier kannst du nichts weiter tun – außer, dich in Geduld und Nachsicht zu üben. So haben wir des Öfteren erlebt, dass ein Fahrzeug vor uns ohne ersichtlichen Grund in der Innenstadt im Schritttempo fuhr, nur um dann anzuhalten (nicht am Standstreifen, o nein, denn ein solcher war gerade nicht vorhanden) und sich mit dem Nachbarn/Bekannten/Verwandten/Freund/was-auch-immer übers Wetter (behaupte ich jetzt einfach mal) zu unterhalten.
„Ja, das passiert schon mal.“ Bestätigte uns Franco. „Manchmal fahren die älteren Leute ganz langsam und gucken sich die Gegend an. Was will man machen?“ Die stoische Ruhe eines Mannes, der schon alles mögliche in seinem Leben gesehen hat.

Ja, die Gewohnheiten der Insulaner sind eigen und zuweilen ganz kurios. Doch machen sie all das mit ihrer italienischen, unbekümmerten Lebensfreude wieder wett.

Also, ich liebe es, in örtlichen Supermärkten (hier Sizilien) stöbern zu gehen. Sadam-Zucker? Kein Problem…

 

Das Essen

Da ich unheimlich gerne die landestypischen Küchen dieser Welt probiere, gibt es von mir immer ein paar Worte das Essen betreffend. Über die italienische Küche habe ich mich schon in den Beiträgen zu Florenz ausgelassen, nur noch eines: Die selbstgemachte Pizza bei Francos Bruder war jede Sünde wert. Wir kehrten fast jeden Abend nach unseren ausgedehnten Touren durch die Insel im Localino ein (der einzige Tag, an dem dies nicht möglich war, war der Ruhetag des Restaurants, und an diesem waren wir ziemlich aufgeschmissen…). Egal wie spät es bereits war, Francos Bruder wusste immer, dass wir kommen würden, und hielt uns etwas leckeres zum Essen warm.

Die Hauptbestandteile so einer typisch italienischen Küche sind vor allem Weißbrot und Pasta. Beim Frühstück hatten wir gemerkt, dass dunkles Brot eher Wunschdenken ist, denn so etwas wie Vollkorn gibt es auf der Insel nicht…

Ein ganzer, riesiger Teller voller… Pizza-Eis!

 

Eis im Brötchen

Das Eis, ah, natürlich das Eis… die unterschiedlichsten Eiskreationen hatten wir probiert, unter anderem ein Pizzaeis, welches meinen gesamten, großen Teller einnahm.

Was sich bei den Menschen auf der Insel einer großen Beliebtheit erfreute, und zwar noch Jahre zuvor, ehe es vor kurzem als Hype in den sozialen Netzwerken auftauchte, war das sogenannte Eis im Brötchen. Ich wunderte mich sehr, als ich es das erste Mal sah: Man nehme ein weiches, süßes weißes Brötchen, schneidet es zur Hälfte auf und packt die Eiskugeln hinein. Das Ganze wird dann ähnlich unserem Döner gegessen. Ich bedauere sehr, dass ich mich nicht getraut habe, diese Spezialität zu probieren und somit leider auch nicht mit Fotos davon aufwarten kann…

 

Die Landschaft

…ist noch mediterraner als in Italien auf dem Festland; noch trockener, noch südlicher. Die meiste Zeit hügelig und karg kann sie den Betrachter jedoch auch überraschen, indem sie abrupt in üppige Waldgebiete wechselt. Von diesen haben wir aber nicht viele gesehen, die meiste Zeit ist die Gegend heiß und trocken und die Vegetation besteht aus Pinienbäumen, Kakteen und Aloe-Pflanzen, die hier überdimensionale Maßen erreichen. Die Straßen winden sich an den Hügelketten vorbei und wir überqueren Schluchten und Berge über Tunnel und lange, hochgelegene Brücken. In den Farben sand, gelb und ocker malt die Landschaft Siziliens ein Bild, welches stellenweise an die Steppen Arizonas in den USA erinnert.

Die Promenade in Taormina

 

Was ich Dir empfehlen kann

Schau Dir Taormina und Messina an, vor allem Taormina mit ihrem Wahnsinnsblick auf die Küste und das Meer ist eine Reise wert.

