Bonaire, September 2016

Wir erkunden zunächst die Insel. Diesmal lasse ich Stefan den Wagen fahren. Wir fahren die Umgehungsstraße entlang bis hin zu den Salinen.

Das Wasser um die Buchten herum strahlt im tiefsten Türkis und zu unserer linken liegen die Salzbecken – lange, ausgedehnte Wasserflächen, intensiv rosa gefärbt. Ein wundervoller Kontrast, doch sosehr ich mich auch bemühe, schaffe ich es nicht, beides auf ein Bild zu bannen – die Straße liegt genau dazwischen. 

Die Hitze ist nicht mal so übermäßig stark, denn immer wieder kühlt uns der Wind ab. Die Randbereiche der Solebecken sind mit weißen, toten Korallensteinen eingegrenzt, an welchen sich glänzender, weißer Schaum sammelt, den der Wind mal hierhin, mal dorthin trägt. Wir sehen auch Mangrovenpflanzen, deren Wurzeln bogenförmig wie riesige Oktopus-Tentakeln ins Wasser ragen.

Wir passieren die Salinen und fahren weiter an der Küste entlang. Hier zeigt sich das Wasser in einem hellen, malerischen babyblau, wechselnd mit einem leichten grün, nur um am Horizont wieder türkis zu erscheinen.

„Schau her!“ Stefan zeigte auf etwas. Ich sehe zunächst nichts. „Da vorne!“ Dann… ja, in der Ferne sehe ich einen Flamingo. Nein, nicht einen… es sind zwei… drei… „Stefan, es sind vier!“

„Es sind noch mehr.“ Stefan richtete bereits seine Kamera. Und nach und nach entdecke ich noch weitere – es ist ein ganzer Schwarm. Seelenruhig stehen sie da und suchen nach Essbarem.

„Hast du sie drauf?“ Frage ich. Er nickt. Wenigstens taten uns die Vögel den Gefallen und ließen sich auf der babyblauen Wasserfläche nieder – und nicht etwa in der Nähe der farbgleichen rosa Salinen.

Als wir ins Auto steigen wollen, fliegen zwei Flamingos genau über unseren Köpfen hinweg, um dann elegant neben ihren Artgenossen zu landen.

Wieder im Auto will Stefan einkaufen fahren. „Etwas fürs Abendessen holen, bevor der Markt schließt…“ So wenden wir den Wagen und fahren zurück in die Stadt. Wir parken wieder vor dem Supermarkt von heute morgen ein.

Auf der anderen Straßenseite hält ein Pick-up; laute Musik ertönt durch die runtergelassenen Autoscheiben. Ein Afroamerikaner steigt aus, lässt die Musik an und die Tür des Pick-ups offen. Ein Mädchen sitzt unweit vom Auto auf einem Baugerüst und wippt mit den nackten Füßen zum Takt der Musik. Sie ist noch sehr jung und hat bunte Lockenwickler im Haar. Neben ihr sitzt ein Kind, vielleicht ihre kleine Schwester.

„Kasia, komm…!“ Stefan guckt mich an und grinst. Ich stand noch am Auto, so vereinnahmt von der Szene, dass ich glatt vergaß, ihm zu folgen.

Im Supermarkt holen wir uns weitere Getränke. Zum Trinken kann man hier auf der Insel gar nicht genug dabei haben. Ich überrede Stefan dazu, eine Packung tiefgefrorene Meeresfrüchte zu kaufen.

Nachdem wir zu Hause abgeladen haben, fahren wir noch einmal die Umgehungsstraße an den Salinen entlang. Die großen, spitzen, dreieckigen Salzberge, die blendend weiß in die Höhe ragen, erinnern mich ein wenig an die Werbung von Schneekoppe. 

Wir treffen auf eine von Bonaires Sehenswürdigkeiten – die ehemaligen Sklavenhütten. Ja, hier gab es Sklaven. Kleine, ebenmäßige Hütten aus Stein ragen direkt an der Küste empor und erinnern daran. Eine gleicht der anderen, alle sind sie weiß getüncht und verfügen über eine Tür und auf der gegenüber liegenden Seite ein kleines Fenster. Ich schaue hinein. Der Raum ist gerade mal so groß, dass drei Erwachsene nebeneinander liegen können. Sich hier drin aufzurichten wird schon schwieriger und aufstehen ginge gar nicht. An jeder Hütte liegt ein Stein mit der Aufschrift: white slaves.

Beim Fotografieren krepiert mein Akku. Die nächste Fotogelegenheit – es sind Windsurfer auf den Wellen – nehme ich dann mit Stefans Fotokamera auf. Doch er hat Erbarmen mit mir: wir drehen um und ich hole meinen Ersatzakku aus der Ferienwohnung.

