Dublins Kathedralen und ihre Geschichten

Dublin steckt voller Geschichten. An jeder Ecke findet sich Skurriles, Interessantes, Spannendes. Vergangenheit vermischt sich mit Gegenwart, Geschichte mit Legenden und all das wird garniert von Erzählungen, die spannender nicht sein könnten. Erzählungen, die dazu einladen, sie abends bei einem Guiness und den Klängen der Musik zu erzählen. Beim letzten Mal habe ich euch Molly Malone vorgestellt, die „Schöne mit dem Fisch“. Heute erzähle ich euch ein paar Geschichten zur Kathedrale St. Patricks, der größten Kirche Dublins und zudem dem religiösen Zentrum der Stadt. 

 

Die St Patricks Kathedrale

Obwohl die größte Kirche Irlands, wirkt sie auf mich nicht ganz so imposant wie die Christ Church; nichtsdestotrotz macht es das innere Kirchenschiff wieder wett. Die Kathedrale ist voller Geschichten und Erzählungen, manche davon sind wirklich passiert, andere wiederum gleichen Legenden und keiner vermag zu sagen, wie viel Wahrheit in ihnen steckt. Die Führungen, die im Inneren angeboten werden, sind kostenfrei bzw. im Eintrittspreis mit enthalten. Während einer Führung wirst du auf Details aufmerksam gemacht, die dir vielleicht sonst entgangen wären…

 

Der Heilige Patrick

Die St Patricks Kathedrale hält viele Geschichten für den Besucher bereit. Ihre Anfänge reichen bis ins 5 Jahrhundert v. Chr. zurück, als an ihrer Stelle bereits eine kleine Kapelle stand. Allein schon ihre Entstehung beginnt mit einer Legende: so soll der Heilige Patrick in dieser Kapelle die Menschen mit dem Wasser aus einer Quelle getauft haben, die sich nahe der Kapelle befand. Eine Tafel nahe des Eingangs am südwestlichen Ende markiert heute die Stelle, wo sich der Überlieferung nach einst die Quelle befand.

 

John McNeill und sein Hund

Eine der Geschichten Captain John McNeill Boyd, die von einem großen Seeunglück erzählt. Der aus Derry stammende John McNeill kam mit nur 13 Jahren in die Royal Navy. Als im Februar 1861 schwere Stürme über die irische Ostküste entlang tobten, versuchte Boyd mit seinen Männern, die Mannschaft dreier in Seenot geratenen Schiffe zu retten. Eines der Schiffe, die Neptun, wurde von den Wellen gegen den Pier geschlagen und ihre Mannschaft wurde von starken Wellen vom Deck ins Meer gespült. Als sich das Wetter zu bessern schien, versuchten Boyd und seine Mannschaft mit Booten an Deck der beiden anderen Schiffe zu kommen, um die Besatzung zu retten. Doch das Meer war trügerisch, eine gewaltige Welle stieg über den Wellenbrecher und nahm die Männer in ihren Rettungsbooten mit sich. Fünf Männer aus Boyds Mannschaft, darunter er selbst, ertranken. Mindestens 25 Anwohner der Stadt wurden ebenfalls fortgerissen und starben – erst Tage später wurden ihre Leichen nach und nach an die Küste gespült. Captain John McNeill Boyd wurde mit allen militärischen Ehren in der St Patricks Kathedrale beigesetzt.

Die Legende besagt, dass Boyds Hund, ein Neufundländer, nach der Beisetzung oben auf dem Grab lag und sich weigerte, zu gehen, bis er verhungerte. Noch Jahre später soll der Hund von mehreren Personen am Fuße der Statue gesehen worden sein.

 

Das Grab des Jonathan Swift 

Sein größtes Werk war der Roman „Gullivers Reisen“, doch nicht viele wissen, dass Jonathan Swift von 1713 bis 1745 Dekan an der St Patricks Kathedrale war. Sein großes Mundwerk und seine beißende Satire waren der Grund, weshalb er sich zu Lebzeiten nicht viele Freunde machte. Er kämpfte gegen soziale Ungerechtigkeit, indem er Missstände aufzeichnete und durch das satirische Überzeichnen die damals durchaus ernst gemeinten Vorschläge, wie denn mit den vielen Armen zu verfahren sei, ins Lächerliche zog. So schlug er zum Beispiel in einem seiner bekanntesten satirischen Schriften vor, die Kinder der Armen als Lebensmittel zu nutzen und zu exportieren, um das Problem der Lebensmittelknappheit zu lösen und gleichzeitig Probleme wie die Überbevölkerung und Kriminalität zu verhindern. Es war die Antwort auf den damals im Raum stehenden Vorschlag, Menschen als Ressource zu betrachten. Seine Schriften stoßen damals dermaßen an, dass zeitweise eine Belohnung von 300 Pfund für die Überführung des anonymen Verfassers ausgesetzt war.

