Eine Reise in den Untergrund – Die Entstehung der Karlsbader Quellen

Ein Ausflug zum Fernsehturm mit Blick auf Karlsbad – das war für heute der Plan. Doch Pläne sind dazu da, umgeworfen zu werden und zunächst brauche ich sowieso einen Geldautomaten oder eine Wechselstube, irgend etwas, das mir hilft, an Bares in Form von Kronen zu kommen. Viele Wechselstuben bieten einen Exchange kommissionsfrei an, doch am Ende entscheide ich mich für den Geldautomaten. Gehupst wie gesprungen, letztlich halte ich viele schöne, unbekannte Scheinchen in der Hand. Jetzt kann ich mir so eine olle, kitschige Schnabeltasse kaufen, von denen an jeder Ecke welche an den Souvenirshops aushängen und die es in allen Farben, Größen und Formen gibt. 

Mit meiner neu erworbenen Schnabeltasse (ist wohl eher ein Schnabeltässchen, doch ich wollte das Ding rein symbolisch haben, gehört zu Karlsbad irgendwie dazu…) eile ich sogleich an den großen Sprudel und traue mich noch einmal an das mineralhaltige Wasser ran. Das hier schmeckt ein wenig besser… noch immer weit entfernt von dem, was wir unter vorzüglich auflisten würden, doch besser. Ich nippe und vertraue auf die gesundheitsfördernden Kräfte. Jetzt gehöre ich zu den Karlsbader-Schnabeltassen-High-Society.

Heute Mittag (Kasia hat den Morgen verschlafen…) präsentiert sich die Stadt in ganz anderem Glanz. Viele unbekannte Facetten, das hatte ich im letzten Beitrag schon erwähnt, doch diese Seite kannte ich noch nicht: Karlsbad, die lebhafte. Gestern warst du Karlsbad, die romantische, heute bist du Karlsbad, das Showgirl. Die Stadt sprießt vor Leben, Menschengruppen schieben sich über die Straßen, Reisegruppen folgen folgsam ihren Guides mit Fähnchen. Asiaten mit Selfie-Sticks, Russen, Deutsche… alle sind sie da und flanieren am Ufer der Tepla entlang, lassen sich vor dem bunten Karlsbader-Schriftzug ablichten, schlürfen Wasser aus ihren Schnabeltassen. Kutschen traben über die Straßen die Altstadt rauf und runter. Und ich bin immer noch unentschlossen, was ich heute alles unternehmen werde.

Ich gehe von Quelle zu Quelle, nippe am Wasser (die einzelnen Quellen unterscheiden sich geschmacklich ein wenig voneinander, so schmeckt das Wasser im Großen Sprudel nicht ganz so kalkhaltig wie die kleineren Brunnen in den Kolonnaden) und schaue den Kutschen beim vorbeitraben zu. Die Altstadt verfügt über schöne, ruhige Grünanlagen wie den Japanischen Garten oder den Dvorak Park im Zentrum der Stadt. Der Dvorak Park wurde zu ehren des tschechischen Dichters angelegt und befindet sich zwischen der Gartenkolonnade und Hotel Thermal, dem riesigen, sündhaft hässlichen Klotz mitten in der Stadt, der sich so gar nicht in die übrige, filigrane Architektur einfügen will. Besonders die gusseiserne, verzierte Kolonnade haut mich aus den Socken. Sie stammt von 1880 und war Teil einer ehemaligen Restaurant- und Konzerthalle, die wegen Baufälligkeit abgerissen werden musste. Auch die im Park gepflanzten Platanen sind inzwischen teilweise über 200 Jahre alt.

