Asien, Katar

Mein perfekter Stopover – in Doha

Olli und Hanna von AwayandAbroad haben zur Blogparade aufgerufen. Das Thema dreht sich um den perfekten Stopover, oder: wie holt man das meiste aus seinem verlängerten Aufenthalt heraus? Hm, beim Stichwort Stopover musste ich sofort an unseren Aufenthalt in Katar denken. Klar, dass ich bei der Blogparade dabei bin! 😉

Ein wenig skurril waren die Gründe für unseren verlängerten Aufenthalt in Doha ja schon, damals, im Jahre 2017, als wir uns eigentlich auf dem Flug nach Namibia befanden. Kurze Zeit vor unserem Abflug bekamen wir die Info, dass sich unser Transitaufenthalt auf über 24 Stunden ausdehnen wird. Unser eigentlicher Hinflug von Frankfurt nach Doha fiel aus und wir wurden auf eine frühere Maschine umgebucht; entsprechend verlängerte sich der Aufenthalt in Katar. Grund für den Ausfall war die politische Isolation des kleinen Wüstenstaates durch seine arabischen Nachbarn.

Die Isolation Katars erfolgte überraschend. Bahrain, Saudi-Arabien, VAE und Ägypten schlossen ihre Grenzen; alle katarischen Bürger mussten ausreisen. Dem Land wurde die Unterstützung terroristischer Gruppen vorgeworfen und als Grund für die Blockade genannt, wobei manche Stimmen hier von einem gezielten Tauziehen um Macht und Einfluss in der Region sprechen.

Ja, Doha war ein Erlebnis für sich. Wir nutzten die Zeit, um neue Eindrücke zu speichern, hatten wir doch die Möglichkeit, ein wenig mehr von dem noch recht unentdeckten Staat zu erleben. Katar steht nicht gerade auf der touristischen To-see-Liste, obwohl die Katar Airways Flotte vermutlich den meisten Reisenden bekannt ist. Und auch ich konnte mir nur schwerlich ausmalen, was uns dort erwarten würde.

Der Trip stellte sich als ein einmaliges Erlebnis heraus, denn die Stadt Doha und die zurückhaltende, stolze Art der Kataris haben mich nachhaltig beeindruckt. Die Hitze und schwüle Luft, wenn man aus dem Flieger steigt. Die würdevoll schreitenden Männer und Frauen, die schwere Parfümwolken hinter sich zogen. Der Souk Waqif, der um einiges ruhiger ist als man es in anderen arabischen Ländern gewohnt ist. Die Wahnsinns-Architektur, die mit so schönen Bauten aufwartet wie dem Nationalmuseum, das einer Sandrose nachempfunden ist, oder das Museum of Islamic Art mit seiner treppenartigen Form.

Manchmal entdeckt man unerwartet Orte, von denen man nie gedacht hätte, dass sie sich so stark in die Gehirnwindungen fräsen. Und manchmal, obwohl (oder gerade weil?) man so hohe Erwartungen hat, bleibt die Realität dahinter zurück. Doha gehört zum ersteren.

Im Rahmen der Blogparade möchte ich ein paar dieser Eindrücke mit euch teilen:

 

6 September 2017 – Ankunft am Hamad International Airport:

„Die Männer gehen nicht, sie schreiten. Langsam und bedächtig, aufrecht und erhaben setzen sie einen Fuß vor den anderen. Wie Fabelwesen wirken sie auf mich, einem Märchen entnommen und in die Gegenwart gesetzt. Verloren geht man am Flughafen nicht. Wie schon erwähnt, an jeder Ecke stehen Mitarbeiter bereit, die uns ansprechen, sobald wir ein wenig verloren gucken. Jeder möchte helfen. Ich fühle mich auf Anhieb wohl.“

 

7 September 2017 – Wir entdecken Doha

„Trotz des Schlafmangels bin ich noch vor dem Wecker wach. Die Sonne draußen scheint nicht, wie erwartet, grell vom Himmel herab, im Gegenteil scheint sie hinter einem Dunstschleier zu schweben. Die grandiose Aussicht von gestern Nacht entpuppt sich als ein Mix aus Hochhäusern, Baustellen und einem Blick auf das zugestellte Dach eines anliegenden Gebäudes. Tauben sitzen am Fenstersims, als wollten sie uns Guten Tag sagen.

