Heidelberg im Winter – Königsstuhl und Heidelberger Schlossgarten

Kategorien Baden-Württemberg, Deutschland, Europa

Meine Fußzehen frieren so stark, dass es beinahe weh tut, und doch genieße ich dieses Wintermärchen 2014, als ich hinter Stefan her durch den Schnee zum Königsstuhl stampfe.

Der Königsstuhl, so wie ich ihn meine, ist ein ausgeschilderter, unter Einheimischen wohlbekannter Ausblicksplatz, hoch oben in den Odenwalder Bergen, von wo man ein wunderbares Panorama auf das winterliche Heidelberg mit all seinen Brücken, die den Neckar umspannen, erhaschen kann. Doch eigentlich ist er mit 567,8 m der höchste Berg der Bergstraße; hier hockt das Heidelberger Schloss und hier fährt auch die Bergbahn entlang. Viele kommen vor allem wegen des Ausblicks hierher, doch es gibt auch Wanderpfade – fürs Schneewandern perfekt. Der Sendemast verschandelt die Landschaft und orangenes Sonnenlicht bescheint unsere Gesichter und die Menschen vor uns.

Es sind schon einige Leute da. Ein wenig machen wir uns über diejenigen lustig, die mit ihren Sommerreifen versuchen, dem Schnee Herr zu werden. Ja, oben in den Bergen des Odenwaldes hat es geschneit, alles liegt unter einer weißen Schneedecke. Die meiste Zeit schaue ich auf die unbeweglichen Äste der Tannen, fixiert unter einer dicken, weißen Schicht und auf das kleine Wölkchen direkt vor meiner Nase, die mein Atem in den knackig kalten Minusgraden erzeugt.

Auch existiert hier oben eine Falknerei, die Falknerei Tinnunculus – im Sommer ist ein Besuch sicher interessant. Doch heute ist für uns nicht mehr als Spazieren drin, doch ich muss gestehen, der Tag ist sagenhaft schön. Nach dem Königsstuhl steigen wir ins Auto und erkunden die Gegend. Ein Gleitschirmflieger hat sich mitten auf einem Feld in luftige Höhen gewagt; leuchtend rot zeichnet sich sein Schirm vom Himmel ab. Das Licht des Abends wird immer röter, es ist nicht übertrieben, wenn man an dieser Stelle von blutiger Wintersonne spricht. Die Tannenspitzen bekommen Farbe – rot, rot in der weißen Landschaft.

Wir besuchen auch den Heidelberger Schlossgarten, wo sich die dicken Mauern der berühmten Schlossruine im Licht verlieren. Hier verliert sich auch die Schneegrenze, und unten in der Ebene ist sowieso kein Flöckchen mehr zu sehen. Jährlich wird das Schloss von tausenden Touristen besucht (die offizielle Seite spricht von Millionen…), im Sommer sicherlich mehr, doch auch jetzt noch sind viele Menschen unterwegs. Sicherlich ist es die Lage, denn in Kombination mit der historischen Altstadt und der alten Brücke ist es hier wunderschön. Schon Goethe hatte die Lage des Schlosses mit dem Neckar, den Bergen und der Stadt als ideal bezeichnet.

Obwohl das Schloss nach seiner Zerstörung im Pfälzischen Erbfolgekrieg nur teilweise restauriert und dann aufgegeben wurde, hat das nichts an seiner Faszination geändert. Im Gegenteil finde ich es aus Ruine sogar noch reizvoller, denn so verkörpert er perfekt die Romantik vergangener, nicht mehr existenter Zeiten.

Der Schlossgarten ist in Terrassen gegliedert und die Wände der Wasserspiele sind mit Muscheln und Korallen gestaltet. Die Skulptur, der bärtige, alte Mann, der über dem Wasser zu schlafen scheint, das ist der „Vater Rhein“. Zu seiner Zeit wurde der Schlossgarten als „achtes Weltwunder“ bezeichnet.

Im Schloss selbst befindet sich seit 1957 das Deutsche Apothekenmuseum, dessen Besuch für mich als Ehemals-PTA obligatorisch ist (März bis Oktober geöffnet), das vollständige Apothekeneinrichtungen und Exponate aus vergangenen Jahrhunderten zeigt. Zu bestimmten Terminen kann man auch den heutigen Apothekenmitarbeitern bei ihrer Herstellung von Salben, Kapseln oder Tees über die Schulter schauen. Doch jetzt im Winter hat das Museum zu.

Nach dem Besuch des Schlossgartens machen wir uns wieder auf und nach Hause. Es ist ein perfekter, verschneiter Wintertag für eine Wanderung, doch genauso froh ist man, anschließend wieder zu Hause zu sein und in seinen warmen vier Wänden einen heißen Kakao zu trinken.

 

Hi, ich bin Kasia, die Stimme von "windrose.rocks" :-)
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