Barcelona – Basilica Santa Maria del Mar

Kategorien Europa, Katalonien, Spanien

Barcelona, Juni 2016

Am nächsten Morgen ersparten wir uns den zweifelhaften Wurstgeschmack; ich holte bei unserem Lieblingsbäcker Brötchen, Croissants und süße Teilchen. Das ist vielleicht ein Genuss! So sollte jeder Tag beginnen, dachte ich mir und streckte den Arm nach meiner Kaffeetasse aus.

Rumms!

Ein lautes Krachen, das Geräusch von zersplitterndem Glas. Verwirrt streckten wir die Köpfe aus und schauten verständnislos vom Balkongeländer nach unten, von wo das Geräusch kam.Eine junge Spanierin, die unten auf dem Bürgersteig stand, den Kinderwagen vor sich, schaute gleichzeitig zu uns hoch: das Glas mit dem löslichen Kaffee ist ihr direkt vor die Füße gefallen und lag nun zerschlagen da. Das Häufchen brauner Kaffeepulver wehte der Wind gerade in alle Richtungen auseinander.

Sie reagierte gelassen, lachte und rief uns mahnend zu, dass wir das alles nach dem beendeten Frühstück bitte wieder wegmachen sollen, ja?

Das „beendete Frühstück“ wartete ich gar nicht erst ab; mit Besen, Schaufel und hochrotem Kopf lief ich hinunter und fing an zu kehren. Irgendwann schaute ich mich zufrieden um. Keine einzige Glasscherbe war mehr zu sehen.

„Es ist alles weg.“ Rief mir Stefan von oben her zu, den Kopf über die Brüstung gebeugt.

Wir fuhren mit der Metro bis La Rambla vor. Ich befestigte meine Handtasche am Tragegurt meines Rucksacks. Das Gesicht desjenigen möchte ich gerne sehen, der versuchen sollte, sie mir von der Schulter zu reißen… Da meine Handykamera zwischenzeitlich den Geist aufgegeben hatte, fotografierte ich mit Stefans Handy die Umgebung. Die Straßen um La Rambla herum waren so, wie ich sie mag: eng, schattig, verwinkelt.

Die Basilica Santa Maria del Mar beeindruckte von außen nicht so sehr, doch im Inneren umso schöner, je länger man hinschaute. Wir saßen auf einer Kirchenbank und studierten die Spitzbögenfenster, den Altarraum, die stützenden Säulen und die Risse in den Wänden. „Daran sieht man mal, was für Kräfte hier wirken.“ Sagte Stefan. Ich mache ein kluges Gesicht und nickte.

Manche Besucher besichtigten ebenfalls die Kirche, doch viele saßen da und beteten. Im Hintergrund spielte die Orgel und trug wesentlich zur erhabenen Stimmung bei. Die Sonne schien durch die bunten Mosaikfenster, die daraufhin in allen Regenbogenfarben aufleuchteten. Da diese Kirche auf der allgemeinen Sehenswürdigkeitsliste nicht ganz oben zu stehen schien, wurde die Kleidung nicht kontrolliert. Und so entdeckte ich Mädels in Hotpants, die sich ungeniert mitten durch das Kirchenschiff bewegten.

Wieder draußen entdeckten wir ein Transparent ganz oben auf einer Hauswand befestigt, auf dem in großen Lettern geschrieben stand: „Please stop the music torture.“ Ob die ständige Orgelmusik hier wohl ein Störfaktor war?

Wir laufen die Seitengassen entlang in Richtung Placa de Espanya, um von dort aus den Bus zum Flughafen zu nehmen. Und so kommen wir auch am Dom von Barcelona vorbei, doch wir fotografieren ihn nur von außen. Vor dem Eingang postiert sich bereits eine wartende Schlange Menschen, und freizügig gekleidete Damen werden abgewiesen. Verschämt denke ich an meine nicht ganz bedeckten Schultern. Warum hatte ich bloß kein T-Shirt angezogen?

Wir kommen zum Plaça Reial, das der schönste Platz in ganz Barcelona sein soll. Der Platz ist quadratisch, umringt von Palmen, schicken Hausfassaden und feinen Restaurants. In der Mitte thront eine Wasserfontaine und viele Menschen machen hier Erinnerungsfotos. Wir begeben uns zu einem der Lokale und setzen uns an einem der draußen stehenden Tische. Stefan bestellt seinen Cappuccino und ich entscheide mich für etwas, das der Beschreibung nach wie ein kühler, minziger Drink schmecken soll.

Was dann kommt, kommt mir schon der Farbe nach nicht wirklich koscher vor. Ein langes Glas gefüllt mit Eiswürfeln und nebendran ein Kännchen mit einer leuchtend grünen Flüssigkeit stehen vor mir auf dem Tisch. Das Grün erinnert mich eher an Strahlung einer anderen Art (…Phosphor?) als an etwas, das man bedenkenlos zu sich nehmen kann. Ich nippe daran. Es schmeckt so, wie ich es schon im Vorfeld befürchtet hatte: Gurgellösung zum Trinken. Das wird jemand von der Bedienung wohl noch in seinem Bad gehabt haben…

Stefan schlürft zufrieden seinen Cappuccino und schaut mich mitleidvoll an: „Willst du etwas anderes haben?“

„Nein, Schatz, schon okay.“ Ich nippe noch einmal an meinem Glas. Nein, das geht überhaupt nicht. Mürrisch sitze ich da und esse meine Oliven.

„Willst du einen Schluck von meinem Cappuccino?“

„Nein, danke.“ Murre ich und kralle mir seinen Keks. Es hilft zumindest teilweise, den Geschmack zu überdecken.

Im Flieger erwischten wir diesmal einen Fensterplatz. Ich verrenkte mir den Hals, während wir die Alpen überflogen. Was für ein Anblick! Die Berglandschaft wurde immer höher und das, was bis dahin noch wie eine Karte aussah, bekam Struktur und wuchs zu Gebirgen, und diese zu Gletschern aus. Nur langsam verschob sich das Bild unter uns. Zwischen den weißen Gebirgszügen leuchteten blaue Seen, Dörfer und Städte quetschten sich in den langgezogenen Tälern. Straßen waren haarfeine, weiße Linien und Autobahnen sahen genauso aus, mit dem Unterschied nur, dass sie gerade wirkten.

Irgendwann wurde das Land unter uns immer flacher und vom Cockpit aus kam die Durchsage: „Wir überquerten gerade die Alpen, ein wunderschöner Anblick, und es steht übrigens eins zu null für Italien.“ Ein kollektives, langgezogenes Seufzen war aus dem Mund der Spanier zu hören. Spanien spielte in diesem Augenblick gegen Italien bei der WM 2016 – und verlor.

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Treibt Dich die Frage um, was sich denn alles jenseits der heimischen Couch verbirgt, bist Du rastlos und neugierig wie ich und spürst den Drang in Dir, in die Welt hinaus zu gehen? Dann tue es! Ich nehme Dich mit auf meine Reisen und lasse Dich hautnah das Unterwegs sein miterleben - in all seinen Facetten. Lass Dich inspirieren, komm mit mir und warte nicht länger, denn... die Welt ist so groß und wir sind so klein, und es gibt noch so viel zu sehen!

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