„Wir lassen bei Tageslicht die ersten Eindrücke auf uns wirken. Doha ist, ähnlich wie Dubai, eine Autostadt. Und um die Mittagszeit herum – eine fast ausgestorbene Stadt mit wenig Verkehr. Luxuriöse Limousinen ziehen die Straßen entlang und an uns vorbei; hinter den getönten Scheiben sitzen Gestalten in weißen Gewändern, den typischen Männerkleidern eines Katari – oder dunkle Frauengestalten in schwarzen Abayas und Designer-Sonnenbrillen. Ein Ferrari jagt den nächsten. Das reichste Land der Welt; für diese Menschen sind wir ein Staubkorn, denke ich mir.“

Wir sehen keine Fußgänger auf den Straßen der Stadt – außer den Menschen, die hier arbeiten: Den Bauarbeitern, die in den Parks pausieren; ausgestreckt im Gras nehmen sie grüppchenweise ihr Mittagessen zur sich – oder den jungen Inder auf ihren Fahrrädern, die in der badewannenschwülen Hitze Pizza von Haustür zur Haustür liefern. Der Großteil der katarischen Arbeitskräfte hier im Land kommt aus Indien. Wie arbeitet es sich wohl im reichsten Land der Welt? – Frage ich mich insgeheim bei ihren Anblick.“

„Es geht weiter, die Küste entlang. Unterwegs bestaune ich aus dem Autofenster schauend die Stadt, die ich bisher nur in der Dunkelheit auf der Fahrt zum Hotel sehen konnte. Doha ist eine Stadt im Aufbruch, und das seit einigen Jahren schon. Überall wachsen Wolkenkratzer und Hotels aus dem Boden, Grünanlagen und Palmen säumen die (fast) menschenleeren Straßen. Dekadent, sagt Stefan zu mir und zeigt auf die vielen Rasensprengeranlagen, die die Grünflächen mit Wasser versorgen, mitten in der Wüste.

Und es wird gebaut, Kräne, wohin man sieht: Auf den Straßen, auf den Dächern der Hochhäuser… Wie sind die wohl dahin gekommen? – frage ich mich – durch Zuhilfenahme noch größerer Kräne?

Die meisten Arbeitskräfte hier sind Gastarbeiter. Und sie bauen – für eine reiche Minderheit.

Bauarbeiter auf den Straßen, Kataris hinter getönten Scheiben in tiefgekühlten Autos. Aufgrund der extremen Hitze und hohen Luftfeuchtigkeit werden in Katar auch die kürzesten Wege mit dem Auto zurückgelegt – und wir lernen schnell, es den Leuten hier gleichzutun…“

„Fröhlich spaziere ich also entlang der rauschenden Wellen des Meeres. Außer mir und den Taxifahrern ist keine Menschenseele zu sehen. Doch, eine Menschenseele ist doch da – und zwar gehört sie einem Katari, der in seinem Wagen vorfährt, aussteigt und mir  mit flatternden Gewändern entgegenläuft. Und während ich noch überlege, ob salam alaikum die angemessene Ansprache ist und ob man die zurückhaltenden Kataris überhaupt ansprechen sollte, grinst er mich breit an und ruft: „Good Morning!“
„Good Morning!“ Sage ich, drehe mich erstaunt nach ihm um und sehe, wie er sich noch beim Laufen eine Zigarette anzündet. So verfallen sie hier also auch den ganz gewöhnlichen Lastern, wie menschlich.“

Im Islamic Art Museum

„Der Besuch des Museum kostet keinen Eintritt; auch darf man nach belieben fotografieren – die Menschen hier zeigen stolz ihre Kunst. Die Innenräume sind offen und modern eingerichtet; eine große, offene Fläche wird einzig von einer schwungvollen, breiten Treppe durchbrochen, die nach oben und in die einzelnen Ausstellungsräume führt.

