Gedanken

Zerbrochene Eier ergeben das beste Omelette!

Das Ei ist gerade erst zerstört worden und als ich es öffne, sehe ich, dass das Eigelb noch intakt ist. Also schnappe ich mir eine Pfanne und will es gerade beherzt aufschlagen und braten, da klingelt mein Wecker.

Aber was soll das nun? Warum schreibe ich gerade so viel über Eier?

Der kleine, graue Kiwi piept ununterbrochen. Todesmutig hört der Piepmatz nicht auf, mit seinem langen, gebogenen Schnabel auf meine Hand einzuhacken. Das müsste doch weh tun… doch nein, ich spüre nichts. Weder schmerzt es noch ist Blut zu sehen – im Moment empfinde ich nur Mitgefühl mit dem kleinen Kerl.
Denn er verteidigt seinen Nachwuchs.

Und als ich ihn zur Seite schiebe, sehe ich zwei intakte Eier, noch warm, von einer bläulichen Färbung; anderthalb Mal so groß wie der Vogel selbst. Und eine eingedrückte Stelle in braunem Gras, da, wo er versucht hatte, sie mit seinem Schnabel wegzurollen und zu verstecken.

Etwas abseits liegt noch ein drittes Ei. Es ist schon kalt und seinen Hülle ist zerbrochen; der Vogel kümmert sich nicht mehr darum. Ungehindert hebe ich es mit beiden Händen auf. Die Schale ist gerade erst zerstört worden und als ich sie öffne, sehe ich, dass das Eigelb noch intakt ist. Also schnappe ich mir eine Pfanne und will es gerade beherzt aufschlagen und braten, da klingelt mein Wecker.

Also was soll das nun? Warum schreibe ich gerade so viel über Eier?

Weil ebendiese einigen Menschen fehlen, deshalb.

Es sollte mich nicht mehr überraschen; und dennoch bin ich immer wieder erstaunt darüber, dass in vielen Fällen, in denen es darum geht, Probleme zu bereinigen oder Konflikte zu lösen, sich die soziale Kompetenz mancher Menschen im rasanten Tempo verabschiedet. Ich bin erstaunt, zu hören, dass über mich gesprochen wird – aber doch nicht mit mir… oder?
Es erstaunt mich, zu beobachten, dass viele ihre Probleme mit den lieben Mitmenschen nicht mit selbigen zusammen lösen, sondern sich lieber in Lästereien und üble Nachrede flüchten.
Erstaunt, dass höhere Instanzen hinzugezogen werden, ohne dass auch nur ansatzweise ein klärendes Gespräch mit dem vermeintlichen Verursacher eines solchen Konflikts angestrebt wird.

Ich spüre oft genau, wenn etwas nicht in Ordnung ist, auch wenn ich es nicht gleich zuordnen kann. Und erfahre später, dass ich Recht hatte.

Von Dritten.

Und wundere mich. Hat mich doch niemand bislang direkt angesprochen.
Hat man denn nicht gelächelt, als man mich sah? Hatte man mich denn nicht umarmt? Hatte man nicht versucht, Herzlichkeit zu vermitteln?

Ja, hatte man. Und wie es schon seit Menschengedenken so ist, hatte man trotz alledem bereits ein Urteil gesprochen, ohne seinen Mitmenschen auch nur wissen zu lassen, dass er unter Anklage steht.

Vielleicht bin ich zu altmodisch bei solchen Dingen. Vielleicht auch zu idealistisch. Vertrete – und lebe – ich doch die Ansicht, dass jeder Mensch es verdient, ehrlich und aufrichtig behandelt zu werden. Immer – immer wähle ich bei Problemen den direkten Weg, den Menschen anzusprechen, der sie in meinen Augen verursacht hat.

Doch so einfach ist es nicht, denn so oft wurden Absprachen an mir vorbei getroffen, so oft andere Instanzen gewählt.
Wenn du denkst, alles sein in Ordnung und niemand dir gegenüber etwas Gegenteiliges äußert; dann ist doch alles in Ordnung. Oder?

Tut so etwas weh?

Natürlich tut so etwas weh.
Wir reden von Rückrat, doch wir haben keines; wir wollen Aufrichtigkeit, doch sind wir nicht imstande, andere aufrichtig zu behandeln. Wir wollen keine Konflikte, wollen uns unsere kleine, heile Welt erhalten; und doch haben wir uns bereits ohne miteinander zu sprechen ein Urteil gebildet, uns auf eine Meinung festgelegt – wobei sich hier tatsächlich die berechtigte Frage stellt, ob das denn nun überhaupt unsere eigene Meinung ist – haben wir denn nicht fröhlich, ohne zu hinterfragen, dem bestzahlenden gedankenlos seine Standpunkte nachgesprochen? Das wahrscheinlichste Szenario für ein Faktum erklärt? Menschliche Herdentiere, dem Trampelpfad folgend? Lächelnd, wo es angebracht ist, zu lächeln? Neidisch auf diejenigen schielend, die euch aus eurer Komfortzone zu bewegen suchen? Die ihren eigenen Weg gehen?

Zum ersten Mal wieder freue ich mich darauf, morgens aufzustehen. Ich gleite durch den Tag, fröhlich wie noch nie; ich organisiere mir meinen Alltag selbst, ohne von einem „das haben wir schon immer so gemacht“ eingeschränkt zu werden. Ich besuche die schönsten Gegenden Deutschlands, komme abends müde und glücklich nach Hause, voller großer und kleiner Erfolgserlebnisse.
Ich erfahre, was Anerkennung ist, was Wertschätzung bedeutet; wie es ist, wenn jemand hinter mir steht. Und am nächsten Tag stehe ich wieder auf und bin wieder glücklich, jeden Tag aufs Neue.

Nur selten denke ich noch an Euch.
Und wenn, dann seit Ihr nur ein Echo in meinem Kopf, das am Verhallen ist; diffuse Erinnerungen, die mir zeigen, dass es gut war, meinen Weg zu gehen. Nichts weiter als der Rest eines Traums einer unruhigen Nacht, der verfliegt, sobald man die Augen öffnet.

Wie ein schlechtes Gefühl, das einem nachzuhängen sucht, aber dennoch vergeht.

Wie das zerbrochene Ei aus meinem Traum; bereits erkaltet, unwichtig, zur Seite geschoben. In die Pfanne gegeben.

Meine lieben, unaufrichtigen Mitmenschen – Ihr seid die symbolischen zerbrochenen Eier. Ihr seid das Omelette.

Euch esse ich zum Frühstück.

Frohe Ostern!

 

kasia

Hi, ich bin Kasia, die Stimme von "windrose.rocks" :-)
Treibt Dich die Frage um, was sich denn alles jenseits der heimischen Couch verbirgt, bist Du rastlos und neugierig wie ich und spürst den Drang in Dir, in die Welt hinaus zu gehen? Dann tue es! Ich nehme Dich mit auf meine Reisen und lasse Dich hautnah das Unterwegs sein miterleben - in all seinen Facetten. Lass Dich inspirieren, komm mit mir und warte nicht länger, denn... die Welt ist so groß und wir sind so klein, und es gibt noch so viel zu sehen!

Die Welt wartet auf uns.

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