Gedanken

Abschied

Dezember 2016

Ich räume meinen Spind leer. Die Paar Habseligkeiten packe ich in eine grell-gelbe Almased-Tüte. Es ist der vorletzte Tag.
Ein seltsames Gefühl, einer Scheidung gleich. Nach achteinhalb Jahren. Plötzlich achte ich auf jede Regung, auf jede kleinste Eigenheit meiner Kolleginnen, die ich so in Zukunft nicht mehr erleben werde.
Ich werde sentimental.

Afia ist nicht da.
Warum ist Afia nicht da? Ein Magen-Darm-Infekt, sagt Edeltraud. Du kannst gerne an jedem anderen Tag Kotzeritis kriegen, doch nicht, wenn ich dich das letzte Mal sehen will! – Denke ich mir.

Der Chef überreicht mir mein Abschiedsgeschenk. Nicht ohne eine Bemerkung hinten rein zu werfen. Ich überhöre sie. In diesem Moment spüre ich nichts.

Ich habe viel Bitterkeit hinunterschlucken müssen. Es ist nicht mehr viel von diesen Emotionen übrig.
Manche zeigen mir, dass sie mich vermissen werden. Manche zeigen sich gleichgültig. Aber es ist nun mal so. Manche Wege haben sich schon lange vorher getrennt.

Ich habe gelernt. Jeglichen Rest Naivität abgelegt. Auch gelernt, das Kind nicht mit dem Bade auszuschütten. Das wäre nicht die richtige Konsequenz daraus.

„Du hast deine Freundschaft/Liebe bisher immer an alle Menschen verteilt wie eine Tüte mit Bonbons, mit einer Praline obendrauf. Doch damit ist jetzt Schluss. Ab sofort ist deine Lojalität kein Gratisgeschenk mehr an alle; ab sofort muss man sie sich verdienen. Deine Freundschaft ist viel zu kostbar, um damit umher zu werfen.“
Es sind über zwei Jahre her, da Sui, meine Freundin, diese Worte zu mir gesagt hat. Ich nickte damals eifrig. Jetzt erkenne ich ihren Sinn.

Und gleichzeitig ist da eine Freude, eine unbändige Erleichterung. Es sind so viele kleine Dinge da, von denen ich froh bin, sie nie wieder tun zu müssen. So viele Sätze, die ich nie wieder hören werde. Arbeit wird zum Sinn des Lebens erkoren. Unsinn. Arbeit ist dazu da, Geld zu verdienen. Arbeit ist dazu da, um zu leben. Nicht das Leben dazu, um zu arbeiten.

Abends, als wir alle an der Tür zur Apotheke stehen; eine Überraschung. Unser Chef umarmt und drückt mich zum Abschied, wünscht mir alles Gute und dass ich glücklich werde. Ich bin perplex. Sollte vielleicht viel mehr sagen, doch mir fällt nicht viel ein in diesem Moment. Außer dass er, sollte er Unterstützung brauchen, mich immer jederzeit… Und entgegen meiner leisen Befürchtung folgt daraufhin einmal keine Ironie. Wir hören voneinander, sagt er. Sollte meine kleine Welt doch noch in Ordnung sein?
Meine Kollegin ist überrascht wie ich auch. Als wir draußen an der klaren, kalten Luft sind, geben wir unserer Überraschung Ausdruck.
„Er meinte das ernst.“ Sagt sie. Ich wage nicht, es zu glauben.

Kasia

Hi, ich bin Kasia, die Stimme von "windrose.rocks" :-)
Treibt Dich die Frage um, was sich denn alles jenseits der heimischen Couch verbirgt, bist Du rastlos und neugierig wie ich und spürst den Drang in Dir, in die Welt hinaus zu gehen? Dann tue es! Ich nehme Dich mit auf meine Reisen und lasse Dich hautnah das Unterwegs sein miterleben - in all seinen Facetten. Lass Dich inspirieren, komm mit mir und warte nicht länger, denn... die Welt ist so groß und wir sind so klein, und es gibt noch so viel zu sehen!

Die Welt wartet auf uns.

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