Rund um den Golden Circle – Von heißen Quellen und Geysiren

Kategorien Europa, Island

Es geht weiter auf der Route rund um den Golden Circle. Nach dem Besuch des Golden Waterfall bestaunen wir als nächstes das geothermisch aktive Feld Haukadalur mit seinen Geysiren, Schlammlöchern und heißen Quellen. Es riecht und dampft und brodelt; eine Gegend wie nicht aus dieser Welt. Schau sie dir an! 😉

Es sind rund zwei Grad, doch der Wind lässt dich fühlen, als wären es minus zwanzig. Ich bin gut eingepackt in gefühlt tausend Schichten aus Flausch und Wolle; alleine an den Füßen trage ich gleich zwei Paar Wollsocken, und das ist keineswegs zu viel. Es gibt nichts schlimmeres als kalte Füße… Die Schneeschuhe sind wasserdicht und die Spikes halten mich sicher auf den Beinen. Ja, der winter hier stellt schon ganz andere Anforderungen an die Kleidung; winddicht und wasserfest sollte sie sein.

Hier an den Geysiren lässt der Wind ein wenig nach – oder ich habe mich schon daran gewöhnt-, dafür sind die Wege rund um die Geysire komplett vereist. Spiegelglatte Flächen, die Menschen halten sich an allem fest, das irgendwie greifbar ist oder stützen sich gegenseitig. In schöner Regelmäßigkeit landet der eine oder andere auf seinem Poppes. Nicht einmal die Krähen haben Lust zu fliegen in den stürmischen Windböen. Ich habe zum Fotografieren der sagenhaften Landschaften Islands meine große Spiegelreflexkamera samt Stativ dabei, doch bei der Witterung – keine Chance. Ich muss aufpassen, dass mir mein Smartphone nicht aus der Hand fliegt.

Die Felder vor mir blubbern und dampfen in der kalten Luft, als würden Trolle hier baden gehen oder ihr Essen kochen. Es riecht nach Schwefel und faulen Eiern, ein Geruch, der mir schon am Morgen auf der Busfahrt auffiel und an ein „Vergehen“ meiner Mitreisenden denken ließ. Die Temperaturen im Boden sind so konstant, dass hier früher Frauen ihr Brot backten. Ein kleines Häuschen mit Kamin erhebt sich zwischen den bemoosten Feldern. Hier wohnen Trolle, da bin ich mir ganz sicher.

 

Über den vereisten Weg laufe ich langsam an den dampfenden Feldern vorbei. Das Wasser im Inneren ist kochend heiß, brodelnd kommt es an die Oberfläche. Aus den Fumarolen, den runden Öffnungen im Erdboden, tritt heißer Dampf aus.

Die Fumarolen sind eine interessante Erscheinung: sie sind keine Geysire, lediglich geöffnete „Löcher“ in der Erdkruste. Ihre Ränder sind gelb gefärbt; das ist der auskristallisierte Schwefel, der ihnen diese Farbe verleiht.

 

Der Geysir, Vater aller Geysire

Der große Geysir war namensgebend für alle anderen Geysire weltweit. Das Wort Geysir kommt aus dem Altnordischen und bedeutet soviel wie „herausschießen“. Lange Zeit war er sehr aktiv und seine Fontäne schoss bis zu siebzig Meter in die Höhe, doch seit ein paar Jahren ist es um ihn ruhig geworden. Ein Ausbruch erfolgt äußerst selten. Aktuell gruppieren sich die  Besucher um den kleineren, doch weitaus aktiveren, den Star sozusagen: den Strokkur.

 

Der Strokkur

Schweren Herzens verlasse ich die ersten, kochenden Erdlöcher, die mich ungeheuer faszinieren, und laufe weiter, immer der Menschenmeute nach. Wenn ich eines auf Gruppenausflügen gelernt habe, sei es eine Rundreise oder eine Safari, dann ist es folgendes: versammelt sich irgendwo eine größere Gruppe Leute und starrt auf ein- und dieselbe Stelle, dann gibt es dort entweder was umsonst – oder etwas zu sehen. So bleibe ich am Geysir Strokkur stehen.