Jonathan Swift wurde neben seiner den Angaben nach platonischen Freundin Esther Johnson in der St Patricks Kathedrale beigesetzt, und hier wird es wieder spannend. Während Swift und Stella, wie er Esther nannte, immer wieder beteuerten, nur platonische Freunde zu sein (sie bezeichnete sich immerzu als Jungfer, Swift gab an, unverheiratet zu sein), waren sich Freunde der beiden uneinig darüber, wie es denn nun um das Verhältnis der beiden Freunde bestellt war. Manch einer gab an, von einer geheimen Ehe zwischen Swift und Stella gewusst zu haben, während andere wiederum eine solche Idee als „absurd“ bezeichneten mit dem Verweis darauf, die beiden seien bei ihren Treffen niemals alleine gewesen. So richtig interessant wurde es dann, als eine dritte Frau auftauchte: Esther Vanhomring, für die Swift den Spitznamen „Vanessa“ erfand. Lange Zeit wussten beide Frauen nichts voneinander, bis Swift Vanessa schließlich die Situation gestand. Sie starb kurze Zeit später an Tuberkulose.

 

Die Tür der Versöhnung

Im nördlichen Querschiff befindet sich ziemlich zentral ausgestellt eine alte Holztür mit einem Loch in der Mitte. Sie soll an einen Streit zwischen zwei mächtigen und einflussreichen Familien im Jahr 1492 erinnern, den Butlers of Ormonde und den Fitzgeralds of Kildare.

Beim Streit, der schließlich in kleineren und größeren Kämpfen und Gefechten ausuferte, drehte es sich um die Position des Lord Deputy. In Zeiten englischer Herrschaft war ein Lord Deputy der Stellvertreter des Königs und zugleich der Vorsitzender der Exekutive. Eine machtvolle Position – kein Wunder also, dass beide Familien der Ansicht waren, einer von ihnen sollte den Posten bekleiden. Die Streitereien zwischen beiden Clans entbrannten immer stärker und schließlich geriet ein Gefecht, das außerhalb der Stadtmauern ausgetragen wurde, außer Kontrolle. Die Butlers flüchteten und suchten Zuflucht im Kapitelsaal der St. Patricks Kathedrale.

Als die FitzGeralds ihnen folgten, standen sie wortwörtlich vor verschlossener Tür, denn Lord Butler hatte sich im Kapitelsaal hinter einer Holztür verbarrikadiert. Lord FitzGerald bat ihn, herauszukommen und sich zu versöhnen, doch die Familie Butler befürchtete, abgeschlachtet zu werden und lehnte ab. Gerald FitzGerald befahl, ein Loch in die Holztür zu schneiden, um so durch das Loch hindurch zu kommunizieren. Er steckte seinen Arm durch das Loch und gab Lord Butler die Hand zur Versöhnung. Als die Familie Butler sah, dass Lord FitzGerald bereit war, seinen Arm zu riskieren, glaubte sie endlich, dass sein Angebot ernst gemeint war und öffneten die Türen. Daher kommt auch in Irland der berühmte Spruch: „Seinen Arm riskieren.“

Den Posten des Lord Deputy bekam übrigens Gerald FitzGerald…

 

Der Baum der Erinnerung

„Alte Soldaten sterben nicht, sie verblassen einfach.“ Diesen Satz symbolisieren die Regimentsfarben am Gedenkbaum; auch sie verlieren nach und nach ihre Farbe und der Baum symbolisiert die Zerstörung des Krieges. Der Baum wurde 2014 aufgestellt zur Erinnerung an den Beginn des Ersten Weltkriegs vor hundert Jahren.

Hier kann man den Menschen gedenken, die sich in einer schwierigen Lebenssituation befinden.