Die Kunst, in Bildern, Schriften und Gebrauchsgegenständen, filigran verziert und hinter Glas – mit einer wohlbedachten Beleuchtung wird sie geschickt in Szene gesetzt. Die Räume sind wie in Zwielicht gehüllt, einzig die Kunst wird sanft angeleuchtet und bildet den Mittelpunkt eines Raumes. Wir wandeln von Raum zu Raum, von Objekt zum Objekt. Es gibt nichts, das den Blick ablenkt, nur die Kunst zählt.“

 

Der Souk Waqif

„Der Souk Waqif ist tatsächlich sehr belebt. Als wir dort halten und aus dem Taxi steigen, bleibe ich erstmal stehen, überrascht vom Trubel. Es brennen Lichter, der ganze Markt ist erleuchtet; Kataris schlendern in ihren Gewändern zwischen den Ständen entlang, Frauen sitzen auf dem Boden, vor sich große, dampfende Töpfe mit Essen, und schöpfen mit einer großen Schöpfkelle daraus. Gerne würde ich probieren, doch Stefan hat Bedenken und so gehen wir weiter, vorbei an Gewürzen, Teppichen, Lebensmitteln, kleinen Shops mit Schmuck, Gold und Parfümölen, in denen sich dunkeln gewandete Frauen schwer duftende, öllige Flüssigkeiten in kleine Fläschen abfüllen lassen.

Und ich, ich sauge mich an den Gerüchen fest, mit denen die ganze Luft erfüllt ist: Wie in Tausendundeiner Nacht fühle ich mich berauscht von den vielen Eindrücken, den Rufen der Menschen, den dampfenden Töpfen, der feuchten, dampfend warmen Luft, den feierlich ernsten Kataris. Und über allem hier am Souk hängt dieser einzigartiger Duft, der eigentlich kein einheitlicher Duft ist, denn dieser Geruch ist wie ein Regenbogen aus Düften. Je nachdem, wo wir hinkommen, riecht es nach gekochtem Essen, nach Gewürzen, nach schweren Parfüms, nach Ölen. Passieren wir die kleinen Shops, in denen Inder einkaufen und Inder auf Kundschaft warten, mischt sich in die Geruchskulisse der Duft von indischen Gewürzen. Säckeweise stehen die Gewürze da, zum Verkauf bereit, säckeweise Linsen, Bohnen und verschiedene Nüsse.“

Katar ist gerade noch dabei, den Spagat zwischen Tradition und Fortschritt zu meistern; fortwährend werden neue Gebäude aus dem Boden gestampft; die ganze Stadt ist eine große Baustelle. Doch man ist bemüht, die Traditionen und die konservative Lebensart zu bewahren. Doha distanziert sich ausdrücklich von leuchtenden Metropolen wie Dubai, welches hier gerne „Las Vegas des Ostens“ genannt wird. Für uns war die Stadt Doha ein einmaliges Erlebnis, obgleich die Reise dorthin von Befürchtungen aller Art bezüglich der Medikamenteneinfuhr gezeichnet war.

Ja, Tatsache ist, dass ich selbst noch in Namibia, am abendlichen Lagerfeuer unserer Lodge, noch an die Wüste und die glänzenden Fassaden, den Souk und die Menschen denken musste. Meine Gedanken und Tagträume haben sich in Doha verfangen.

kasia

Hi, ich bin Kasia, die Stimme von windrose.rocks. Auf meinem Blog teile ich Geschichten. Die Geschichten meiner Reisen, die Geschichten der Menschen, die mir begegnen. Schon als Kind liebte ich es, mich in Erzählungen über ferne Länder zu verlieren. Die vergessenen, verstaubten Bücher im Regal, die mich nach Afrika und Südamerika entführten. Später die langen Reportagen, die Fernweh weckten. Heute lebe ich nicht mehr von den Erzählungen anderer Menschen; heute bin ich selbst der Erzähler.

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