Der aktive Geysir bricht circa alle zehn Minuten aus, wobei seine Fontäne nicht höher als 20-40 Meter wird. Sieht man so einen Ausbruch zum allerersten mal, dann wirkt es nicht gerade beeindruckend, vielmehr wie ein kleiner Husten. So ein kleines „blopp“. Unwillkürlich starre ich auf das Wasser, das in sich zusammenfällt, sich wieder beruhigt und vor sich hin dampft, höre ungläubig die achs und ochs der Menschen um mich herum und frage mich: ja, und weiter? Wie, wars das etwa? Da muss doch noch mehr kommen… Und dann wartet man wieder, richtet sein Stativ, hält seine Kamera ruhig und schaut auf die dampfende, vom Wind stark gekräuselte Oberfläche, wartet, dass sich dort wieder diese charakteristische Glocke bildet. Also ja, der Wahnsinn. Wer schon mal den Andernacher Kaltwassergeysir gesehen hat, der weiß den Unterschied wohl zu würdigen: mit 50 bis 60 Metern ist er der höchste Kaltwassergeysir der Erde. Liegt vielleicht daran, dass dieser mit höherem Druck herausschießt und die Wassersäule wesentlich länger zu sehen ist, bis sie schließlich abflacht. Der ist wirklich beeindruckend.

Ich umrunde den Strokkur, um eine bessere Sicht zu haben. Jetzt habe ich zwar die Menschen im Bild, doch einen viel besseren Ausblick auf die entstehende Wasserglocke. Und die andere Seite hat einen weiteren, angenehmen Aspekt: dadurch, dass hier um den Geysir alles vereist und glatt ist und man über ein paar heiß dampfende Wasserströme laufen muss, traut sich kaum einer hierher und ich muss nicht um meinen guten Aussichtsplatz mit anderen kämpfen. Ich habe es ja gesagt: der Strokkur ist ein Star…

 

Geysire und heiße Quellen im Haukadalur

Das geothermische Feld Haukadalur hat nicht nur den Strokkur, den Litli oder den Geysir aufzubieten, sondern gleich siebzehn heiße Quellen auf kleinstem Raum. Hier eine kleine Übersicht:

Der Geysir
Das ist der berühmteste Geysir dieser Gegend. Sein Name stammt aus dem Nordischen und bedeutet „the spouter“, oder „der Herausschießer“ und sein Name war bezeichnend für alle anderen, später entdeckten Geysire. Seine Fontäne kam früher auf imposante 70-80 Meter hoch. Jetzt bricht er nur noch selten aus und wenn, dann wird sie „nur“ 30-50 Meter hoch.

Strokkur
Sein Name bedeutet „a churn“, was am besten mit „das Fass“ übersetzt werden könnte. Er bricht etwa alle zehn Minuten aus und seine Höhe beträgt 20-40 Meter. Er entstand bei einem Erdbeben 1789.

Litli-Geysir
„Der kleine Geysir“ hatte seine aktive Periode um die Zeit des letzten Erdbebens in 2000 herum, doch nun ruht er vor sich hin.

Konungshver
Die „königliche heiße Quelle“ erhielt seinen Namen bei einem Besuch des dänischen Königs Christian der IX im Jahr 1874. Nach dem Erdbeben in 2000 hatte sie ihre 2-3 Meter hohe Eruption, doch nun ist sie inaktiv.

Móri
Der Name Mori bezeichnet ein weibliches Gespenst oder einen rotbraunen Widder. Es ist ein Schlammloch, das nicht ausbricht.

Vigdisarhver
Vigdisarhver ist kein Geysir. Es ist eine heiße Quelle, die nach einer Frau namens Vigdis benannt wurde.

Blesi
Blesi ist kein Geysir mehr, doch zu seiner aktiven Zeit brach er auf bis zu zwei Metern Höhe aus. Die Eruptionen begannen nach dem Erdbeben im Jahr 2000, doch das hielt nur wenige Tage an. Der Name Blesi bezeichnet im Isländischen ein dunkles Pferd mit einem hellen Fleck auf der Vorderseite seines Kopfes. Die Quelle teilt sich in zwei Bereiche; ein Bereich ist klar, der andere blaugrün gefärbt durch im Wasser enthaltenes Silicium.

Fata
Der Fata (~Eimer) ist eine heiße Quelle, die mit langen Intervallen ausbricht. Beim Erdbeben 2000 erloschte seine Aktivität und wurde zu einer benachbarten Quelle umgeleitet.