Die filigrane Garten-Kolonnade im Dvorak-Park
Der Teich im Dvorak-Park – eine wunderschöne Grünanlage

Überhaupt herrscht hier an Gärten und Parkanlagen kein Mangel, denn so inmitten von Grün gelegen, inmitten von Wäldern und Bergen, ist die Stadt für die Anlage schöner grüner Oasen praktisch prädestiniert. Hier hätten wir beispielsweise den Skalnik-Park, den Svetlana-Park oder den Mozart-Park; manche Anlagen, wie Park Dvorak, liegen zentral, doch andere sind wiederum eher am Stadtrand zu finden, so lohnt es sich auf jeden Fall, auch mal zu Fuß die Außenbezirke von Karlove Vary zu erlaufen.

Wer müde ist vom vielen Laufen, der kann sich in einer der vielen Kutschen durch die Stadt fahren lassen, Buden verkaufen die berühmten Karlsbader Oblaten in allen Variationen, es gibt Becherovka, den ebenso berühmten Kräuterlikör (ob der Name Becherovka vom „bechern“ kommt…?), an der Ecke stehen die Leute Schlange, um Softeis in der Waffel zu bekommen und zwei deutsche Urlauber bewundern eine Rarität, die es in Deutschland so kaum noch gibt: eine noch funktionierende Telefonzelle. Mich treibt der Hunger jedoch in den nächsten McDonalds, unter anderem deshalb, weil ich es spannend finde, die internationalen Unterschiede (und ja, die gibt es!) in den Burgern weltweit herauszuschmecken. Hier bekomme ich etwas, das es bei uns nicht gibt: ein Burger mit sowohl Fleisch als auch Schrimps im schwarzen Brötchen. Sofort habe ich wieder ein schlechtes Gewissen; ich hatte ganz vergessen, wie viele Müllberge nach dem Verzehr von so einem Menü übrig bleiben…

 

Die Exkursion in den Untergrund

Was man unbedingt mal machen sollte und was sehr spannend ist, das ist die Erkundung des Karlsbader Untergrundes. Hier werden im Rahmen einer Führung die Entstehungsvorgänge der Quellen und die Zusammensetzung und Wirkung des Thermalwassers erklärt, außerdem darf man dabei sein und bei der Herstellung der Karlsbader Souvenirs zuschauen, den später ausgestellten Gegenständen, die mit einer rötlichen Steinschicht aus den gelösten Mineralien im Wasser umgeben sind.

Es dauert ein wenig, bis ich mich mit den Örtlichkeiten auseinander gesetzt habe. Es ist leider nur möglich, im Rahmen einer geführten Tour in den Untergrund zu gehen; Tickets für die Tour werden in der modernen Sprudel-Kolonnade neben dem großen Sprudel verkauft. Ich laufe in die Kolonnade und nehme die Treppe nach oben, dort findet sich der Ticketschalter. Führungen finden nur statt, wenn mindestens acht Personen teilnehmen, es gibt sie auf Deutsch, Englisch, Russisch und Tschechisch und der Eintrittspreis beläuft sich auf 180 Kronen, die Führung auf Tschechisch kostet die Hälfte. Es ist schon 16 Uhr, für den heutigen Tag erwische ich nur noch eine tschechische Tour.

Die Karlsbader Quellen sind schon eine Besonderheit, denn es sind über 15 Quellen, die für den Kurbetrieb genutzt werden und aufgrund einer geologischen Verwerfung entstanden sind. Die Zusammensetzung der Quellen weist über 40 Elemente des Periodensystems aus und jede Quelle ist tatsächlich anders; so ist es kein Zufall, dass das Wasser des Großen Sprudels zum Beispiel anders als das Wasser in den Quellen der Kolonnaden schmeckt. Zu den Anwendungen, die man in Karlsbad so machen kann, gehört auch das Trinken des Wassers der Quellen, die bei verschiedenen Erkrankungen des Mundes, des Zahnfleisches, des Magen-Darm-Traktes und der Gelenke. Eine Trinkkur wird vom Arzt verordnet; es wird das Wasser von bestimmten Quellen zu bestimmten Zeitpunkten getrunken. Die Infostellen weisen darauf hin, dass vor dem Trinken des Wassers unbedingt ein Arzt konsultiert werden sollte. Zumindest bevor man sich den Inhalt verschiedener Quellen wahllos in großen Mengen einverleibt…