 

Die Familie Guiness

Was hat die berühmte Familie Guiness mit der St Patrick Kathedrale zu tun?
Bei einem Brand 1860 wurden große Teile der Kathedrale zerstört. Aufgrund fehlender Aufzeichnungen ist es heute schwer zu sagen, welche Teile der Kathedrale noch original erhalten sind und welche vom Wiederaufbau stammen – heute ist St Patricks ein Stillmix aus mittelalterlichen und gotischen Baustillen sowie weiteren Einflüssen. Der Wiederaufbau der Kathedrale wurde von der Familie Guiness kräftig mitfinanziert. Daran erinnert die ausgestellte Büste von Sir. Benjamin Guiness.

 

 

Die Christ Church Kathedrale

Besonders eindrucksvoll sind die Kirchen und die Kathedralen, wie sie mit ihrem grauen Gestein in den herbstlichen, grauen Himmel aufsteigen. Viele – oder die meisten Kathedralen stammen noch aus der englischen Regierungszeit und so ist der entsprechende Stil unübersehbar – kein Zufall also, dass mich hier alles an Wales erinnert, auch wenn ein Ire das sicherlich nicht gerne hören würde. Jede Kirche, an der ich vorbei komme, hat etwas Dramatisches, Dunkles, Mysteriöses, jedes Stück Gemäuer scheint Geschichte zu atmen. Das ist schwer zu beschreiben, wenn man nicht selbst dort war: als ich die Christ Church Kirche fotografiere, begreife ich, wie kläglich er ist – allein der Versuch, all das Große und Erhabene auf eine Aufnahme zu pressen ist eine Herausforderung, die unweigerlich scheitern muss. All das ist überragend, wirkt mächtig, lässt sich kaum einfangen; die Kirche mit ihrer Brücke, die über die Straße führt bis zu dem Teil der Kirche, der auf der anderen Straßenseite weiter geht. Man fühlt sich klein. Und jedes Mal, wenn ich diese Wirkung bestimmter Bauten spüre, weiß ich, dass es so gewollt war – man sollte sich klein fühlen im Angesicht der Macht.

Dann betrachte ich mein Foto. Es gibt die Stimmung nicht mal ansatzweise rüber. Ich sehe – nur eine Kirche.

Die Brücke überspannt die Straße

Erwähnt wird die Christ Church Kirche schon 1030. Den Aufzeichnungen nach wurde sie vom Sitriuc, einem altnordischen König als Wikingerkirche erbaut und im Laufe der Jahre an die irischen Kirchen angegliedert und im Laufe der Jahrhunderte mehrmals umgebaut. So wurde sie durch eine romanische Kathedrale ersetzt, später durch eine gotische, und von dieser gotischen Bauweise ist heute noch das eine oder andere Element erhalten. Zwischen 1871 und 1878 wurde das Bauwerk jedoch saniert und restauriert und dadurch letztendlich viktorianisch beeinflusst. Doch trotz der vielen Änderungen im Laufe der Jahrhunderte ist die Wirkung der Kathedrale noch immer beeindruckend und der Gesamteindruck in sich stimmig.

Die mächtige Christ Church Kathedrale

Es gibt einige Besonderheiten in der Christ Church Kathedrale, die wohl berühmteste davon ist die mittelalterliche Krypta aus dem 12 Jahrhundert, die gleichzeitig das älteste Bauwerk der Stadt darstellt. Auch ist sie der größte Bau Irlands und des Vereinigten Königreichs und erstreckt sich unter der gesamten Kirche. Hier kannst du die Schatzkammer besuchen oder auch Tom & Jerry kennen lernen, wie die mumifizierte Maus und die ebenfalls mumifizierte Katze von den Einwohnern Dublins genannt werden. Ja, richtig gehört: die Katz und die Maus sind die beliebtesten Ausstellungsstücke der Krypta. Ich hab euch ja gesagt, dass Dublin viel Skurriles im Petto hat…

Doch was ist der tiefere Sinn hinter der Katze und der Maus? Vermutlich gibt es gar keinen – die Tiere wurden in den 1860 Jahren mumifiziert hinter der Orgel gefunden und ausgestellt. Das entbehrt nicht eines gewissen Charmes: Tom und Jerry auf der Jagd im ewigen Kreislauf des Lebens für immer vereint… mögen sie noch nach dem Tode weiterhin Spaß haben.

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