Die neue, viktorianische Zeit

Karlsruhe, 25 Juni 2017
Nordbadisches Steampunk-Picknick

Ich beobachte den beleibten Edelmann, selbst hinter einem Baum verborgen. Eine Maske aus Leder, verziert mit Bronze-Nieten, schmückt die Hälfte seines leicht geröteten Gesichts. Zurückgelehnt sitzt er da und beobachtet das Treiben um ihn herum. Vorsichtig hebe ich meine Kamera, behutsam darauf achtend, selbst unentdeckt zu bleiben – wie bei einem scheuen, bunten Paradiesvogel, bei dem man Angst hat, dass er sogleich wieder davonfliegt.
Ich drücke den Auslöser, das Bild ist im Kasten – doch als ich den Sucher runternehme und wieder nach oben schaue, ist sein Gesicht in meine Richtung gewandt. Seine kleinen, blauen Augen sehen mich unverwandt an. Ich bin aufgeflogen; ich gebe meine Deckung auf und trete näher. Die neue, viktorianische Zeit weiterlesen

Magic Bike 2017

Interessiert schaue ich umher, während ich Reihe um Reihe nach vorne laufe. Hier gibt es wahrlich was zu gucken, und das jedes Jahr aufs Neue. Harley um Harley stehen glänzend in der So-… ähm… im trüben Tageslicht des bewölkten Himmels, während man sich in dem vielen poliertem Chrom beinahe spiegeln kann. Sehr praktisch, um den Lippenstift nachzuziehen; ein Jammer nur, dass ich keinen trage. Magic Bike 2017 weiterlesen

Paragliding – nur ein kleiner Hüpfer…

Sommer  2013

Die gesamte Klasse sitzt sprachlos da, keiner gibt auch nur einen Mucks von sich. Gebannt starren sie auf den Bildschirm, und während die DVD-Vorführung läuft, stupsen wir, die Kursteilnehmer, uns kameradschaftlich in die Seiten.
„Schau mal, da… dort fliegst du gerade… Ja und hier, hier bin ich… Man, hatten wir einen Auftrieb an dem Tag…

Die bewegten Bilder flackern vor den Augen der Schule; immer noch sagt keiner etwas. Auf dem Bildschirm ist blauer, wolkenloser Himmel zu sehen – und Schirme, viele bunte Paragliding-Schirme, die mit atemberaubenden Flugmanövern diesen blauen Himmel bevölkern.

Und während die neidischen Blicke der anderen den Bildschirm zu fixieren scheinen, beginnen die ersten von uns bereits, spitzbübisch zu grinsen… Paragliding – nur ein kleiner Hüpfer… weiterlesen

Das Ulmener Maar

Eifel, April 2017

Als ich am nächsten Morgen in Frühstücksraum sitze, liegt ein Nebelschleier über den Hügeln der Eifel. Die Sonne scheint matt auf das scheinbar mit Spinnweben geflochtene Netz.
„Hier: Der Blick ins Tal vom Blick ins Tal aus.“ Schreibe ich unter das an Stefan verschickte Bild. Das Ulmener Maar weiterlesen

Blick ins Tal

Eifel, April 2017

Ein später Nachmittag mit einem leicht trüben Himmel, an dem die Sonne wie ein Geist nur dem Namen nach präsent ist. Eine sich schlängelnde Straße, die zwischen Bergen und Tälern entlang führt, teilweise so eng, dass mir jeder Gedanke an Gegenverkehr Schnappatmung verursacht. Und ein ungeduldiger Zeitgenosse, der hinter mir gerne mal Nürburgring spielen würde – es aber nicht kann… Blick ins Tal weiterlesen

Wiedfriede

Wiedtal, März 2017

Es ist spät und ich habe eine viereinhalbstündige Fahrt mit mehreren Staus hinter mir. Als es Abend wird und das Licht langsam schwindet, komme ich von der A3 runter in eine wunderschöne Landschaft, die mir hinter jeder Kurve ein erstauntes wow entlockt.  Nicht spektakulär, nein, das nicht; jedoch das, was man als still, ländlich und lieblich bezeichnet. Und ruhig. Und Ruhe brauche ich jetzt ganz besonders. Wiedfriede weiterlesen

Wie ich in Hannover Hiroshima fand

Hannover, März 2017

„Das ist es?“ Frage ich erstaunt den Passanten.
Das ist es? Denke ich und laufe weiter, die Schultern leicht nach oben gezogen, den Kopf einziehend. Es weht ein kalter Wind. Wie ich in Hannover Hiroshima fand weiterlesen

Bremen: Der Flyer

Bremen, März 2017
Teil 1.

„Der Mann hat ja zwei Anschläge verübt!“
Ich stochere in meiner Reisschüssel herum, während ich umso konzentrierter in den Beiträgen vor mir auf dem IPad blättere. Mit angehaltenem Atem lese ich die Schlagzeilen.
„Terror-Fürst endlich verhaftet.“ Steht da. Unter anderem, denn da steht noch mehr. Und es wird darüber spekuliert, wer von beiden, die Türkei oder die USA, mehr Anspruch darauf hat, das Auslieferungsabkommen mit Deutschland für sich geltend zu machen… Bremen: Der Flyer weiterlesen

Bremen: „Lasst diesen Mann frei!“

Bremen, März 2017
Teil 2.

Das Schmorcurry schmeckt ausgezeichnet. Zwischen zwei Bissen runzle ich kauend die Stirn.
„Tja… es gab wohl Gründe, wieso der Mann verhaftet worden ist… nichts geschieht einfach so.“ Bremen: „Lasst diesen Mann frei!“ weiterlesen

Bremen: Streetkitchen Jackie Su

Bremen, März 2017
Teil 3.

Es ist später Nachmittag, die Sonne steht schräg. Ich laufe die Seitenstraße entlang, entferne mich immer weiter vom Bremer Rathaus und schaue hungrig in die Restaurants hinein, während mich im Hintergrund noch andere Gedanken beschäftigen. Ein Schild mit dem Schriftzug Streetfood Jackie Su zieht mich magisch an – für Street Food aller Art bin ich immer zu haben. Bevor ich mich hinein traue, betrachte ich nachdenklich die Speisekarte – eine gut gewählte Mischung aus ungewöhnlichen, asiatischen im Allgemeinen und indischen im Speziellen, Gerichten
Dann stoße ich die Tür auf. Bremen: Streetkitchen Jackie Su weiterlesen