Die junge Tschechin öffnet für uns die Absperrung und lässt uns in den Untergrund hinein. Hier erfahren wir Interessantes über den Großen Sprudel, der natürlicherweise viele Meter in die Höhe schießen würde, dessen Strahl allerdings auf 12 Meter reguliert ist, über die mineralische Zusammensetzung des Wassers und darüber, wie das gelöste Aragonit im Thermalwasser alle Gegenstände nach und nach mit einer rötlichen, mineralischen Schicht überzieht. Hier sehen wir, wie hinter Glas nach und nach alle möglichen Gegenstände zu Karlsbader Souvenirs werden, so zum Beispiel werden einfache Porzellanvasen für eine Woche unter tropfendes Quellwasser gelegt. Auf diese Weise wird auch die Karlsbader Rose hergestellt; die Rosen sind aus imprägniertem Papier gefertigt und werden nach und nach mit einer Sinterschicht überzogen. Ein- bis zwei Wochen dauert die Versinterung.

Die Führung ist auf Tschechisch und so verstehe ich nur einen Bruchteil – wer möchte, kann für sich eines der Infomappen in seiner Landessprache erfragen. Mich hatte es interessiert, mal hier gewesen zu sein und die Stadt von unten gesehen zu haben.

Die drei Stadien der Versinterung – die Karlsbader Rose

 

Welche Quellen gibt es in Karlove Vary?

  1. Der Große Sprudel, an dem wir unsere Exkursion beginnen. Er befindet sich sehr zentral und ist 71°C heiß und auf circa 50°C reguliert wird.
  2. Die Quelle Karl der IV befindet sich in der hölzernen Marktbrunnenkolonnade. Sie ist 64°C heiß.
  3. Der Untere Schlossbrunnen, 55,9°C
  4. Der Obere Schlossbrunnen. 55°C – eigentlich speisen sich der Obere und der Untere Schlossbrunnen beide aus der Schlossquelle, nur die jeweiligen Wassertemperaturen unterscheiden sich.
  5. Der Marktbrunnen, 65,2°C
  6. Der Mühlbrunnen, 56°C
  7. Die Rusalka-Quelle, 60°C. Leicht zugänglich und wohl die meist frequentierte Quelle,da in der zentral gelegenen Mühlbrunnenkolonnade, es war auch die Quelle, aus der ich mein erstes Wasser getrunken habe.
  8. Die Fürst-Wenzel-Quelle, 65°C, in der Mühlbrunnenkolonnade
  9. Die Fürst-Wenzel-Quelle II, 64,3°C, auch in der Mühlbrunnenkolonnade
  10. Die Libussa-Quelle, 63°C, in der Mühlbrunnenkolonnade
  11. Die Felsenquelle, 46,9°C, Mühlbrunnenkolonnade
  12. Die Freiheitsquelle, 62,4°C, im Holzpavillon und Mühlbrunnen-Kolonnade
  13. Die Parkquelle, 41,6°C, im Hof des ehemaligen Militärbadehauses und für die Öffentlichkeit unzugänglich. Im Souterrain des Gebäudes gibt es eine Ableitung der Quelle, die täglich von 6 bis 18:30 Uhr besucht werden kann.
  14. Die Stephaniequelle, 14,2°C, gehört zu den ältesten Karlsbader Quellen.
  15. Die Schlangenquelle28,7°C. Weniger stark mineralisiert, als die anderen Quellen, dafür mit einem höheren CO² Gehalt. Zu finden in der Gartenkolonnade im Dvorak Park.

Auf dieser Karte der offiziellen Seite von Karlove Vary ist die Lage der Quellen eingezeichnet.

Marktbrunnenkolonnade – eine wunderschöne Holzkolonnade im Schweizer Stil

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