Unser nächstes Ziel an diesem Abend sind die Mangrovenwälder. Die steuern wir nun auch an. Sie befinden sich auf der östlichen Seite der Insel, beim Lac Bay.

Doch unterwegs – eine andere Überraschung.

Schon als wir hier ankamen, fielen mir ab und an Straßenschilder ins Auge, die soviel bedeuten mochten wie „Esel kreuzt“. Doch weit und breit war nicht mal der Schatten eines solchen zu sehen. Auch nahe unserer Ferienwohnung stand ein Eimer voll Wasser am Straßenrand mit der Aufschrift: donkey water.

Jetzt biegen wir um die Kurve und  Stefan tritt die Bremse durch. Wie die Schafe in Irland watscheln hier zwei Langohr-I-HA’s mitten auf der Straße. Wir fahren langsam hinterher. Doch gehorsam räumen die Esel recht zügig die Fahrbahn, so dass wir überholen können.

Ein Stück weiter vorne halten wir an; auf dem Feld rechts von uns stehen weitere Artgenossen und weiden im Sonnenuntergang. Wir holen die Kameras raus. Die Tiere auf der Weide lassen sich davon nicht beeindrucken, doch die zwei Esel, die wir überholt hatten, kommen nun zielstrebig schnurstracks auf uns zu. Als sie uns fast erreicht hatten, macht Stefan noch ein letztes Bild und steckt seine Kamera weg. „Und Tschüß!“ Wir steigen schnell ins Auto. Die Vierbeiner erreichen den Wagen – und plötzlich sehe ich zwei riesengroße, dunkle Augen, die neugierig durch die Scheibe auf der Beifahrerseite spähen. Der zweite Esel gesellt sich dazu, vertreibt den ersten, schaut auch bei uns rein. Was gibt es denn da? Was zu fressen? Irgendwann traben sie beide zu ihren Artgenossen zurück auf die Weide. Wir fahren los.

Den Zugang zum Mangroven-Wald fanden wir nicht, dafür aber eine schöne, kleine Bucht mit einem Strand, der ganz flach ins Meer abfiel; klein, gemütlich, mit badewannenwarmen Wasser und kleinen, schatten spendenden, mit Palmblättern überdachten Sitzgelegenheiten. Anscheinend kommen viele Einheimische hierher, um zu baden. Ein stück weit weiter weg sitzen ein paar Leute schultertief im Wasser und lassen es sich gut gehen.

Ich ziehe meine Schuhe aus und laufe rein. Die perfekte Badetemperatur. Man muss sich nicht erst einmal akklimatisieren, das Wasser ist so warm, dass man sich am liebsten gleich ganz hinein legen möchte. Die Sonne geht bereits unter – es ist schon Abend. Ich winke Stefan zu sich: „Schatz, komm! Hier ist es schön!“ Zögernd läuft er auch ins Wasser, bleibt aber in Ufernähe stehen.

„Eine schöne Stelle zum Baden. Wir sollten uns öfters mal verfahren.“ Sagt er.

Auf dem Heimweg amüsieren wir uns über die Esel-Schilder. „Esel kreuzt! Da müsste man ja mancherorts Schilder aufstellen mit: Gaaanz viele Esel kreuzen!“ (und das darf ruhig politisch verstanden werden…)

Vom Wind geschaukelt, wippt die Hängematte sanft hin und her. Ich rauche meine Zigarre und bewundere die Palme über mir. Irgendwo bellen Hunde. Ich höre Zikaden. der Vollmond beginnt seine Wanderung und sein Licht sagt mir Hallo!

Stefan hat uns Tomatensalat gemacht. Mit dem Limettensaft angerichtet schmecken sie schön sommerlich.

Nun sitzen wir da und rauchen. Ein Nachbar kam vorbei. Sehr nett erklärte er uns, dass der Rauch der Zigaretten zu ihm ins Fenster zieht. Dass er jedesmal das Fenster schließen müsse. Er wüsste allerdings keine Lösung für das Dilemma.

Tja, also… wir auch nicht so wirklich.

„Deine Medizin steht schon auf dem Nachttisch!“ Sage ich zu Stefan, als er aus dem Bad kommt. Auf unseren Nachttischen stehen, fein säuberlich befüllt, je ein Glas Creme-Likör.

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Hi, ich bin Kasia, die Stimme von "windrose.rocks" :-)
Treibt Dich die Frage um, was sich denn alles jenseits der heimischen Couch verbirgt, bist Du rastlos und neugierig wie ich und spürst den Drang in Dir, in die Welt hinaus zu gehen? Dann tue es! Ich nehme Dich mit auf meine Reisen und lasse Dich hautnah das Unterwegs sein miterleben - in all seinen Facetten. Lass Dich inspirieren, komm mit mir und warte nicht länger, denn... die Welt ist so groß und wir sind so klein, und es gibt noch so viel zu sehen!

Die Welt wartet auf uns.

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