Die Breslauer Markthalle – „I’m suche for Pflaumen in Schokolade…“

Die Breslauer Markthalle – „I’m suche for Pflaumen in Schokolade…“

Die Breslauer Markthalle

Interessant für Besucher ist sicherlich auch die große Markthalle Nr 1, oder auch: Hala Targowa. Die alten Straßenbahnen verschmelzen pittoresk mit den Häusern der Altstadt, die ersten elektrischen Straßenbahnen fuhren vor genau 121 Jahren durch die Stadt und heute noch kann man sie an den Wochenenden in der Breslauer Altstadt bestaunen. Die Markthalle liegt an der gleichnamigen Straßenbahnhaltestelle und ist, neben ihrer beiläufigen Funktion als Touristenmagnet – einfach nur eine Halle, in der man an diversen Ständen abgehangenen Schinken, Obst, Gemüse, Gewürze und allerlei Spezialitäten erstehen kann. Eine ganz normale Markthalle für ganz normale Leute, die dort ihren Einkauf tätigen; mit ganz moderaten Preisen für die Durchschnittsbevölkerung. Deswegen hoffe ich, dass die Sache nicht allzu touristisch wird – trotz der chinesischen Reisegruppe, die gerade hinter ihrem Führer mit gelbem Fähnchen auf dem Weg nach draußen ist.

Ich erstehe eine Cola. An einem anderen Stand erstehe ich ein Päckchen Blaubeeren und am dritten Haselnüsse und getrocknete Apfelstückchen in Zimt. Hier kann man, anders als auf den deutschen Märkten, überall mit Kreditkarte zahlen. Als ich gerade am Stand Nr 3 stehe, spricht mich eine ältere Frau an.

Sie ist freundlich; trotzdem redet sie in meinen Bezahlvorgang dazwischen. Ich bin total irritiert; als ich mich ihr zuwende, sagt sie: „Sorry, I’m suche for Pflaumen in Schokolade.“ Innerlich muss ich grinsen. Deutsche. „Einen Moment.“ Sage ich zu ihr. „Ich bezahle den Mann schnell, dann helfe ich Ihnen.“

Es sind drei deutsche Frauen, die da stehen und mich mit großen, fragenden Augen angucken. Ja, da habe ich genau die Richtige getroffen, sagt die Frau. Pflaumen in Schokolade gibt es am Anfang der Halle, am Süßigkeitenstand, erklärt uns der Verkäufer und weist zur Bekräftigung mit der Hand die Richtung.

„Jemand hatte mir gesagt, dass das hier eine Spezialität ist.“ Erklärt die Frau. „Pflaumen in Schokoladenmantel.“ Ich begleite die Damen zum besagten Stand. Die meisten Polen sprechen hervorragendes Englisch, aber ein Englisch, das zur Hälfte mit deutschen Begriffen versetzt ist, ist vermutlich etwas viel verlangt.

„Woher kommen Sie?“ Frage ich interessiert.
„Oh, aus Berlin.“ Sagt die Dame lächelnd und fügt hinzu: „Das liegt in Deutschland.“ Ich knirsche unmerklich mit den Zähnen. Eigentlich hätte ich sie in diesem Moment stehen lassen sollen.

Am Süßigkeitenstand braucht die Dame sehr lange, um sich zu entscheiden. Die Verkäuferin kassiert zwei Wasser ab für den Kunden, der hinter uns wartet; das wiederum scheint die Dame zu irritieren. Ich empfehle ihr, nicht nur die Pflaumen, sondern auch die anderen Süßigkeiten zu probieren, da die polnischen Pralinen, egal welcher Art, an und für sich schon eine leckere Köstlichkeit sind. Als sie fertig ist mit ihrem Einkauf, bedankt sie sich bei mir – ich verabschiede mich und laufe aus der Halle. Etwas zu schnell, wie mir scheint, aber das macht nichts. Draußen schaue ich mich nochmal kurz um. Ich bin genau gegenüber der Museumsinsel.