Otherrishola
Oder: die „Regenwassergrube“ bekam seinen Namen, weil er nur bei Regenwetter aktiv wird. Das kommt daher, weil der Druck der Wassersäule im Geysir abnimmt, wenn auch der atmosphärische Druck außerhalb niedriger wird. Wenn sich die Temperatur des Wassers dem Siedepunkt nähert, resultiert aus dem Druckabfall das überschießen des Wassers und schließlich in einer Eruption. Diese heiße Quelle diente den Bauern in der Umgebung früher als zuverlässiger Barometer: wenn sie unruhig wurde oder gar ausbrach, wussten sie, dass ein Druckabfall und somit schlechtes Wetter im Anmarsch war. Diese heiße Quelle erreicht bei ihrem Ausbruch rund 2-3 Meter Höhe.

Litli Strokkur
Der kleine Strokkur. Er bricht heutzutage gar nicht mehr aus.

Sisjodandi
„Für immer kochend“, lautet der Name übersetzt. Mitte des letzten Jahrhundert wurde diese heiße Quelle zum Wäsche waschen verwendet.

Sódi
Sodi oder: „die Sau“. Bricht nur aus, wenn er mit Seife behandelt wird und erreicht eine Höhe von ein paar Metern. Nach dem Erdbeben im Jahr 2000 war er für eine Weile aktiv.

Smiður
„Handwerker“ oder „Zimmermann“, da er versehentlich von einem Handwerker „ausgegraben“ wurde, der 1907 in dieser Gegend arbeitete. Er bricht in schmalen Wasserstrahlen aus; sie werden größer, wenn man den Geysir mit Seife behandelt.

Þykkvuhverir
Oder „das Ausbeulen“ oder einfach nur „dick“. Damit werden einige wenige Schlammlöcher und heiße Quellen südlich des Geysirs umschrieben, die nicht ausbrechen.

Ullarhver
Ullarhver befindet sich südlich des eingezäunten Gebietes. Sein Name „heiße Quelle der Wolle“ hängt damit zusammen, dass in seinem Wasser früher immer Schafswolle gewaschen wurde.

Baejarlaug
Die „Quelle der Farm Laug“ befindet sich südlich der alten, nun verlassenen Farm namens Laug. Sie ist circa 58 Grad heiß, doch sein Wasservorkommen ist vom Grundwasserspiegel abhängig. In Frühling und Sommer trocknet sie aus und nur heißer Dampf entweicht.

Haihver
Haihver befindet sich auf einer Anhöhe westlich des umzäunten Gebietes. Der Name Haihver bedeutet „die hohe, heiße Quelle“ und ist seiner etwas erhöhten Lage geschuldet. Ihre Temperatur beträgt rund 97 Grad und sie kocht oder ergießt sich immer wieder mehrere Zentimeter hoch.

So langsam traut sich auch die Sonne heraus und bescheint mit ihrem kaum vorhandenen Glanz das Eis und den dampfenden Boden, verwandelt ihn in ein verwunschenes Feld. Es ist schon Mittag und irgendwie wartet man die ganze Zeit auf den Tag. Die Sonne ist knapp über dem Horizont, es ist nach elf, es ist zwölf, dann eins… und du wartest, wartest auf den Sonnenschein und darauf, dass sie weiter steigt, bis du irgendwann begreifst: hey, die steigt nicht höher. Es wird nicht besser. Das wars schon, das ist der hellste Punkt des Tages. Da kommt nichts mehr.

Ich schaue mir noch kurz an, wie der gelbe Schein die Spitzen der Berge färbt, dann schlendere ich langsam rüber zum Restaurant, um zu sehen, was es leckeres vom Buffet gibt. Doch kaum drinnen angekommen, zieht es mich auch wieder raus. Es ist zu warm, zu laut und zu voll und nach der Leere und Weite der Landschaft draußen erlebe ich etwas, das ich so noch nie empfunden habe: Platzangst.

