Pfalz – Wo der Teufel ein Festmahl hielt…

Pfalz – Wo der Teufel ein Festmahl hielt…

Der Teufel durchforstet den Wald. Er ist müde nach seiner langen Wanderung, und er hat Hunger. So sucht er einen geeigneten Platz, um zu rasten. Doch warum lässt sich unser Teufel nicht einfach irgendwo auf einer Wiese nieder? Na, das ist eines Höllenherrschers nicht würdig. So errichtet er aus Steinbrocken einen riesigen Tisch (ja, so ein Teufel ist auch vom Wuchs her riesig…) und breitet seine Speisen darauf aus.

Am Morgen darauf ist der Zauber verflogen, der Teufel in den Tiefen des Pfälzer Waldes verschwunden. Der Tisch ist leer.

So wird er auch von Wanderern vorgefunden. Die staunen ob der seltsamen Konstruktion, die am Vortag noch nicht da war. Das Gerücht verbreitet sich wie ein Lauffeuer: ganz offensichtlich hat hier der Teufel gespeist!

Ein mutiger Großmaul (die Sorte, die es in jedem Dorf und an jedem Stammtisch gibt) mag das freilich nicht glauben und verkündet, dass er, falls hier wirklich der Teufel gespeist haben möge, er in der folgenden Nacht mit ihm speisen will.

Nach Sonnenuntergang, als sich tiefe Nacht über den Pfälzer Wald senkt, zieht der Mann los. Mit Spannung erwarten die Dorfbewohner der Dinge, die da kommen mögen. Doch nichts geschieht. Stunde um Stunde vergeht, die Zeit zieht sich dahin und der Held (ja, unser bierfreudiger Geselle ist in der Gesamtwahrnehmung inzwischen zum Helden aufgestiegen…) kehrt nicht zurück.

Und dann…

Und dann, um Mitternacht, ertönt aus der Ferne ein herzzerreißender Schrei. Daraufhin ein Knacken der Bäume, als würde etwas riesiges davon gehen. Dann Stille. Vergebens warten die Menschen auf den mutigen Mann, doch er kehrt nicht zurück. Und auch der Teufel wurde seitdem nicht wiedergesehen.

Von all dem Schrecken ist freilich nichts mehr zu spüren, als wir uns an einem sonnigen Frühlingstag in der südlichen Pfälzerwald zum Teufelstisch bei Kalterbach aufmachen. Es ist März und die Bäume tragen noch kein Laub; dafür sehen ihre zarten, glänzenden Zweige in der Sonne wie zarte Spinnweben aus. Hier und da hängen goldbraune, trockene Blätter an den Sträuchern – Überbleibsel vom letzten Herbst. Doch gleichzeitig sind überall sprießende, zarte grüne Knospen zu sehen. Der Salzbach plätschert munter vor sich hin, während wir über eine hölzerne Brücke steigen und uns den Pfad hinauf begeben. Zuvor hatte ich mit dem Gedanken gespielt, mein neu erworbenes Motorrad einzuweihen und die erste, größere Tour hierher zu unternehmen, doch nun bin ich froh, mich nicht in voller Montur hier rauf quälen zu müssen.

Die vierzehn Meter hohe Formation aus Bundsandstein sieht tatsächlich sehr markant und nach einem Tisch aus. Fast bin ich geneigt zu glauben, dass hier tatsächlich höhere Mächte am Werk waren. Doch in Wirklichkeit war alles ganz anders. Denn was viele nicht wissen – der Teufel muss in dieser Gegend echt gewütet haben – gibt es im Umkreis über zwanzig solcher pilzförmigen Felsformationen; der Teufelstisch von Kalterbach ist die größte davon. Die Konstruktion mit ihrem fragilen Fuß wirkt, als wollte sie demnächst zusammenbrechen. Und trotzdem lassen die Menschen es sich nicht nehmen, auf ihr herum zu klettern. Ich warte mit Spannung auf das erste Wanken der großen Platte.

Entstanden ist das Ganze durch Erosion, was man am Felsen selbst sehr gut sehen kann. Schaut man sich das Gestein nämlich ganz aus der Nähe an, kann man deutlich die ausgewaschene, löcherige Struktur erkennen, die an einen Schwamm erinnert. Doch auch der Verlauf der Längststreifen sind interessant zu betrachten. Man merkt es schon; ich mag Steine.

Ganz in der Nähe gibt es den Erlebnispark Teufelstisch, der – eintrittsfrei – allerlei Unterhaltung für Familien anbietet wie Riesenrutsche, Labyrinth und Seilbahn. Auch Wanderwege und Kletterrouten sind im Umkreis zu finden.

Der Ort ist gut besucht, noch ein Grund, warum sich das schaurige Gefühl aus der Sage partout nicht einstellen will. Familien mit Kindern belagern den Stein, Klettern auf dem roten Fels herum. Bilder werden gemacht, der Fels umrundet. Na, da wird sich der Teufel aber freuen, falls er just in diesem Moment auftauchen sollte und all die kleinen, menschlichen Ameisen auf seinem Lunchtisch herumkrabbeln sieht! Wir nehmen in einigem Abstand auf einer sonnigen Bank Platz. Irgendwann, nach einigen Versuchen, schaffen wir es, Bilder ohne Menschen in den Kasten zu bekommen, ehe die nächsten Besucher beginnen, den Teufelstisch zu besteigen. Doch auf den Herrn des Hauses warten wir vergebens; es ist kein Teufel in Sicht. Wie schade.

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