Erice, die mittelalterliche Stadt, ist ein Muss, wenn Du auf Sizilien bist. Die engen, steingepflasterten Gassen und die hoch oben aufragende Burg werden jeden Geschichtsliebhaber (und nicht nur) begeistern.

Sizilien ist voll von monumentalen, mittelalterlichen Burgen, die Du sehr gut auf eigene Faust entdecken kannst. Alle haben wir freilich nicht gesehen, doch es gibt eine große Auswahl… (hier: link)

Der Strand von Cefalu

Cefalu besticht durch seine Küstenlage. Es ist eine schöne, touristische Stadt mit einem Badestrand, mit der ich tolle Erinnerungen verbinde.

San Vito lo Capo: Der schneeweiße Strand im südlichen Bezirk Siziliens ist ziemlich überfüllt. Der Strand ist, wie versprochen, schön weiß, zumindest soweit man ihn zwischen den vielen Stranddecken überhaupt sehen konnte… Muss nicht unbedingt sein; wenn Du nicht viel Zeit hast, spar sie Dir auf für ein anderes Ziel.

Palermo: Die Stadt Palermo haben wir leider nicht besucht, Grund dafür waren die eindringlichen Warnungen der Einheimischen, was die Sicherheitslage dort betrifft. Ich kann nur schwer einschätzen, wie es sich tatsächlich verhält; wer frei von Angst ist, sollte sich die Mumien in Palermos Unterwelt anschauen (das werde auch ich beim nächsten Mal tun…), allen voran die Mumie des vierjährigen Mädchens Rosalia, die, in einem Glassarg aufgebahrt, eine weltweite Berühmtheit durch die Tatsache erlangte, dass sie immer noch lebendig und frisch aussieht, wie eine Porzellanpuppe oder ein schlafendes Kind.

Besuche eine der vielen heißen vulkanischen Quellen auf Sizilien, um die herum Schwimmbäder und ganze Wellness-Oasen entstanden sind. Da die Insel voll davon ist, hast Du hier relativ freie Auswahl.

Die unwirkliche Vulkanlandschaft auf dem Ätna

Und da das Stichwort vulkanische Aktivität fiel: War wäre ein Sizilien-Besuch ohne den Aufstieg zum Ätna?
Die Seilbahn bringt Dich bis zur Bergstation La Montagnola auf 2500 Höhenmeter, Kostenpunkt: 30 Euro pro Person (Erw.) Unbedingt wärmere Kleidung einpacken, oben auf dem Berg sind die Temperaturen erheblich kälter!
Von der Bergstation aus kannst Du Dich zu Fuß zum Gipfel des Vulkans aufmachen (hier empfiehlt es sich, die Abfahrtszeiten der Seilbahn im Auge zu behalten, die letzte fährt irgendwann nachmittags um vier…) oder Du lässt Dich mit einem Geländewagen bis ganz nach oben zum Vulkankrater bringen (62 Euro/Erw. Person, im Preis inbegriffen sind: Seilbahn, Fahrt mit dem Geländewagen und eine Führung inklusive)

Im Tal der Tempel

Die Tempel von Agrigento
Die Anlage ist berühmt und, wenn Du Dich für Geschichte interessierst, auf jeden Fall sehenswert.

Unser Lieblingsstrand am Siculiana Marina ist charmant und einen Besuch wert und wenn Du schon dabei bist, besteige auch gleich Scala dei Turchi, die Treppe der Türken, und schaue Dir das türkisene, karibisch anmutende Wasser von ganz oben an.

Du siehst, es gibt hier viel zu entdecken und ein paar Tage am Strand sollte man sich auch gönnen. Sizilien ist eine sehr vielseitige Insel, auf der Du Dich nicht langweilen wirst; plane hier also etwas mehr Zeit für Deinen Aufenthalt ein…

Scala dei Turchi

Kasia

Hi, ich bin Kasia, die Stimme von "windrose.rocks" :-)
Treibt Dich die Frage um, was sich denn alles jenseits der heimischen Couch verbirgt, bist Du rastlos und neugierig wie ich und spürst den Drang in Dir, in die Welt hinaus zu gehen? Dann tue es! Ich nehme Dich mit auf meine Reisen und lasse Dich hautnah das Unterwegs sein miterleben - in all seinen Facetten. Lass Dich inspirieren, komm mit mir und warte nicht länger, denn... die Welt ist so groß und wir sind so klein, und es gibt noch so viel zu sehen!

Die Welt wartet auf uns.

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