 

Der Winter und das Autofahren

„Bist du eine Top-Fahrerin?!“ Fragt mich Magnus, unser Guide, als ich wissen will, ob es eine gute Idee sei, hier im Winter auf eigene Faust mit dem Auto unterwegs zu sein. Als ich „ja“ sage, schaut er mich kurz komisch an und meint: „Ja dann… Ich frage ein paar Leute und organisiere dir ein günstiges Angebot.“ 

Wie ist es denn eigentlich mit dem Fahren im Winter in Island? Obwohl ich für gewöhnlich am liebsten ein Auto miete und selbst durch die Gegend fahre, um die größtmögliche Freiheit zu erleben, habe ich mich diesmal für eine pauschale Tour mit dem Bus entschieden. Zu unterschiedlich waren die Berichte über die Wetterverhältnisse auf den Straßen und darüber, wie unberechenbar und plötzlich sich das Wetter ändern kann. Vor sogenannten Whiteouts wurde gewarnt; Schneewehen, die von jetzt auf gleich auftauchen und alles in gleißendes Weiß hüllen, so dass man kaum noch die Hand vor Augen sieht. Also habe ich beschlossen, dieses erste Mal auf das Stück Individualität zu verzichten. Schließlich ist ein solcher gut ausgelasteter Bus auch  viel umweltfreundlicher…

Doch als ich fast schon zu der Überzeugung komme, die Berichte seien übertrieben gewesen und hier ließe sich prima fahren, werde ich prompt eines Besseren belehrt. Auf der Weiterfahrt können wir eindrucksvoll bewundern, wie plötzlich, unerwartet das Wetter umschlagen kann. Gerade noch fahren wir durch ein offenes Feld, kaum Schnee und ein (beinahe) klarer Himmel über uns, als sich plötzlich alles verdunkelt und um uns herum weiß wird. Der sehr feine, pulverige Schnee wird von den starken Windstößen von der Seite mitten auf die Fahrbahn geweht; gleich mehrere Fahrzeuge bremsen abrupt und stehen aneinander gereiht mit eingeschaltetem Warnblinker da, vor sich einen großen Haufen pulverigen Schnee, der hoch bis zur Fahrertür reicht. Langsam umfährt der Bus die Schneeverwehungen. Doch nur wenige Meter weiter ist die Straße wieder frei und es zwitschern die sprichwörtlichen Vöglein.

Wer sich dennoch dafür entscheidet, im Winter selbst zu fahren, sollte sich gut darauf vorbereiten. Eine Wetterapp kann helfen, eventuelle Wetterumschläge zeitnah nachvollziehen zu können und eine umsichtige Fahrweise ist unbedingt notwendig. Manchmal sind die Straßen frei, manchmal verschneit oder komplett vereist, doch die meisten Autos sind für den Winter mit Spikes auf den Rädern ausgestattet. Ich denke, dass ich bei meinem nächsten Besuch auch selbst fahren werde.

Ganz gute, praktische Tipps zu Island in Winter hat Andreas von Reisewut, schau gern rein 🙂

Wie gemalt; ja, wie gemeißelt sehen die Berge aus, Kontraste zwischen schwarzen und weißen Flächen, zwischen Schnee und vulkanisch schwarzem Gestein. Ihr Anblick lässt mich an eine schwarzweiß schraffierte Zeichnung denken, auf der der Künstler einzig mit gezielten Strichen die Schönheit der Landschaft einfängt. Dieses raue, schroffe, diese ganz speziellen Farben, die so vermutlich nur im Winter zu sehen sind. Meine Nase klebt an der Fensterscheibe und ich könnte ganze Lieder darüber entwerfen, wie schön dieses Land doch ist. Overtourism in Island. Vielleicht. Ja, ganz sicher sogar. Doch das hat auch seinen Grund. Wer einmal hier war, der wird es verstehen: Island ist mit nichts vergleichbar.

Morgen geht es weiter, mit leichtem Gepäck auf eine Zweitages-Tour in Richtung Süden. Viele Hotels, so auch das Hotel Klettur, haben sich auf diese Art Touren ihrer Gäste eingestellt und bieten an, das Gepäck kostenlos zwischenzulagern; das Klettur hat einen eigens dafür bestimmten, sehr geräumigen Gepäckraum. Hier werde ich meine Reisetasche lassen; der Rucksack muss reichen.

Hi, ich bin Kasia, die Stimme von "windrose.rocks" :-)
Treibt Dich die Frage um, was sich denn alles jenseits der heimischen Couch verbirgt, bist Du rastlos und neugierig wie ich und spürst den Drang in Dir, in die Welt hinaus zu gehen? Dann tue es! Ich nehme Dich mit auf meine Reisen und lasse Dich hautnah das Unterwegs sein miterleben - in all seinen Facetten. Lass Dich inspirieren, komm mit mir und warte nicht länger, denn... die Welt ist so groß und wir sind so klein, und es gibt noch so viel zu sehen!

Die Welt wartet auf uns.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.