Nicht zum ersten Mal sind mir deutsche Besucher im Ausland negativ aufgefallen.

So wie damals in Florenz, als zwei Frauen, Mutter und Tochter, sich an einem Probierstand eines Delikatessenladens an anderen Besuchern vorbei drängten und alles der Reihe nach „probierten“, was nicht stich- und nagelfest war – ohne einen Gedanken an einen eventuellen Einkauf zu verschwenden.

Oder damals in Warschau, als sich im Kulturpalast auf dem Weg nach oben jeder der Reihe nach vor den Aufzug aufgestellt hat – und die einzige Gruppe Jugendlicher, die gedrängelt hatte, deutschsprachig war.

Oder die junge Backpackerin von heute morgen, die mir in die Kamera lief und fälschlicherweise dachte, ich würde SIE fotografieren. „Also, so ganz finde ich das nicht in Ordnung.“ Sagte sie zu ihrem Begleiter und ich blickte erstaunt von meiner Kamera auf, die auf Zoom eingestellt war, um die Gebäude am Ende der Straße einzufangen. Mädel, wir sind hier in Breslau. Schau dich um – glaubst du wirklich, DU bist das Interessante hier? Im Ernst?

Die ältere Dame eben in der Markthalle war zwar freundlich, trotzdem hatte sie sich mitten in einen laufenden Einkaufsvorgang gedrängt, ohne darauf zu warten, dass ich fertig bin.

Und dann die Sache mit Berlin.

Ich weiß nicht, warum manche Menschen oft meinen, sich eine ganz besondere Mühe mit dem Erklären geben zu müssen, sobald sie einen Ausländer vor sich haben. Das kann mitunter wirken, als hätte man, nur weil man woanders her kommt, ein…öhm… leichtes Begriffsproblem. Sind es etwa ihre Erfahrungswerte, die diese Menschen zu einem solchen Verhalten bewegen?

So wie damals, die Dame von der Führerscheinstelle, die mich, ganz langsam sprechend fragte: „Ver-ste-hen Sie deutsch?“ – weil sie einen polnischen Nachnamen (damals noch Krawczuk) in den Unterlagen gelesen hatte. Oder die Frau im Flieger von Warschau nach Frankfurt, die ihre Aussagen mit deutlichen Handgesten untermauert hatte, obwohl ich in fließendem Deutsch mit ihr sprach.

Lieber Deutscher! Wenn du auf einen Ausländer triffst, hör bitte auf – auch wenn du das vielleicht nur gut meinst – hör bitte auf, dir besonders viel Mühe geben zu wollen. Du bist dir nicht sicher, ob dein Gegenüber deine Sprache beherrscht? Leite nicht allein von einem fremden Namen ab, dass er es nicht tut. Rede erst einmal mit ihm und höre ihm zu – du wirst recht schnell begreifen, ob er dich verstehen kann oder nicht.

Sag einem Ausländer nicht, dass es nach zehn Jahren in Deutschland eine reife Leistung sei, „so gut“ deutsch zu können – zehn oder mehr Jahre sind bei Gott genug Zeit, um eine Sprache zu erlernen.
Bitte rede auf einen Ausländer nicht mit Händen und Füßen ein, wenn du nicht den Eindruck hast, es sei absolut notwendig. Du weißt nicht, auf wenn du triffst – jemand wie ich wird sich nach über funfundzwanzig Jahren in deinem Land absolut verschaukelt fühlen.

Und schließlich – traue den Menschen im oder aus dem Ausland dieses kleine bisschen Bildung und Intelligenz zu; (habe ich erwähnt, dass Deutschland eine nicht unwesentliche Anzahl an Fachkräften aus Polen bezieht?) auch in Polen gibt es Universitäten und viele der Menschen, mit denen ihr in großen Städten spricht, haben studiert.

Also um Himmels willen, traut ihnen zu, zu wissen, wo Berlin liegt!

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